Apple Adapter im Selbstbau

Die Welt hat sich danke der Europaeischen Union Gott sei Dank („USB Type-C becomes the standard for mobile devices across the EU“ PDF) zu einer besseren veraendert, indem der USB-C-Anschluss zum obligatorischen Anschluss definiert wurde. Bedeutet jedoch auch, dass es immer weniger Geraete gibt, die einen USB-Typ-A Stecker unterstuetzen. Somit wird es immer schwieriger eine Geraet das noch auf den Lightning-Port angewiesen ist kabelgebunden aufzuladen.

Ich hab das Problem nun mit einem Adapter geloest, den ich (nicht bei Apple) gekauft habe. Nachteil dieser kleinen Dinger ist, man verliert sie so schnell. Damit das nicht passiert, habe ich den Adapter ein wenig konfektioniert mit zusaetzlichen Materialien.

Damit ich den Adapter immer bei mir haben kann, musste er irgendwie an das Schlueselbund dran. Also zunaechst ein Stahlring her. Doch wie den Adapter da dran bekommen? Kabelbinder war die Antwort. Doch der allein reicht halt nicht, der allein wuerde abrutschen. Ich hab dann zu einer Kombination aus Heisskleber, dem Kabelbinder und einer Textilummantelung in bunten Farben gegriffen. Mit dem Textil hab ich gute Erfahrungen gemacht. Es macht das Stueck Hardware einfach entdeck- & auffindbar. Und so „verirrt“ sich das Bauteil auch nicht aus Versehen in andere Taschen.

Why do I blog this? Ich hab das Teil jetzt eine Weile am Schluesselbund und es funzt praechtig. Noch nicht verloren und es ist immer einsatzbereit. Ich muss es oft nichtmal vom Schluesselbund abfriemeln. In einer naechsten Interation werde ich mir mal ueberlegen, ob man nicht auch was mit Velcro/Klettverschluss machen kann. Das funktioniert ja schliesslich auch auf der ISS super.

Gewalt gegen Frauen

Ich moechte hier einmal Stellung nehmen (als Mann) zu den ganz offenbar gegen viele Frauen permanent stattfindende Gewalt durch Maenner.

Gewalt

Der neuste Anlass der Gewaltausuebung von Christian Ulmen gegen Collien Fernandes, ist fuer mich Anlass, mich als Mann zu diesem Verhalten zu auessern.

Die Schauspielerin Collien Fernandes hat schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben. Er habe Fake-Profile mit pornografischen Inhalten über sie erstellt. Sie erhält viel Zuspruch – auch aus der Politik. Die Justizministerin spricht sich für härtere Strafen aus. […]
Der Moderator und Schauspieler soll jahrelang im Internet Fakeprofile seiner Frau erstellt und Deepfake-Pornos verbreitet haben.

Ich verurteile das Verhalten dieses Geschlechtsgenossen, mit dem ich nichts gemeinsam habe ausser die physiologische Auspraegung des maennlichen Geschlechts. Aus meiner Sicht schadet hier ein Mann dem Ansehen der ganzen Maenner die sich anstaendig verhalten gegenueber Frauen. Der Schaden, den dieser Herr Ulmen fuer Maenner im gesellschaftlichen Kontext angerichtet hat ist betraechtlich.

Es ist mir unbegreiflich, wie abgrundtief die Gedankenwelt eines Menschen sein muss, der seine Partnerin mit der er gemeinsam ein Kind aufzieht, quasi digital stalked, sich mittels einer Art Identitaetsdiebstahl Accounts verschafft und sich als seine Ex-Partnerin ausgibt. Noch krasser ist, dass er mit Hilfe von KI Nacktaufnahmen und -filme seiner Ex-Partnerin anfertigt und in Umlauf bringt. Das kannte ich bislang unter der Bezeichnung „Revenge Porn“.

