Kurzbericht vom DWeb Camp 2026: Root Systems

Ich habe dieses Jahr das erste Mal das DWeb Camp besucht. Hier möchte ich ein wenig berichten.

Das Camp beschreibt sich selbst wie folgt:

DWeb Camp 2026: Root Systems is a five-day gathering in nature for builders and dreamers dedicated to building a decentralized web (DWeb). A web that is private, resilient, and beyond the control of a few central powers. Like forests, decentralized systems derive strength from what lies beneath the surface: dense networks of roots, sharing resources without hierarchy, and coordination that persists even when individual nodes disappear.

DWeb Camp: Root Systems invites participants to build technologies that–like living ecosystems–adapt, regenerate, and endure.

Erwartungen

Ich hatte mich bewusst für das DWeb Camp entschieden, weil ich einerseits Outdoor-Veranstaltungen mag und mir andererseits Camps wie das Chaos Communication Camp deutlich zu groß geworden sind (da hatte ich auch schonmal was zu in diesem Blog). Ich wünschte aber eine Alternative und brauche den Austausch zu neuen Technologien und mit Menschen die sich damit auskennen und beschäftigen, also wurde es dieses Jahr das DWeb Camp.

Mein Erwartungen gingen ein wenig in Richtung „Was kann ich Neues lernen und mitbekommen.“ gerade in Zeiten von AI passiert da gefühlt im Augenblick eine ganze Menge. AI und Meshnetze waren so meine Favoriten – neben Aspekten wie man Communities aufbaut weshalb – ich das Camp besuchen wollte. Besondere Einsichten habe ich mir von der Tatsache versprochen, dass es eine Veranstaltung ist, die aus den USA hierher nach Europa zum ersten Mal gekommen ist.

Ich erwartete so ein wenig, dass viele der Speaker die Vibes aus den USA mit hierher bringen und man so ein wenig davon mitbekommen kann, was da gerade eigentlich so abgeht. Und ich wurde nicht enttäuscht. So kam ich zu der Gelegenheit mir von Evan der das ActivityPub Protokoll / API des Fediverse mitentwickelt hat, erklären lassen zu können, wie man einen einfachen ActivityPub Client in Javascript baut.

Allgemeine Eindrücke

Das Camp ist deutlich anders aufgestellt als Chaos Communication Camps, obwohl viele Chaos-nahe Personen offenbar Infrastruktur für das DWeb Camp gemacht haben und auch mit künstlerischen Beiträgen in Bild und Ton vor Ort supporteten. Ich sah auch sehr viele Freifunk-Router über das Gelände verteilt. Der Ort „Alte Hölle“ ist ziemlich cool. Mitten in einem Naturschutzgebiet gelegen, von Wald umgeben und somit recht weit ab vom Schuss.

Der Camp-Ground wurde überwiegend durch Glamping-Zelte belegt. Eine beauftrage Firma hat die Zelte aufgestellt und ausgestattet, also relativ professionell und eher dienstleisterisch. Es gab jedoch auch abseits der Glamping-Area weitere eigene Zelte ich schätze so insgesamt ca. 50 weitere. Die eine bunte Vielfalt waren.

Das Wetter hätte besser nicht mitspielen können. Sehr angenehme Temperaturen zur Nacht, so dass man gut schlafen konnte. Erste Tage morgens wolkig und dann Sonne, letzte Tage Dauersonne und steigende Temperaturen. Der Bereich in dem ich mit dem Zelt war, war so weit ab vom Geschehen, dass ich auch einen wunderbar ruhigen Ort hatte mit dem Zelt. Das ist etwas was ich wirklich sehr zu schätzen wusste. Irgendwann einfach aus dem Trubel ins Zelt gehen zu können und Ruhe haben. Das ist definitiv ein Feature, das jedes Outdoor Camp kopieren sollte.

Gerade in den ersten 48h ist für mich ein ruhiger Rückzugsraum eine wahre Wohltat. Man ist ja plötzlich mit so vielen Menschen zusammen, dass man auch irgendwann im Lauf des Tages einfach übermensch’t ist und gerne seine Ruhe hätte. Es mag sein, dass es andere Leute gibt, die das den ganzen Tag mögen und auch können, ich brauch aber meine Auszeiten, zumal auch viele Eindrücke aus den Veranstaltungen zu verarbeiten sind und auf einen einwirken. Mal in Ruhe ein paar Notizen machen können ist da schon hilfreich.

Auch auf diesem Camp gab es wieder eine Toiletten-Situation (um die ich aber drumrum-routen konnte durch normale WC’s im Haus). Ich frage mich wirklich, ob wir nach was weiß ich wieviel tausenden von Jahren, wirklich alle Fehler beim Bau eines Klos immer wieder von vorne machen müssen. Ich habe nichts gegen umweltfreundliche und wassersparende Toiletten – sprich, Kompostklos – aber warum zur Hölle müssen die Dinger eine Usability haben die einfach unbeschreiblich scheiße ist?

