Zum Begriff der „Digitalen Souveränität“

Aktuell wird sehr viel und in verschiedensten Kontexten (Bundesregierung, Gemeinnützige Vereine) über digitale Souveränität geredet. Dabei ist der Begriff selbst überhaupt nicht klar definiert. In der aktuellen Diskussion versteht jeder darunter, was er halt gerade verstehen möchte.

Beispiel 1:
Digital souverän kann bedeuten, ich möchte gerne die volle Kontrolle über meine persönlichen Daten haben und behalten und so wenig wie möglich Daten herausgeben müssen (Prinzip der Datensparsamkeit).

Beispiel 2:
Digital souverän kann aber auch bedeuten, ich möchte dass alle Produkte und Dienste für die Verarbeitung meiner Daten ausschliesslich durch deutsche oder europäische Unternehmen erbracht werden.

Das Beispiel zwei zeigt, dass man darunter sehr schnell eher nationale oder nationalstaatliche oder Ländergrenzen-bezogene Aspekte fassen könnte. Diese Sichtweise ist nach meiner Ansicht dazu geeignet, nationalistische Tendenzen und Orientierungen aufzugreifen und zu verstärken. Das ist eine hoechst problematische Interpretation von Souveränität. Es meint eher die scharfe Abgrenzung, Zurückweisung und die Umorientierung auf das Nationale. Es steht nichtmehr das Vernetzte oder gar Kooperative, sondern das Selbstreferenzielle bzw. Egoistische im Vordergrund. Kurz man stellt die eigene Nation, das „Wir“ in Abgrenzung zu „den Anderen“ als die Loesung dar.

Beispiel eins fasst darunter Aspekte, die sich hingegen deutlich mehr fokussieren auf die Bedingungen fuer jeden Einzelnen. Der einzelne Buerger soll vor „BigTech“ geschuetzt werden. Das ist per Definition auch die Aufgabe von Gesetzen, den Buerger vor dem Staat oder anderen maechtigen Institutionen zu schuetzen. Das soll sichergestellt werden durch Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit.

Rechtssicherheit
Alle staatlichen Maßnahmen brauchen eine Grundlage. Das lässt sich gut mit der Frage ausdrücken: „Wo steht, dass der Staat das darf?“ Die Gesetzgebung ist dabei an die Verfassung gebunden. Verwaltung und Justiz sind an Recht und Gesetz gebunden. Das dient dem Schutz vor staatlicher Willkür. Die Grundrechte sind garantiert und die Verfassung sichert die staatliche Ordnung.

Rechtsgleichheit
Das Rechtsstaatsprinzip besagt auch, dass für alle Bürgerinnen und Bürger die gleichen Gesetze gelten und sie vor Gericht auch gleich behandelt werden (Art. 3 GG).

Quelle: Landeszentrale fuer politische Bildung

Folgen wir also Beispiel eins, stellt sich eigentlich nur die Frage, halten sich die im Verdacht stehenden Unternehmen, die uns „unsouverän“ machen denn ueberhaupt an das geltende Recht?

Und an der Stelle wird bereits klar, das dies nicht der Fall ist. Die BigTech-Unternehmen, wie z.B. Apple, Google, Amazon, Meta und Microsoft (die ich hier lediglich stellvertretend auffuehre, es sind noch mehr) bezahlen alle keine Steuern in Deutschland, obwohl sie die Infrastruktur und die Ressourcen unseres Landes jeden Tag fuer ihre Geschaefte nutzen. Ein iPhone oder ein Apple TV ohne funktionierendes Internet waere ein Ladenhueter. Ohne eine funktionierende Paketzustellung kann Apple und konnte Amazon bis vor kurzem keine Produkte an den Kunden liefern. Ohne unsere funktionierenden Strassen kann auch Amazon keine Pakete mit den eigenen Fahrzeugen zustellen. Und ohne funktionierendes Gewerbegebiet mit zuverlaessig Strom, Wasser und Abwasser, kann auch kein Amazon Warenlager betrieben werden. Ebenso kann Meta seine Dienste wie Instagram, WhatsApp oder Facebook ohne funktionierenden Mobilfunk und Internet in Deutschland vergessen. Erst Recht das aktuell im Untergang befindliche Metaversum. Microsoft, Amazon und Google fallen hier besoders dadurch auf, dass sie Rechenzentren in Deutschland betreiben, um ihre Clouddienste ueberhaupt anbieten zu koennen. Sie nutzen also Strom, Wasser, Gebaeude und die gesamte Datennetzinfrastruktur, um sowohl Privatpersonen als auch anderen Unternehmen aber auch ihren eigenen Unternehmen eine geeignete Plattform bereitzustellen, um Datendienste in Europa zu betreiben.