Konsequenzen

Ich fordere hiermit die deutsche Politik dazu auf folgende Dinge umgehend unter Strafe zu stellen:

  1. Anfertigung von fiktivem Bildmaterial mit Hilfe von Technologien (z.B. KI), zum Zwecke der Diskreditierung und Gewaltausuebung von und gegenueber (Ex-)Partner:innen
  2. In Umlaufbringen von privatem Bildmaterial von (Ex-)Partner:innen, ohne dessen/deren Zustimmung
  3. Anlegen & einsetzen von Accounts bzw. Zugaengen insbesondere E-Mailkonten zum Zweck der Identitaetsvortaeuschung von (Ex-)Partner:innen

Fakten & weitere Quellen

Das Hilfetelefon – Beratung und Hilfe für Frauen
https://www.hilfetelefon.de/

Gewalt gegen Frauen: Merkmale und Tatsachen
https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/infothek/gewalt-gegen-frauen/gewalt-gegen-frauen-merkmale-und-tatsachen.html

Frauen vor Gewalt schützen: Formen der Gewalt erkennen
https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/gleichstellung/frauen-vor-gewalt-schuetzen/haeusliche-gewalt/formen-der-gewalt-erkennen-80642

Femizide und Gewalt gegen Frauen
https://www.bpb.de/themen/gender-diversitaet/femizide-und-gewalt-gegen-frauen/

Polizeilich erfasste Gewalt gegen Frauen nimmt weiter zu
https://www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeldungen/251121_BLB_Straftaten_gegen_Frauen2024.html

Es gibt tonnenweise Links zu dem Thema. Lest euch schlau liebe Mit-Maenner und bezieht klar Stellung. Maenner haben eine Verantwortung andere Menschen (Frauen und Kinder und auch andere Maenner) zu schuetzen vor Gewalt. Gebt euch nicht zufrieden mit dem gesellschaftlichen Bild des Mannes und tut aktiv etwas.

Arbeitet an Euch! Ich kann u.a. (und das soll jetzt keine Werbung sein) Sven und Martin von Maennlichkeit staerken empfehlen. Aber auch Trainings zur Aufarbeitung von Konflikten mit den Eltern, Trainings zur Gewaltfreien Kommunikation und das Training mit eigenen Gefuehlen umzugehen.

Gewalt verhindert, dass ihr ein erfuelltes Leben leben koennt. Ihr beschneidet euch selbst und schadet nicht nur anderen massiv und oft so heftig, dass es nie wieder gutzumachen ist, ihr schadet auch euch selbst und allen anderen Maennern. Jeder der ein problem sieht und es laufen laesst macht sich hier mitschuldig an Gewalt gegen Frauen und andere. Lasst es nicht laufen, tut was dagegen!

Wunsch an Frauen

Ich wuensche mir von den Frauen in Deutschland, zu differenzieren zwischen Maennern, die sich als solche niedertraechtige Arschloecher auffuehren, und den Maennern, die das nicht tun. Es sind nicht DIE MAENNER die hier gewalt ausueben. Einige Maenner tun dies, aber die Mehrheit der Maenner tut das nicht.

Ich verurteile das gewalttaetige Verhalten von Maennern, ich verurteile Femizide und ich verurteile Maenner wie Putin, Trump, Nethanjahu etc. die Menschen wie den letzten Dreck behandeln. Krieg fuehren und Gewalt ausueben ist fuer mich das groesste Zeichen von Schwaeche. Wer nicht mehr ueberzeugen kann, der greift zur Gewalt, weil er oder sie nicht in der Lage ist die Realitaet zu akzeptieren.

Frauen, bitte, bitte, formuliert vorsichtig. Wenn ihr vereinfachend eine Generalisierung aussprecht, nach dem Motto „Die Maenner“, dann verurteilt ihr alle Maenner stellvertretend fuer die Vollpfostenexemplare von Maennern, die sich wie ein Christian Ulmen verhalten. Damit beendet ihr den Dialog mit uns und zieht eine Grenze zwischen Euch als Frau und dem Gegenueber als Mann.

Lasst uns bitte Menschen bleiben und uns nicht auf unser Geschlecht reduzieren. Fuer mich ist jeder erstmal ein Mensch und diese Sichtweise wuensche ich mir auch von anderen, die sich mit mir kommunikativ auseinandersetzen moechten.

Lanz empfindet Mitleid mit Ulmen

Screenshot von bild.de

Die Bild-„Zeitung“ brachte im Themenmix um diesen Vorfall diesen Anreisser: „Lanz empfindet Mitleid mit Ulmen“. Fuer mich stellt sich hier die Frage, warum aeussert eine Person des oeffentlichen Lebens, die beim oeffentlich rechtlichen Rundfunk arbeitet diesen Satz? Warum gibt Bild dieser Aussage Raum und verstaerkte Sichtbarkeit?