Klo-Rant

Die Klos sollten das kleine vom großen Geschäft trennen und hatten dafür einen Plastikeinsatz, der nur noch für das grosse Geschäft ein Loch hatte. Das kleine war wie ein Mini-Trichter (?) aufgebaut. Ich fang mal an ein paar Features zu beschreiben, die ich mir von einer Toilette wünsche (un ich kann nicht glauben, dass ich das hier echt nochmal aufschreiben muss):

  • Kompromisslos blickdichter Raum, in dem ich ein Minimum an Privatheit habe (Privacy ya know??)
  • Ich möchte einen Türverschlussmechanismus, der den Raum nachhaltig und auch gut sichtbar/erkennbar schliesst (so dass von Aussen klar ist dieses Klo ist grade besetzt und dafür niemand an der Tür rütteln muss um das herauszufinden), ohne das da jemand dran rütteln kann und dann geht der Verschluss vielleicht durch physische Erschütterung auf
  • Ich möchte mich Hinsetzen können, ohne dass meine Genitalien – i.e. natürlicherweise hängende Testikel und je nach Temperatur längerer oder kürzerer Penis – mit den flüssigen Exkrementen die Benutzer dieser Installation vor mir hinterlassen haben in Berührung kommt. (Dies scheint eine einfache aber absolut unerfüllbare Anforderung für die Konstrukteure des DWeb Camp Outdoor Kompost-Toiletten-Systems gewesen zu sein)
  • Ich möchte mein Gleichgewicht halten können während ich mich auf die Latrinen-Vorrichtung setze (Auch dies eine absolut unerfüllbare Anforderung an die Designer der Kompost-Latrine des DWeb Camp)
  • Ich möchte einfach wieder aufstehen können, ohne mit den Händen gezwungen zu sein in die Exkremente meiner Vorgänger:innen fassen zu müssen
  • Nochmal ganz deutlich: Ich möchte auch keinen Hochsitz bergsteigerisch im Halbschlaf erklimmen müssen, um Scheissen oder Pissen gehen zu können

Die Outdoor Toiletten waren für mich als gesunden Menschen ohne körperliche Beeinträchtigung eine Zumutung. Für Rollstuhlfahrer ganz sicher absolut und vollständig unbenutzbar. Es war ein lose zusammengehauener Bretterverschlag, weder Blickdicht und schon gar kein privater Raum.

Im Nachgang des Camps wurde mir gesagt, dass es auch eine Pinkelrinne gegeben hätte. Die war allerdings nicht in dem Bereich der Kompost-Toiletten, sondern in der Nähe des Swimmingpools(?)… also relativ versteckt platziert. Das hätte es ganz sicher deutlich besser gemacht für mich, wenn diese im Einzugsbereich des geschehens verfügbar gewesen wäre. Ich hab den Lageplan dann nochmal angeschaut und festgestellt, dass es da leider keine näheren Hinweise gab, welche Features die Toiletten so aufweisen.

TL;DR: ich will auf einem Outdoor Camp kein Beta-Tester für irgendwelche Amateurlösungen von Toiletten sein. Das war definitiv eine Amateurlösung. Meine Hygieneerfahrung prägt die Erfahrung auf so einem Camp maßgeblich, weil ich mindestens 3 Mal am Tag davon Gebrauch machen werde. Also baut das verdammt nochmal so, dass es in Ordnung ist und die tausende von Jahren Erfahrung mit Latrinen berücksichtigt. Fazit: Klo’s und Hygieneanforderungen scheinen bei solchen Events absolut nachrangige Gedanken zu sein. Das ist sehr, sehr schade, denn es stört eine ganze menge Menschen die da kaum die Wahl haben sind sie einmal auf dem Camp Ground angekommen! Die kommen dann halt nicht mehr beim nächsten Mal, das ist ihre Wahl.

Talks & Workshops

Das Programm bzw. der Schedule war extrem breit aufgestellt. Es gab sehr viele Locations auf die sich das Ganze von 9 Uhr 30 beginnend bis 18 Uhr verteilte. Ich habe einige für mich interessante Talks & Workshops besucht.

Darunter waren folgende:

Talks die ich leider verpeilt habe:

Talks die nicht im Schedule waren, und denen ich per Zufall beiwohnen durfte:

Es gab auch eine Unconference am Freitag und Samstag. Ich entschloss mich kurzerhand selber einen Unconference Talk zu halten zu dem Mastodon Mood Board. Die Resonanz war sehr überschaubar.

Erstes Fazit (geschrieben auf dem Camp)

Insgesamt eine Veranstaltung die paar coole Sachen zu bieten hatte. Was ich relativ schade fand, war, dass es trotz des hohen Ticketpreises Kaffee nur zum Frühstück (8 Uhr bis 9 Uhr 30) gab, man andererseits aber selber keine Gaskocher nutzen durfte, um sich neben dem Zelt selbst einen Mokkapott heiss zu machen. Da blieben nicht mehr soviel Alternativen, ausser auf selbst mitgebrachte Flora Power Mate auszuweichen. Zur Verteidigunbg der DWeb Orga, es gab aber einen Coffeetruck auf dem Gelände mit allerdings SEHR(!) sportlichen Preisen pro Kaffee.

Superschön war die Tatsache, dass es einen Swimmingpool gab (fest installiert; gehört zum Gelände der „Alten Hölle“). Bei den klasse sommerlichen Bedingungen war das wirklich eine willkommene Abwechslung und ich habe davon Gebrauch gemacht. Es gab auch ein kleines „Shower Paradise“, für die Dusche die dann nach einiger Zeit einfach nötig ist und wirklich tolle Outdoor Duschen mit quasi Null Warteschlange.

Mein Schrittezähler an der Smartwatch hat einen Erfolg/Zielerreichung nach dem nächsten gemeldet, weil man eben halt doch auch echt viel durch die Gegend läuft. Alleine einmal Klo & zurück zum Zelt… da kommt über den Tag schon was zusammen.

