Kurzbericht vom DWeb Camp 2026: Root Systems

Ich habe dieses Jahr das erste Mal das DWeb Camp besucht. Hier möchte ich ein wenig berichten.

Das Camp beschreibt sich selbst wie folgt:

DWeb Camp 2026: Root Systems is a five-day gathering in nature for builders and dreamers dedicated to building a decentralized web (DWeb). A web that is private, resilient, and beyond the control of a few central powers. Like forests, decentralized systems derive strength from what lies beneath the surface: dense networks of roots, sharing resources without hierarchy, and coordination that persists even when individual nodes disappear.

DWeb Camp: Root Systems invites participants to build technologies that–like living ecosystems–adapt, regenerate, and endure.

Erwartungen

Ich hatte mich bewusst für das DWeb Camp entschieden, weil ich einerseits Outdoor-Veranstaltungen mag und mir andererseits Camps wie das Chaos Communication Camp deutlich zu groß geworden sind (da hatte schonmal was zu in diesem Blog). Ich wünschte aber eine Alternative und brauche den Austausch zu neuen Technologien und mit Menschen die sich damit auskennen und beschäftigen, also wurde es dieses Jahr das DWeb Camp.

Mein Erwartungen gingen ein wenig in Richtung „Was kann ich Neues lernen und mitbekommen.“ gerade in Zeiten von AI passiert da gefühlt im Augenblick eine ganze Menge. AI und Meshnetze waren so meine Favoriten – neben Aspekten wie man Communities aufbaut weshalb – ich das Camp besuchen wollte. Besondere Einsichten habe ich mir von der Tatsache versprochen, dass es eine Veranstaltung ist, die aus den USA hierher nach Europa zum ersten Mal gekommen ist.

Ich erwartete so ein wenig, dass viele der Speaker die Vibes aus den USA mit hierher bringen und man so ein wenig davon mitbekommen kann, was da gerade eigentlich so abgeht. Und ich wurde nicht enttäuscht. So kam ich zu der Gelegenheit mir von Evan der das ActivityPub Protokoll / API des Fediverse mitentwickelt hat, erklären lassen zu können, wie man einen einfachen ActivityPub Client in Javascript baut.

Allgemeine Eindrücke

Das Camp ist deutlich anders aufgestellt als Chaos Communication Camps, obwohl viele Chaos-nahe Personen offenbar Infrastruktur für das DWeb Camp gemacht haben und auch mit künstlerischen Beiträgen in Bild und Ton vor Ort supporteten. Ich sah auch sehr viele Freifunk-Router über das Gelände verteilt. Der Ort „Alte Hölle“ ist ziemlich cool. Mitten in einem Naturschutzgebiet gelegen, von Wald umgeben und somit recht weit ab vom Schuss.

Der Camp-Ground wurde überwiegend durch Glamping-Zelte belegt. Eine beauftrage Firma hat die Zelte aufgestellt und ausgestattet, also relativ professionell und eher dienstleisterisch. Es gab jedoch auch abseits der Glamping-Area weitere eigene Zelte ich schätze so insgesamt ca. 50 weitere. Die eine bunte Vielfalt waren.

Das Wetter hätte besser nicht mitspielen können. Sehr angenehme Temperaturen zur Nacht, so dass man gut schlafen konnte. Erste Tage morgens wolkig und dann Sonne, letzte Tage Dauersonne und steigende Temperaturen. Der Bereich in dem ich mit dem Zelt war, war so weit ab vom Geschehen, dass ich auch einen wunderbar ruhigen Ort hatte mit dem Zelt. Das ist etwas was ich wirklich sehr zu schätzen wusste. Irgendwann einfach aus dem Trubel ins Zelt gehen zu können und Ruhe haben. Das ist definitiv ein Feature, das jedes Outdoor Camp kopieren sollte.

Gerade in den ersten 48h ist für mich ein ruhiger Rückzugsraum eine wahre Wohltat. Man ist ja plötzlich mit so vielen Menschen zusammen, dass man auch irgendwann im Lauf des Tages einfach übermensch’t ist und gerne seine Ruhe hätte. Es mag sein, dass es andere Leute gibt, die das den ganzen Tag mögen und auch können, ich brauch aber meine Auszeiten, zumal auch viele Eindrücke aus den Veranstaltungen zu verarbeiten sind und auf einen einwirken. Mal in Ruhe ein paar Notizen machen können ist da schon hilfreich.

Auch auf diesem Camp gab es wieder eine Toiletten-Situation (um die ich aber drumrum-routen konnte durch normale WC’s im Haus). Ich frage mich wirklich, ob wir nach was weiß ich wieviel tausenden von Jahren, wirklich alle Fehler beim Bau eines Klos immer wieder von vorne machen müssen. Ich habe nichts gegen umweltfreundliche und wassersparende Toiletten – sprich, Kompostklos – aber warum zur Hölle müssen die Dinger eine Usability haben die einfach unbeschreiblich scheiße ist?

