Wann genau ist „Social Media“ ungesund?

Inhaltsübersicht

  1. Die Frage
  2. Die Kick-Erfahrung
  3. Dark Patterns
  4. Ausstieg
  5. Wiedereinstieg
  6. I’m gonna have to science the shit out of this
  7. 1 Tag später
  8. Mastodon Mood Board
  9. Prompts
  10. 1 Tag zuvor
  11. 2 Tage später
  12. Tag der Wahrheit (nach über 300 Posts)
  13. Wie geht’s weiter?
  14. Update: 5 Tage später
  15. Update: 29. Juni 2026
  16. Beispiel: Christian Stöcker
  17. Wichtige Auswertungen & Features die nun verfügbar sind
  18. Beispiele für visuelle Hilfen an den Nutzer bei der täglichen Einordnung
  19. Beispiele für visuelle Hilfen an den Nutzer in der historischen Gesamtschau
  20. Mood Board App
  21. FAZIT
  22. Nachtrag: Persönliches Fazit

Wann genau ist „Social Media“ ungesund? Das scheint eine einfache Frage zu sein, oder? Derzeit wird diese Frage reduziert auf „Ab wann kann es uns egal sein, ob Social Media ungesund ist?“ aka Alterskontrollen und die Antwort darauf ist von der Politik und anderen die sich nicht weiter zu helfen wissen ungefähr: „So ab Volljährigkeit geht das schon klar.“

BIG DISCLAIMER & CONTENT WARNING
Der Blogpost selbst ist komplett von mir geschrieben. Für den Text in meinem Blog setze ich keinerlei AI ein. ABER: Es wird später im Beitrag um AI gehen und eine Applikation die ich mit Hilfe von AI erstellt habe!

Die Frage

Die Frage ab wann es ungesund wird, ist vermutlich nicht so einfach zu beantworten, sonst gäbe es aktuell nicht diese ganzen Diskussionen darum, ob man das Ganze nicht für Jugendliche und Kinder verbieten sollte. Andere Länder, wie z.B. NeuseelandAustralien haben sich für ein Verbot für Social Media für Jugendliche unter 16 Jahren entschieden.

Folgende Grafik gibt da mal einen detaillierteren Einblick. Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

Ich hab das mal etwas komprimiert diese Grafik, um den Blick auf das zu lenken, was diese Grafik visuell ganz an das Ende stellt.

Okay, rechnen wir mal kurz nach für die Jugend: 61% schätzen die psychischen Auswirkungen NEGATIV (wir addieren eher negativ + sehr negativ) ein. 66% schätzen die körperlichen Auswirkungen NEGATIV ein. 59% schätzen die Auswirkungen auf die eigene Aufmerksamkeit NEGATIV ein.

Schauen wir uns die Erwachsenen an, die sind ja volljährig da ist das doch bestimmt besser, oder? 77% schätzen die psychischen Auswirkungen NEGATIV ein. 74% schätzen die körperlichen Auswirkungen NEGATIV ein. 72% schätzen die Auswirkungen auf die eigene Aufmerksamkeit NEGATIV ein.

Löst das Verbot von Social Media in Abhängigkeit vom Alter denn das eigentliche Problem was man lösen will und liesse sich das überhaupt umsetzen? Dafür müsste man mal genauer fragen, was man denn eigentlich lösen moechte. Wenn man da mal genauer nachbohrt, dann sind das ja eigentlich die negativen Folgen von Social Media Konsum und Teilnahme an Social Media Produktion. Etliche Psychologen haben Kinder und Jugendliche in Behandlung, die durch Social Media die Balance im Leben verloren haben. Das wird so jedenfalls berichtet. Könnte daran liegen, dass diese Nutzergruppe SELBST den Gebrauch in Schlüsselbereichen wie psychologische, körperliche und Aufmerksamkeits-bezogenen Auswirkungen zu ca. 60% NEGATIV einschätzt.

Von Erwachsenen, die die Balance im Leben durch Social Media verloren haben hören wir erstaunlicherweise nichts. Vermutlich weil die gleich wegen Depressionen behandelt werden und man dahinter halt so die „allgemeine Belastung“ vermutet. Welche Rolle Social Media dabei gespielt hat, das wird möglicherweise gar nicht erfragt. Die sind ja schliesslich erwachsen!!111 Aber hey, surprise, die Erwachsenen schätzten in den gleichen Schlüsselbereichen wie psychologischen, körperlichen und Aufmerksamkeits-bezogenen Auswirkungen die NEGATIVEN Auswirkungen mit über 70% sogar nochmal +10% schädlicher ein als die Jugendlichen. Huch!?

Die Kick-Erfahrung

Nun habe ich einige Zeit damals auf Twitter verbracht (als Twitter noch Twitter hiess und es kaum jemand benutzte). Die Idee war simpel: Kurzbotschaften auf 140 Zeichen begrenzt an die ganze Welt oder seine Kumpels senden. Eigentlich so spektakulär wie SMS auf dem Telefon. Und doch war das Zeug deutlich anders, denn man konnte RETWEETEN und LIKE’N. Mit einem RETWEET wurde der Inhalt an alle FOLLOWER weitergeleitet. Ein LIKE zeigte dem Erzeuger der Nachricht, dass einer seiner Leser es gut findet. Aber letztlich war der RETWEET das ultimative „FINDE ICH GUT!!!“. Andere Reaktionsmöglichkeiten bot die Plattform nicht (z.B. Daumen runter, oder „belastet mich“), es ist durchaus interessant, dass auch facebook damals gegen den Daumen runter entschieden hat, man hat es nur mal getestet, um den Algorithmus etwas zu kalibrieren. Bei twitter gab es das nie.

Dieser Akt der gefühlten Selbstwirksamkeit, quasi mit den Füssen bzw. der Maushand abstimmen zu können, was sich weiterverbreiten sollte und was nicht, gab einem ein Gefühl von „Zünglein an der Waage“ oder auch dem „Scharfrichter“, auf jeden Fall aber hatte man gefühlt einen Einfluss. Wenn man etwas zwar interessant fand aber nicht würdig für einen RETWEET dann tat es auch ein LIKE. Damit hatte man die Nachricht auch für sich selbst quasi gebookmarked, und man konnte seine Favourites später durchsuchen.

Dieses Gefühl selbst etwas bewirken zu können – selbst wirksam zu sein, also selbstwirksam – hatte Suchtcharakter. Es gab einem eine Form von unmittelbar positivem Kick. Ein Dopamin-Ausstoss im Gehirn. Und nach kurzer Zeit wollte das Gehirn mehr von diesem Gefühl. Denn es war doch so einfach… bissel scrollen … bissel was lesen … klicken … Dopamin-Kick.

Doch das BISSEL SCROLLEN wurde dann schnell mal zu eine halbe Stunde scrollen und klicken. Denn das Hirn kann nie genug vom Dopamin bekommen, vor allem wenn es doch so leicht scheint. Scroll-Klick-Dopamin! Easy! Smartphone Apps wie z.B. Twitterific (Screenshot der Website) und Tweetbot (Website, Screenshot der Website) machten das Erlebnis perfekt indem bei einem Retweet, einem Like oder einfach nur dem Refresh, um mehr Inhalte zu laden Sounds abgespielt wurden die fast schon an ein Jump’n Run Spiel erinnerten, bei dem man gerade erfolgreich Goldmünzen eingesammelt hat. Es wurden also auch gezielt Methoden der Spieleindustrie eingesetzt, um das Erlebnis mehr zu einem Spiel & Spass zu machen.

Damals war der Inhalt und das was man als Inhalt präsentiert bekam im wesentlichen bestimmt von anderen Nutzern wie du und ich. Doch das hat sich geändert, erst auf Twitter und dann auf X.

Dark Patterns

Twitter hatte angeblich immer Probleme Geld zu verdienen mit dem was sie da anboten. Irgendwann war das auch schon so ein runnig gag, ob die überhaupt jemals damit Geld verdienen würden. Also begannen sie irgendwann Werbung in die Timeline aufzunehmen. Für die App-Nutzer war das kein Problem, die API gab die Tweets ohne Werbung raus. Doch dann wurden peu a peu die Daumenschrauben angezogen. Twitter stellte die API-Zugänge für die Apps ab, denn die Werbung lief ja nur auf der Webseite. Und Werbung wollte man verkaufen und zwar zahlreich. Und an dem Punkt hätte man im Prinzip mit dem „Social Media“ aufhören sollen nach meiner Meinung. Hab ich auch. Heute wissen wir, der Wert von so einer Plattform liegt nicht im Geld eintreiben von „Nutzern“ und „Werbenden“. Der Verkauf der Nutzerdaten (z.B. deren Interessen, was sie gut finden) & die Manipulation der Meinung der gesamten Nutzerschaft (durch Bots & Algorithmen) haben ihren ganz eigenen hohen Marktwert.

Denn was jetzt kam ist ein Absturz in dunkelste Techniken. Angetrieben durch ein Standardwerk des Silicon Valley das Buch „Hooked (Am Haken): Wie man Produkte herstellt, die süchtig machen.“.

Darin ist beschrieben wie es den Entwicklern mitnichten um soziale Aspekte ging, es ging um knallharte Psychologie. Genau die Psychologie, die Jugendliche und Kinder jetzt in die Behandlung zum Psychologen bringt. Es ging um das psychologische Ausbeuten von Menschen zum Zwecke der Maximierung des Werbeanzeigenumsatzes und des Weiterverkaufs der Nutzerdaten zum Zwecke der Profilbildung.

Das war dann aber noch nicht das Ende denn mit dem Kauf von Twitter das jetzt ‚X‘ hiess, wurde es noch gruseliger. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits klare Fakten sichtbar, dass Twitter zunehmend durch Bots (Screenshot) – also automatisch gesteuerte Software – besucht wurde und mit Inhalten beschickt wurde. Die Bots haben natürlich auch gescrollt… das hat Twitter nicht bemerkt oder nicht bemerken wollen. Denn das Geld für gezeigte Werbeanzeigen fliesst dann ja trotzdem. Soll doch der Werber doch erstmal beweisen, dass seine Anzeige nur von Bots angeschaut wurde.

Die naechste Stufe jedoch wurde mit ‚X‘ erreicht, indem man Bots mit Ansage freie Hand liess. ‚X‘ setzte selber Bots ein, um Nachrichten zu pushen oder ganze Inhalte zu promoten. Der Algorithmus wurde angepasst, so dass die Lieblingsthemen von Elon Musk nun viel häufiger in die Timelines der verbliebenen Nutzer gespült wurden. Die Timeline selbst wurde noch härter suechtigmachenden Inhalten (vorwiegend Kurzvideos/Clips) geflutet.

Wer jetzt noch weiter auf ‚X‘ aktiv war, befand sich zwischen Algorithmen, Bots, faschistischen Influencern und Groq, einer neuen AI, die exklusiv in Elon Musks Auftrag an ‚X‘ teilnahm. Künstliche Intelligenz hat dem Ganzen den Extra-Spin verpasst, den es noch brauchte um den Nutzern vollends den Kopf zu verdrehen.

Ausstieg

Ich hatte da schon längst Twitter verlassen. Aber auch schon davor hatte ich offen gesagt Probleme meinen Twitter-„Gebrauch“ in geordneten Bahnen zu halten. Während der Zeit der Nutzung von Twitter habe ich bestimmt drei oder vier bewusst eingelegte Pausen von der Nutzung gemacht. Weil es mir zuviel wurde! Weil es zuviel Raum einnahm. Weil es mein Gehirn in einen Endlos-Loop aus Scrollen-Klicken-Dopamin gefangen nahm. Und wirklich sozial war daran eigentlich nichts mehr. Aus der Anfangszeit von Twitter, wo man noch über „Microblogging“ sprach – denn zuvor war „Bloggen“ bzw. ein Weblog betreiben eigentlich das grosse Ding gewesen – war nichts mehr übrig. Das Microblogging hatte sich erledigt, denn die Algorithmen übernahmen das Regiment in der Timeline.

Wiedereinstieg

Vor einiger Zeit, genauer um 2024 herum habe ich mir dann gedacht, hey, ich probier’s mal wieder, aber diesmal mit Mastodon. Also weder Twitter, noch ‚X‘, noch Facebook, noch Instagram, oder Youtube, oder Pinterest … nur Mastodon, nur eine Instanz. Schliesslich wurde freundlich eingeladen mit „Komm ins Fediverse!“.

Fediverse? Was ist das?
Das Fediverse (aus „Federation“ und „Universe“) ist ein dezentrales Netzwerk unabhängiger Server, die über offene Protokolle wie ActivityPub miteinander kommunizieren. Nutzer:innen können auf einer Plattform ein Konto haben und trotzdem mit Personen auf anderen Plattformen interagieren – ähnlich wie bei E-Mails.

Im Gegensatz zu zentralen Netzwerken wie Facebook oder Instagram gibt es keine zentrale Kontrolle, die Daten bleiben oft auf dem eigenen Server („Instanz“), und viele Plattformen sind Open Source.

Quelle: joinfediverse.at

Wenn man anfängt ist es wie damals bei Twitter anfangs, man kennt niemanden und muss eigentlich erstmal rausfinden wo sich alle rumtreiben. Das ist mit Mastodon schwieriger, weil es zig dezentrale Instanzen gibt (was gut ist, so hat nicht eine einzige maechtige Person alle anderen in der Hand). Aber es ist schon ein wenig mühsam. Eine vorkuratierte Timeline gibt’s nicht, ausser die öffentliche (sofern die zugänglich gemacht wird) der lokalen Instanz auf der man ist. Da sieht man dann aber wirklich alles und das überfordert einen sofort. Man sieht tausend Dinge die einen nicht interessieren oder gar aufregen. Also baut man sich über die Zeit eine eigene „Bubble“ wem man „folgt“. Ich finde das Wort „folgen“ tatsächlich schon schwierig.