Bissel gewöhnungsbedürftig finde ich die Art des Zahlungssystems auf dem Event. Man musste zunächst über eine Webseite ein Drinking-Package kaufen (quasi eine Art Prepaid-Guthaben) und einzig zugelassenes Zahlungsmittel war leider die Kreditkarte. Das ist vermutlich der US-Kultur der Veranstaltung geschuldet und ich fand es etwas eigen.

Bissel komischer war dann, dass ich mit einem QR-Code dann zu einem Desk gehen sollte, und dort händigte man mir dann nach dem Scannen des QR-Codes eine Tüte voller Plastikchips aus, die irgendwie mein Geld repräsentieren sollten. Für mich ist leider intransparent geblieben, wieviel meine Drinks jetzt wirklich gekostet haben (Absicht?). Es gibt sicher Gründe für so ein Token-Bezahlsystem (z.B. dass ein Spendebeitrag dabei immer übrig bleibt), aber es ist ein Komplikation im Ablauf, die auf einem Camp das sich der DEZENTRALITÄT verschrieben hat, vollständig widerspricht, alle erstmal durch einen Single Point (Internetaccess, Kreditkartenanbieter, QR-Code-Scanner mit Service in der Cloud) of Failure zu schicken. „Walk your talk!“ sag ich da nur.

Nun, ja. Der Rest meiner nicht eingelösten Plastechips geht dann an die DWeb-Orga als Spende soweit ich das verstanden habe. Ich hab die einfach bei meinem letzten Besuch an der Bar alle abgegeben, was soll ich mit dem Token-Plastik?

Ich habe einige bekannte Gesichter aus der nahen Berliner CCC Bubble gesehen/wiedergetroffen, das war ganz nice und gab ein wenig Chaos-feel. Ansonsten war die Sprache auf dem Camp die man nahezu überall gehört hat eindeutig Englisch oder Spanisch. Deutsch war eher die Ausnahme. Das dürfte für menschen, die nicht so fit in Englisch sind ein Hindernis sein auf diese Konferenz zu gehen. Alle Talks & Workshops waren auch ausnahmslos auf Englisch.

Ich hatte den Eindruck eine Menge Leute sind aus den USA und Kanada gewesen. Speziell mit Leuten aus Kanada habe ich oft die deutlich besseren Gespräche gehabt. Bei den US-Amerikanern gelingt es mir selten einmal wirklich einen tieferen Austausch hinzubekommen. Viele die ich traf sind oft mehr im „Sende“-Modus, und wollen ihre Idee promoten, das find ich etwas schade, denn dadurch kann ich zwar zuhören und viele Ideen mitbekommen, aber über mich erfahren sie dann leider wenig. Womit man halt auch klarkommen sollte ist diese übertriebene, oberflächliche Freundlichkeit. Alles ist immer awesome, great, superb etc. pp. wenn es ein Mensch aus den USA ausspricht. Aber das kenne ich aus dem Unternehmenskontext auch nicht anders.

Zweites Fazit (geschrieben zu Hause)

Ich habe ein paar Links eingesammelt:

Erst nach dem Event ist mir klar geworden, dass das Department of Decentralization (DoD) aus Berlin eine recht tragende Rolle in der Orga des DWeb Camp hatte. Ganz spezieller Dank geht also nochmal raus an die Menschen hinter dem DoD die das ermöglicht haben. Sehr, sehr cool und aus meiner Sicht wirklich ein Komplement zu DWeb würde ich sagen. Der Besuch dieses DWeb Camps hat definitiv mein Interesse am DoD gefördert.

Drittes Fazit (nach 2 Wochen)

Das Camp war durchaus interessant. Die Sprachbarriere war aber auch real. Es ist eine recht hohe Dauerhürde, immer nur Englisch reden zu können. Ich fand die Vorträge/Sessions/Workshops/Panels in ihrer schieren Anzahl zuviel. Ich hatte auch den Eindruck, dass die Qualität des Angebots sehr sehr stark variierte. Teilweise habe ich mich schon gefragt, ob hier nicht nur stumpf eine bereits existierende Projektpräsentation nochmal für das Camp zum x-ten Mal runtergerattert wurde. Das finde ich schade und irgendwie vertane Zeit da was passend für die Zielgruppe zu haben. Die Menschen sind ja gerade deshalb dort, weil sie direkten Austausch zu den Themen Dezentralit“t etc. haben möchten. Dann einfach sumpf ’ne Präse runterzurattern in der Hoffnung „passt schon irgendwie“ ist halt schade.

Ich hab aber auch keinen Einblick in die inhaltliche bzw. redaktionelle Arbeit, wie diese Veranstaltungen letztlich auf den Schedule gekommen sind. Um mich überhaupt irgendwie orientieren zu können, habe ich den Fahrplan-Transformer eingesetzt, denn die pretalx Ansicht war dafür leider absolut nicht mehr ausreichend, da es sich auf zuviele Orte verteilt hat. Es schien auch keinen richtigen High-Profile Lead-Track oder sowas zu geben, an den man redaktionell so ein wenig härtere Ansprüche formuliert. Da bin ich vermutlich von Chaos Events und der oftmals exzellenten redaktionellen Auswahl versaut worden.