Mitleid ist nie gesund. Mitgefuehl waere eine angemessene Reaktion, Mitgefuehl fuer die Frau die dieser Gewalt ausgesetzt wurde. Mitgefuehl fuer den Taeter, kann man haben, ja, aber wenn das der erste Impuls ist, dann sollte man vielleicht mal den eigenen humanistischen Kompass ueberpruefen.

Vielleicht ist die vorgebliche Ruehrseligkeit – hier gegenueber Ulmen – auch schlicht und einfach das „Reiten der Aufmerksamkeitswelle“. Man kann das gleiche Verhalten von Herrn Lanz in seinem Podcast „Lanz + Precht“ beobachten.

Christian Ulmen hat sich ja bewusst dafuer entschieden, seine Ex-Partnerin so zu „behandeln“ wie er es getan hat. Herr Ulmen ist volljaehrig und daher voll fuer sein Handeln verantwortlich. Niemand hat ihn dazu gezwungen so zu handeln und seiner ehemalige Partnerin Gewalt anzutun.

Update: 23.5.2026

Dass noch Einiges geschehen muss, um hier fuer ausreichenden Schutz zu sorgen, zeigt auch dieser Beitrag im SPIEGELonline: „Verfolgung bei Sexualstraftaten: Er soll sie Dutzende Male betäubt, vergewaltigt und gefilmt haben. Doch eine Gesetzeslücke schützt ihn.“

„Im November erfuhr sie, dass das Ermittlungsverfahren zu 65 der 67 Taten, von denen es Aufnahmen gibt, eingestellt wird. Nach dem aktuellen Strafrecht seien die Taten verjährt, so die Staatsanwaltschaft Hamburg. […] Denn Vergewaltigungen verjähren in Deutschland in der Regel nach fünf Jahren, wenn keine weiteren Umstände hinzukommen.

Deshalb wurden bisher nur zwei der mutmaßlichen Taten angeklagt: die eine, weil das Video aus dem Jahr 2021 stammt, also noch keine fünf Jahre her ist. Bei der anderen wurde ein »gefährliches Werkzeug« benutzt, wie es im Strafgesetzbuch heißt, jener Baseballschläger. Daher greift hier eine längere Verjährungsfrist.“

Das zeigt, welche krassen Defizite die aktuelle Rechtsprechung hier aufweist. Wer waren eigentlich so die letzten Jahrzehnte unsere Justizminister:innen bzw. wer leitete das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz?

Surprise, seit 1966 ist das Ministerium entweder von der FDP oder von der SPD gefuehrt worden:

Amtsinhaber:in Partei von bis Kabinett
Herta Däubler-Gmelin SPD 27. Oktober 1998 22. Oktober 2002 Kabinett Schröder I
Brigitte Zypries SPD 22. Oktober 2002 28. Oktober 2009 Kabinett Schröder II
Kabinett Merkel I
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger FDP 28. Oktober 2009 17. Dezember 2013 Kabinett Merkel II
Heiko Maas SPD 17. Dezember 2013 14. März 2018 Kabinett Merkel III
Katarina Barley SPD 14. März 2018 27. Juni 2019 Kabinett Merkel IV
Christine Lambrecht SPD 27. Juni 2019 8. Dezember 2021 Kabinett Merkel IV
Marco Buschmann FDP 8. Dezember 2021 7. November 2024 Kabinett Scholz
Volker Wissing erst FDP, dann parteilos 7. November 2024 6. Mai 2025 Kabinett Scholz
Stefanie Hubig SPD 6. Mai 2025 Noch im Amt Kabinett Merz
Quelle: Wikipedia, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Falls also Fragen bestehen, wem wir zu verdanken haben, dass weder im Bereich Femizide, noch im Bereich DeepFakes und Identitsaetsklau, noch im Bereich Verbraucherschutz irgendwie grossartiger Fortschritt zu verzeichnen waere… Die Liste erklaert das ganz gut.