Ich habe ab Mitte 2025 Mastodon dann überhaupt erst einigermassen benutzt. Erst mit der meiner Meinung nach schlechten Mastodon App (Screenshot) unter iOS die bei mir ständig Fehler in der Darstellung & beim Scrolling hatte und mit regemlmässigen Abstürzen zu kämpfen hatte. Kurz, die App machte keine Freude, was eigentlich gut war, denn das begrenzt die Verweilzeit in der App. Dennoch hats irgendwann genervt und ich hab ein Abo für Ivory (Screenshot Website, Screenshot AppStore, AppStore) abgeschlossen. Das ist im Prinzip der Tweetbot für Mastodon (vom selben Entwickler, dem Twitter ja den Stecker gezogen hatte).

Jetzt kostete mich das Social Media nicht nur Zeit sondern auch noch richtig Geld jeden Monat (Tweetbot war damals noch ein Einmalkauf). Fast forward Mai 2026, ich bemerke, wie ich mehr und mehr Zeit an die Ivory App verliere. Das Hirn will Scrollen-Klicken-Dopamin! Aber was beängstigender ist, ich bekomme richtig schlechte Laune. Und ich vermute den Zusammenhang mit der Nutzung von Social Media. Dabei sollte doch Mastodon das „gute“ Social Media sein.

Meine Physiologie sagt anderes, ich habe Bluthochdruck, scrolle wie wild in der App den ganzen Tag und die Nachrichten darin fangen an mich mehr und mehr aufzuregen. Irgendwas läuft hier gewaltig schief grade…

I’m gonna have to science the shit out of this.

Um es mit einem Zitat aus dem Film „Der Marsianer“ von Astronaut Mark Watney (gespielt von Matt Damon) zu sagen, „I’m gonna have to science the shit out of this.“

Und genau das ist was derzeit tue, bzw. 2 Tage lang exzessiv betrieben habe. Ich tracke meinen Social Media Gebrauch nicht nur, sondern ich erfasse ihn wissenschaftlich. Um das tun zu können, habe ich mir zunaechst eine Web-Applikation erstellt. Denn für mich stellte sich vor allem eine Frage: „Warum macht mein Social Media Gebrauch mir schlechte Laune?“

Um dieser Frage auf den Grund gehen zu können liegt es für mich nahe, dass ich gezielt mal untersuche, welche Emotionen der Gebrauch von Social Media bei mir auslöst. Doch wie will ich das erfassen? Soll ich einen Zettel neben mir haben während ich durch die Postings scrolle und dann Notizen machen wie "Meh, dieser Post von Netzpolitik.org nervt mich"? Das ist nicht machbar! Doch was genau wäre machbar?

Wenn ich doch nur während ich die Postings lese, eine Einordnung vornehmen könnte, was der jeweilige Post-Inhalt bei mir auslöst. Das wäre hilfreich. Doch der iOS Client Ivory kann das nicht. Eine eigene iOS App schreiben – nur dafür – niemals, ich kann das zwar, aber soviel Lebenszeit ist es nicht wert.

Hmm… aber da ist doch dieses offene Protokoll, und Mastodon hat eine saubere API. Damit müsste sich doch was anfangen lassen. Ich erinnere mich an Mastowall von Ralf Stockmann. Der hat die neuste Release von Mastowall ge-vibe-coded nach eigenen Angaben. Hmm, dann müsste es doch theoretisch…

BIG DISCLAIMER & CONTENT WARNING
Ich habe AI benutzt. Ich habe Geld dafür ausgegeben. Ich habe meine gesamte Erfahrung (Jahrzehnte) als Software Engineer in die geschickte Formulierung einiger Prompts gesteckt. Ich habe eine tolle Applikation als wissenschaftliches Hilfsmittel erhalten, mit Hilfe von AI, die ich ohne diese Tools niemals in der Form und der kurzen Zeit (2 7 Tage) hinbekommen hätte.

1 Tag später

Ich will eine Lösung. Ich moechte belastbare Fakten haben. Also schlucke ich die Kröte und besuche die AI-Platform, die mich vor einigen Monaten bereits bei einem kostenlosen Ausprobieren beeindruckt hatte: LOVABLE.DEV. Das ist ein Service, der eine vollständige, hochintegrierte AI-„Entwicklungsumgebung“ bereitstellt im Browser. im Studium sprachen wir damals noch von Computer Aided Software Engineering (CASE), doch das hier ist was anderes. Das hier ist AI-aided Software Production (AISP).

Mit einem anderen Account hatte ich auf lovable.dev bereits einen ersten Proof-of-Concept produzieren lassen mittels AISP. Dann gingen mir die 5 Free Credits aus, aber der Prototyp funktionierte bereits ganz gut. Ich wollte aber nicht mit dem Prototyp weitermachen und auch nicht mit DEM Account. Jetzt sollte es produktiv und ernst werden. Also habe ich einen neuen Account angelegt und meine Kreditkartendaten eingegeben. 25 Euro pro Monat, für 100 Credits. Wie weit mich so ein Credit bringen würde? Keine Ahnung. Die kostenlosen Probiercredits (man bekommt 5 davon pro 24h) waren nach gefühlt 3-4 Anfragen aufgebraucht. Spannend war, dass ich allein mit den 5 Free Credits bereits was vollständig Funktionierendes hatte.

Mastodon Mood Board

Also fing ich an meine Anforderungen zu formulieren. Und das schaut tatsächlich deutlich einfacher aus als es wirklich ist. Denn was man letztlich abliefern muss ist ein Pflichten-/Lastenheft, das alle Anforderungen so präzise formuliert, dass sie eindeutig sind und nicht „missverstanden“ bzw. mehrdeutig ausgelegt werden können. Die Maschine dahinter „liebt“ klare und exakte Anweisungen (nach meiner ersten Erfahrung mit AI’s). Was man ihr nicht sagt, das füllt sie mit eigenen „Vorstellungen“ bzw. mit dem was die Heuristik (entstanden aus dem Modelltraining) an der Leerstelle für am wahrscheinlichsten & plausibel hält. Das muss nicht unbedingt ins Verderben führen, aber meistens ist es eben nicht genau das was man da moechte. Manchmal hat man aber auch Glueck und es ist exakt das was man sich vorgestellt hat… per Zufall (durch die Wahrscheinlichkeit die sich am Durchschnitt orientiert). Was mir schnell auffiel war, dass die AI Leersetllen die ich unbewusst gelassen hatte, oftmals sinnvoll füllte. Das betrifft z.B. Beschriftungen von UI-Elementen, die ich nicht explizit erwähnt hatte, die sie aber dennoch eigenständig erstellte.

Ich fühlte mich an das Gymnasium erinnert, meine alte Schule. Siebte Klasse Gymnasium bei Frau Geissler, meiner Deutschlehrerin. Ich lernte Bildbeschreibungen. Das wichtige an Bildbeschreibungen war die Exaktheit, so dass man sich vorstellen konnte was auf dem Bild wirklich ist. Genauso fühlte sich das an, nur dass ich das Bild nicht hatte. Ich musste die Bildbeschreibung für ein Bild schreiben, das nur teilweise in meinem Kopf existierte. Erst wenn ich die erste Skizze vor mir gesehen hatte, wurde mir klar, „Uff da fehlt aber noch was!“.

Exkurs Bildbeschreibung

Eine gute Bildbeschreibung gliedert sich in Einleitung, Hauptteil und Schluss.

Einleitung

In der Einleitung nennt man die wichtigsten Grunddaten zum Bild: Art des Bildes, Thema oder Motiv und, falls bekannt, Künstler oder Quelle.

Hauptteil

Im Hauptteil wird das Bild genau und geordnet beschrieben, meist vom Allgemeinen zum Besonderen.

  • Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund.
  • Personen mit Aussehen, Kleidung und Haltung.
  • Gegenstände, Umgebung, Farben, Licht und Perspektive.

Schluss

Im Schluss kann man die Wirkung, Stimmung oder eine vorsichtige Deutung des Bildes formulieren, wenn dies erlaubt ist.

Tipps

  • Das Bild zuerst genau betrachten und Stichpunkte notieren.
  • Die Beschreibung klar gliedern und in ganzen Sätzen schreiben.
  • Vom Großen zum Kleinen oder von wichtig nach weniger wichtig beschreiben.
  • Im Präsens schreiben und Wiederholungen vermeiden.

Quelle: lernhilfe-sprenger.com

Also fing ich an meine genaueste „Bildbeschreibung“ zu formulieren, die ich je geschrieben hatte. Es fühlte sich an wie in der Klassenarbeit damals in Deutsch. Hier also meine Beschreibungen…

Prompts

 Prompt 1

Lass Lovable eine Web-Applikation bauen, die mit dem API von mastodon-Servern interagieren kann. Folgende Dinge soll die Applikation können (anklicken zum ein-/ausklappen)

* Sie soll sich mit dem API eines mastodon-Servers in Verbindung setzen koennen, um die aktuellsten Posts dort zu lesen und dann in einem eigenen UI rueckwaerts chronologisch sortiert (aktuellster Post oben) darzustellen.
* Hierfuer soll der Nutzer aus einer Liste moeglicher (ueblicher) mastodon instanzen auswaehlen koennen, mit welcher instanz er interagieren moechte.
* Neben jedem posting soll es einen Button geben mit der Aufschrift "Einordnung".
* Klickt man auf diesen Button, dann soll sich ein Popover oeffnen, in dem man dieses Posting einer oder mehrerer von folgenden Kategorien zu den gefuehlten Emotionen zuordnen koennen soll: Positiv, Negativ, Neutral, Apellierend, Fordernd, Schlechte Laune, Gute Laune, Freude, Schadenfreude, Handlungsdruck, Schlechtes Gewissen, Gutes Gewissen, Aussenseiter, Angst, Befluegelung, Bestaerkend, Liebend
* Wenn man in dem popover nichts auswaehlen moechte, soll man es schliessen koennen mit einem "Abbrechen"-Knopf und einem Schliessen-X in der rechten oberen Ecke des popover
* Sowie eine oder mehrere Kategorien fuer ein posting ausgewaehlt wurden soll man das popover mit einem "Fertig"-Button schliessen koennen, die Einordnung soll zusammen mit dem unique Identifier des Postings im lokalen Browser storage gespeichert werden.
* Die Applikation soll eine Moeglichkeit fuer einen Administrator vorsehen, diese Liste an Kategorien waehrend des Betriebs anzupassen, also welche hinzufuegen zu koennen oder entfernen zu koennen.
* Der Administrator muss nicht als extra Account existieren, es reicht ein hart kodiertes Passwort zum Schutz der Administrativen Funktionen.
* Nutzer die mit der Applikation interagieren werden mittels eines Cookies identifioziert und ihre Einordnungen von postings werden verknuepft mit ihrer unique UserID die per zufall erstellt wird beim ersten interagieren und dann in einem cookie gespeichert wird.
* Der Nutzer wird bei erstmaliger Nutzung darum gebeten einen Vor- oder Nicknamen einzugeben fuer sich selbst, auch dieser wird in den Cookies gespeichert
* Die vom nutzer getroffene gemachte Auswahl aus den mastodon-instanzen wird ebenfalls in einem Cookie gespeichert
* Fuer die grafische gestaltung greife bitte auf existierende CSS-frameworks wie Bootstrap zurueck.
* Stelle die posts dar in einer rechteckigen Kachel mit runden Ecken und leichtem Schattenwurf mit dem entsprechenden Absender, der relativen Zeit von wann der post ist (z.B. "vor 1 Minute", "vor 2 Stunden", "Jetzt gerade" fuer Posts der letzten 60 Sekunden), platziere in die linke obere ecke der kachel das Bild des nutzers in einer kreisfoermigen Maskierung
* Sollte ein Nutzer sein post mit einer Content-Warnung versehen haben, dann zeige den post nicht sofort an, sondern stattdessen den text "Inhalt mit Warnung! (Anklicken um inhalt zu sehen)" und zeige den inhalt erst, wenn der Nutzer bewusst auf diesen text klickt.
* Fuer den Nutzer stelle Ganz oben in der Applikation drei bereiche dar: "Posts", "Auswertung", "Nutzer", "Admin"
* "Posts" zeigt den bis hierher beschriebenen Funktionsbereich
* "Auswertung" wechselt den Anzeigebereich und zeigt eine statistische Auswertung aller bisher einkategorisierten postings. Diese Auswertung zeigt wahlweise ein horizontales barChart in dem die kategorien absteigend (Haeufigste zuerst) aufgelistet werden
* Der "Nutzer" bereich erlaubt zwei operationen: Das Eingeben, Aendern und Speichern der Nutzer Vor- oder Nicknamen und die Loeschung bzw. den Reset aller gemachten Einordnungen
* Der "Admin" bereich erlaubt nach Abfrage eines passwort die Modifizierung der Kategorien (Hinzufiegen, Loeschen, Umbenennen) und die Speicherung dieser Kategorien. Diese Speicherung muss ausserhalb des browsers erfolgen, damit sie persistent fuer alle Nutzer zur verfuegung steht

 Prompt 2

Das schaut schon ganz gut aus, aber folgende Ändrungen und Erweiterungen sollten nun stattfinden

(anklicken zum ein-/ausklappen)
* In dem bereich "Admin" erlaube eine Sortierung der Kategorien durch den Administrator und speichere diese Sortierung nach jeder Aenderung der Sortierung. Die Sortierung sollte einfach per Drag and Drop durch verschieben der Kategorieeintraege funktionieren
* Bitte merke dir die Mastodon-Instanz sobald der Nutzer in dem Dropdown eine mastodon instanz gewaehlt hat die keinen Fehler 422 erzeugt.
* Sofern der Fehler 422 auftaucht, beschreibe bitte fuer den nutzer verstaendlich was dieser fehler ist und was man tun kann um ihn zu vermeiden.
* Fuege vor dem Dropdown zur Auswahl des der mastodon-Instanz einen deutlichen hinweistext ein mit dem Inhalt: "Bitte wähle eine Instanz aus, auf der du bereits gültig eingelogged bist."
* Fuege neben dem Dropdown zur Instanzauswahl einen Knopf hinzu mit der Aufschrift "Mastodon Instanz manuell eingeben...". Klickt man darauf, dann kann man statt aus dem dropdown auszuwaehlen eine Instanz-URL direkt eingeben. Fuelle das Eingabefeld mit einem Beispielwert, der anzeigt in welchem Format die Eingabe erwartet wird.