Mein organisatorisches Fazit wäre, dass weniger Talks/Sessions/Plena/Workshops etc. besser gewesen wären. So hat sich das auf viele kleine Zelte bzw. Domes oder andere Orte verteilt und es war irgendwie nicht gerade leicht etwas zu finden, was auch thematisch gepasst hat. Das lag teilweise auch an den Beschreibungstexten zu den Veranstaltungen. Viele Beschreibungstexte haben für meinen Geschmack nicht gerade heraus beschrieben was sie liefern werden. Ich bin oft auf Überschriften gestossen, die Aufmerksamkeit erhaschen wollten und dann nur nebulös waren, was den Teilnehmer dann eigentlich erwartet. Sowas mag ich nicht. Lieber ehrlich und klar, so dass ich verstehe, was mich erwartet, auch wenn das als Überschrift vielleicht nicht so „sexy“ klingt. So musste man halt hingehen um rauszufinden, ob es was taugte und dann manchmal sich peinblich berührt rausschleichen, weil es halt doch nicht so gepasst hat.

TL;DR

Weniger ist mehr. Mehr Workshops/Hands-on-Action. Einen Camp-Lead-Track mit hohen inhaltlichen Qualitätsanforderungen. Strukturell klare Vorgaben für die Beschreibungstexte, so dass man da nicht einfach nebulösen Text hinterlassen kann zu einer reisserischen Überschrift.

Es wäre der perfekte Ort gewesen 4 Tage lang den Elefanten im Raum gemeinsam in Workshops und Panels etc. zu besprechen: AI

Ich hatte darauf gehofft, dass man genau dieses Thema aus USA mitbringt und stark fokussiert. AI wird einen noch viel zu wenig antizipierten Einfluss auf alle Bereiche unseres Lebens haben. Fragt da nur mal eure Freunde die als Lehrer:in an einer Schule arbeiten und mit Hausaufgaben made-by-ChatGPT und Klausuren geschrieben mit Zweithandy-Verbindung und Knopf im Ohr made-by-Gemini in täglichem Kontakt sind.

An den Universitäten sieht es nicht anders aus. Der meiste Output stammt zunehmend aus der SLOP-Machine. Das ist ein brandheisses Thema, bei dem man nicht auf Regulierungen oder Regeln hoffen darf. Wenn diese kommen, ist es zu spät und vor allem ändern die Regeln nix. Juristische Nachweise von SLOP-Leistungen sind schwierig. Präzedenzfälle dazu vermutlich noch gar nicht vorhanden. Die Probleme und negativen Auswirkungen existieren bereits, die Lösungen müssen soweit ich das sehe eher dezentral erfolgen, denn Silicon Valley wird niemand das Multibillionen-Dollar-Spielzeug sobald wieder wegnehmen.

Leider hatte man auf dem DWeb Camp nicht den Mut einen thematischen Schwerpunkt mit einem Lead-Track zu AI zu schaffen, der dem Ganzen auch den nötigen Raum gegeben hätte. vermutlich hat auch die Orga des Camp das Thema und seine relevanz noch gar nicht in dem Ausmaß auf dem Radar, als dass man das angemessen hätte berücksichtigen können.

Nun, vielleicht beim nächsten Camp.

Why do I blog this? Der Camp Besuch war meinerseits ein Experiment. Es gab auch ein Volunteering-System, aber ich wollte bei DEM Ticketpreis wirklich nicht noch Volunteer-Arbeit leisten. Ausserdem schaue ich mir eine Veranstaltung auch gerne erstmal ein wenig an bevor ich mich da gleich tiefer investiere.

Zum Begriff der „Digitalen Souveränität“

Aktuell wird sehr viel und in verschiedensten Kontexten (Bundesregierung, Gemeinnützige Vereine) über digitale Souveränität geredet. Dabei ist der Begriff selbst überhaupt nicht klar definiert. In der aktuellen Diskussion versteht jeder darunter, was er halt gerade verstehen möchte.

Beispiel 1:
Digital souverän kann bedeuten, ich möchte gerne die volle Kontrolle über meine persönlichen Daten haben und behalten und so wenig wie möglich Daten herausgeben müssen (Prinzip der Datensparsamkeit).

Beispiel 2:
Digital souverän kann aber auch bedeuten, ich möchte dass alle Produkte und Dienste für die Verarbeitung meiner Daten ausschliesslich durch deutsche oder europäische Unternehmen erbracht werden.

Das Beispiel zwei zeigt, dass man darunter sehr schnell eher nationale oder nationalstaatliche oder Ländergrenzen-bezogene Aspekte fassen könnte. Diese Sichtweise ist nach meiner Ansicht dazu geeignet, nationalistische Tendenzen und Orientierungen aufzugreifen und zu verstärken. Das ist eine hoechst problematische Interpretation von Souveränität. Es meint eher die scharfe Abgrenzung, Zurückweisung und die Umorientierung auf das Nationale. Es steht nichtmehr das Vernetzte oder gar Kooperative, sondern das Selbstreferenzielle bzw. Egoistische im Vordergrund. Kurz man stellt die eigene Nation, das „Wir“ in Abgrenzung zu „den Anderen“ als die Loesung dar.

Beispiel eins fasst darunter Aspekte, die sich hingegen deutlich mehr fokussieren auf die Bedingungen fuer jeden Einzelnen. Der einzelne Buerger soll vor „BigTech“ geschuetzt werden. Das ist per Definition auch die Aufgabe von Gesetzen, den Buerger vor dem Staat oder anderen maechtigen Institutionen zu schuetzen. Das soll sichergestellt werden durch Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit.

