Digitale Identitäten, und wofür man sie braucht

Fred Cavazza hat eine schöne Übersicht zu den digitalen Identitäten der Netizens erstellt. In seinem Beitrag „Qu’est-ce que l’identité numérique ?“ vom Oktober 2006 (vergleichsweise alt!) Hier die Übersicht:

digital_identity_mapping.png

Diese Übersicht kommmt auch in einem neuen Research Paper (als PDF) der Consulting Firma faberNovel zum Einsatz. (via Mobil Avenue)

Darin werden interessante Daten und Fakten zu sozialen Netzwerken, wie z.B. XING und LinkedIn präsentiert.

Update 16.1.2008
isophie.pngRobert Dürhager schreibt auf iSophie einen interessanten Beitrag über die philosophische Sicht auf das Identitätsproblem im Web 2.0. Titel seines Beitrags: „Von Cyber-Identitäten, virtuellen Gemeinschaften, vernetzter Individualisierung und antiquierten Philosophen“

SCOPE_07: Eine ganz spezielle „beta“

brainmind_small.jpgDie SCOPE_07 warf ihre Schatten voraus, denn wie es sich für eine Veranstaltung im Dunstkreis der 2.x-Webdynamik gehört, wurde im Vorfeld bereits gefilmt, gebloggt und beta-getestet (auch alle möglichen Video-Sharingdienste), was das Zeug hält. Wie alle beta’s ist die SCOPE auf seine „User“ angewiesen und das wurde schon in der Pre-Conference in Hamburg deutlich. „Cutting Edge“ Ideen und Trends sind manchmal eben auch ein wenig mehr „cutting“ als „edge“ und das wurde in Hamburg dann auch mir klar. Begriffe wie Singularität, Brain Computer Interface, Tagcloud, Narrowcasting usw. sind eben längst nicht allen bekannt. Als Experte vergisst man das gerne mal, auch ich.

Die Begriffe rund um die stattfindende Dynamik des Internet entwickeln sich zudem verdammt schnell, so schnell, dass man eigentlich nur noch mit einer anpassungsfähigen „tagcloud“ hinterherkommt. Und wenn man diese tagcloud als Instrument nicht kennt, fehlt einem schlicht das Instrument, um mit das Chaos des Netz zu ordnen, man ist „abgeschnitten“ von der Begriffswelt der anderen oder über die „Kante“ hinaus getragen worden.

survivalkit.jpgDie SCOPE_07 war aus meiner Sicht ein ernster Versuch zwischen „cutting“ und „edge“ möglichst weit zu zielen, um das zu erkennen, was morgen in meiner tagcloud an neuen Begriffen stehen wird. Ein sehr ehrgeiziges Ziel für eine Premiere!

Nicht umsonst gab es deshalb 12 Trends die das Web 2.0 wie 12 Jünger begleiteten, und auch ein handfestes Survival Kit. Und damit habe ich mein ganz persönliches Highlight der SCOPE_07 bereits erreicht. Das Survival Kit ist aus meiner Sicht DIE Innovation dieser Veranstaltung.

Es bestand aus 12 A5-Bögen, die den jeweiligen Trend nochmals kurz in Stichworten darstellte und einer Schreibfläche auf der Rückseite mit der Überschrift: „What’s in it for me?“. Das hat mich an meine Gewohnheit in meinem Blog erinnert manchmal zu schreiben „Why do I blog this?“. Es hilft einfach beim Denken! Und man nimmt nicht nur symbolisch, sondern ganz handfest etwas mit. Eine Klasse Idee Ulrike, Bea und Lutz!! :-)

Meine Zusammenfassung passt daher auch genau auf eine A5-Karte, wozu also bloggen, wenn man fotografieren kann, ich hab das Ding einfach abgeknipst (Vorderseite, Rückseite), hier mein Fazit:

enterprise_notes.jpg

Der beliebteste Trend war Enterprise 2.0 und die Survival Kit Karte zeigt das Fazit: „Minimale Steuerung als Prinzip.“ In der Arbeitsgruppe wurde am Nachmittag verschiedenen Aspekten der Integration einer 2.0-Kultur in vielen kleinen Fragen nachgegangen. Es war spannend!

Weitere Eindrücke in Form von Bildern gibt es hier (flickr) und zum Beispiel bei Frank Hamm im injelea-Blog. Denn der hat wirklich alle Rekorde geschlagen in Sachen „Blogentries per Event“, hier die Liste:

Den letzten Blogeinträgen nach zu folgern, ist Frank nun von Enterprise 2.0 vollständig fasziniert und hat daher eine menge weiterer Einträge in seinem Blog parat. Sehr lesenswert.

