Jazz ahead? Jazzahead.

Vom 8. bis 11. MĂ€rz 2007 ist es wieder soweit: In Bremen im Congress Centrum findet die gleichlautende Messe Jazzahead unter dem Motto „Crossing Borders“ statt. Wer sich auf angemessen audiophile Weise informieren möchte, der findet im Angebot des Messeveranstalters den Podcast zum abonnieren (iTunes). Ein schön gemachter Podcast, der ĂŒber iTunes nicht nur Audio sondern auch Bilder und Links liefert.

Kostprobe des aktuellen PodCast (Episode 4):
[audio:http://www.jazzahead.de/uploads/podcast/pod5_de_audio.mp3]

Übrigens: Auf der Messe kann man Prof. Manfred Spitzer am Samstag 10.3.2007 einmal von einer etwas anderen Seite erleben, als Experten fĂŒr „Gehirnforschung und Musikerleben“. Ausgehend von Inhalten seines populĂ€rwissenschaftlichen Buchs „Musik im Kopf“ (Rezension als PDF, Interview bei BR-alpha) wird er BeitrĂ€ge zu einem Expertenworkshop beisteuern.

Der Schwarm: Proxemik, die neugierig macht

Vor ca. einem Jahr gab es an der Hochschule fĂŒr KĂŒnste in Bremen die Vorstellung eines Projekts, dass auch als „Ambient Interface“ bezeichnet wurde. Als prĂ€miertes Projekt des Ideenwettbewerbs „Sinne und TeleprĂ€senz“ wurde von Andreas Wiegand, Merten SchĂŒler und Michael Rieken eine Kombination aus Hard- und Software vorgestellt, in der Akteure mit einem virtuellen Schwarm von computergenerierten Wesen interagieren konnten.

Der Schwarm, und das ist das Besondere, verwendet als Interaktionsschnittstelle nicht mehr Maus oder Tastatur sondern den gesamten Körper, der ĂŒber einem Spielfeld seine Position Ă€ndert (Lokomotion). Wie das genau aussieht, kann man in folgenden zwei Videos sehen (leider nicht sehr flĂŒssiges Bild, sorry!): Junge im Schwarm (Video), MĂ€dchen im Schwarm (Video). Das Projekt ist aus meiner Sicht ein prima Beispiel fĂŒr eine nonverbale Kommunikation die ĂŒber DistanzverĂ€nderung stattfindet. Der Schwarm reagiert z.B. neugierig darauf, wenn der Akteur sich ihm langsam nĂ€hert oder ergreift die Flucht, wenn er sich zu schnell nĂ€hert. Das Forschungsgebiet ĂŒber diese Art des Austauschs von Informationen ĂŒber DistanzverĂ€nderung nennt man auch Proxemik.

Eine spannende Idee der Erbauer des Schwarms ist es, den Potentialen der kĂŒnstlichen Intelligenz nachzugehen und die durchgĂ€ngige Bewertung von Aktionen und deren Ergebnis mit genetischen Algorithmen zu bewerkstelligen, um beim erneuten Auftreten gleicher Situationen und Aktionen den Schwarm angemessener reagieren lassen zu können.

Inspiriert ist das Schwarm-Projekt von Craig W. Reynolds, der auf seiner Webseite eine ĂŒberzeugende Visitenkarte vorzeigt, die ihn als einen Artificial Life-Spezialisten ausweist. Seine BOIDS-Seite zeigt einen Ă€hnlichen Schwarm in 3D, der sich ĂŒberraschend lebensnah verhĂ€lt. Dort erklĂ€rt Reynolds auch, welche drei primitiven Grundregeln dieses Verhalten als Simulation ermöglichen.

Initiiert wurde das Projekt von der Arbeitsgruppe Digitale Medien in der Bildung (DiMeB), die geleitet wird von Prof. Dr. Heidi Schelhowe. Weitere Details zum Projekt….