Rechtssicherheit
Alle staatlichen Maßnahmen brauchen eine Grundlage. Das lässt sich gut mit der Frage ausdrücken: „Wo steht, dass der Staat das darf?“ Die Gesetzgebung ist dabei an die Verfassung gebunden. Verwaltung und Justiz sind an Recht und Gesetz gebunden. Das dient dem Schutz vor staatlicher Willkür. Die Grundrechte sind garantiert und die Verfassung sichert die staatliche Ordnung.

Rechtsgleichheit
Das Rechtsstaatsprinzip besagt auch, dass für alle Bürgerinnen und Bürger die gleichen Gesetze gelten und sie vor Gericht auch gleich behandelt werden (Art. 3 GG).

Quelle: Landeszentrale fuer politische Bildung

Folgen wir also Beispiel eins, stellt sich eigentlich nur die Frage, halten sich die im Verdacht stehenden Unternehmen, die uns „unsouverän“ machen denn ueberhaupt an das geltende Recht?

Und an der Stelle wird bereits klar, das dies nicht der Fall ist. Die BigTech-Unternehmen, wie z.B. Apple, Google, Amazon, Meta und Microsoft (die ich hier lediglich stellvertretend auffuehre, es sind noch mehr) bezahlen alle keine Steuern in Deutschland, obwohl sie die Infrastruktur und die Ressourcen unseres Landes jeden Tag fuer ihre Geschaefte nutzen. Ein iPhone oder ein Apple TV ohne funktionierendes Internet waere ein Ladenhueter. Ohne eine funktionierende Paketzustellung kann Apple und konnte Amazon bis vor kurzem keine Produkte an den Kunden liefern. Ohne unsere funktionierenden Strassen kann auch Amazon keine Pakete mit den eigenen Fahrzeugen zustellen. Und ohne funktionierendes Gewerbegebiet mit zuverlaessig Strom, Wasser und Abwasser, kann auch kein Amazon Warenlager betrieben werden. Ebenso kann Meta seine Dienste wie Instagram, WhatsApp oder Facebook ohne funktionierenden Mobilfunk und Internet in Deutschland vergessen. Erst Recht das aktuell im Untergang befindliche Metaversum. Microsoft, Amazon und Google fallen hier besoders dadurch auf, dass sie Rechenzentren in Deutschland betreiben, um ihre Clouddienste ueberhaupt anbieten zu koennen. Sie nutzen also Strom, Wasser, Gebaeude und die gesamte Datennetzinfrastruktur, um sowohl Privatpersonen als auch anderen Unternehmen aber auch ihren eigenen Unternehmen eine geeignete Plattform bereitzustellen, um Datendienste in Europa zu betreiben.

Die Unternehmen nutzen hier unsere staatlich organisierten Infrastrukturen und gut ausgebildete Mitarbeiter aus unserem Land. Doch sie zahlen keine (jedenfalls keine fuer inlaendische Unternehmen vergleichbaren) Steuern in Deutschland. Das Recht wird massiv gebrochen bzw. durch Gesetzesluecken gezielt unterlaufen und unsere Politik steht daneben und sagt sich „Nicht mein Problem!“. Unsouverän ist hier vor allem die Politik, die sich auf der Nase herumtanzen laesst, und das Prinzip der Rechtsgleichheit mit Füssen tritt. Denn jedes kleine Unternehmen in Deutschland hat keine andere Wahl als hier die entsprechenden Abgaben zu bezahlen. Aber fuer nicht inlaendische Grosskonzerne soll das gleiche Recht ploetzlich nicht gelten? Das ist krasser Rechtsbruch!

Thomas Fricke hat einen schoenen Vortrag „Vom Wunsch nach Digitaler Souveränität bis zur Deutschen Verwaltungstrategie – ein Reisebericht“ auf der republica 2023 gehalten zu dem Thema „Digitaler Souveränität“. Weiterer sehr empfehlenswerter Vortrag von Thomas ist „Energy Consumption of Data Centers“.

Thomas zitiert in dem Vortrag zu digitaler Souveränität einen Beitrag von Hans Kelsen, den ich hier mal recherchiert habe: Das Problem der Souveränität und die Theorie des Völkerrechts, Beitrag zu einer reinen Rechtslehre von Hans Kelsen (siehe auch Volltext im WebArchiv)

Wer den Vortrag von Thomas verfolgt bemerkt die Problematik des Begriffs „Souveränität“ ist erheblich.

Wenn jeder was anderes unter Souveränität versteht, wo führt das dann hin?

Ich bringe da gerne ein Beispiel aus der Luftfahrt, wenn im Flugzeugbau jeder unter dem zu fertigenden Leitwerk etwas anderes verstehen wuerde, dann kann man zwar versuchen ein Flugzeug zu bauen, eventuell hat man am Ende auch eine Maschine die auf dem Rollfeld steht, bloss fliegen wird sie vermutlich nicht.

Die Definition dessen, was ich erreichen moechte muss eindeutig nicht mehrdeutig sein. Also wird der Flugzeugbauer sich festlegen und z.B. sagen: „Wir statten das Flugzeug mit einem T-Leitwerk aus mit einfachem Pendelruder“. Damit ist dann auch klar was alles nicht gebaut wird.

Aehnlich ist es mit dem Begriff der Souveränität, bei dem vollkommen unklar ist, um was es eigentlich geht. Der Begriff ist so vieldeutig, dass er untauglich dafuer ist zu beschreiben, was das Ziel sein soll.