Die Unternehmen nutzen hier unsere staatlich organisierten Infrastrukturen und gut ausgebildete Mitarbeiter aus unserem Land. Doch sie zahlen keine (jedenfalls keine fuer inlaendische Unternehmen vergleichbaren) Steuern in Deutschland. Das Recht wird massiv gebrochen bzw. durch Gesetzesluecken gezielt unterlaufen und unsere Politik steht daneben und sagt sich „Nicht mein Problem!“. Unsouverän ist hier vor allem die Politik, die sich auf der Nase herumtanzen laesst, und das Prinzip der Rechtsgleichheit mit Füssen tritt. Denn jedes kleine Unternehmen in Deutschland hat keine andere Wahl als hier die entsprechenden Abgaben zu bezahlen. Aber fuer nicht inlaendische Grosskonzerne soll das gleiche Recht ploetzlich nicht gelten? Das ist krasser Rechtsbruch!

Thomas Fricke hat einen schoenen Vortrag „Vom Wunsch nach Digitaler Souveränität bis zur Deutschen Verwaltungstrategie – ein Reisebericht“ auf der republica 2023 gehalten zu dem Thema „Digitaler Souveränität“. Weiterer sehr empfehlenswerter Vortrag von Thomas ist „Energy Consumption of Data Centers“.

Thomas zitiert in dem Vortrag zu digitaler Souveränität einen Beitrag von Hans Kelsen, den ich hier mal recherchiert habe: Das Problem der Souveränität und die Theorie des Völkerrechts, Beitrag zu einer reinen Rechtslehre von Hans Kelsen (siehe auch Volltext im WebArchiv)

Wer den Vortrag von Thomas verfolgt bemerkt die Problematik des Begriffs „Souveränität“ ist erheblich.

Wenn jeder was anderes unter Souveränität versteht, wo führt das dann hin?

Ich bringe da gerne ein Beispiel aus der Luftfahrt, wenn im Flugzeugbau jeder unter dem zu fertigenden Leitwerk etwas anderes verstehen wuerde, dann kann man zwar versuchen ein Flugzeug zu bauen, eventuell hat man am Ende auch eine Maschine die auf dem Rollfeld steht, bloss fliegen wird sie vermutlich nicht.

Die Definition dessen, was ich erreichen moechte muss eindeutig nicht mehrdeutig sein. Also wird der Flugzeugbauer sich festlegen und z.B. sagen: „Wir statten das Flugzeug mit einem T-Leitwerk aus mit einfachem Pendelruder“. Damit ist dann auch klar was alles nicht gebaut wird.

Aehnlich ist es mit dem Begriff der Souveränität, bei dem vollkommen unklar ist, um was es eigentlich geht. Der Begriff ist so vieldeutig, dass er untauglich dafuer ist zu beschreiben, was das Ziel sein soll.

Ich werde jedoch den Eindruck nicht los, dass genau diese Vieldeutigkeit begruesst wird, denn so kann jeder das Ziel nach seiner eigenen Interpretation deuten oder umdeuten, so wie es gerade am besten passt.

Der Lobbyist, der die heimische IT Industrie foerdern moechte, wird sich nicht mit der Rechtsgleichheit aufhalten wollen, er moechte lediglich, das der Staat z.B. nur noch von einheimischen Firmen kauft.

Der AfD-Vertreter im Bundestag wird sich weder fuer Rechtsgleichheit noch fuer Rechtssicherheit interessieren, sondern stattdessen den Hass auf alles was aus dem Ausland kommt in den Vordergrund stellen. Er wird der Regierung Versagen vorwerfen, weil sie Elektrotechnik aus dem Ausland einkauft.