Von 2013 bis 2021 hatten wir im Prinzip nur „Lame Ducks“ als Justizminister:innen. Profillose und wenig engagierte Politiker:innen der SPD, von denen z.B. Frau Lambrecht dann mit wunderbaren Skandalen als Verteidigungsministerin geglaenzt hat. Frau Barley hat erst den Posten als Familienministerin sehr kurzzeitig und dann den Posten als Justizministerin (ebenso nur fuer kurze Zeit) als Sprungbrett genutzt, um sich nach Bruessel abzusetzen. Und ein Herr Maas, der als Justizminister farb- & profillos geblieben war und spaeter als Aussenminister den geordneten Abzug aus Afghanistan nicht auf die Reihe bekommen hat.

Why do I blog this? Ich habe eine Kommunikation mit einer weiblich gelesenen Person auf Mastodon abgebrochen, weil ich mir den Schuh der Gewalttaetigkeit nicht anziehen moechte. Ich habe mit Gewalt von Maennern die gleichen Probleme wie Frauen. Gewalt stoesst mich ab!

Gleichzeitig moechte ich nicht untaetig daneben stehen, wenn ein Exemplar meines Geschlechts die Reputation von Maennern in den Dreck zieht. Ich betrachte das als egoistisches Arschlochverhalten. Ich finde es abstossend und widerwaerig und moechte, dass so ein Verhalten gesellschaftlich geaechtet wird.

Aber damit ist es nicht genug. Ich moechte dass die Politik endlich den Arsch hochkriegt und die notwendigen juristischen Grundlagen schafft, um solches verhalten angemessen mit Freiheitsentzug zu bestrafen. Ich wuerde denen auch ein lebenslanges Verbot der Computernutzung auferlegen, wenn sie digitale Gewalt ausueben. Dieses braesige Nichtstun unserer Politik ist leider aber etwas, dass ich als Realitaet schon lange akzeptiert habe.

Ich sollte das nicht akzeptieren und ich moechte das auch nicht! Warum sagt der Bundespraesident nicht mal was dazu? Wozu bezahlen wir den eigentlich? Sieht der sich in irgendeiner Verantwortung fuer gesellschaftliche Belange? Ich mag die verantwortung nicht abwaelzen auf den Bundespraesident, aber der kann da was bewegen. Ich kann nur einschreiten wenn in meinem Umfeld solche Scheisse passiert.

39c3

Ich war dieses Jahr (mal wieder) nicht auf dem Chaos Communication Congress. Aber ich habe zwischen den Feiertagen ein wenig Talks geschaut und/oder die Podcasts des Sendezentrums ein wenig verfolgt.

Viele Tickets. Viele Menschen.

Ich hörte relativ schnell von etwa 16500 Teilnehmenden am 39c3. Das ist für mich eine abschreckend große Zahl muss ich gestehen. Im Vergleich vom 26c3, den ich erstmals besuchte damals im Berliner BCC, ist das die fünffache Menge an Menschen und 3000 fand ich ehrlich gesagt schon reichlich viel.

Wenn Dinge groß werden geht etwas verloren. Für mich sind Camp und Congress sehr sehr groß geworden. Zu groß als dass ich die volle Veranstaltungszeit dort verbringen könnte. Ich bedauere es daher, dass es keine Tagestickets mehr gibt. Für einen Tag wäre ich sehr gerne einmal rumgekommen: Leute treffen. Gemeinsam eine Mate trinken. Paar Lightning Talks schauen. Gut, Engeln wäre da halt bei einem Tag Aufenthalt eher nicht so drin.

Leider sind Tagestickets beim aktuellen Congress Format nicht mehr vorgesehen. Ich find es schade, denn es macht den Zugang schwieriger und auch deutlich teurer, wenn man ein Ticket und Unterbringung im Hotel für die ganze Veranstaltung braucht. Auch ist es eben nicht für jeden kompatibel bereits am 26.12. den familiären Weihnachtskontext zu verlassen. Ich verstehe, dass da vermutlich finanzielle Überlegungen dahinter stehen, warum es nur noch Volltickets gibt. Trotzdem finde ich es schade, denn Ticket plus Hotel für diese Zeit sind einfach sehr, sehr teuer. Man könnte ja Tagestickets mit fester Tagesbindung auch im Vorfeld bereits verkaufen, somit gäbe es auch finanzielle Planungssicherheit wenn man das wollte.

Veranstaltungen

Einige der Talks habe ich LIVE im Stream geschaut. Das hat wieder einmal bestens funktioniert. Das Re-Live brauchte man fast gar nicht, weil die Sachen meist schon nach serh kurzer Zeit in den Releases zu finden waren. So schnell ist das noch nie gegangen, das fiel mir positiv auf.