Ich werde jedoch den Eindruck nicht los, dass genau diese Vieldeutigkeit begruesst wird, denn so kann jeder das Ziel nach seiner eigenen Interpretation deuten oder umdeuten, so wie es gerade am besten passt.

Der Lobbyist, der die heimische IT Industrie foerdern moechte, wird sich nicht mit der Rechtsgleichheit aufhalten wollen, er moechte lediglich, das der Staat z.B. nur noch von einheimischen Firmen kauft.

Der AfD-Vertreter im Bundestag wird sich weder fuer Rechtsgleichheit noch fuer Rechtssicherheit interessieren, sondern stattdessen den Hass auf alles was aus dem Ausland kommt in den Vordergrund stellen. Er wird der Regierung Versagen vorwerfen, weil sie Elektrotechnik aus dem Ausland einkauft.

Jahrzehntelang war die Politik gluehender Anhaenger der Globalisierung. Solange man von den Exporten genug profitierte, schienen die Nebenwirkungen der Globalisierung (u.a. neue Abhaengigkeiten z.B. bei Medikamentenimporten) egal. Mir scheint, jetzt schlaegt die Globalisierung massiv zurueck. Es wird klar, dass die Abhaengigkeiten in die man sich hineinmanoevriert hat, zu einem grossen Problem werden, sobald die geopolitische Stabilitaet ins Wanken geraet. Nationen nutzen diese Abhaengigkeiten nun als Druckmittel zur Erreichung eigener Ziele.

Was tun wir jetzt?

Eigentlich ist es nicht sonderlich kompliziert. Wir muessen einfach zur Kenntnis nehmen, dass die rosarote Zeit der Globalisierung vorbei ist. Diese Erkenntnis ist unabhaengig von dem Begriffsverstaendnis der „Souveränität“ machbar.

Doch eines sollte schnellstens veraendert werden: Die „Laissez-faire“ Politik, die Deutschland und die EU bereits viel zu lang laufen lassen gegenueber den Steuerzahlungen von grossen Unternehmen. Die Rechtsgleichheit muss hergestellt werden. Das ist vor allem deshalb noetig, damit die Freihheitsrechte der Buerger gesichert werden koennen.

Freiheitssicherung
Die Bürgerschaft hat bestimmte Rechte, die ihr niemand nehmen kann. Eine Freiheitsbegrenzung ist nur ausnahmsweise durch Gesetz möglich. Die Grund- und Menschenrechte sind Abwehrrechte gegen staatliche Willkür und schützen die Privatperson. In bestimmte private Bereiche darf sich der Staat nicht einmischen. Grundrechte sichern dadurch den Freiraum vor dem Staat, aber auch gegenüber anderen Bürgerinnen und Bürgern.

Unternehmen greifen mittlerweile in die Freiheitsrechte der Buerger massiv ein. Die Ausforschung der Buerger im Internet und ueber das Smartphone und allerlei andere elektronische Geraete (z.B. Smarte TV, Automobile, etc.) muss gestoppt werden. Der Rechtsstaat muss sich hier kuemmern und die Freiheitssicherung aktiv in die Hand nehmen.

Why do I blog this? Geltendes Recht muss auch gegenüber Unternehmen durchgesetzt werden. Man gewinnt den Eindruck die staatlich Handelnden Institutionen haben aufgegeben, diese Freiheitssicherung gegenüber Unternehmen ernst zu nehmen. Stattdessen freut man sich nun ueber den Begriff der Souveraenitaet, der wunderbar vom eigenen Nichtstun ablenkt.

Gewalt gegen Frauen

Ich moechte hier einmal Stellung nehmen (als Mann) zu den ganz offenbar gegen viele Frauen permanent stattfindende Gewalt durch Maenner.

Gewalt

Der neuste Anlass der Gewaltausuebung von Christian Ulmen gegen Collien Fernandes, ist fuer mich Anlass, mich als Mann zu diesem Verhalten zu auessern.

Die Schauspielerin Collien Fernandes hat schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben. Er habe Fake-Profile mit pornografischen Inhalten über sie erstellt. Sie erhält viel Zuspruch – auch aus der Politik. Die Justizministerin spricht sich für härtere Strafen aus. […]
Der Moderator und Schauspieler soll jahrelang im Internet Fakeprofile seiner Frau erstellt und Deepfake-Pornos verbreitet haben.

Ich verurteile das Verhalten dieses Geschlechtsgenossen, mit dem ich nichts gemeinsam habe ausser die physiologische Auspraegung des maennlichen Geschlechts. Aus meiner Sicht schadet hier ein Mann dem Ansehen der ganzen Maenner die sich anstaendig verhalten gegenueber Frauen. Der Schaden, den dieser Herr Ulmen fuer Maenner im gesellschaftlichen Kontext angerichtet hat ist betraechtlich.

Es ist mir unbegreiflich, wie abgrundtief die Gedankenwelt eines Menschen sein muss, der seine Partnerin mit der er gemeinsam ein Kind aufzieht, quasi digital stalked, sich mittels einer Art Identitaetsdiebstahl Accounts verschafft und sich als seine Ex-Partnerin ausgibt. Noch krasser ist, dass er mit Hilfe von KI Nacktaufnahmen und -filme seiner Ex-Partnerin anfertigt und in Umlauf bringt. Das kannte ich bislang unter der Bezeichnung „Revenge Porn“.