Jahrzehntelang war die Politik gluehender Anhaenger der Globalisierung. Solange man von den Exporten genug profitierte, schienen die Nebenwirkungen der Globalisierung (u.a. neue Abhaengigkeiten z.B. bei Medikamentenimporten) egal. Mir scheint, jetzt schlaegt die Globalisierung massiv zurueck. Es wird klar, dass die Abhaengigkeiten in die man sich hineinmanoevriert hat, zu einem grossen Problem werden, sobald die geopolitische Stabilitaet ins Wanken geraet. Nationen nutzen diese Abhaengigkeiten nun als Druckmittel zur Erreichung eigener Ziele.

Was tun wir jetzt?

Eigentlich ist es nicht sonderlich kompliziert. Wir muessen einfach zur Kenntnis nehmen, dass die rosarote Zeit der Globalisierung vorbei ist. Diese Erkenntnis ist unabhaengig von dem Begriffsverstaendnis der „Souveränität“ machbar.

Doch eines sollte schnellstens veraendert werden: Die „Laissez-faire“ Politik, die Deutschland und die EU bereits viel zu lang laufen lassen gegenueber den Steuerzahlungen von grossen Unternehmen. Die Rechtsgleichheit muss hergestellt werden. Das ist vor allem deshalb noetig, damit die Freihheitsrechte der Buerger gesichert werden koennen.

Freiheitssicherung
Die Bürgerschaft hat bestimmte Rechte, die ihr niemand nehmen kann. Eine Freiheitsbegrenzung ist nur ausnahmsweise durch Gesetz möglich. Die Grund- und Menschenrechte sind Abwehrrechte gegen staatliche Willkür und schützen die Privatperson. In bestimmte private Bereiche darf sich der Staat nicht einmischen. Grundrechte sichern dadurch den Freiraum vor dem Staat, aber auch gegenüber anderen Bürgerinnen und Bürgern.

Unternehmen greifen mittlerweile in die Freiheitsrechte der Buerger massiv ein. Die Ausforschung der Buerger im Internet und ueber das Smartphone und allerlei andere elektronische Geraete (z.B. Smarte TV, Automobile, etc.) muss gestoppt werden. Der Rechtsstaat muss sich hier kuemmern und die Freiheitssicherung aktiv in die Hand nehmen.

Why do I blog this? Geltendes Recht muss auch gegenüber Unternehmen durchgesetzt werden. Man gewinnt den Eindruck die staatlich Handelnden Institutionen haben aufgegeben, diese Freiheitssicherung gegenüber Unternehmen ernst zu nehmen. Stattdessen freut man sich nun ueber den Begriff der Souveraenitaet, der wunderbar vom eigenen Nichtstun ablenkt.

Apple Adapter im Selbstbau

Die Welt hat sich danke der Europaeischen Union Gott sei Dank („USB Type-C becomes the standard for mobile devices across the EU“ PDF) zu einer besseren veraendert, indem der USB-C-Anschluss zum obligatorischen Anschluss definiert wurde. Bedeutet jedoch auch, dass es immer weniger Geraete gibt, die einen USB-Typ-A Stecker unterstuetzen. Somit wird es immer schwieriger eine Geraet das noch auf den Lightning-Port angewiesen ist kabelgebunden aufzuladen.

Ich hab das Problem nun mit einem Adapter geloest, den ich (nicht bei Apple) gekauft habe. Nachteil dieser kleinen Dinger ist, man verliert sie so schnell. Damit das nicht passiert, habe ich den Adapter ein wenig konfektioniert mit zusaetzlichen Materialien.

Damit ich den Adapter immer bei mir haben kann, musste er irgendwie an das Schlueselbund dran. Also zunaechst ein Stahlring her. Doch wie den Adapter da dran bekommen? Kabelbinder war die Antwort. Doch der allein reicht halt nicht, der allein wuerde abrutschen. Ich hab dann zu einer Kombination aus Heisskleber, dem Kabelbinder und einer Textilummantelung in bunten Farben gegriffen. Mit dem Textil hab ich gute Erfahrungen gemacht. Es macht das Stueck Hardware einfach entdeck- & auffindbar. Und so „verirrt“ sich das Bauteil auch nicht aus Versehen in andere Taschen.

Why do I blog this? Ich hab das Teil jetzt eine Weile am Schluesselbund und es funzt praechtig. Noch nicht verloren und es ist immer einsatzbereit. Ich muss es oft nichtmal vom Schluesselbund abfriemeln. In einer naechsten Interation werde ich mir mal ueberlegen, ob man nicht auch was mit Velcro/Klettverschluss machen kann. Das funktioniert ja schliesslich auch auf der ISS super.