Klo-Rant

Die Klos sollten das kleine vom großen Geschäft trennen und hatten dafür einen Plastikeinsatz, der nur noch für das grosse Geschäft ein Loch hatte. Das kleine war wie ein Mini-Trichter (?) aufgebaut. Ich fang mal an ein paar Features zu beschreiben, die ich mir von einer Toilette wünsche (un ich kann nicht glauben, dass ich das hier echt nochmal aufschreiben muss):

  • Kompromisslos blickdichter Raum, in dem ich ein Minimum an Privatheit habe (Privacy ‚ya know??)
  • Ich móchte Türverschlussmechanismus, der den Raum nachhaltig schliesst, ohne das da jemand dran rütteln kann und dann geht der Verschluss vielleicht durch physische Erschütterung auf
  • Ich móchte mich Hinsetzen können, ohne dass meine Genitalien – i.e. natürlicherweise hängende Testikel und je nach Temperatur längerer oder kürzerer Penis – mit den flüssigen Exkrementen die Benutzer dieser Installation vor mir hinterlassen haben in Berührung kommt. (Dies scheint eine einfache aber absolut unerfüllbare Anforderung für die Konstrukteure des DWeb Camp Outdoor Kompost-Toiletten-Systems gewesen zu sein)
  • Ich möchte mein Gleichgewicht halten können während ich mich auf die Latrinen-Vorrichtung setze (Auch dies eine absolut unerfüllbare Anforderung an die Designer der Kompost-Latrine des DWeb Camp)
  • Ich möchte einfach wieder aufstehen können, ohne mit den Händen gezwungen zu sein in die Exkremente meiner Vorgänger:innen fassen zu müssen
  • Nochmal ganz deutlich: Ich möchte keinen Hochsitz bergsteigerisch im Halbschlaf erklimmen müssen, um Scheissen oder Pissen gehen zu können

Die Outdoor Toiletten waren für mich als gesunden Menschen ohne körperliche Beeinträchtigung eine Zumutung. Für Rollstuhlfahrer ganz sicher absolut und vollständig unbenutzbar. Es war ein lose zusammengehauener Bretterverschlag, weder Blickdicht und schon gar kein privater Raum. […to be continued…]

TL;DR: ich will auf einem Outdoor Camp kein fucking Beta-Tester für irgendwelche Amateurlösungen von Toiletten sein. Das war definitiv eine absolute Amateurlösung. Meine Hygieneerfahrung prägt die Erfahrung auf so einem Camp maßgeblich, weil ich mindestens 3 Mal am Tag davon Gebrauch machen werde. Also baut das verdammt nochmal so, dass es in Ordnung ist und die tausende von Jahren Erfahrung mit Latrinen berücksichtigt. Fazit: Klo’s und Hygieneanforderungen scheinen bei solchen Events absolut nachrangige Gedanken zu sein. Das ist sehr, sehr schade, denn es stört eine ganze menge Menschen die da kaum die Wahl haben sind sie einmal auf dem Camp Ground angekommen! Die kommen dann halt nicht mehr beim nächsten Mal, das ist ihre Wahl.

Talks & Workshops

Das Programm bzw. der Schedule war extrem breit aufgestellt. Es gab sehr viele Locations auf die sich das Ganze von 9 Uhr 30 beginnend bis 18 Uhr verteilte. Ich habe einige für mich interessante Talks & Workshops besucht.

Darunter waren folgende:

Talks die ich leider verpeilt habe:

Talks die nicht im Schedule waren, und denen ich per Zufall beiwohnen durfte:

Es gab auch eine Unconference am Freitag und Samstag. Ich entschloss mich kurzerhand selber einen Unconference Talk zu halten zu dem Mastodon Mood Board. Die Resonanz war sehr überschaubar.

Erstes Fazit (geschrieben auf dem Camp)

Insgesamt eine Veranstaltung die paar coole Sachen zu bieten hatte. Was ich relativ schade fand, war, dass es trotz des hohen Ticketpreises Kaffee nur zum Frühstück (8 Uhr bis 9 Uhr 30) gab, man andererseits aber selber keine Gaskocher nutzen durfte, um sich neben dem Zelt selbst einen Mokkapott heiss zu machen. Da blieben nicht mehr soviel Alternativen, ausser auf selbst mitgebrachte Flora Power Mate auszuweichen. Zur Verteidigunbg der DWeb Orga, es gab aber einen Coffeetruck auf dem Gelände mit allerdings SEHR(!) sportlichen Preisen pro Kaffee.

Superschön war die Tatsache, dass es einen Swimmingpool gab (fest installiert; gehört zum Gelände der „Alten Hölle“). Bei den klasse sommerlichen Bedingungen war das wirklich eine willkommene Abwechslung und ich habe davon Gebrauch gemacht. Es gab auch ein kleines „Shower Paradise“, für die Dusche die dann nach einiger Zeit einfach nötig ist und wirklich tolle Outdoor Duschen mit quasi Null Warteschlange.

Mein Schrittezähler an der Smartwatch hat einen Erfolg/Zielerreichung nach dem nächsten gemeldet, weil man eben halt doch auch echt viel durch die Gegend läuft. Alleine einmal Klo & zurück zum Zelt… da kommt über den Tag schon was zusammen.