Konsequenzen

Ich fordere hiermit die deutsche Politik dazu auf folgende Dinge umgehend unter Strafe zu stellen:

  1. Anfertigung von fiktivem Bildmaterial mit Hilfe von Technologien (z.B. KI), zum Zwecke der Diskreditierung und Gewaltausuebung von und gegenueber (Ex-)Partner:innen
  2. In Umlaufbringen von privatem Bildmaterial von (Ex-)Partner:innen, ohne dessen/deren Zustimmung
  3. Anlegen & einsetzen von Accounts bzw. Zugaengen insbesondere E-Mailkonten zum Zweck der Identitaetsvortaeuschung von (Ex-)Partner:innen

Fakten & weitere Quellen

Das Hilfetelefon – Beratung und Hilfe für Frauen
https://www.hilfetelefon.de/

Gewalt gegen Frauen: Merkmale und Tatsachen
https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/infothek/gewalt-gegen-frauen/gewalt-gegen-frauen-merkmale-und-tatsachen.html

Frauen vor Gewalt schützen: Formen der Gewalt erkennen
https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/gleichstellung/frauen-vor-gewalt-schuetzen/haeusliche-gewalt/formen-der-gewalt-erkennen-80642

Femizide und Gewalt gegen Frauen
https://www.bpb.de/themen/gender-diversitaet/femizide-und-gewalt-gegen-frauen/

Polizeilich erfasste Gewalt gegen Frauen nimmt weiter zu
https://www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeldungen/251121_BLB_Straftaten_gegen_Frauen2024.html

Es gibt tonnenweise Links zu dem Thema. Lest euch schlau liebe Mit-Maenner und bezieht klar Stellung. Maenner haben eine Verantwortung andere Menschen (Frauen und Kinder und auch andere Maenner) zu schuetzen vor Gewalt. Gebt euch nicht zufrieden mit dem gesellschaftlichen Bild des Mannes und tut aktiv etwas.

Arbeitet an Euch! Ich kann u.a. (und das soll jetzt keine Werbung sein) Sven und Martin von Maennlichkeit staerken empfehlen. Aber auch Trainings zur Aufarbeitung von Konflikten mit den Eltern, Trainings zur Gewaltfreien Kommunikation und das Training mit eigenen Gefuehlen umzugehen.

Gewalt verhindert, dass ihr ein erfuelltes Leben leben koennt. Ihr beschneidet euch selbst und schadet nicht nur anderen massiv und oft so heftig, dass es nie wieder gutzumachen ist, ihr schadet auch euch selbst und allen anderen Maennern. Jeder der ein problem sieht und es laufen laesst macht sich hier mitschuldig an Gewalt gegen Frauen und andere. Lasst es nicht laufen, tut was dagegen!

Wunsch an Frauen

Ich wuensche mir von den Frauen in Deutschland, zu differenzieren zwischen Maennern, die sich als solche niedertraechtige Arschloecher auffuehren, und den Maennern, die das nicht tun. Es sind nicht DIE MAENNER die hier gewalt ausueben. Einige Maenner tun dies, aber die Mehrheit der Maenner tut das nicht.

Ich verurteile das gewalttaetige Verhalten von Maennern, ich verurteile Femizide und ich verurteile Maenner wie Putin, Trump, Nethanjahu etc. die Menschen wie den letzten Dreck behandeln. Krieg fuehren und Gewalt ausueben ist fuer mich das groesste Zeichen von Schwaeche. Wer nicht mehr ueberzeugen kann, der greift zur Gewalt, weil er oder sie nicht in der Lage ist die Realitaet zu akzeptieren.

Frauen, bitte, bitte, formuliert vorsichtig. Wenn ihr vereinfachend eine Generalisierung aussprecht, nach dem Motto „Die Maenner“, dann verurteilt ihr alle Maenner stellvertretend fuer die Vollpfostenexemplare von Maennern, die sich wie ein Christian Ulmen verhalten. Damit beendet ihr den Dialog mit uns und zieht eine Grenze zwischen Euch als Frau und dem Gegenueber als Mann.

Lasst uns bitte Menschen bleiben und uns nicht auf unser Geschlecht reduzieren. Fuer mich ist jeder erstmal ein Mensch und diese Sichtweise wuensche ich mir auch von anderen, die sich mit mir kommunikativ auseinandersetzen moechten.

Lanz empfindet Mitleid mit Ulmen

Screenshot von bild.de

Die Bild-„Zeitung“ brachte im Themenmix um diesen Vorfall diesen Anreisser: „Lanz empfindet Mitleid mit Ulmen“. Fuer mich stellt sich hier die Frage, warum aeussert eine Person des oeffentlichen Lebens, die beim oeffentlich rechtlichen Rundfunk arbeitet diesen Satz? Warum gibt Bild dieser Aussage Raum und verstaerkte Sichtbarkeit?

Mitleid ist nie gesund. Mitgefuehl waere eine angemessene Reaktion, Mitgefuehl fuer die Frau die dieser Gewalt ausgesetzt wurde. Mitgefuehl fuer den Taeter, kann man haben, ja, aber wenn das der erste Impuls ist, dann sollte man vielleicht mal den eigenen humanistischen Kompass ueberpruefen.

Vielleicht ist die vorgebliche Ruehrseligkeit – hier gegenueber Ulmen – auch schlicht und einfach das „Reiten der Aufmerksamkeitswelle“. Man kann das gleiche Verhalten von Herrn Lanz in seinem Podcast „Lanz + Precht“ beobachten.