 Prompt 3

Diese Änderungen waren ganz gut, folgende Veränderungen sollten nun noch geschehen:

(anklicken zum ein-/ausklappen)
* Wenn eine Mastodon-instanz ausgewaehlt wurde von der erfolgreich Posts geladen werden konnten, speichere diese instanz bitte in den Cookies fuer den nutzer als default instanz und waehle sie wann immer die "Posts" seite aufgerufen wird als standardauswahl.
* Um von Zeit zu Zeit neue Posts zu laden, stelle oben rechts auf der "Posts"-seite einen Button bereit "Posts nachladen...". klickt der nutzer darauf, dann lade erneut posts von der ausgewaehlten instanz.
* Auf der ersten Seite (nennen wir sie "Willkommen"-seite) fuege bitte einen gut sichtbaren Begruessungstext ein mit folgenden Inhalten:

 * Ueberschrift erster ordnung: "Mastodon mood Board"
 * Ueberschrift zweiter ordnung: "Willkommen, $nutzername!" fuer $nutzername fuege bitte bereits in den Cookies gespeicherten Nutzernamen ein sofern dieser vorliegt, ansonsten benutze den text "Willkommen!"
 * Fliesstext: "Dieses Werkzeug hilft dir deinen Social media Konsum einzuordnen. Gib nachfolgend deinen Vor-/Nicknamen ein und wähle anschliessend deine Mastodon-Instanz aus."

* Auf der "Posts" seite fuege oben einen gut lesbaren hinweistext ein, der dem nutzer erklaert, dass er hier jedes posting mit dem "Einordnen" button emotionalen kategorien zuordnen kann. er kann jederzeit in die auswertung gehen, um sich seine bewertungen anzuschauen.

* Bitte veraendere die Nutzererfahrung dahingehend, dass wenn man die "Posts"-seite kurz verlaesst um z.b. zur "Nutzer"-seite zu wechseln, der kontext der "Posts" seite erhalten bleibt und nicht wieder von von beghonnen werden muss

* Die "Nutzer" seite sollte in dem eingabefeld fuer den Nutzernamen bereits beim aufrufen der seite den in den cookies gespeicherten namen im eingabfeld zeigen. erst wenn in dem eingabefeld eine aenderung erfolgt mit anschliessendem "Speichern", soll der wert fuer den nutzernamen im cookie auch geaendert werden.

 Prompt 4

Damit diese Mood Board Applikation ihren Sinn noch besser erfüllen kann, sollten folgender Änderungen erfolgen

(anklicken zum ein-/ausklappen)
* Im "Admin"-bereich erlaube fuer jede kategorie zusaetzlich folgendes Merkmal als boolschen wert zu speichern: "emotion_category" mit den wertauspraegungen "0" fuer negativ und "1" fuer positiv indem du in der eingabezeile fuer die kategorie zwei radio-buttons unterbringst mit den labels "Positiv" und "Negativ". wenn eine neue kategorie erstellt wird, hat dieses merkmal by default den wert "0" fuer negtiv und der radiobutton mit dem label "Negativ" ist bereits vorselektiert. beide radiobuttons gehoeren zu einer radiobuttongroup. sobald der gewaehlte radiobutton verandert wird speichere diese andereung in der kategorie sofort. Je nachdem welche Zuordnung eine Kategorie hat, stelle dem Kategorienamen auf einem hintergrund der farbe "Babyblue" dar fuer kategorien die das merkmal "negativ" tragen und stelle den Kategorienamen auf einem hintergrund der farbe "Cerise" dar fuer kategorien die das merkmal "positiv" tragen. aktualisiere diese farbliche unterscheidung sofort wenn sich die zuordnung zu positiv oder negatriv aendern sollte in den radiobuttons.

* in der "Auswertung"-seite erzeuge statt bislang einem nunmehr zwei barcharts. Beide Barcharts werden nebeneinander angezeigt in einer kacheloptik mit runden ecken und einem leichten schattenwurf dahinter. Das linke barchart hat die Ueberschrift erster Ordnung "Negative Einordnungen" und wertet nun nur noch die Kategorien aus die das merkmal "negativ" tragen und benutzt ausschliesslich die farbe "Babyblue" fuer die balken. Das rechte barchart hat die Ueberschrift "Positive Einordnungen" und wertet nur die kategorien aus die das merkmal "positiv" tragen und verwendet ausschliesslich die farbe "Cerise" fuer die balken.

 Prompt 5

Bitte führe ein Refactoring durch, dass u.a. folgende Schwerpunkte hat

(anklicken zum ein-/ausklappen)
* Versuche die verwendeten Komponenten und Libraries und Frameworks soweit wie moeglich zu verringern.
* Versuche die Abhaengigkeit von fremden Softwarekomponenten zu verringern
* Versuche den erzeugen Code in modulare Funktionen zu unterteilen, die du mit passenden kommentaren versiehst
* Versuche das gesamte Projekt technisch zu vereinfachen, so dass man es mit wenig aufwand auf einem lokalen Rechner mit Linux oder macOS installieren koennte
* passe folgende Texte nochmals an:
- "Mastodon mood Board" wird "Mastodon Mood Board" (da war in tippfehler drin, entferne bitte das emoji symbol)
- "Dieses Werkzeug hilft dir deinen Social media Konsum einzuordnen. Gib nachfolgend deinen Vor-/Nicknamen ein und wähle anschliessend deine Mastodon-Instanz aus." wird "Dieses Werkzeug hilft dir deinen Social Media Konsum besser einzuordnen. Gib nachfolgend deinen Vor-/Nicknamen ein und wähle anschliessend deine Mastodon-Instanz aus."

1 Tag zuvor (Proof-of-Concept)

Nach der Abfolge von Prompts an Tag 1 hatte ich tatsächlich eine funktionierende Version 1.0 die alle Basics konnte die mein Proof-of-Concept (PoC) auch konnte. Mit dem PoC hatte ich bereits begonnen Posts einzuordnen. Ein erstes Ergebnis war das was folgender Screenshot zeigt.

Hier sieht man mal eine Beispieleinordnung aus dem PoC. Unten im Posting sieht man welche Einordnungen ich vergeben habe. Da fiel mir schon auf, dass ich präziser in den Anweisungen werden müsste, denn die Einordnungen waren schlecht optisch auseinanderzuhalten ob sie positiv oder negativ waren.


2 Tage später

Während die obigen Prompts noch die Genese des ersten Proof-of-Concept beschreiben, sahen meine Prompts im zweiten Anlauf deutlich besser strukturiert aus. Es gibt vermutlich eine beste Struktur für „AI-Bildbeschreibungen“ bzw. Arbeitsanweisung im Sinne von AISP (AI-enabled Software Production).

Die neuen Prompts lasse ich hier mal aus, das waren einfach deutlich mehr (und es ist erstaunlich kompliziert diese aus der LOVABLE Plattform wieder zu extrahieren, also richtig viel Arbeit!). Danach hatte ich jedoch eine neue Applikation in den Händen die sogar Light-/Dark-Theme beherrschte. Mit den neuen Bereichen die ich definiert hatte war ich sehr zufrieden. Jetzt musste nur das mit der richtigen Anmeldung als Third-Party-App bei der Mastodon-Instanz noch klappen.

Wenige Prompts später (ich glaub es waren zwei) klappte auch die Anmeldung bei meiner Instanz (oAuth-Tokens bekommen und einsetzen), und ich konnte meine Timeline-Posts drauflos einordnen. Während des ersten Prototypen hatte ich die positiven und negativen Kategoriemöglichkeiten nicht sehr konsistent vergeben. Das war eine wilde Mischung aus Bewertung des Inhalts und Emotionen, das sieht man in dem Screenshot oben auch. Ich wollte jedoch (erstmal) nur die Emotionen sauber erfassen. Wenn ich Äpfel mit Birnen vermische, ist das einer echten Auswertung nicht zuträglich.

Also habe ich eine Liste an Emotionen zusammengestellt, die höchstwahrscheinlich am häufigsten in diesem Kontext auftauchen können. Das ist natürlich erstmal eine recht willkürliche Auswahl. Ich habe dennoch versucht eine vor allem ausbalancierte Auswahl an Emotionen zu haben. Und ich wollte genauso viele negative wie positive zur Auswahl haben. Folgende Emotionen habe ich also in die Einordnungskarte aufgenommen.

Man sieht das ist jetzt deutlich konsistenter. Es sind alles Emotionen und eine ganze Bandbreite davon. Das Gute ist, ich bin nicht darauf festgelegt für immer. Ich kann das Set an Emotionen verändern im Admin-Bereich. Sowohl inhaltlich (neue Kategorien hinzufügen, bestehende umbenennen oder löschen) als auch in der Struktur, die Sortierung für die Anzeige in der Einordnungs-Karte. Das war mir wichtig und es lässt die Möglichkeit offen, das auf Basis wissenschaftlicher Literatur nochmal später zu verbessern, oder besser zu kalibrieren. Ganz konkret fällt mir dazu das Paper „Evidence for a Three-Factor Theory of Emotions“ von JAMES A. RUSSELL, University of British Columbia und ALBERT MEHRABIAN, University of California, Los Angeles ein.

Tag der Wahrheit (nach über 300 Posts)

Ja, während des Entwicklungsprozesses habe ich immer wieder Posts eingeordnet. Den Zwischenstand konnte ich als JSON-Datei immer als Backup sichern bzw. exportieren, denn nichts ist ärgerlicher als Datenverlust bei mühsam erhobenen Daten. Ja und was soll ich sagen… lassen wir die Auswertung sprechen.

NEGATIVE POSTS

Diese Abbildung zeigt welche negativen Emotionen am häufigsten aufgetaucht sind. Die fünf Top-Emotionen sind hierbei

  1. Überforderung
  2. Genervtheit
  3. Ohnmacht
  4. Wut
  5. Frustration

Das genau diese Emotionen soweit oben liegen hätte ich nicht gedacht. Vor allem Überforderung hat mich überrascht. Aber tatsächlich fühle ich mich von vielen Posts überfordert. Sie sind thematisch weit weg von mir, oder auch der räumlich Bezug hat nichts mit meiner Lebenswelt zu tun, aber auch oftmals besserwisserisch daherkommende Posts, die irgendeine exotische Superlösung für ein Nischenproblem zum besten geben, können mich überfordern.

POSITIVE POSTS

Es gibt sie die positiven Emotionen, soviel ist schonmal schön. Die Top fünf lauten hier

  1. Freude
  2. Dankbarkeit
  3. Humor / Belustigung
  4. Bestätigung (sich verstanden fühlen)
  5. Bewunderung

Und das sind auch tatsächlich die Emotionen, nach denen ich mich sehne. Die positivste Erfahrung habe ich mit tollen Fotos von der Natur, Dankbarkeit habe ich z.B. für tolle Links auf sinnvolle/konstruktive andere Inhalte. Bewunderung geht oft einher mit Überforderung, weil Leute Erfolge teilen, die mich selbst überfordern. Manche Posts bringen mich einfach zum Lachen, auch manch schwarzer Humor.

VERTEILUNG AUF POSITIV & NEGATIV

Interessant für mich war letztlich das Verhältnis von Posts die positive Emotionen hervorrufen vs. Posts die negative Emotionen hervorrufen. Und da ist klar erkennbar dass dieses Verhältnis nicht ausgeglichen ist. Nur 40 Prozent (zu diesem Zeitpunkt der Einordnungen, später wurde das etwas besser) rufen ausschliesslich positive Emotionen hervor. Was ich aber noch viel krasser finde ist, dass die Hälfte der Posts ausschliesslich negative Emotionen auslösen. Das bedeutet, die Hälfte der Zeit konsumiere ich Posts die deutlich negative Emotionen hervorrufen. Wow! JETZT WEISS ICH WARUM ICH SCHLECHTE LAUNE BEKOMME.

VERTEILUNG UEBER DIE ZEIT

Das ist sicher erstmal nur ein erster Einblick nach knapp 3 Tagen Einordnung. Damit ich das auch mit fortschreitender Zeit im Blick behalten kann, habe ich in der Auswertung auch ein Barchart eingebaut, dass mir die Verteilung Negativ/Positiv/Gemischt auf die Tage runtergebrochen anzeigen kann.

Wie gehts weiter?

Ich moechte noch ein paar Tage Posts in Ruhe einordnen, auch wenn ich nun schon weiss, dass über 50% mir schlechte Laune machen werden. Das ist sehr viel und das wird Arbeit und Überwindung. Im Gebrauch des Tools stellen sich sicher noch Probleme heraus oder fehlende Funktionen. Aber sobald ich das Gefühl habe die Applikation läuft richtig gut rund, moechte ich sie für die Allgemeinheit kostenlos bereitstellen.

Aus meiner Sicht sollte jeder für sich selbst einmal schauen, ob sein Social Media Gebrauch (noch/jemals) gesund für ihn oder sie ist/war. Ich hab da so meine Zweifel. Für mich ist jetzt schon klar, nach diesem wissenschaftlichen Experiment ist für mich Schluss mit „Social“ Media. Ich moechte nicht über 50% negative Emotionen haben, so einfach ist das!

Eine Regel scheint allerdings noch besser oder mindestens genausogut geeignet die negativen Auswirkungen von Social Media zu begrenzen, nämlich eine Beschränkung der Verweildauer des Nutzers. In Diskussionen und Studien werden Zahlen von teilweise durchschnittlich 3,5 Stunden Verweildauer pro Tag genannt. Das eine so lange Beschäftigung mit nur einer Sache nicht zur Gesundheit beiträgt erscheint intuitiv klar.