Vor allem eines steht jetzt schon fest: „Bei der naechsten SCOPE wird es ‚SCOPE Youngsters‘ geben …“. Ich würde mir noch mehr Zukunft wünschen, die aber durchaus mit Realismus gepaart sein sollte. Das war mir diesmal noch viel zu sehr 2.0 dabei wollten wir doch über das was erst noch kommt reden. ;-) Von daher ich wünsche mir ein härteres an der Kante fahren, und deutlich weniger Trends (max. 7 reichen) dafür aber mehr Zeit für das persönliche Gespräch/“Chillen“.

Why do I blog this? Die Frage ist, warum blogge ich erst jetzt? SCOPE liegt gefühlt schon 2 Monate hinter mir. Tja, wenn das Blog kaputt ist (Rechnerdefekt) dann bleibt einem nur warten. Deshalb dann jetzt mein kleiner Nachtrag in angemessener Netzform. Aber wer noch mehr Lust auf Zukunft hat, der kann auch bei Marit Brademann (Coremedia, Hamburg) nachlesen, wie sie den Tag – aus meiner Sicht sehr übersichtlich und treffend – in einem PDF-Dokument zusammengefasst hat.

Our Social Spaces, our Digital Lives

reports_sharing_detail_whit.gifDie Online Computer Library Center (OCLC), Inc. hat gerade ganz frisch einen Bericht (als PDF) veröffentlicht mit dem Titel „Sharing, Privacy and Trust in Our Networked World“. Der Bericht ist also aus der Perspektive von Bibliothekaren bzw. „Bibliothek 2.0“ geschrieben und konzentriert sich deshalb auf folgende Schwerpunkte:

  • The use of social networking, social media, commercial and library services on the Web
  • How and what users and librarians share on the Web and their attitudes toward related privacy issues
  • Opinions on privacy online
  • Libraries’ current and future roles in social networking

Darin sind aber zwei Kapitel enthalten, die spannende Information über „Our Social Spaces“ und „Our Digital Lives“ enthalten. Mich hat vor allem die Übersicht interessiert, warum Social Networking Sites wie z.B. LinkedIn, Xing und FaceBook genutzt werden. Hier ist internationaler Vergleich vorgenommen worden (Grafik Seite 55 des OCLC Berichts) und wir Deutsche (Grafik) stechen als vorwiegende Netzwerker deutlich hervor. sn_howisit.pngVor allem aber ist bemerkenswert, warum Schüler und Studenten diese Angebote nutzen. Es gibt scheinbar eine Art Gruppenzwang, der aktiv wird, denn der Hauptgrund lautet wie man nachfolgend sieht: „My friends use the same site“. Und eines ist auch klar, die Dienste wie Xing, studi.vz oder FaceBook übernehmen mehr und mehr die Funktion eines Kommunikationskanals wie ähnlich zu Telefon und E-Mail.

Wer also keinen Account hat, der bekommt natürlich auch keinen „Anruf“ bzw. keine Nachricht, ist also kommunikationstechnisch abgekoppelt von vielen Menschen. Vor allem für Schüler dürfte das das Killerargument für eine Mitgliedschaft in einem solchen Dienst sein. Schön fand ich auch deshalb das Zitat (siehe rechts), warum man z.B. ein eigenes Profil oder ein Weblog pflegt. Man lädt ja schließlich Leute zu sich nach Hause ein um u.a. auch Kommunikation zu haben.

whystudentsuseit.png
„Why Students Use Social Networking Sites“ – Quelle: OCLC Bericht, Seite 232

Interessant könnte auch die Webseite der vergangenen OCLC Symposien sein. Dort sind einige Audiomitschnitte hinterlegt, z.B. zum Thema „Who’s Watching YOUR Space?“ bei dem „social networking practices and trends“ diskutiert wurden. Unter anderem ist im Rahmen eines Expert Panel von Howard Reingold folgender Audiomitschnitt über Chancen und Risiken von Online Communities und Social Networking zu hören, insbesondere in Bezug auf junge Menschen:

[audio:http://progressive.powerstream.net/002/00173/symposium2007audio/file0100.mp3]

(Gefunden über Bibliothek 2.0)
Why do I blog this? Da die Diskussion um Personendaten bzw. Social Graph-Daten derzeit so hochaktuell ist, passt diese Studie grade wunderbar, um das eigene Bild abzurunden, was eigentlich genau gerade mit unseren ganzen Daten aus welchen Gründen passiert. Für die, denen das alles völlig fremd erscheint, müßte der Titel des Postings wohl eher „Their Social Spaces, their Digital Lives“ heißen. ;-)