Gewalt gegen Frauen

Ich moechte hier einmal Stellung nehmen (als Mann) zu den ganz offenbar gegen viele Frauen permanent stattfindende Gewalt durch Maenner.

Gewalt

Der neuste Anlass der Gewaltausuebung von Christian Ulmen gegen Collien Fernandes, ist fuer mich Anlass, mich als Mann zu diesem Verhalten zu auessern.

Die Schauspielerin Collien Fernandes hat schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben. Er habe Fake-Profile mit pornografischen Inhalten über sie erstellt. Sie erhält viel Zuspruch – auch aus der Politik. Die Justizministerin spricht sich für härtere Strafen aus. […]
Der Moderator und Schauspieler soll jahrelang im Internet Fakeprofile seiner Frau erstellt und Deepfake-Pornos verbreitet haben.

Ich verurteile das Verhalten dieses Geschlechtsgenossen, mit dem ich nichts gemeinsam habe ausser die physiologische Auspraegung des maennlichen Geschlechts. Aus meiner Sicht schadet hier ein Mann dem Ansehen der ganzen Maenner die sich anstaendig verhalten gegenueber Frauen. Der Schaden, den dieser Herr Ulmen fuer Maenner im gesellschaftlichen Kontext angerichtet hat ist betraechtlich.

Es ist mir unbegreiflich, wie abgrundtief die Gedankenwelt eines Menschen sein muss, der seine Partnerin mit der er gemeinsam ein Kind aufzieht, quasi digital stalked, sich mittels einer Art Identitaetsdiebstahl Accounts verschafft und sich als seine Ex-Partnerin ausgibt. Noch krasser ist, dass er mit Hilfe von KI Nacktaufnahmen und -filme seiner Ex-Partnerin anfertigt und in Umlauf bringt. Das kannte ich bislang unter der Bezeichnung „Revenge Porn“.

Konsequenzen

Ich fordere hiermit die deutsche Politik dazu auf folgende Dinge umgehend unter Strafe zu stellen:

  1. Anfertigung von fiktivem Bildmaterial mit Hilfe von Technologien (z.B. KI), zum Zwecke der Diskreditierung und Gewaltausuebung von und gegenueber (Ex-)Partner:innen
  2. In Umlaufbringen von privatem Bildmaterial von (Ex-)Partner:innen, ohne dessen/deren Zustimmung
  3. Anlegen & einsetzen von Accounts bzw. Zugaengen insbesondere E-Mailkonten zum Zweck der Identitaetsvortaeuschung von (Ex-)Partner:innen

Fakten & weitere Quellen

Das Hilfetelefon – Beratung und Hilfe für Frauen
https://www.hilfetelefon.de/

Gewalt gegen Frauen: Merkmale und Tatsachen
https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/infothek/gewalt-gegen-frauen/gewalt-gegen-frauen-merkmale-und-tatsachen.html

Frauen vor Gewalt schützen: Formen der Gewalt erkennen
https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/gleichstellung/frauen-vor-gewalt-schuetzen/haeusliche-gewalt/formen-der-gewalt-erkennen-80642

Femizide und Gewalt gegen Frauen
https://www.bpb.de/themen/gender-diversitaet/femizide-und-gewalt-gegen-frauen/

Polizeilich erfasste Gewalt gegen Frauen nimmt weiter zu
https://www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeldungen/251121_BLB_Straftaten_gegen_Frauen2024.html

Es gibt tonnenweise Links zu dem Thema. Lest euch schlau liebe Mit-Maenner und bezieht klar Stellung. Maenner haben eine Verantwortung andere Menschen (Frauen und Kinder und auch andere Maenner) zu schuetzen vor Gewalt. Gebt euch nicht zufrieden mit dem gesellschaftlichen Bild des Mannes und tut aktiv etwas.

Arbeitet an Euch! Ich kann u.a. (und das soll jetzt keine Werbung sein) Sven und Martin von Maennlichkeit staerken empfehlen. Aber auch Trainings zur Aufarbeitung von Konflikten mit den Eltern, Trainings zur Gewaltfreien Kommunikation und das Training mit eigenen Gefuehlen umzugehen.