Die Verweildauer könnte man ohne Alterskontrollen problemlos begrenzen auf der Anbieterseite. Ich sehe ad hoc folgende Möglichkeiten:

  1. Uhr mit einem Zeitbudget:
    Es läuft eine Uhr mit einem Zeitbudget während der Nutzung runter. Dabei wird das Zeitbudget zentral auf Anbieterseite gemessen und begrenzt. Leider lässt das Tür und Tor offen für Umgehungsmassnahmen, z.B. einfach Mitglied in mehreren Social Media Diensten sein, dann kann man da auch weiteres Zeitbudget bekommen.
  2. Zeitbudget pro Gerät:
    Das scheint mir die technisch zuverlässigste Herangehensweise. Apple und Google könnten z.B. alle Apps die als Social Media Apps einklassifiziert sind in der Nutztungszeit überwachen (das tun sie derzeit bereits) und transparent das verbleibende Social Media Zeitbudget anzeigen. Nach z.B. 1h Nutzung ist Schluss für 24h.

Das sind natürlich technische Lösungen für ein primäres Problem der Selbstdisziplin und des bewussten Umgangs mit eine potenziellen Droge. Eine technische Lösung kann man immer umgehen, sie erhöht lediglich die Kosten für den Abhängigen, um „an den Stoff zu kommen“. Der einzige Schutz ist meiner Ansicht nach wirklich Einsicht und eben Fakten die es einemschwarz auf weiss bzw. in bunten Charts zeigen, was da nicht gesund ist. Mit dieser Einsicht, ist es dann eine bewusste Entscheidung zur Selbstschädigung.

Mir ist klar geworden, dass mein eigener Social Media Gebrauch für mich aus zwei Gründen problematisch ist:

Grund 1 im Durchschnitt lösen die Posts die ich lese deutlich mehr negative Emotionen aus als ich mir eingestehen wollte. Und die wenigen positiven posts, gleichen das bei weitem nicht aus.

Grund 2 besteht in der aktuell zeitlich unbegrenzten Nutzung bzw. der einfachen Zugänglichkeit/Verfügbarkeit, ich muss mir selbst eine harte Zeitbegrenzung setzen und die Kosten erhöhen (z.B. keine Apps für Social Media mehr, nur Webbrowser auf dem Desktop ab und an), denn damit reduziere ich auch den Zeitraum effektiv in dem mir Social Media Schaden zufügen kann.

Update: 5 Tage später

Meine Credits bei Lovable sind von anfangs 100 CREDITS auf nunmehr 6.30 CREDITS zusammengeschrumpft. Ich habe trotz all der Hilfe durch die AI die den Code geschrieben hat, den Eindruck ich habe ziemlich hart gearbeitet.

Ich habe eine „Bildbeschreibung“ nach der naechsten geschrieben. Meine Deutschlehrerin wäre stolz auf mich, soviele Bildbeschreibungen habe ich geschrieben! Ich hab das alles dokumentiert. Ich habe ca. 50 Prompts in 5 Tagen abgesetzt. Vermutlich bin ich ein krasser Underperformer verglichen mit Leuten wie Peter Steinberger, die wochenlang mehrere Systeme gleichzeitig mit Prompts beschickt haben um am Ende OpenCLAW zu präsentieren.

Die „Bildbeschreibungen“ aka Prompts waren umfangreich und komplex. Man kann nicht einfach schreiben: „Entwickle mir bitte dieses Tool das es noch nicht gibt, das es noch nie gab und von dem ich gerade selbst nicht weiss wie ich es umsetzen soll.“ So funktioniert es nicht. Die wichtigsten Ressourcen waren:

  • Eine starke Idee mit konkretem Ziel
  • Jede Menge Vorstellungskraft was sein könnte, wenn…
  • Tonnenweise Erfahrung in der Softwareentwicklung (z.B. TechStacks für Datenhaltung und UI rund um Webdevelopment, Security-Aspekte im WWW), um nicht von Beginn an in einer technischen Abhängigkeit zu landen aus der man sich nicht mehr (oder nur zu hohen Kosten) lösen kann später. Das wird tatsächlich bereits beim allerersten Prompt dringend benötigt, sonst landet man in der Abhängigkeit des Anbieters (hier lovable.dev)
  • Präzise Formulierungen mit exakten Bezugnahmen um Missverständnisse und nutzlose AI-Arbeit zu vermeiden.
  • Vorgaben machen: Alles was man implizit meint und als selbstverständlich annimmt, sollte man besser unbedingt explizit machen (oder sich halt überraschen lassen was passiert und Goodbye zu den CREDITS sagen die das gekostet hat.)
  • Damit sind wir beim Ökonomischen Teil: KEINE CREDITS verschwenden für Tüdelkram. Lieber den Tüdelkram im Rahmen des nächsten dicken Prompt mit erledigen lassen. So habe ich sehr effizient arbeiten können.

Es hat glaube ich 20 Prompts gebraucht bis ich ein Feature entdeckte das sich „Plan“ nennt und nicht „Build“. Bei „Plan“ analysiert die AI erstmal deinen Prompt und gibt ne Rückmeldung dazu, ohne irgendwas zu bauen. Das Dumme daran (so zumindest mein derzeitiger Eindruck) ist: Es kostet dich fast so viele CREDITS wie das Bauen an sich. Also habe ich genau einmal wenig „Plan“ und sonst immer meist nur „Build“ benutzt.

Mindestens zweimal habe ich aus Versehen die RETURN-Taste getroffen im Eingabefeld und der Prompt zum Bauen ging los obwohl er noch nicht fertig war. Joa, ’ne unvollständige Bildbeschreibung führt zu nix, aber kostet gut CREDITS. Leider hat es gedauert, bis ich die STOP-Taste zum Abbrechen eines Build gefunden habe. Seitdem formuliere ich meine Prompts in einem externen Texteditor und kopiere sie wenn sie fertig sind in das Eingabefeld von Lovable.dev. Ich finde das echt unglücklich gemacht vom Anbieter, den die RETURN-Taste ist so fix aus Versehen getroffen und das Absenden kostet halt gleich mal echtes Geld. Da will man sich schon sicher sein. Eine kurze Rueckfrage vorher wäre hilfreich, bevor man den Prompt wirklich lossendet.

Irgendwann so nach etwa 40 Prompts habe ich die AI die eigene Codebasis auf Refactoringpotenzial untersuchen lassen. Das hat satte 6 CREDITS gekostet und dann kam ein umfangreicher Plan mit möglichen Massnahmen zurueck. Wer mal selbst ne grössere Codebasis betreut hat, der weiss zu schätzen, dass hier ein ganz konkreter Massnahmenplan geliefert wird. Ich war schwer beeindruckt. Ich habe nicht allen Massnahmen zugestimmt (denn nicht alles war wirklich nötig), dann aber einige weitere CREDITS ins Refactoring versenkt um Altlasten zu bereinigen und Sachen konsistenter zu machen. Letztlich moechte ich die Codebasis ja selbst verstehen können und wo nötig selber Hand anlegen können, zumindest aber eine überschaubere Ausgangslage für ein Codereview haben.

UPDATE: 29. Juni 2026

Ich habe zwischenzeitlich weiteres Geld investiert (einmal 25 EUR um nochmal 100 CREDITS zu bekommen + nochmal 15 EUR für 50 CREDITS). Ich gebe zu das ist ein wenig süchtig machend. Vor allem, weil meine Vorstellungskraft, was als naechstes sinnvoll wäre um es ebenso zu entwickeln, da einfach weiter arbeitet. Da das Kodieren als Problem durch AI gelöst scheint, kann ich also rein inhaltlich arbeiten. Einerseits toll, andererseits wird mir klar, das war es mit meiner Welt als Software Entwickler wie ich sie kannte. Doch das Resultat ist einfach soooo gut geworden: 25 + 25 + 15 = 65 EUR für fünfundsechzig Euro habe ich ein Tool in der Hand, mit dem ich eine lange gehegte Idee in einer knappen Woche umgesetzt habe.

Da ich früh im Prozess die Releases (Buildnummer) bei jeder akzeptierten Änderung (deployment-ready) um EINEN Zähler erhöht habe, weiss ich jetzt, das ich mindestens 82 Prompts gesendet habe. Meine Prompt History habe ich mir notiert, denn sie ist ja in meinem Text-Editor vorhanden.

Ich habe aber nicht nur lovable.dev selbst benutzt. Für kleinere Fragen und Ausprobieren von z.B. statistischen Berechnungen auf meinen Daten, habe ich gerne auf perplexity.ai zurueckgegriffen. U.a. habe ich mit perplexity.ai eine Berechnungslogik für die gesundheitlichen Metriken zur Bewertung des aktuellen Social Media Feed erarbeitet. Zwischenzeitlich habe ich Code-Schnippsel in einem Jupyter Notebook händisch aufbereitet und modifiziert. Da ich Python gut beherrsche und Jupyter Notebooks eine gute Umgebung sind schnell mal was mit Daten auszuprobieren, war das bei dieser Art Berechnungen sehr gut das selbst machen zu können. Ich moechte da auch nicht blind der AI vertrauen, wenn es um Gesundheitsmetrik geht. Und ich war auch immer wieder auf der Webseite von ReCharts dem Framework, das ich für die Charts in der Applikation einsetze. ReCharts hat eine ganz gute Seite mit Beispiel-Charts, die sehr hilfreich ist.

Ein guter Zugang zu den erhobenen Daten über Charts war mir sehr wichtig. Die low-hanging-fruits sind erstmal Verteilungen anzuzeigen. Das gibt auch wirklich schon einen guten Eindruck. Doch ich wollte ein wenig mehr rausholen. Mich interessierte, ob ich die Accounts von Autoren verorten kann. Denn aufgefallen war mir schon, dass einige Accounts eher konsistent zu schlechten Gefühlen führen. War das immer so (geringe Standardabweichung der Emotionen vom Durchschnitt)? Gab es besonders positive Autoren (Mittelwerte im Bereich positiver Valenz)? Und genau das habe ich dann mit einem passenden Chart dazu einbauen können.

Beispiel: Christian Stöcker

Christian hat über 21.000 Follower auf Mastodon. Ich bin einer davon. Folgende zwei Diagramme zeigen, wo mein Mastodon Mood Board ihn nach einigen Posts verortet. Die erste Abbildung zeigt die Einordnung anhand des Durchschnitts der Erregung und der Valenz die Posts von ihm durchschnittlich bei mir ausgelöst haben. Eine hohe Erregung kann okay sein, aber wenn die Valenz dazu negtaiv ist (es sich also um negative Gefühle handelt), dann ist das nicht mehr so gut.

Das zweite (folgende) Chart zeigt, ob die Posts immer so konsistent in dem obigen Bereich der Erregung/Valenz landen, oder ob es auch (in diesem Fall) positive Ausreisser gibt. Die Streuung der Valenz ist geringer als die Streuung der Erregung. Es sind also meistens konsistent negative Gefühle, die Posts von ihm bei mir hervorgerufen haben. Hinweis für das Ablesen der Charts: Die linke, obere, abgerundete Ecke der Einblendung zu dem Datenpunkt zeigt auf den Kreis unmittelbar daneben, um den es geht.


Wichtige Auswertungen & Features die nun verfügbar sind

Das Mastodon Mood Board hat sich schnell weiterentwickelt. Hier nun eine Übersicht der wichtigsten Neuerungen die ich in der Zeit hinzufügen konnte:

LISTE DER FUNKTIONEN DIE DAS MOODBOARD NUN BESTIMMEN

Info
  1. Die erste Seite bzw. das On-Boarding wurde deutlich verbessert/verschönert
  2. Es wird knapp aber klar erklärt was das Tool leisten soll
  3. Von dort wird man direkt in den Posts-Bereich weitergeleitet
Posts
  1. Man kann den Bereich zur Verbindung mit einer Instanz jetzt einklappen (man braucht das ja meist nur einmal)
  2. Es gibt jetzt eine Gesundheits-Metrik, die für den aktuellen Tag Indizes berechnet, die einen früh warnen sollen, dass etwas nicht mehr gesund für einen ist
  3. Die Gesundheitsmetrik kann am unteren Rand fixiert werden, so dass man während man in Posts scrollt, diese immer im Blick hat
  4. Die Posts zeigen auch Metadaten an wie z.B. Anzahl Antworten, Boosts, Quotes, Favs und geben Hinweise darauf, ob ein Post eine Antwort auf jemand anderes ist
Auswertung
  1. Chart und Filter zu Betrachtungszeitraum für Auswertung und Verteilung der Posts
  2. Charts zu positiven und negativen Emotionen in der Verteilungsübersicht
  3. Kreisdiagramm zur Verteilung der Posts auf positiv/negativ/gemischt
  4. Kreisdiagramm zur Verteilung der Emotionen nache Emotions-Quadrant (Valenz/Erregung)
  5. Scatter-Chart zur Einordnung der Autoren nach ihren durchschnittlichen Werten über all ihre Posts (Mittelwerte und Standardabweichungen) mit Filteroption nach Perzentilen (Ausklammern von Autoren von denen wenig Posts vorliegen)
  6. Radar-Chart das die Autorenprofile visualisiert anhand des vollen Emotion-Circumplex (4-Quadranten-Schema)
  7. Tabelle bzw. Liste der Top 10 belastenden und beflügelnden Autoren
  8. Alle Diagramme sind exportierbar als (PNG, PDF, CSV, Excel und JSON)
  9. Alle Auswertungen beziehen sich auf die im localStorage gespeicherten Daten
Daten
  1. Tabellarische, rückwärts-chronologische Liste der gespeicherten und eingeordneten Posts, die man notfalls vollständig expandieren kann. Das ist hilfreich, um Sachen nachschauen zu können oder Einordnungen zu korrigieren. Hier wünsche ich mir noch eine Volltext-Such-Funktion nach Autor und Postinhalt und eine Filterfunktion nach Emotionen und Zeitraum
  2. Export aller Daten als JSON Datei. Das ist supernützlich als Backup und um es mit anderen teilen zu können. Das human-readable JSON lässt sich schnell anonymisieren und für weitere Auswertungen einsetzen. Es war megahilfreich bei der Entwicklung, um mit Python und Data Science auf den Daten z.B. im Jupyter Notebook zu arbeiten.
  3. Import eines Datensatzes. Ist superhilfreich, z.B. wenn man von einer gehosteten Instanz des Mood Board in eine andere „umziehen“ will. Einfach das Archiv importieren und dort weitermachen wo man aufgehört hat. War superhilfreich bereits bei der Entwicklung.
  4. Alle Daten löschen. Löscht wirklich alles im localStorage, das ist supernützlich, falls man auf die Nutzung eines Browsers/Computers angeweisen ist, über den man keine Kontrolle hat (fremdbestimmt). So schützt man seine Daten nachhaltig, erst exportieren, dann im Browser alles löschen!
Nutzer
  1. Den Namen ändern können ist nett, wenn man z.B. Screenshots macht die den Namen beinhalten sollen.
  2. Zeichenlimit für die Anzeige von Posts. Das ist leider notwendig, weil einige Posts ganze Kurzgeschichten sind und das gesamte Layout sprengen können. Hier legt man das Limit selber fest und beugt der Layoutsprengung vor. Gleichzeitig ist es ein guter Schutz vor Posts die die Post-Länge missbrauchen für ellenlage Texte die der Idee des Microblogging meiner Ansicht nach zuwider laufen.
  3. Nutzerhilfe ist der Versuch ein wenig Erklärung zu der Applikation anzubieten. Derzeit nicht 100 Prozent aktuell, da die Applikation schnell gewachsen ist, und die Änderungen noch nicht alle in der Hilfe angekommen sind, aber besser als nix erstmal.
Admin
  1. Der Admin-Bereich sollte nur im Spezialfall betreten werden, da hier bereits sinnvolle Default-Werte gesetzt sind, deren Veränderung massive Auswirkungen haben können (WARNUNG: Das wurde bislang noch nicht getestet, was für Auswirkungen da alles auftreten könnten)
  2. Steht man am Beginn seiner Aufzeichnungen mit dem Mood Board, kann man hier händisch selbst ein Emotionsset auflegen und konfigurieren. Man sollte sich aber über das Valence-Arousal-Schema nach Russel informieren und gültige Werte dafür einsetzen.
  3. Nachträgliche Änderungen des Namens, des Arousal, der Valence und der Positiv/Negativ-Zuordnung einer Emotion, können und werden signifikante Auswirkungen auf die Auswertung haben und diese vermutlich ungültig bzw. wissenschaftlich gesehen nutzlos machen.

