Web 2.0: Organizational Leadership-Rezept

Anja Wagner fragt: „Vielleicht wäre folgender, von Dave Pollard formulierter Ansatz eine Möglichkeit, die schwerfälligen Hochschulen mit auf den Weg zu nehmen?“ und verweist auf nachfolgende Grafik (via edufuture). Wobei Anja das Wort „reluctant“ noch sehr zaghaft übersetzt hat, leo.org liefert: zu reluctant adj.: abgeneigt, unwillig, widerstrebend, widerwillig, zögernd, zurückhaltend. Ich denke der Ansatz wäre in der Tat geeignet. Mir gefallen vor allem die hervorgehobenen Schritte inklusive „Celebrate Success“, das wird in Deutschland oft vergessen! Wenn etwas gut läuft oder gelaufen ist, dann darf man das auch mal sagen, zeigen und leben.


Grafik von Dave Pollard, mit Hervorhebungen von mir.

Dave Pollard hat die einzelnen Schritte mit Text kommentiert, ein Besuch seiner Seite lohnt sich, um die Details nachzulesen. Für mich ein gelungener Entwurf für ein 1A-Change Management.

Studierendenwünsche an die IT der Universitäten

Das deutsche Presseportal berichtet von einer Studie der Firma Microsoft (Pressemitteilung), die von TNS Infratest durchgeführt wurde. Das Portal Campus Innovation aus Hamburg fragt genauer nach und titelt „Was will die Google-Generation?“. Auf eine Grafik gebracht, die beim Presseportal für redaktionelle Zwecke eingebunden werden darf, zeigt sich folgendes Bild (via Soziologisches Wissen):


Why do I blog this? Wenn ich Student wäre, würde das genau meiner Ansicht entsprechen. Ich bin bei einer von Firmen in Auftrag gegebenen Studie gerne kritisch, diese Grafik scheint mir allerdings ziemlich plausibel. Ich würde auch gerne per SMS die Studierenden auf dem Laufenden halten. Die Veranstaltungen z.B. alle per Video für den iPod aufzeichnen lassen, und Sprechstunden per Videokonferenz oder z.B. Skypecast durchführen. Sowohl mit dem Weblog-Einsatz als auch in Sachen Online-Tests bzw. E-Klausuren sehe ich hier die Uni Bremen bereits recht gut aufgestellt. Foren zu Lehrveranstaltungen sind mit dem stud.ip System ohne weiteres umsetzbar. Virtuelle Arbeitsräume sind ein echter Knackpunkt, da setzen wir derzeit auf das EverLearn-System, weil dort sehr einfach Inhalte von Studierenden erzeugt und arrangiert werden können, ohne dass erst eine komplexe Syntax wie z.B. bei Wikis erlernt werden muss.

State of the Learning Systems World 2007

Kurz vor Ostern hat Jochen Robes eine kleine aber feine Sammlung von Links zum Thema LMS & LCMS veröffentlicht („LMS-Stories“, weiterbildungsblog.de). Ein Link hat mich persönlich am meisten angesprochen: Die 18 Podcast-Interviews, die Elliott Masie im Rahmen der von Ihm ausgerichteten LMS 2007 geführt hat mit den CEO’s großer E-Learning Unternehmen.

Der „Blick in die Glaskugel“ fokussiert sich auf folgende Punkte:

  1. Changes in the Learning Systems Field
  2. What’s New and Changing with LMS or LCMS Systems
  3. The Role of LMS and the Evolving Web (2.0)
  4. Informal Learning and the Learning System

Ein kleiner Vorgeschmack auf die Podcasts, die Masie aufgezeichnet hat sind folgende Audios, in denen die Chefs von SumTotal Systems Inc. und Giunti Labs S.r.l. den Fragen von Masie Rede und Antwort stehen. Die zwei ca. 15-20 minütigen Interviews geben einen guten Einblick, was die LMS-Industrie derzeit umtreibt.

Don Fowler, SumTotal Systems Inc., Vereinigte Staaten
[audio:http://www.hipcast.com/export/P38b3f16d9bc1c03babdd1ff4926f129bZVB6RFREY2Rx.mp3]

Fabrizio Cardinali, Giunti Labs S.r.l., Europa
[audio:http://www.hipcast.com/export/P9276fe545e51c2af36a61ab444d1d4bfZVB6RFREY2Ry.mp3]

Why do I blog this? Ich bin zurück aus dem Urlaub – Grund Nummer 1. Und dann habe ich tatsächlich einige der Interviews angehört, weil es mich interessiert hat. Neben viel „Business-Speak“ und vielen bekannten Web 2.0-buzzwords blitzen doch an der einen oder anderen Stelle interessante neue Ausrichtungen auf und man bekommt ein Gefühl für die Stimmung in der Industrie, die derzeit offenbar relativ gut ist. Worte wie „Wearable Learning“ bei denen es um den mobilen Einsatz geht z.B. bei Giunti Labs in der Flugzeugindustrie machen dann doch neugierig, Details wurden aber nicht genannt.

Es fallen immer wieder Schlagworte, die vermutlich als E-Learning 1.0 beschrieben werden könnten. Es wird eigentlich eher wenig auf die Trends eingegangen, die durch Vernetzungstechnologien wie z.B. RSS-Feeds entstanden sind. Aber so ist es eben auch in der LMS Welt, eben eher eine eigene Welt. Es ist aus meiner Sicht auch durchaus schwierig als LMS-Anbieter auf diese Trends zu reagieren: Soll man jetzt Wikis und Weblogs einfach integrieren? Wird dadurch nicht der Vorteil der Weblogs (spezialisiert auf die eine Aufgabe zu sein, nämlich einfaches Veröffentlichen) zunichte gemacht? LMS würden sich dann immer weiter ausweiten auf andere Gebiete und wären irgendwann ein funktionaler Moloch. Interessant sind die interviews dennoch, um auch als Wissenschaftler mal ordentlich geerdet zu werden, was in der Industrie eine Rolle spielt. Der Kontrast mit z.B. dem kürzlich veröffentlichten Artikel von Stefanie Panke mit dem Titel „Unterwegs im Web 2.0: Charakteristiken und Potenziale“ (dowanload als PDF) dürfte deutlich bemerkbar ausfallen und zeigen wie unterschiedlich hier von Lernen bzw. E-Learning gesprochen wird. (via petersheim.de)

Schade fand ich noch, dass weder von BlackBoard noch von Desire2learn – den beiden Patent-Kontrahenten aus 2006 – jemand interviewed wurde, das hätte mich so richtig interessiert. Beide fehlen interessanterweise auch bei den Sponsoren, da bleibt Raum für Spekulationen.