Gewalt verhindert, dass ihr ein erfuelltes Leben leben koennt. Ihr beschneidet euch selbst und schadet nicht nur anderen massiv und oft so heftig, dass es nie wieder gutzumachen ist, ihr schadet auch euch selbst und allen anderen Maennern. Jeder der ein problem sieht und es laufen laesst macht sich hier mitschuldig an Gewalt gegen Frauen und andere. Lasst es nicht laufen, tut was dagegen!

Wunsch an Frauen

Ich wuensche mir von den Frauen in Deutschland, zu differenzieren zwischen Maennern, die sich als solche niedertraechtige Arschloecher auffuehren, und den Maennern, die das nicht tun. Es sind nicht DIE MAENNER die hier gewalt ausueben. Einige Maenner tun dies, aber die Mehrheit der Maenner tut das nicht.

Ich verurteile das gewalttaetige Verhalten von Maennern, ich verurteile Femizide und ich verurteile Maenner wie Putin, Trump, Nethanjahu etc. die Menschen wie den letzten Dreck behandeln. Krieg fuehren und Gewalt ausueben ist fuer mich das groesste Zeichen von Schwaeche. Wer nicht mehr ueberzeugen kann, der greift zur Gewalt, weil er oder sie nicht in der Lage ist die Realitaet zu akzeptieren.

Frauen, bitte, bitte, formuliert vorsichtig. Wenn ihr vereinfachend eine Generalisierung aussprecht, nach dem Motto „Die Maenner“, dann verurteilt ihr alle Maenner stellvertretend fuer die Vollpfostenexemplare von Maennern, die sich wie ein Christian Ulmen verhalten. Damit beendet ihr den Dialog mit uns und zieht eine Grenze zwischen Euch als Frau und dem Gegenueber als Mann.

Lasst uns bitte Menschen bleiben und uns nicht auf unser Geschlecht reduzieren. Fuer mich ist jeder erstmal ein Mensch und diese Sichtweise wuensche ich mir auch von anderen, die sich mit mir kommunikativ auseinandersetzen moechten.

Lanz empfindet Mitleid mit Ulmen

Screenshot von bild.de

Die Bild-„Zeitung“ brachte im Themenmix um diesen Vorfall diesen Anreisser: „Lanz empfindet Mitleid mit Ulmen“. Fuer mich stellt sich hier die Frage, warum aeussert eine Person des oeffentlichen Lebens, die beim oeffentlich rechtlichen Rundfunk arbeitet diesen Satz? Warum gibt Bild dieser Aussage Raum und verstaerkte Sichtbarkeit?

Mitleid ist nie gesund. Mitgefuehl waere eine angemessene Reaktion, Mitgefuehl fuer die Frau die dieser Gewalt ausgesetzt wurde. Mitgefuehl fuer den Taeter, kann man haben, ja, aber wenn das der erste Impuls ist, dann sollte man vielleicht mal den eigenen humanistischen Kompass ueberpruefen.

Vielleicht ist die vorgebliche Ruehrseligkeit – hier gegenueber Ulmen – auch schlicht und einfach das „Reiten der Aufmerksamkeitswelle“. Man kann das gleiche Verhalten von Herrn Lanz in seinem Podcast „Lanz + Precht“ beobachten.

Christian Ulmen hat sich ja bewusst dafuer entschieden, seine Ex-Partnerin so zu „behandeln“ wie er es getan hat. Herr Ulmen ist volljaehrig und daher voll fuer sein Handeln verantwortlich. Niemand hat ihn dazu gezwungen so zu handeln und seiner ehemalige Partnerin Gewalt anzutun.

Update: 23.5.2026

Dass noch Einiges geschehen muss, um hier fuer ausreichenden Schutz zu sorgen, zeigt auch dieser Beitrag im SPIEGELonline: „Verfolgung bei Sexualstraftaten: Er soll sie Dutzende Male betäubt, vergewaltigt und gefilmt haben. Doch eine Gesetzeslücke schützt ihn.“

„Im November erfuhr sie, dass das Ermittlungsverfahren zu 65 der 67 Taten, von denen es Aufnahmen gibt, eingestellt wird. Nach dem aktuellen Strafrecht seien die Taten verjährt, so die Staatsanwaltschaft Hamburg. […] Denn Vergewaltigungen verjähren in Deutschland in der Regel nach fünf Jahren, wenn keine weiteren Umstände hinzukommen.