Waschmaschinen (da habe ich eine Menge gelernt, wie so eine Waschmaschine funktioniert. Toll!)
Cory Doctorow (Der Talk hat mir eine vor allem geopolitisch neue Sicht auf die Entwicklungen gegeben und eine tolle Erzählung angeboten)
Nico Semsrott (Dieses PRÜF finde ich sehr respektabel und die Gesänge fand ich sehr schön ansteckend)
– Der Dialog/Podcast mit Reiner Mühlhoff im Sendezentrum u.a. zu AI.
– Der Talk aus den USA zu den geostationaeren Satelliten (leider fehlten Slides… warum??)

Andere Talks sind jetzt bei mir nicht so sehr hängen geblieben. Einige Talks habe ich kurzerhand abgebrochen wegen schlecht aufbereiteter Slides oder permanentem „Ähm“-sagen in jeder kleinen Sprechpause, oder weil Leute so hastig gesprochen haben, dass sie das Luft holen vergessen haben. Solche Talks guck ich halt einfach nicht mehr, weil mich das stresst. Wer sich nicht die Mühe gibt seine Inhalte ordentlich aufzubereiten oder mal einen Probelauf zu machen, der hat auch meine Aufmerksamkeit nicht verdient. Mein Anspruch an mich selbst wenn ich da auf der Buehne stehen wuerde, waere zumindest meine Slides vorher getestet zu haben. Wer das nicht hinkriegt, den kann ich eigentlich nicht mehr ernst nehmen. Niemand wird gezwungen einen Talk zu geben. Wenn ihr einen haltet, bereitet den halt ordentlich vor.

No Fomo

Ich muss sagen ich hatte dieses Jahr eigentlich gar kein Fomo (Fear of Missing out). Das ist einfach so eine Feststellung. Sonst war ich immer schon hibbelig, dass der Congress los geht. Aber dieses Jahr bin ich da tiefenentspannt gewesen. Als ich irgendwo dann noch „10 Jahre nach Dieselgate“ gelesen habe, dachte ich mir nur „Ein Slide. Niemand wurde dafuer zur Rechenschaft gezogen. Wird wohl ein Lightning Talk sein.“

Cryptoparty 2.0

Was ich nicht auf dem 2025 BINGO Zettel hatte, war die Neuauflage der Cryptopartys als „Digital Independence Day“. Den Namen finde ich eher so mittelgut (und auch andere aus meinem Umfeld finden den nicht wirklich pralle), weil er mir zu viel Konnotation zu US-amerikanischer Geschichte enthaelt.

Vorschlaege:

  • Open-Choice-Tag
  • Reboot zur Freiheit
  • Cloud Exit Day
  • Tag der digitalen Freiheit
  • Tag der digitalen Selbstermächtigung
  • Tag des digitalen Ausstiegs

Die Idee dahinter finde ich sehr gut. Da steht fuer mich vor allem die aufklaererische Funktion der Hackerspaces bzw. CCC Erfas im Vordergrund. Es ist schliesslich auch zentrales Vereinsanliegen, hier durchaus kritische Allgemeinbildung anzubieten fuer den digitalen Bereich.

Ich weiss nicht ob von diesem „DI.DAY“ mehr bleiben wird als ein leiser Nachhall. Es erfordert einfach sehr viel Engagement, wenn man ein dauerhaftes Bildungs- und Beratungsangebot machen moechte. Das widerum erfordert Leute die ihre kostbare Zeit dafuer hergeben, Raeume in denen man das umsetzen kann und Bekanntmachungen so dass man da auch gefunden wird. Erfahrungsgemaess ist es schon schwer genug, Menschen einmal in der Woche in den Hackerspace zu bekommen. Die Menschen die dann zu solchen Events kommen, sind oft relativ alte Menschen (ist ein Fakt, den ich mit jeder Menge Erfahrung aus unserer Linux User Group belegen kann), weil die sich einerseits digital abgehaengt fuehlen und daher Handlungsdruck haben, diese Termine oftmals gerne verwechseln mit einem kostenlosen Computerservice (aka „Irgendwas geht an meinem Computer nicht so wie es soll, kannst du dir das mal anschauen?“) und die massig Zeit haben und auch gerne Zeit von Mitgliedern binden. Ich bin da nicht so optimistisch grade, dass man mit diesem DI.DAY die Zielgruppe trifft, die man erreichen moechte.