Update 12.3.2007
Interessant ist vielleicht auch, das in Köln ein Schwarm-Experiment durchgefĂŒhrt wurde, bei dem der Schwarm durch echte Menschen und nicht den Computer zustande kam. Spiegel Online hat aktuell einen Bericht dazu mit dem Titel „SCHWARM-EXPERIMENT: Menschen sind auch nur Fische“ . Interessant an der Sache: Die Menschen die an dem Versuch teilnahmen, haben innerhalb kĂŒrzester Zeit Schwarmverhalten gezeigt. Das Experiment wurde von Wissenschaftlern in Zusammenarbeit mit dem WDR Fernsehen in Form von Quarks&Co (eine Sendung die man prima als Video-Podcast abonnieren kann) durchgefĂŒhrt. Der WDR sendet die Ergebnisse dieses bislang einmaligen Experiments am 10. April in der Folge „Das Geheimnis des Schwarms“ .

Update 10.4.2007
In der SĂŒddeutschen ist ein erster Bericht ĂŒber das Experiment erschienen unter dem Titel So steuert eine Menge – Der Schwarm. Heute Abend kann man dann den Beitrag „Das Geheimnis des Schwarms“ im WDR TV sehen.

Why do I blog this? Seit einigen Tagen bin ich direkt mit diesem Projekt in Verbindung gekommen, indem ich die Software, die fĂŒr dieses Projekt verwendet wird auf meinem Computer habe. Was natĂŒrlich klar ist, ist das wenn ich soetwas schon auf dem Rechner habe, es nicht ungeĂ€ndert wieder von dannen ziehen kann. ;-) Also habe ich an der Software ein paar vergleichsweise kleine Verbesserungen in dem Userinterface vorgenommen (siehe Vorher/Nachher-Bild). Leider kann ich aus Zeitmangel nicht selbst an der Software weiterbauen, ein Blog-Eintrag musste es daher wenigstens sein. Auch die NĂ€he zur Proxemik und zur TeleprĂ€senz lĂ€sst mich dieses Projekt faszinierend finden. Was man mit einem Beamer, einem Industrie-Laserscanner und ein wenig Java-Code doch so alles machen kann…

Lehrveranstaltung 2.0: „Zeig mal die Seekarte“

SemesterrĂŒckblick: Seit dem WS 2005/06 (V 1.0) biete ich eine Lehrveranstaltung (LV) an, die allein in diesem Wintersemester 2006/07 (V 2.0) einen zahlenmĂ€ĂŸigen Zuwachs von ĂŒber 450% auf ca. 70 Teilnehmer hatte. WĂ€hrend Version 1.0 unter einigen Kinderkrankheiten (z.B. Reihenfolgefehler & SprĂŒnge, technische Problemsituationen) einer frisch konzipierten LV litt, hat sich bei Version 2.0 in diesem Semester ein ausgereifteres Bild fĂŒr mich ergeben (z.B. höhere effektive Lernzeiten, mehr Teilnehmerbeteiligung, konsistentes Konzept). Ich möchte jetzt nicht mit langweiligen Details quĂ€len, und daher den Versionssprung an einer Methode verdeutlichen, die ich in meiner LV sehr erfolgreich seit Beginn einsetze, um fĂŒr Überblick und Orientierung zu sorgen. Wie ich jetzt feststelle, eignet sich diese Methode prima, um einen schnellen Vergleich zwischen beiden Veranstaltungen durchzufĂŒhren. Anmerkung: Geschuldet ist die Methode vermutlich meiner seit 2005 bestehenden NĂ€he zur Nordsee, die mich inspiriert hat.


Karte 1: Kurs WS 2006/07 (Anklicken fĂŒr VergrĂ¶ĂŸerung!)