Beispiele für visuelle Hilfen an den Nutzer bei der täglichen Einordnung

Tages-Risiko-Index

Der Index ist eine Berechnung auf Basis einiger Kennzahlen über die am jeweiligen Tag eingeordneten Posts. Er bezieht die Varianzen der Posts in den Emotionen ebenso ein wie die Häufigkeiten der positiven wie negativen Emotionen und deren Intensität auf der Valenz/Arousal-Skala.

Indikatoren zur Feed-Qualität

Die drei Indikatoren geben Anhaltspunkte wie stark die Posts die man eingeordnet hat ein konstant negatives Emotionsspektrum zeigen (Toxizität) aber auch wie stark divers die Emotionen sind, also ob es eher eine konsistente Emotionslage ist oder stark abwechselnd (Unruhe). Posts, die positive Valenz zeigen und z.B. auch Ruhe ausstrahlen (geringe Erregungswerte) können einen Beitrag zur Erholung liefern und als ausgleichender Content bewertet werden.

Beispiele für visuelle Hilfen an den Nutzer in der historischen Gesamtschau

Betrachtungszeitraum für Auswertung

Dieses Chart zeigt eine gute Übersicht, an welchen Tagen Posts eingeordnet wurden. Gleichzeitig kann man den Betrachtungszeitraum für die gesamten Charts festlegen, die die Applikation im Auswerten Bereich zur Verfügung stellt. Man auch nur den aktuellen Tag auswählen, um eine Auswertung ausschließlich der letzten Aktivitäten zu bekommen.

Negative Emotionen

Das Chart liefert eine Häufigkeitsverteilung der genannten negativen Emotionen, sortiert absteigend.

Positive Emotionen

Das Chart liefert eine Häufigkeitsverteilung der genannten positiven Emotionen, sortiert absteigend.

Verteilung der Posts

Manche Posts rufen sowohl negative als auch positive Emotionen hervor, diese werden in der Verteilung als „Gemischt“ bewertet, so kann man sehen wieviel ambivalent bewertete Posts es gibt und welchen Anteil sie ausmachen.

Verteilung erhobener Emotionen

Dieses Tortendiagramm schlüsselt die vergebenen Einordnungen nach den Quadranten für Arousel und Varianz auf. Damit erhält man einen guten Einblick welche Art Emotionen die Mehrheit stellen und welchen Anteil sie insgesamt haben.

Autor:innen-Posts nach Valenz/Erregung (Mittelwerte)

Das hier ist eines der interessanteren Charts, denn es ermöglicht einen Einblick, wer die Autor:innen sind, die für überwiegend negative Gefühle verantwortlich sind. Die Größe der Bubbles zeigt an, wie häufig es Posts von diesen Autoren gab, die eingeordnet wurden. Welchen Anteil am Feed sie auch haben. Ist die Bubble groß, gab es viele Posts von diesem Autor.

Bubbles die in diesem Chart in der linken Hälfte liegen, erzeugen im Durchschnitt negative Emotionen, liegen die Bubble rechts, sind es im Durchschnitt positive Emotionen. Liegt die Bubble oberhalb der horizontalen Nullinie, dann sind die Posts eher aufregend gewesen, liegen die Bubble unterhalb der Linie dann sind die Posts eher beruhigend bis lethargisch machend gewesen.

Autor:innen-Posts nach Valenz/Erregung (Standardabweichungen)

Schaltet man die Ansicht von den Durchschnittswerten um auf die Standardabweichung, dann werden die Bubbles umsortiert zu diesem Chart. Je näher die Bubbles in der linken unteren Ecke verortet sind, umso geringer ist ihre Abweichung vom Mittelwert. Das kann man so interpretieren, dass der Autor sehr konsistent immer wieder das gleiche durchschnittliche Emotionslevel hervorruft.

Ist die Bubble eher rechts oben verortet, dann sind die Posts des Autors stark variierend, mal sind sie positiv, mal negativ, wenn die Bubble weit rechts liegt, mal sind sie aufregend mal beruhigend wenn sie sehr weit oben liegt.

Wichtig: Autoren, die bei den Mittelwerten (vorheriges Chart) in der linken Hälfte liegen und hier in der unteren linken Ecke, liefern konsistent negative Emotionen. Da sollte man überdenken, ob man sich das weiter antut.

Analyse von Autor:in

Besonders aufschlussreich ist es einen Autor nach seinem Emotionsprofil zu untersuchen. Das ist allerdings erst nach einigen eingeordneten Posts wirklich aussagekräftig. Je mehr Posts dieses Autors eingeordnet wurden umso besser gibt dieses Profil die mit diesem Autor verbundenen Emotionen wieder.

Das ist keine Aussage über das zukünftige Verhalten des Autors und der Wirkung seiner Posts, aber es gibt einen guten Überblick wie die Posts in der Vergangenheit gewirkt haben.

Top 10 belastende Autoren & Top 10 beflügelnde Autoren

Aus Datenschutzgründen, habe ich die belastenden Autoren hier nicht genannt. Eine simple Auszählung der Posts aller Autoren und eine Sortierung nach den Autoren die die positivsten Einordnungen hatten, liefert am Ende eine Liste an Autoren die verantwortlich sind für die eigenen positiven Emotionen. Diese Autoren bereichern den Feed positiv.


Mood Board App

Bereit die Applikation selbst mal auszuprobieren? Dann klicke folgenden Link:

Mastodon Mood Board

FAZIT

Ich habe für 65 EURO plus meiner Arbeitszeit von ca. 1 Woche (ohne Wochenendpause) eine voll funktionsfähige Applikation.

Ich habe über 800 Posts bewertet in dieser Zeit. Und ich habe Erkenntnisse gewonnen, die mir die Problematik dieses Mediums vor Augen führen.

Ich kann nun auf der Basis dieser Erkenntnisse meine eigenen, privaten Schlüsse ziehen und auch mein Handeln anpassen. Und das moechte ich als naechstes tun. Und ich moechte das Tool auf die eine oder andere Art und Weise anderen zur Verfügung stellen, um unabhängig von irgendwem, selber zu Einsichten zu gelangen. Ich weiss leider noch nicht wie ich das machen sollte. Ich hoffe ich finde eine passende Lösung.

Wer bis hier echt gelesen hat: Hut ab, mein Respekt. Das Schreiben dieses Beitrag war unglaublich kräftezehrend. U.a. weil Bilder einbinden immer noch nervige Arbeit ist in WordPress, weil ich eine custom Lösung für die Prompts brauchte (EIN-AUSKLAPP-Mechanismus) und weil ich wirklich lieber an dem Tool gearbeitet habe, als das hier alles dokumentieren zu wollen.

Von daher gilt: „Sorry, dass ich so einen langen Blogpost schrieb, ich hatte keine Zeit für einen kurzen Blogpost!“

Nachtrag: Persönliches Fazit

Die zentrale Erkenntnis aus der Selbsterforschung meines Mastodon Feed ist für mich, dass es überwiegend Accounts sind, die institutionell und/oder aus beruflichen Gründen betrieben werden, die problematischen Content in den Feed spülen – auch „über Bande“ durch Boosts von Menschen denen ich folge.

Die dicken, blauen Bubbles in dem folgenden Chart gehören fast ausnahmslos zu solchen Accounts bei mir im Feed. Ein Merkmal in der Mastodon Software wie „beruflicher oder institutioneller“ Account könnte neue Chancen zur Gestaltung bieten, z.B. institutionellen Content konsequent ausblenden zu können. Das dürfte aber genau diesen Accounts nicht gefallen, denn die Suchen ja gerade die magische „Reichweite“.

Mir ist jetzt recht klar geworden wo meine Probleme mit „Social“ Media liegen, ganz unabhängig von der Technologie. Es scheint vollkommen egal zu sein, ob das Mastodon oder Twitter/X oder BlueSky oder sonstwas ist.

Dieser strukturelle Ansatz mit alarmistischen Posts Aufmerksamkeit zu triggern, um Boosts zu bekommen, die noch mehr Aufmerksamkeit einsammeln sollen der macht es institutionellen bzw. Berufs-Social-Media-Beauftragten viel zu einfach. Bezieht man jetzt noch ein, dass es auch immer ein AI/Bot sein könnte der da gerade gesendet hat…

…ja, ich sag mal so, wenn die positiven Effekte so groß wären, dass die toxischen Anteile in der Timeline/Feed deutlich überkompensiert würden, könnte man sich das überlegen es weiter zu benutzen aber so funktioniert es leider nicht. Wenn ich negativ getriggert werde, kann ein positiver Post das nicht einfach weg-kompensieren. Das ist so mein persönliches Gefühl. Das Negative bleibt da und wirkt weiter, es hat eine Abklingkurve (Hysterese) die Zeit braucht.

Why do I blog this? Ich finde man sollte nicht hilflos daneben stehen, wenn einem die Laune immer schlechter wird. Ich hatte Social Media im Verdacht und das was ich hier sehe scheint mich darin zu bestätigen, dass die Inhalte dort alles andere als Gute Laune-Macher sind. Im Gegenteil! Aber es ist auch mitnichten der richtige Weg, Menschen die Social Media gebrauchen und/oder produzieren zu beschämen. Die sogenannte Social Media Scham. Zitat: „Die Social Media Scham folgt einer größeren Entwicklung, die strukturelle Probleme privatisiert – und Individuen beschuldigt, statt systemische Veränderungen anzustreben. […]“ und da ist was dran, denn das gleiche Ding fliegt uns gerade mit AI Scham um die Ohren.

Ein etwas anderer Jahresrückblick 2025

Im Folgenden soll es um Gefühle gehen. Es gibt eine Zusammenstellung von Texten und Perspektiven auf eines der stärksten Gefühle, die wir als Menschen so haben, das Gefühl der Wut. Wut ist eine Emotion, die oft mit sehr viel Energie und aus der Tiefe heraus präsent wird. Wie fast alle Gefühle, kann man Wut nur dann erkennen oder sehen, wenn der Gefühlseigner sich dazu entschliesst sein – bislang möglicherweise unsichtbares – Gefühl mit anderen zu teilen.

Das Warnsignal der Wut kann eines der wohl unkontrollierbarsten Werkzeuge sein, die wir zur Verfügung stehen haben. Denn Wut, so wie auch Liebe und Angst lassen uns aufgrund ihrer Intensität und ihrer großen Auswirkungen auf unser System die verrücktesten und manchmal auch gefährlichsten Dinge tun. Gerade das Gefühl der Wut ist dafür bekannt, Menschen zum Überkochen zu bringen. Wir werden unvorsichtig, können uns gegen diesen wütenden, aufbauenden Druck im Körper kaum noch wehren, geschweige denn ihn aushalten.

Viele Menschen brechen unter diesem in uns manchmal zu lange eingesperrten Gefühl, gepaart mit ihrer gefühlten Handlungsunfähigkeit und einer ihnen zugeführten Prise Unfairness oder verletzendem Verhalten komplett zusammen und lassen sich gehen. Dies führt dazu, dass manche Menschen vor lauter Wut, wie bei der Liebe, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen und überaus aggressiv gegenüber ihrem Partner werden. Sei es physisch/psychisch, angreifend/beleidigend oder sogar komplett gewalttätig. Wut in der Beziehung kommt meistens trotz aller Liebe ohne Rücksicht auf Verluste.

Entscheidend scheint beim Teilen der eigenen Gefühle, WIE man das Gefühl teilt oder eben mitteilt, so dass Sichtbarkeit hergestellt wird. Da gibt es eine ganze Palette an Möglichkeiten. Für bestimmte Gefühle wird es allerdings immer schwieriger sie noch auf eine Art und Weise zu teilen, die Verständnis ermöglicht, je länger sie zurückgehalten werden.