Bissel gewöhnungsbedürftig finde ich die Art des Zahlungssystems auf dem Event. Man musste zunächst über eine Webseite ein Drinking-Package kaufen (quasi eine Art Prepaid-Guthaben) und einzig zugelassenes Zahlungsmittel war leider die Kreditkarte. Das ist vermutlich der US-Kultur der Veranstaltung geschuldet und ich fand es etwas eigen.

Bissel komischer war dann, dass ich mit einem QR-Code dann zu einem Desk gehen sollte, und dort händigte man mir dann nach dem Scannen des QR-Codes eine Tüte voller Plastikchips aus, die irgendwie mein Geld repräsentieren sollten. Für mich ist leider intransparent geblieben, wieviel meine Drinks jetzt wirklich gekostet haben (Absicht?). Es gibt sicher Gründe für so ein Token-Bezahlsystem (z.B. dass ein Spendebeitrag dabei immer übrig bleibt), aber es ist ein Komplikation im Ablauf, die auf einem Camp das sich der DEZENTRALITÄT verschrieben hat, vollständig widerspricht, alle erstmal durch einen Single Point (Internetaccess, Kreditkartenanbieter, QR-Code-Scanner mit Service in der Cloud) of Failure zu schicken. „Walk your talk!“ sag ich da nur.

Nun, ja. Der Rest meiner nicht eingelösten Plastechips geht dann an die DWeb-Orga als Spende soweit ich das verstanden habe. Ich hab die einfach bei meinem letzten Besuch an der Bar alle abgegeben, was soll ich mit dem Token-Plastik?

Ich habe einige bekannte Gesichter aus der nahen Berliner CCC Bubble gesehen/wiedergetroffen, das war ganz nice und gab ein wenig Chaos-feel. Ansonsten war die Sprache auf dem Camp die man nahezu überall gehört hat eindeutig Englisch oder Spanisch. Deutsch war eher die Ausnahme. Das dürfte für menschen, die nicht so fit in Englisch sind ein Hindernis sein auf diese Konferenz zu gehen. Alle Talks & Workshops waren auch ausnahmslos auf Englisch.

Ich hatte den Eindruck eine Menge Leute sind aus den USA und Kanada gewesen. Speziell mit Leuten aus Kanada habe ich oft die deutlich besseren Gespräche gehabt. Bei den US-Amerikanern gelingt es mir selten einmal wirklich einen tieferen Austausch hinzubekommen. Viele die ich traf sind oft mehr im „Sende“-Modus, und wollen ihre Idee promoten, das find ich etwas schade, denn dadurch kann ich zwar zuhören und viele Ideen mitbekommen, aber über mich erfahren sie dann leider wenig. Womit man halt auch klarkommen sollte ist diese übertriebene, oberflächliche Freundlichkeit. Alles ist immer awesome, great, superb etc. pp. wenn es ein Mensch aus den USA ausspricht. Aber das kenne ich aus dem Unternehmenskontext auch nicht anders.

Zweites Fazit (geschrieben zu Hause)

Ich habe ein paar Links eingesammelt:

  • https://fediforum.org/ – Eine Art Zusammenkunft mit einer virtuellen Konferenz (Video-Calls) zum Fediverse
  • https://eu.shop.xreal.com/en-de/products/xreal-air-2 – Eine Hardware, die ich auf dem DWeb Camp zum ersten mal live gesehen habe bei Leuten. Ein als Brille tragbarer Bildschirm, keine VR, keine AR, nur ein hochaufgelöster Bildschirm in einer Brille direkt vor den eigenen Augen.
  • https://offpunk.net/ – Link den ich aufgeschnappt habe zu einem Terminal-Browser
  • https://togatherproject.eu/ – Link den ich in einem non-scheduled Talk mitbekommen habe. Da hat sich jemand die Mühe gemacht, eine Webseite zu Lebensgemeinschaften (eher sowas wie Kommunen zum zusammenLeben und Wohnen) zu erstellen mit Hilfe von AI. Da wurden Interviews mit Mitgliedern dieser Gemeinschaften geführt und dann durch AI transkribiert und ausgewertet.
  • https://ctalx.c-base.org/fediday-2026/ – Link zu dem Schedule des FediDay 2026, damit ich nicht vergesse da eventuell einen kleinen Talk einzureichen
  • https://github.com/felixdivo/c3-fahrplan-druck – das Tool, das ich benutzt habe, um auf dem DWeb Camp den Überblick zu behalten, denn die Webseite die PreTalx generiert ist zwar sicher korrekt, aber leider extrem unübersichtlich gewesen, also hab ich dieses Projekt bei mir lokal installiert und mir meinen eigenen DB-like Fahrplan generiert für das Dweb Camp. Das war sehr hilfreich.

…coming soon…

Why do I blog this? Der Camp Besuch war ein Experiment. Es gab auch ein Volunteering-System, aber ich wollte bei DEM Ticketpreis wirklich nicht noch Volunteer-Arbeit leisten. Ausserdem guck ich mir eine Veranstaltung auch gerne erstemal an bevor ich mich da tiefer investiere.