Christian Ulmen hat sich ja bewusst dafuer entschieden, seine Ex-Partnerin so zu „behandeln“ wie er es getan hat. Herr Ulmen ist volljaehrig und daher voll fuer sein Handeln verantwortlich. Niemand hat ihn dazu gezwungen so zu handeln und seiner ehemalige Partnerin Gewalt anzutun.

Update: 23.5.2026

Dass noch Einiges geschehen muss, um hier fuer ausreichenden Schutz zu sorgen, zeigt auch dieser Beitrag im SPIEGELonline: „Verfolgung bei Sexualstraftaten: Er soll sie Dutzende Male betäubt, vergewaltigt und gefilmt haben. Doch eine Gesetzeslücke schützt ihn.“

„Im November erfuhr sie, dass das Ermittlungsverfahren zu 65 der 67 Taten, von denen es Aufnahmen gibt, eingestellt wird. Nach dem aktuellen Strafrecht seien die Taten verjährt, so die Staatsanwaltschaft Hamburg. […] Denn Vergewaltigungen verjähren in Deutschland in der Regel nach fünf Jahren, wenn keine weiteren Umstände hinzukommen.

Deshalb wurden bisher nur zwei der mutmaßlichen Taten angeklagt: die eine, weil das Video aus dem Jahr 2021 stammt, also noch keine fünf Jahre her ist. Bei der anderen wurde ein »gefährliches Werkzeug« benutzt, wie es im Strafgesetzbuch heißt, jener Baseballschläger. Daher greift hier eine längere Verjährungsfrist.“

Das zeigt, welche krassen Defizite die aktuelle Rechtsprechung hier aufweist. Wer waren eigentlich so die letzten Jahrzehnte unsere Justizminister:innen bzw. wer leitete das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz?

Surprise, seit 1966 ist das Ministerium entweder von der FDP oder von der SPD gefuehrt worden:

Amtsinhaber:in Partei von bis Kabinett
Herta Däubler-Gmelin SPD 27. Oktober 1998 22. Oktober 2002 Kabinett Schröder I
Brigitte Zypries SPD 22. Oktober 2002 28. Oktober 2009 Kabinett Schröder II
Kabinett Merkel I
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger FDP 28. Oktober 2009 17. Dezember 2013 Kabinett Merkel II
Heiko Maas SPD 17. Dezember 2013 14. März 2018 Kabinett Merkel III
Katarina Barley SPD 14. März 2018 27. Juni 2019 Kabinett Merkel IV
Christine Lambrecht SPD 27. Juni 2019 8. Dezember 2021 Kabinett Merkel IV
Marco Buschmann FDP 8. Dezember 2021 7. November 2024 Kabinett Scholz
Volker Wissing erst FDP, dann parteilos 7. November 2024 6. Mai 2025 Kabinett Scholz
Stefanie Hubig SPD 6. Mai 2025 Noch im Amt Kabinett Merz
Quelle: Wikipedia, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Falls also Fragen bestehen, wem wir zu verdanken haben, dass weder im Bereich Femizide, noch im Bereich DeepFakes und Identitsaetsklau, noch im Bereich Verbraucherschutz irgendwie grossartiger Fortschritt zu verzeichnen waere… Die Liste erklaert das ganz gut.

Von 2013 bis 2021 hatten wir im Prinzip nur „Lame Ducks“ als Justizminister:innen. Profillose und wenig engagierte Politiker:innen der SPD, von denen z.B. Frau Lambrecht dann mit wunderbaren Skandalen als Verteidigungsministerin geglaenzt hat. Frau Barley hat erst den Posten als Familienministerin sehr kurzzeitig und dann den Posten als Justizministerin (ebenso nur fuer kurze Zeit) als Sprungbrett genutzt, um sich nach Bruessel abzusetzen. Und ein Herr Maas, der als Justizminister farb- & profillos geblieben war und spaeter als Aussenminister den geordneten Abzug aus Afghanistan nicht auf die Reihe bekommen hat.

Why do I blog this? Ich habe eine Kommunikation mit einer weiblich gelesenen Person auf Mastodon abgebrochen, weil ich mir den Schuh der Gewalttaetigkeit nicht anziehen moechte. Ich habe mit Gewalt von Maennern die gleichen Probleme wie Frauen. Gewalt stoesst mich ab!

Gleichzeitig moechte ich nicht untaetig daneben stehen, wenn ein Exemplar meines Geschlechts die Reputation von Maennern in den Dreck zieht. Ich betrachte das als egoistisches Arschlochverhalten. Ich finde es abstossend und widerwaerig und moechte, dass so ein Verhalten gesellschaftlich geaechtet wird.

Aber damit ist es nicht genug. Ich moechte dass die Politik endlich den Arsch hochkriegt und die notwendigen juristischen Grundlagen schafft, um solches verhalten angemessen mit Freiheitsentzug zu bestrafen. Ich wuerde denen auch ein lebenslanges Verbot der Computernutzung auferlegen, wenn sie digitale Gewalt ausueben. Dieses braesige Nichtstun unserer Politik ist leider aber etwas, dass ich als Realitaet schon lange akzeptiert habe.

Ich sollte das nicht akzeptieren und ich moechte das auch nicht! Warum sagt der Bundespraesident nicht mal was dazu? Wozu bezahlen wir den eigentlich? Sieht der sich in irgendeiner Verantwortung fuer gesellschaftliche Belange? Ich mag die verantwortung nicht abwaelzen auf den Bundespraesident, aber der kann da was bewegen. Ich kann nur einschreiten wenn in meinem Umfeld solche Scheisse passiert.