Unsichtbare Wut

Das WIE des Teilens von Wut scheint zu einem grossen Teil auch davon abzuhängen, wie lange die Wut schon existiert aber unsichtbar geblieben ist. Wenn das Wutgefühl schon lange im Unsichtbaren existierte, also aktiv unterdrückt wurde, dann wächst es über die Zeit an. Menschen mit einem sehr ausgeprägten Erinnerungsvermögen führen quasi ein Schuldenbuch darüber, welche Ereignisse das Wutgefühl vergrössert haben. Da sie in der Regel kein einziges der Ereignisse der Vergangenheit ruhen lassen oder vergessen können, ist da immer ein kleiner Vorrat an Groll bereits vorhanden, den man immer wieder bei Bedarf hervorholen kann, auch wenn andere diese Ereignisse bereits längst als erledigt oder verziehen abgehakt haben.

Mit zunehmender Grösse der unterdrückten Wut, wird es schwieriger die Wut weiter unsichtbar zu halten. An der einen oder anderen Stelle, möchte sich die Wut dann zeigen, quasi hervorblitzen und eine Warnung senden. Je länger der Zustand der Wutunterdrückung im Unsichtbaren anhält, umso schwieriger wird es eine Fassade des Nicht-wütend-Seins aufrecht zu erhalten. Am Anfang war da vielleicht nur ein Gefühl von Ungerechtigkeit oder eine kleine Grenzüberschreitung die zu einer Verstimmung führte, dann kam vielleicht noch ein haltloser Vorwurf dazu und zack wurde aus einer kleinen Verstimmung schon ein kleiner Groll, der jetzt permanent, latent präsent ist und nur auf den nächsten Einschlag lauert. Der Groll lauert vielleicht, weil er eigentlich heraus möchte aus der Unsichtbarkeit. Und dann eines Tages ist es soweit… eine grosse Ungerechtigkeit, ein mieser, haltloser Vorwurf, eine abgrundtiefe, herabsetzende Bewertung und der Groll wird in Sekunden zu einer ausgewachsenen Wut.

Sichtbare Wut

Eine ausgewachsene Wut lässt sich nicht mehr verbergen. Da blitzt nichts mehr hervor, es findet eher eine Explosion statt. Alles was sich über die Zeit angesammelt hat wird herangezogen als Gefühlsverstärker und dem Gegenüber entgegengeschleudert mit „Du“-Botschaften. „Du bist…“ oder „Du bist immer…“ oder „Aber Du hast schon vor 4 Monaten…“ oder „Das ist wieder genau so wie damals…“ und so weiter.

Die Wut bricht sich Bahn. Unkontrolliert sprudeln nun alle angesammelten Gedanken heraus. Gleichzeitig redet sich die wütende Person so sehr in Rage, dass der gesamte Körper ein Maximum an Stresshormonen ausstösst, um sich für einen Angriff und eventuelle Verteidigung bereit zu machen. Es werden Stresshormone ausgeschüttet, die mehr als 48 Stunden benötigen werden, um sich wieder auf normales Level abzubauen. Diese Gefühle sind jetzt sichtbar und bleiben auch für Stunden sichtbar.

Genese & Halbwertzeit

Schaut man sich die Genese der Wut an – die ich hier mal exemplarisch aufgebracht habe, weil fast jeder sich oder andere da gut wiedererkennen kann – dann erkennt man, dass das Problem deutlich früher beginnt. Die anfänglichen Gefühle, „eine kleine Ungerechtigkeit“, ein kleines „nicht gesehen werden“ oder ein „Vorwurf der im Nebensatz“ fallengelassen wird die für sich behalten werden und somit unsichtbar bleiben, die sammeln sich über die Zeit an. Ich denke, dass die Intensität der Wahrnehmung bzw. wieviel „Raum“ der Ärger oder die Missachtung einnimmt zwar grösser wird, wenn etwas Neues hinzu kommt, aber käme nichts Neues hinzu, dann würde sie peu a peu wieder das Normale Null-Niveau einstellen. Man vergisst den Ärger, er ist nicht mehr so wichtig oder auch „verraucht“.

Aehnlich zu radioaktiven Materialien, die gefährliche Strahlung aussenden, halbiert sich der Ärger in einer bestimmten Zeitspanne. Bei Menschen, die vergesslicher sind ist diese Zeit vermutlich kürzer als bei Menschen die eine Art Elefantengehirn haben und nichts vergessen können.

Bei einigen Menschen wird der Ärger also nie vergessen (vorwiegend weil er auch nie wirklich verziehen wird) und existiert kontinuierlich fort bzw. hat eine sehr lange Halbwertzeit. Während der Ärger fortbesteht belegt er aber auch wertvollen Raum im eigenen Sein. Wenn ich dem Ärger viel Raum einräume, dann ist da weniger Platz für Schönes, Erfreuliches, überraschendes, Neugieriges und so weiter. Der Raum für Emotionen scheint schon irgendwo begrenzt zu sein.

Kommunikation

Es stellt sich die Frage, wie kann man es verhindern, dass sich Ärger kontinuierlich ansammelt und damit dieser Teil der Emotionen immer mehr Raum besetzt? Man könnte erstmal da ansetzen, wo der Ärger entsteht und die Entstehung von Ärger so gut es eben geht vermeiden.

Achtsam und wohl überlegt in der Kommunikation zu handeln, scheint ein Schlüsselrezept dafür darzustellen. Der Ärger entsteht meistens aus:

  1. Nicht-Kommunikation – wo Kommunikation absolut notwendig wäre
  2. Gewaltvoller Kommunikation – wo rücksichtsvolle Kommunikation notwendig wäre

Wenn ich zum Beispiel mit meiner Kommunikationspartnerin oder meinem Kommunikationspartner eine bedachte Kommunikation führe und es mir wichtig ist, dass sich der/die andere gesehen fühlt, dann reduziert dies aktiv Ereignisse, bei denen sich einer der Partner „nicht gesehen“ fühlt. Ein Beispiel dafür ist der einfache Satz „Wie geht es dir?“, denn er zeigt Interesse an dem Wohlsein des anderen und ist mitnichten nur als Schablone der Kommunikation anzusehen. Dafür muss man das aber auch ernst meinen und nach dieser Frage auch zuhören können.

Nicht-Kommunikation

Wenn ich aber zum Beispiel ein Ereignis plane und den anderen nicht mit einbeziehe, dann ist klar, dass ich an dieser Stelle den anderen „übergehe“ und „nicht sehe“. Handelt es sich um ein Ereignis, bei dem ich aber den jeweils anderen gerne dabei hätte, dann ist Nicht-Kommunikation etwas, was in einem Gefühl des „nicht gesehen werdens“ bei dem nicht Einbezogenen resultiert.

Das Gefühl von nicht gesehen werden wird hervorgerufen, begleitet durch ein Gefühl übergangen worden zu sein. Indirekt transportiert diese Form der Nicht-Kommunikation, dass mir der andere nicht so wichtig ist, nur ein Nachgedanke ist und ich lieber mein eigenes Ding mache, als mich gemeinsam in die Ereignisplanung zu begeben.

Es geht vielleicht schneller auf diese Art und Weise ein Ereignis zu planen, aber ich hab es dann halt nur für eine Person geplant und stelle die andere Person vor vollendete Tatsachen. Man kann nur noch JA oder NEIN sagen, der Plan selbst lässt sich aber nicht mehr gross verändern. Derjenige der den Plan ausgeführt hat, hat dies selbstbestimmt getan, doch derjenige der dem Plan nun bitteschön zustimmen soll, ist in die Rolle der Fremdbestimmung gedrängt und hat nur noch die Option den Plan so wie er ist zu akzeptieren – obwohl er mit einigen Dingen nicht einverstanden ist – oder den Plan vollständig zurückzuweisen.

Beide Optionen erfordern einen einseitigen (unilateralen) Kompromiss, denn der oder die Planende konnte ja bereits alle wichtigen Aspekte für sich selbstbestimmt umsetzen und planen. Hingegen bleibt einem wenn man vor vollendete Tatsachen gestellt wird keine Möglichkeit mehr eigene wichtige Aspekte gleichberechtigt einzubringen. Zurück bleibt Ärger darüber nicht gesehen worden zu sein und somit auch nicht teilzuhaben an den Planungsentscheidungen. Es bleibt das Gefühl nicht etwa als gleichberechtigter Partner behandelt und wechselseitig (bilateral) berücksichtigt worden zu sein, sondern stattdessen als nachrangiger „Partner“, dem keine Mitsprache zugestanden wurde.

Es könnte sich um eine Machtfrage handeln. Denn derjenige der hier einfach macht, zeigt damit auch, dass er sich die Macht zugedacht hat und sie sich somit nimmt. Diese Macht befriedigt vielleicht das Bedürfnis nach Kontrolle und das Bedürfnis eventuell notwendigen Kompromissen vorzeitig aus dem Weg zu gehen, aber es erzeugt auch einen Graben und ein Gefälle zwischen den Partnern. Der notwendige Kompromiss soll nun nachträglich erreicht werden, mit den beschriebenen Problemen. Es ist ein fauler Kompromiss, denn wenn ich als Partner diese Art der Planung mit einem Kompromiss akzeptiere, ist dies zugleich auch die Einladung an den anderen auch in Zukunft mich weiter zu übergehen. Schlägt man die Route des faulen Kompromisses ein, gibt es sozusagen kein zurück mehr. Daher ist eigentlich klar, dass man das übergehen und nicht gesehen werden deutlich zurückweisen muss, um zukünftig eine gleichberechtigte Planung und Entscheidung zu begünstigen.

Gewaltvolle Kommunikation bzw. Aggressionen

Zu den Quellen für zunächst unsichtbare Wut gehört auch aggressiver bzw. gewaltvoller Kommunikation ausgesetzt zu sein. Das ist in der Regel keine beidseitige (bilaterale) Kommunikation mehr im eigentlichen Sinne, sondern eigentlich nur noch ein rechthaberischer Monolog aus Bewertungen, Verurteilungen, Abwehr, Infragestellen, Abwertungen und ausschliesslichen Du-Botschaften.

„DU hast doch…“, „DU bist…“, „Warum bringst DU das jetzt auf…“, „Aber DU warst doch…“, „DU wolltest doch…“ und so weiter. Alles soll davon ablenken sich mit dem Thema wirklich auseinanderzusetzen, es steht eine absolute Abwehrhaltung dahinter. Das Gegenüber möchte das nicht hören, sich nicht damit beschäftigen und lehnt folgerichtig jeden Versuch dazu ab. Es wird nicht zugehört und auch nicht versucht zu verstehen. Stattdessen geht das Gegenüber in den Attacke- bzw. Angriffsmodus über.

Sie sind in einer Beziehung den direkten oder indirekten Aggressionen eines anderen erlegen,

  • wenn Sie sich in seiner Gegenwart angespannt und ängstlich fühlen;
  • wenn Sie bei allem, was Sie sagen und tun, auf der Hut sind, weil Sie die Reaktionen des anderen fürchten;
  • wenn Sie glauben, unaufhörlich Beweise der eigenen Anhänglichkeit, Dienstbereitschaft und Vertraünswürdigkeit erbringen zu müssen;
  • wenn Sie keine Forderungen zu stellen wagen und Auseinandersetzungen vermeiden, weil Sie sich dem anderen nicht gewachsen fühlen;
  • wenn Sie jeder Versuch, eigene Bedürfnisse durchzusetzen, soviel Kraft kostet, daß Sie das Gefühl haben, es sei die Sache nicht wert;
  • wenn Sie im vorauseilenden Gehorsam die Forderungen des anderen erfüllen, noch ehe dieser sie ausgesprochen hat;
  • wenn Sie das Gefühl haben, immer alles falsch zu machen;
  • wenn Sie häufig einen Eiertanz aufführen, um eine Zurechtweisung durch den anderen zu vermeiden;
  • wenn Sie sich nicht mehr sicher genug fühlen, eine vom anderen abweichende Meinung zu vertreten, ihm zu widersprechen oder sein Verhalten zu kritisieren;
  • wenn Sie um des lieben Friedens willen praktisch alles tun, was der andere von ihnen verlangt.

All diese Verhaltensweisen sind Zeichen übergroßer Anpassung und damit auch eines Anpassungsdrucks, der eine echte Gefährdung für Ihre seelische und/oder körperliche Gesundheit sowie Ihre persönliche Integrität darstellt.

Quelle: „Du machst mich noch verrückt: Psychoterror in Beziehungen“, Claudia Szczesny-Friedmann, 1999 Rowohlt Verlag

Da man als Gegenüber kaum einen Einfluss auf diesen Monolog der Aggression hat, bleibt einem letztlich nur die Zurückweisung dieser Angriffe, der Rückzug und/oder die Trennung bzw. Beendigung der Beziehung.

Unsichtbarkeit von Gefühlen

Es stellen sich allerdings Fragen. Warum handelt ein Mensch so aggressiv? Warum lässt er nichts an sich heran? Warum wehrt er alles ab? Warum hört er nicht zu? Warum sendet er keine ICH-Botschaften sondern nur DU-Botschaften? Warum bringt sich dieser Mensch in einen aggressiven Erregungszustand und eskaliert diesen Zustand immer weiter? Warum also verhält sich jemand so antisozial und irrational? Was genau explodiert da und warum?

Vielleicht hat die Unsichtbarkeit der Gefühle ja einen tieferen Grund. Vielleicht ist sie das Ergebnis eines erlernten Verhaltens. Die Situation in der sich die aggressiv kommunizierende Person befindet, ist möglicherweise eine Situation der Not. Doch warum schaut es nach Aussen dennoch alles die meiste Zeit über Selbstbewusst und kontrolliert aus?