Zu Beginn jeder LV stelle ich eine Art „Seekarte“ (siehe Karte 1) vor, die gut und gerne von einem Seefahrer angefertigt sein könnte. Darauf sind die Veranstaltungsziele in der FlĂ€che aufgezeichnet. Große Themenblöcke als Inseln, einzelne Aspekte als Orte entlang der KĂŒste dieser Inseln. Als Anzeiger fĂŒr den aktuellen Aufenthaltsort wird ein Schiff verwendet. So weiß man immer, wo sich die LV thematisch gerade befindet. Auf einen Blick erschließt sich, was bereits abgehakt ist und was noch offen ist. Jede OrtsverĂ€nderung wird in der Karte mit einer roten Linie eingetragen und besuchte Orte werden mit einem grĂŒnen Haken markiert.

Das Schöne an dieser Karte ist, dass sie wie eine Art Entdeckungskarte der großen Seefahrer funktioniert, sie zeigt, was man alles entdeckt hat und was noch fehlt. Man sieht das Erreichte und weiß um das Unerreichte. Gegen Ende der LV ist die Karte meistens ziemlich voller Linien und Haken und die gesamte Karte sieht aus wie das Werk eines Seefahrers, der zwar mit Kompass aber wohl kaum mit einer Mannschaft von „Landratten“ unterwegs war. An dieser Stelle nun möchte ich die beiden Seekarten aus letztem und diesem Jahr festhalten.


Karte 2: Kurs WS 2005/06 (Anklicken fĂŒr VergrĂ¶ĂŸerung!)

Ich wĂŒrde mich ĂŒber Anregungen freuen, wie man diese Orientierungs- und FĂŒhrungsmethode noch verbessern könnte. Z.B. mit Ideen, wie es noch authentischer hinsichtlich der Seefahrt werden könnte. Meine eigenen Ideen gehen dahin, dass ich die Karte noch etwas unvollstĂ€ndiger mache, z.B. bestimmte Inseln erst auf der Karte auftauchen, wenn man nah genug dran ist und Orte noch nicht komplettt eingezeichnet werden. Der Wandel von der Seekarte zur Schatzkarte soll natĂŒrlich weiterhin im Auge des Betrachters/Teilnehmers liegen.

Update 20.2.2007
Andrea Back beschreibt gerade, dass man durchaus auch zum MillionĂ€r werden kann, wenn man ein Lehrer mit Promi-Status (=exzellenter Lehrer?) (=Lehrer mit schlauem Selbstmarketing?) wird. Nachzulesen unter dem Titel „E-Learning-Promi werden und Millionen machen“ bzw. direkt bei BusinessWeek lesen. Na da frag ich doch einfach mal in die Runde: Wer hilft mir bei der ersten Million, die ja bekanntlich die schwerste ist? ;-) (via LearningWaves)

Why do I blog this? Überall ruft es derzeit nach einer Exzellenz nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehre (z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier). Nun, was liegt da nĂ€her, diese mit einfachen Methoden zu verbessern? Ich bittte also um viele nĂŒtzliche Hinweise, wie das Konzept verbessert werden kann. :-)
Gut erkennen kann man die VerĂ€nderung hinsichtlich der „Piraten“, die immer fĂŒr gewisse Probleme stehen. In der Karte 2 tauchen die Piraten aus dem Nichts auf und stören den Reiseweg zum nĂ€chsten Ziel. In Karte 1 wird dagegen gleich zu Beginn ein „Piratentraining“ durchgefĂŒhrt, um gegen verschiedene Probleme und Störungen (Internetausfall, Viren, Spam, usw.) gewappnet zu sein. Auch ist der eingeschlagene Kurs vollkommen unterschiedlich. Die EverLearn-Insel wurde in Karte 1 z.B. nicht einmal angelaufen, dafĂŒr wurde gleich nach der Piratenbucht die Werkzeuginsel angesteuert. Im direkten Vergleich fĂ€llt sofort auf, dass in Karte 1 der zurĂŒckgelegte Kurs lĂ€nger ist und viel mehr Zwischenstopps hat. Es wurde quantitativ mehr gemacht, was dem ausgereifteren Konzept der Veranstaltung geschuldet ist.