Why do I blog this? Am meisten hat mich wirklich ueberrascht, dass es nun diesen DI.DAY geben soll. Das kommt jetzt ganze 10 Jahre nachdem Edward Snowden aufgedeckt hat, was in unseren Netzen los ist. Aber am 29c3 30c3 liess man die Chance verstreichen, ein aktivistisches Motto zu waehlen. Stattdessen war man „sprachlos“. Jetzt, ganze 10 9 Jahre spaeter kommt so ein Aufruf zustande? Ich habe zwischenzeitlich selbst versucht an einer validen Loesungsidee zu arbeiten, aber leider kein Foerdergeld dafuer bekommen, so dass ich mich eben doch wieder klassischer Lohnarbeit zugewandt habe, weil ich leider nicht in privilegierten Verhaeltnissen mit grossem Erbe, eigenem Haus und sozialer Sicherheit lebe.

Wir (die Chaos Community) sind gemeinsam in der Lage zu den Camps unterhaltsame, lustige und technisch anspruchsvolle elektronische Gadgets zu realisieren, die bunte Lichter haben und lustige Geraeusche machen, sogar eine absolut abgefahrene Smartwatch („Card10“) mit EKG-Funktion wurde hier entwickelt und umgesetzt. Wieso bekommen wir es nicht hin unsere eigene, sichere Kommunikationshardware und -software zu bauen? Stattdessen stecken wir unsere Energie in solche Gadgets die dann bei 95% der Teilnehmer hinterher in der Elektronikkiste verstauben (Das Rad10 nicht, das nutze ich immer noch regelmaessig, weil es dafuer eine gute Desktop Software gibt.)?

Die Antwort die nun 10 Jahre nach Snowden kommt, erscheint mir unausgegoren und lediglich ein Strohfeuer, weil sie die Erfas nicht wirklich abholen kann. Mir fehlt der Zuendfunke, der hier nachhaltig etwas verbessert und eine lang anhaltende Initiative entzuendet die lange brennt und wirkt. Es gibt keine gute Loesung in einem durch und durch kaputten System. Man kann den grossen Betriebssystemen schlicht und einfach nicht mehr trauen, weil der General Purpose Computer auf dem Rueckzug ist und unsere Smartphones alle einen Kill-Switch haben der aus den USA betaetigt werden kann. Warum entwickeln wir also nicht eine ernsthafte, eigenstaendige Loesung statt so lustiger Gimmicks?

Meine Vermutung ist: Wegen der fehlenden finanziellen bzw. wirtschaftlichen Sicherheit. Wenn jemand meine Miete und Krankenversicherung und die anderen Kosten uebernehmen wuerde, koennte ich meine Zeit tatsaechlich in soetwas stecken. Aber so (ohne diese Sicherheit), muss ich meine Lebenszeit weiter gegen Geld eintauschen um ein einigermassen angenehmes Restleben in der „Freizeit“ zu haben und meine Familie zu ernaehren. Nur wenige koennen sich das leisten diese Zeit „einfach mal so“ aufzubringen. Wenn man daraus ein gewinnorientiertes Startup-Unternehmen machen moechte, dann laeuft das der Idee allerdings bereits zuwider, denn da steigt schnell die Gefahr, dass die Community die Kontrolle ueber die Loesung verliert und stattdessen dank ein paar Gluecksrittern mit Patenten und betrieblichem Eigentum der naechste Krieg verloren geht an ein Unternehmen. Wir stecken in der selbstgebauten Falle des Kapitalismus. Gemeinnutz wird ohne passende Abwehrmechanismen sofort von kapitalistischen Interessen besetzt, neutralisiert, vereinnahmt und zu Geld gemacht.

Das ist das eigentliche Problem, dass meiner Meinung nach geloest werden muss! …ach so, ja, verbloggt hab ich das, weil ich da aus Tradition gerne meine Sichtweise zum Congress teilen mag. Gefuehlt gibt es da immer weniger auffindbare oeffentlich geteilte Meinungen zu zu lesen. Das finde ich schade, denn es laesst auch ein Potenzial liegen zur Weiterentwicklung.