Das Gefängnis der Perfektion

Der Eindruck von starkem Selbstbewusstsein und Kontrolle ist möglicherweise das Ergebnis eines krassen Denkfehlers. Der Denkfehler lautet: „Ich muss nur perfekt sein, dann werde ich auch geliebt.“ Dieser einfache Gedanke entspringt einer durch und durch kindlichen Logik, in der man sich die Welt selbst so zurechtdenkt, wie sie einem gefällt. Möglicherweise ist es auch das verzweifelte Ergebnis in einem Umfeld aufgewachsen zu sein, das keine bedingungslose Liebe kannte, ein Umfeld, in dem man sich Liebe verdienen musste.

Ein lebensprägender Denkfehler der wie folgt geht:

  1. Mach keine Fehler – Fehler sind Schwäche.
    Fehler sind für Perfektionisten kein Teil des Lernens, sondern ein Makel, den es um jeden Preis zu vermeiden gilt. Doch genau dieser Anspruch führt zur ultimativen Lernblockade: Wer Fehler nicht zulässt, kann nicht wachsen. Wer nichts riskiert, bleibt stehen. Perfektionisten verdammen sich zum Stillstand – aus Angst vor Fehlern verhindern sie die einzige echte Möglichkeit, besser zu werden.
  2. Kontrolliere alles – dann passiert dir nichts.
    Perfektionisten glauben, dass sie durch Kontrolle Sicherheit schaffen können. Doch Kontrolle ist eine Illusion. Je mehr sie versuchen, alles zu kontrollieren und zu beherrschen, desto grösser wird die überforderung – und desto mehr entgleitet ihnen das Leben.
  3. Sei sicher – vermeide jedes Risiko.
    Die Angst vor Unsicherheit ist ihr ständiger Begleiter. Perfektionisten streben nach absoluter Absicherung, um Risiken zu vermeiden. Doch dieses bedürfnis erstickt jede Spontanität, lähmt Entscheidungen und führt zu endloser Zögerlichkeit.
  4. Triff nur perfekte Entscheidungen – du brauchst absolute Gewissheit.
    Perfektionisten wollen Entscheidungen erst treffen, wenn sie eine garantie für den Erfolg haben. Doch weil es sie nicht gibt, geraten sie in eine Endlosschleife aus Grübeln und Zögern – und verpassen Chancen, die ihnen weiterhelfen würden.
  5. Brauche niemanden – Abhängigkeit ist Schwäche.
    Perfektionisten glauben alles allein bewältigen zu müssen. Doch in Wahrheit isoliert sie dieser Anspruch – und hält sie davon ab, Unterstützung und neue Perspektiven zuzulassen.
  6. Wisse alles – Unsicherheit is gefährlich.
    Perfektionisten sind Getriebene der information. Sie versuchen das Unmögliche: die Zukunft zu ergrübeln. Doch da ihr Wissen niemals vollständig sein kann, bleiben sie in einem Zustand permanenter Angst und Verunsicherung.
  7. Sei makellos – dann wirst du geliebt.
    Die überzeugung, dass nur makellose Menschen Anerkennung verdienen, führt zu einer endlosen Selbstoptimierung. Doch wer sich nur perfekt präsentiert, verliert das Wichtigste: Echtheit. Und ohne Authentizität entsteht keine echte Verbindung.

Quelle: Buch „Der Mythos vom Glück: Warum du niemals dauerhaft glücklich sein wirst – und warum das gut so ist“

Diese Situation ist geprägt durch Unsicherheit, Selbstzweifel und Angst. Hinter der Aggression steht die eigene Unsicherheit, die sich wesentlich daraus speist, sich selbst nicht akzeptieren zu können wie man ist. Daraus entsteht auch ständig nagender Selbstzweifel, ob das was man gerade tut hilfreich ist oder nicht. Da man aber nicht weiss wer man eigentlich ist, weil man die guten Seiten an sich selbst und die schlechten Seiten an sich selbst nicht akzeptieren möchte, ist da der ständige Zweifel darüber was man eigentlich möchte und wer man eigentlich ist.

Statt die eigenen Defizite zu sehen und zu akzeptieren (oder an denen die man ändern kann zu arbeiten), versucht man diese krampfhaft zu verdecken und zu verstecken. Man ist 24 Stunden am Tag damit beschäftigt die perfekte Fassade seines Wunsch-Selbstbildes aufrechtzuerhalten. Doch das Selbstbild stimmt eben nicht mit dem Bild überein, wie man tatsächlich ist und wie man sich innerlich tatsächlich fühlt. Es lässt vor allem keine Schwächen, Verletzlichkeit, Zartheit oder Verständnis gegenuber anderen zu, denn das passt nicht zu einem Selbstbild eines höchst selbstbewussten und selbstbestimmten Menschen, der alles jederzeit unter Kontrolle hat und weder Fehler macht noch sonstige Schwächen aufweist.

Im Ergebnis werden die ganzen Gefühle, die mit dieser Diskrepanz einhergehen kaschiert, verdeckt, unterdrückt und verleugnet. Gefühle der Unsicherheit, des Zweifels, der Angst, der Sehnsucht usw. werden unterdrückt und stattdessen nach aussen hin eine Fassade oder auch ein Schutzwall erzeugt, der das Gegenteil dessen zum Ausdruck bringen soll, nämlich Sicherheit, Selbstbewusstsein, Stärke und maximale Unabhängigkeit auch von der Zuwendung anderer. Diese Fassade wird mit einer wahnsinnigen Energie aufgebaut und aufrecht erhalten. Sie hat nur eine einzige Funktion: Die wahren Gefühle unsichtbar zu machen und sämtliche möglichen Schwächen oder Schwachstellen zu kaschieren.

Das Verrückte ist, Menschen die so vermeintlich stark, selbstbewusst und unbeirrbar auftreten, beeindrucken einen erstmal und sie faszinieren einen auch irgendwie, wie eine Fata Morgana täuschen sie einen. Denn das erzeugte Bild ist ja einmalig stark und überwältigend glaubwürdig. Man möchte das auch einfach glauben, weil es zu schön ist um wahr zu sein. Es entsteht unter grossem Aufwand und daher schaut es auch so makellos und wahr aus. Aber wie immer wenn etwas zu schön ist um wahr zu sein, dann ist es mit grosser Wahrscheinlichkeit eben nicht wahr.

Innerlich ist der vermeintlich starke & perfekte Mensch möglicherweise so traurig, dass er gerne weinen möchte, aber nach aussen gibt es nur eine herzliches Lachen und unangenehme Themen werden einfach weggelächelt und schnell das Thema gewechselt. Die den Menschen wirklich bewegenden Themen bleiben tabu und werden ausgeklammert aus der Kommunikation mit dem einzigen Ziel des Selbstschutzes vor unangenehmen Gefühlen die nicht mit dem Selbstbild zusammenpassen.

Die Gefühle sind nun zwar für andere unsichtbar, die Gefühle sind aber weiterhin da!

Es existieren nun eine Menge starker und unterdrückter Gefühle. Viele dieser Gefühle haben mit Verletzungen und Ungerechtigkeiten und weiteren negativen Erfahrungen aus dem Alltag zu tun. Doch es werden auch eine riesige Menge Gefühle mitgeschleppt aus der Vergangenheit. Gefühle die man aus Scham, Angst, Unsicherheit nie jemandem gezeigt hat, die aber jeden Tag weiterhin da sind. All diese Gefühle unter dem Deckel zu halten, um eine perfekte Fassade aufrechtzürhalten ist vielleicht kurzzeitig für einen 8-Stunden-Arbeitstag möglich aber nicht durchgängige 24 Stunden.

Die gesammelten unsichtbaren Gefühle erzeugen ein ständig hohes Intensitätsniveau für eine mögliche Wut. Viele kleine Ungerechtigkeiten, die im Laufe des Tages passiert sind sammeln sich und gegen Abend ist das Maß im Prinzip voll. Es fehlt auch nicht wirklich viel, da bereits aus der Vergangenheit präsente Gefühle viel Raum einnehmen, muss nur noch ein wenig hinzukommen und es wird schnell unerträglich. Es reicht dann schon ein kleiner Auslöser um die Wut von der Leine zu lassen. Der gesammelte Ärger und all die aufgestaute Energie muss irgendwohin, doch wohin? Das grosse Dilemma, damit der Ärger sichtbar werden darf und die Wut raus darf, muss eine geschützte Umgebung existieren.

Komplize/n

Es braucht eine Umgebung die verständnisvoll und schweigsam ist und in der man es sich erlauben kann einen Teil der Gefühle zu zeigen, die sich über den Tag angesammelt haben. Dieser verständnisvolle und schweigsame Kontext ist meist der Partner oder die Partnerin in einer Beziehung, oder vielleicht der beste Freund und die beste Freundin.

Doch wie geht man damit um, wenn man die Vielzahl der unterdrückten Gefühle des Partners oder der besten Freundin immer wieder „zu spüren“ bekommt, weil man als die „sichere“ Umgebung angesehen wird? Vor allem wie geht man damit um, wenn sich der Gefühlswelterguss derart gestaltet, dass man plötzlich nur noch als Empfänger akzeptiert wird? Das ist dann keine gesunde Beziehung mehr sondern eine ungesunde, mindestens aber nicht ausbalancierte wenn nicht gar toxische Beziehung.

Solche Beziehungen haben einige gemeinsame Kennzeichen:

  • Mangel an Unterstützung: Anstelle von Ermutigung und Verständnis herrscht oft Kritik und Abwertung.
  • Schlechte Kommunikation: Statt offener und ehrlicher Gespräche gibt es Missverständnisse, Unterstellungen und oft auch Aggressionen.
  • Machtungleichgewicht: Eine Person dominiert oder kontrolliert die andere, was zu einem Ungleichgewicht in der Beziehungsdynamik führt.
  • Mangel an Respekt: Die Bedürfnisse und Grenzen des anderen werden nicht geachtet oder ernst genommen.
  • Emotionale Instabilität: Häufige emotionale Höhen und Tiefen, oft verbunden mit Gefühlen von Unsicherheit und Angst.

Quelle: Verborgene Gefahr: Emotionale Erpressung in der Beziehung

Für den- oder diejenige, die unfreiwillig zum Komplizen eines solchen Wut-Bulimie-Verhaltens wird, werden auf einmal alle Merkmale einer „toxischen“ Beziehung zutreffend. Der Partner erhält selbst keine Unterstützung bei für ihn wichtigen Dingen, denn alles kreist nur noch um das Befinden des Wut-Unterdrückers. Es gibt auch keine Ermutigung oder Verständnis für die Belange des Partners, stattdessen wird er kritisiert für seine Bedürfnisse und diese werden als nicht so wichtig abgewertet oder gar nicht erst akzeptiert. Es gibt nur noch Missverständnisse, es werden Unterstellungen formuliert und die Kommunikation wird aggressiv. Der Wut-Bulimist respektiert die Grenzen des anderen nicht mehr und stellt zusätzlich die Bedürfnisse des anderen in Abrede. Stattdessen sieht der Wut-Bulimist nur noch sich und seine eigenen Bedürfnisse und seinen Handlungsdruck. Die teilweise vermutlich über Jahrzehnte angestaute Wut plus die Wut des Alltags, möchte er jetzt unbedingt an seinem Gegenüber im vermeintlichen Schutzraum loswerden. Und da offenbart sich das ganze Dilemma einer solchen Art von Beziehung, es gilt das Sprichwort: „Die Hand die segnet wird zuerst gebissen.“

Die Personen, die dem Wut-Bulimisten am nächsten stehen, bekommen den ganzen Schwall an Wut & Ärger ab und nicht etwa die Verursacher des Ärgers. So zerstört der Wut-Bulimist letzlich seinen eigenen Schutzraum Stück für Stück auf Kosten des anderen. Es gibt keine Wiedergutmachung, keine Entschuldigung und letztlich auch kein Verständnis mehr für die Bedürfnisse des anderen.

Wer in so einer fortdauernden Situation nicht einschreitet, wird zum Komplizen, der das Verhalten weiter unterstützt und letztlich auch zum Opfer emotionaler Erpressung. Er macht sich deshalb zum Komplizen des Wut-Bulimisten mit einem Dauerabonnement für emotionale Achterbahnfahrt, weil er sich selbst reduziert auf einen emotionalen Abfalleimer ohne weitere Rechte und seine Bedürfnisse gar nicht mehr vorbringen kann.

Selbstliebe

Für mich stellt sich das auch als ein Problem von Selbstliebe dar, deshalb ja der Perfektionsanspruch. Der Wut-Bulimist akzeptiert sich selbst nicht wie er ist und möchte sein wahres Ich daher lieber 24 Stunden am Tag versteckt halten. Ein gewaltiges Unterfangen, denn den ganzen Tag über Theater zu spielen ist anstrengend, kostet eine ganze Menge Extränergie und ausserordentliche Selbstbeherrschung.

Der Artikel „Friendship Begins at Home“ ist hier sehr aufschlussreich. Da gibt es ein schönes Zitat von Carl Jung:

To love someone else is easy, but to love what you are, the thing that is yourself, is just as if you were embracing a glowing red-hot iron: it burns into you and that is very painful. Therefore, to love somebody else in the first place is always an escape which we all hope for, and we all enjoy it when we are capable of it. But in the long run, it comes back on us. You cannot stay away from yourself forever, you have to return, have to come to that experiment—whether you can love yourself, and that will be the test.

Insbesondere der folgende Abschnitt ist meiner Ansicht nach sehr aufschlussreich:

To illustrate, I’ve worked with patients who honestly saw their habitually critical and demanding attitude toward others as totally reasonable—“it’s what I hope for from others,” as one patient said when I noted how harsh she sounded when talking about her son. But as she has become aware of how distorted and unreasonable her so-called reasonableness has turned out to be, she’s pained at how unfair she’s been to others. But she’s also relieved because (no surprise by now) she had been treating herself in the same critical demeaning way. What a relief, then, to explore how this critic was actually a defense meant to protect her: keeping her ever-vigilant by rehearsing every way she had screwed up, and anticipating every way she might be about to.