Deshalb wurden bisher nur zwei der mutmaßlichen Taten angeklagt: die eine, weil das Video aus dem Jahr 2021 stammt, also noch keine fünf Jahre her ist. Bei der anderen wurde ein »gefährliches Werkzeug« benutzt, wie es im Strafgesetzbuch heißt, jener Baseballschläger. Daher greift hier eine längere Verjährungsfrist.“

Das zeigt, welche krassen Defizite die aktuelle Rechtsprechung hier aufweist. Wer waren eigentlich so die letzten Jahrzehnte unsere Justizminister:innen bzw. wer leitete das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz?

Surprise, seit 1966 ist das Ministerium entweder von der FDP oder von der SPD gefuehrt worden:

Amtsinhaber:in Partei von bis Kabinett
Herta Däubler-Gmelin SPD 27. Oktober 1998 22. Oktober 2002 Kabinett Schröder I
Brigitte Zypries SPD 22. Oktober 2002 28. Oktober 2009 Kabinett Schröder II
Kabinett Merkel I
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger FDP 28. Oktober 2009 17. Dezember 2013 Kabinett Merkel II
Heiko Maas SPD 17. Dezember 2013 14. März 2018 Kabinett Merkel III
Katarina Barley SPD 14. März 2018 27. Juni 2019 Kabinett Merkel IV
Christine Lambrecht SPD 27. Juni 2019 8. Dezember 2021 Kabinett Merkel IV
Marco Buschmann FDP 8. Dezember 2021 7. November 2024 Kabinett Scholz
Volker Wissing erst FDP, dann parteilos 7. November 2024 6. Mai 2025 Kabinett Scholz
Stefanie Hubig SPD 6. Mai 2025 Noch im Amt Kabinett Merz
Quelle: Wikipedia, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Falls also Fragen bestehen, wem wir zu verdanken haben, dass weder im Bereich Femizide, noch im Bereich DeepFakes und Identitsaetsklau, noch im Bereich Verbraucherschutz irgendwie grossartiger Fortschritt zu verzeichnen waere… Die Liste erklaert das ganz gut.

Von 2013 bis 2021 hatten wir im Prinzip nur „Lame Ducks“ als Justizminister:innen. Profillose und wenig engagierte Politiker:innen der SPD, von denen z.B. Frau Lambrecht dann mit wunderbaren Skandalen als Verteidigungsministerin geglaenzt hat. Frau Barley hat erst den Posten als Familienministerin sehr kurzzeitig und dann den Posten als Justizministerin (ebenso nur fuer kurze Zeit) als Sprungbrett genutzt, um sich nach Bruessel abzusetzen. Und ein Herr Maas, der als Justizminister farb- & profillos geblieben war und spaeter als Aussenminister den geordneten Abzug aus Afghanistan nicht auf die Reihe bekommen hat.

Why do I blog this? Ich habe eine Kommunikation mit einer weiblich gelesenen Person auf Mastodon abgebrochen, weil ich mir den Schuh der Gewalttaetigkeit nicht anziehen moechte. Ich habe mit Gewalt von Maennern die gleichen Probleme wie Frauen. Gewalt stoesst mich ab!

Gleichzeitig moechte ich nicht untaetig daneben stehen, wenn ein Exemplar meines Geschlechts die Reputation von Maennern in den Dreck zieht. Ich betrachte das als egoistisches Arschlochverhalten. Ich finde es abstossend und widerwaerig und moechte, dass so ein Verhalten gesellschaftlich geaechtet wird.

Aber damit ist es nicht genug. Ich moechte dass die Politik endlich den Arsch hochkriegt und die notwendigen juristischen Grundlagen schafft, um solches verhalten angemessen mit Freiheitsentzug zu bestrafen. Ich wuerde denen auch ein lebenslanges Verbot der Computernutzung auferlegen, wenn sie digitale Gewalt ausueben. Dieses braesige Nichtstun unserer Politik ist leider aber etwas, dass ich als Realitaet schon lange akzeptiert habe.

Ich sollte das nicht akzeptieren und ich moechte das auch nicht! Warum sagt der Bundespraesident nicht mal was dazu? Wozu bezahlen wir den eigentlich? Sieht der sich in irgendeiner Verantwortung fuer gesellschaftliche Belange? Ich mag die verantwortung nicht abwaelzen auf den Bundespraesident, aber der kann da was bewegen. Ich kann nur einschreiten wenn in meinem Umfeld solche Scheisse passiert.