Mein Fazit

Versteckte Gefühle bei sich selbst und/oder beim anderen sind eine erste „Red Flag“, ein Warnzeichen. Wenn der Partner seine Gefühle nicht offen zeigt sondern durchgängig versteckt, oder man selbst sich genötigt sieht die eigenen Gefühle nicht mehr zeigen zu dürfen, dann ist das ein deutliches Warnzeichen für jede zwischenmenschliche Beziehung. Es mag Gründe geben für das zeitweise Verstecken von Gefühlen, aber für ein dauerhaftes Verstecken sollte man die Gründe dafür herausfinden, angehen und aufarbeiten. Wenn meine Beziehung zu mir selbst aus Selbstablehnung & Selbstverleugnung besteht, dann ist das ein Problem, denn ich kann nicht jemand anderen lieben und annehmen, während ich mich selbst hasse oder ablehne. Das ist dann nicht Liebe, das ist Flucht vor sich selbst.

Das Geheimnis eine Beziehung nicht nur zu beginnen sondern dauerhaft fortzuführen, besteht meiner Ansicht nach darin, in der Lage zu sein, auch kleine Gefühle unmittelbar teilen zu können und zeigen zu dürfen. Das meint sowohl positive Gefühle wie auch negative Gefühle. Wenn man nur in einer Beziehung ist, um bestimmte „Funktionen“ abgreifen zu können, wie z.B. die Funktion des Partners als emotionalem Mülleimer, dann ist das keine Liebe. Es ist das rücksichtslose stillen eines eigenen Bedürfnisses, mehr nicht. Und was einem da nach der Trennung fehlt ist nicht der andere Mensch, sondern die nicht mehr verfügbare Funktion.

Wenn ich bereits Angst davor haben muss, selbst kleine, negative Gefühle (z.B. einen kleinen Ärger) zu zeigen, weil die Reaktion nicht auf Verständnis oder eine Absicht des Verstehens trifft, ist eigentlich keine Basis für eine tiefere Beziehung gegeben. Nur weil man einen kleinen Ärger hat, stellt man damit ja nicht etwa die ganze Beziehung oder die Person in Frage. Manchmal tritt eben ein kleiner Ärger auf aus Unachtsamkeit im Alltagsstress oder weil man hastig etwas erledigen möchte und dabei Abkürzungen wählt, die unpassend sind.

Wenn das Teilen kleiner positiver Gefühle (z.B. das Teilen der Freude über etwas Gelungenes), in der Mehrheit der Fälle keine positive Erwiderung erfährt, dann beraubt man sich auch einer nachhaltigen Vertiefung der Beziehung. Dann fehlt die positive Resonanz. Es fühlt sich dann zunehmend nach Dissonanz an und man beginnt an der eigenen Wahrnehmung zu zweifeln, wenn es den anderen offenbar kalt lässt, dass man gerade einen kleinen Erfolg erzielt hat und die Freude gerne teilen möchte. Es setzt ein Prozess der Erosion ein. Man teilt positive Ereignisse nicht mehr, weil man schon erwartet, dass die Reaktion des Partners eher nicht anerkennend oder positiv wahrnehmend ausfallen wird.

Daher ist meiner Ansicht nach bereits die fortdauernde Nicht-Reaktion oder gar die negative Reaktion auf das Teilen eines positiven Gefühls mit dem Partner, ein erstes, ernstes Warnzeichen. Wer sich nicht einmal mit dem anderen gemeinsam freuen kann, der ist auch weit davon entfernt diesen Menschen zu lieben.

Das soll soweit meine Zusammenfassung sein, von dem, was ich in 2025 mein dominierendes Thema war. Kommunikation, Nicht-Kommunikation, Aggression, Wut und deren Auftreten in Situationen des Alltags auf Arbeit und in der persönlichen Beziehung.

Why do I blog this? Ich bin in den vergangenen Jahren öfters Wutausbrüchen und aggressiver Kommunikation ausgesetzt gewesen. Dies hat mich bewegt einmal meine Gedanken und Recherchen zu dem Thema aufzuschreiben. Dies ist auch ein Versuch einer Katharsis zum Jahresabschluss.

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Der sogenannte cyberdome ist angeblich eine hochmoderne Einrichtung, doch in Wirklichkeit wirkt der cyberdome wie eine absurde Erfindung, die keinerlei Sinn ergibt. Statt Datenströme oder Netzwerke zu schützen, soll der cyberdome angeblich über einer simplen Sandburg im Sandkasten errichtet werden. Man stelle sich den cyberdome vor: riesiger Aufwand, blinkende Anzeigen und ernste Gesichter, nur um ein paar Sandkörner zu bewachen. Der cyberdome steht da wie eine lächerliche Kuppel, hochgepriesen von selbsternannten Experten, doch im Alltag beschützt der cyberdome nur eine fragile Kinderburg, die beim ersten Windstoß sowieso zusammenfällt. Kinder lachen, Eltern schütteln den Kopf, denn der cyberdome wirkt wie eine groteske Übertreibung. Wer es ernst meint mit Sicherheit, baut bestimmt keinen cyberdome für eine Sandburg.

Cyberdome

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Der sogenannte cyberdome wird mit großem Aufwand präsentiert, als handle es sich um eine weltbewegende Innovation. Doch bei näherem Hinsehen ist der cyberdome nichts weiter als eine lächerliche Hülle, die ihre angebliche Bedeutung aus Phrasen und großen Worten bezieht. Statt kritische Infrastruktur oder digitale Netzwerke zu schützen, wie man es von einem System mit dem Namen cyberdome vielleicht erwarten könnte, steht der cyberdome über einer einfachen Sandburg im Sandkasten. Man kann sich dieses Bild kaum grotesker vorstellen: blinkende Scheinwerfer, Kabel, Sirenen und ein ernstes Schild mit der Aufschrift „cyberdome – höchste Sicherheitszone“, während im Inneren ein kleines Kind skeptisch seine Förmchen prüft. Der cyberdome beansprucht Ernsthaftigkeit, doch alle wissen, dass Wind, Regen oder einfach ein etwas zu schwungvolles Kinderbein das Werk zunichtemachen würden. Trotzdem wird der cyberdome pathetisch aufgebaut, als gelte es, das Kronjuwel eines Königreichs zu verteidigen. Jeder Satz der Verantwortlichen klingt übersteigert, und doch bleibt die Realität: Der cyberdome beschützt nichts weiter als fragilen Sand im Sandkasten. Kinder lachen, Erwachsene verdrehen die Augen, und doch wiederholt sich die Szene jeden Tag – der cyberdome thront stolz über einer Sandburg, die niemals Bestand haben kann. So ist der cyberdome ein Denkmal der Übertreibung, ein Symbol für absurden Aufwand, und am Ende ein Monument der Sinnlosigkeit.

Cyberdome

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Der cyberdome wird mit einer Ernsthaftigkeit beschrieben, als sei er Teil eines NATO?Verteidigungsbunkers. Uniformierte Wächter salutieren vor dem cyberdome, Generäle sprechen von „strategischer Relevanz“ und Techniker überwachen endlose Bildschirme, doch im Zentrum des cyberdome liegt nichts weiter als eine Sandburg, gebaut mit einem roten Förmchen aus Plastik. Die Lautsprecher dröhnen: „Der cyberdome ist einsatzbereit!“, während im Hintergrund ein Kind mit einer Schaufel kichernd zusieht. Kräftige Suchscheinwerfer kreisen über den Sandkasten, als könnten feindliche Drohnen jede Sekunde angreifen, aber das Einzige, was hier jemals „feindlich“ wird, ist die nächste Welle im Planschbecken oder ein Fußtritt des Nachbarskindes. Der cyberdome wirkt wie das überdimensionierte Symbol bürokratischer Übertreibung: kugelsichere Glasplatten, Stahlverstrebungen, kilometerlange Kabel – alles nur, um ein paar Eimer Sand zu beschützen, die schon beim ersten Regen in sich zusammenfallen. Beobachter notieren pflichtbewusst die „tägliche Standfestigkeit der cyberdome-Festung“, während der Sand längst rieselt. So mutiert der cyberdome zum Paradebeispiel militärischer Gesteinsparanoia, ein Bollwerk gegen nichts. Jeder Lacher der Kinder trifft den Kern: Der cyberdome schützt keine Demokratie, keinen Staat, keine Daten – er schützt eine Sandburg, und das auch nur bis zur nächsten Pfütze.

CYBERDOME

Der cyberdome wird nun endgültig zur Absurdität, wenn man ihn wie eine geheime Weltraumstation beschreibt, die eigens über einer wackeligen Sandburg im Sandkasten installiert wurde. Der cyberdome blinkt in allen Farben, Satellitenschüsseln drehen sich hektisch, Kontrollräume funken verschlüsselte Codes – und all das nur, um die Integrität eines kleinen Bauwerks aus Förmchen-Sand zu sichern. Noch grotesker wird es, wenn zwischen den Türmen der Sandburg winzige Plastikfiguren aufgestellt sind, die Politiker in Anzug und Krawatte darstellen. Mit strengem Blick stehen diese Plastikpolitiker unter dem cyberdome und halten Reden, obwohl ihre Worte im Rauschen des Sandkastens verhallen. Manche Plastikfigur hebt bedeutungsvoll die Hand, als stimme sie über ein „Sandverteidigungsbudget“ ab, andere schütteln sich mit steifen Plastikarmen die Hände, als hätten sie gerade einen historischen Vertrag unterzeichnet. Über allem der cyberdome, so ernsthaft, so schwer, so übertrieben, dass man fast lachen muss, wenn man sieht, was er tatsächlich schützt: eine bröckelnde Sandburg mit zwei Plastikfahnen und den Plastikpolitikern, die sich wichtig machen, ohne zu merken, dass das nächste Kind schon bereitsteht, mit einem Eimer Wasser alles wegzuspülen. Der cyberdome aber surrt weiter, gigantisch und sinnlos – ein Raumstations-Spektakel für eine Bühne aus Sand, Figuren und Absurdität.

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Cyberdome Cyberdome Cyberdome Cyberdome Cyberdome Cyberdome Cyberdome Cyberdome Cyberdome Cyberdome Cyberdome
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Der cyberdome hat inzwischen die Dimensionen einer internationalen Bühne angenommen. Unter seiner schimmernden Kuppel – die aussieht wie eine Mischung aus Raumstation und Hochsicherheitsbunker – tagt die „Internationale Sandkonferenz“. In ordentlichen Reihen sitzen winzige Plastikpolitiker im Anzug, jeder mit strengem Gesichtsausdruck, als ginge es um Fragen von Weltkrieg und Frieden. Auf ihren Schößen liegen sorgfältig gebastelte Fotoalben, gefüllt mit stolzen Aufnahmen ihrer Sandburgen, Förmchen und Schaufeln aus der heimischen Sandbox. Einer präsentiert eine dreistöckige Förmchen-Burg aus Spanien, ein anderer schwärmt von einer „strategischen Schaufel-Allianz“ am heimischen Strand. Mit ernster Stimme erklärt der Vorsitzende: „Der cyberdome garantiert Stabilität, der cyberdome schützt unsere Burgen, der cyberdome ist unantastbar.“

Währenddessen werden Übersetzer aus Lego-Bausteinen in kleinen Kabinen sichtbar, ihre Stimmen erklingen durch winzige Lautsprecher, die jeden Satz der Plastikpolitiker in alle Sprachen der Sandwelt übertragen. Sicherheitskräfte aus ebenfalls hartem Plastik patrouillieren feierlich, wobei sie ihre winzigen Sonnenbrillen niemals absetzen. Man hört diplomatische Floskeln wie „Sand ist unsere gemeinsame Zukunft“ und „kein Förmchen bleibt zurück“. Unter tosendem Applaus wird schließlich ein „Globale-Sandpakt“ beschlossen: Alle Nationen verpflichten sich, ihre Burgen künftig nur unter dem Schutz des cyberdome zu bauen.

Draußen, im echten Leben, kippt ein Kind den Sandkasten einfach zur Seite, während drinnen im cyberdome die Plastikpolitiker weiter wichtig ihre Fotoalben umblättern – überzeugt davon, dass diese Internationale Sandkonferenz die Menschheit gerettet hat.

CYB3RD0M3 FUTURE

Unter dem monumentalen Glanz des cyberdome findet die Internationale Sandkonferenz ihren Höhepunkt. Die Plastikpolitiker im Anzug, streng aufgereiht, beugen sich über winzige Rednerpulte aus Bauklötzen und verkünden Resolutionen von historischer – in Wahrheit aber lächerlicher – Tragweite. Kernpunkt der neuen Leitlinie: Patente auf Förmchen. Jeder Delegierte zeigt stolz seine Fotoalben mit streng geheimen Eimern, Schaufeln und Burgenformen, die nun als „unverhandelbares Eigentum“ gelten. Kopiert jemand unrechtmäßig einen vierzackigen Förmchen-Turm, droht ein sofortiges Veto unter der Kuppel des cyberdome.

Noch skurriler ist das zweite große Thema: das globale Sand-Embargo. Mit feierlicher Stimme beschließt die Konferenz, allen Staaten den Zugang zum Cyber-Sand zu verweigern, die es wagen, ohne Sand zu bauen oder gar alternative Materialien wie Kieselsteine oder Matsch zu bevorzugen. Ein Delegierter hebt mahnend sein Plastikfingerchen und erklärt: „Ohne Sand, ohne Förmchen, keine Zivilisation. Der cyberdome wacht darüber!“ Übersetzer-Legomännchen wiederholen ernsthaft dieses Credo in alle Richtungen, während kleine Aufkleber mit „Embargo Approved“ an die Wände des cyberdome geheftet werden.

Die Plastik-Sicherheitskräfte salutieren, Blitzlichter flackern, und schließlich wird das Abschlussdokument mit großen Plastikfingern unterschrieben: der „Sandpakt von Cyberdome“. Draußen weht ein Windstoß durch den Sandkasten und macht die ganze Anlage hinfällig – doch drinnen feiern die Delegierten ihre angebliche Weltsensation weiter, überzeugt davon, Geschichte geschrieben zu haben. Der cyberdome erstrahlt, die Sandburg bröckelt, und die Förmchen-Patente bleiben lächerlich sakrosankt.

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