Happy Hour, äh Marry Iris, mmmh, Frohes Fest und so…

Allen meinen Leserinnen und Lesern, Trackbackern, Kommentatoren und durch Google hierher Fehlgeleiteten wünsche ich ein Frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins Jahr 2009. In der Zwischenzeit eine kleine Selbstkarikatur zu Verkürzung der Wartezeit bis zum nächsten Blogpost.

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Why do I blog this? Na ja, einige haben sich ja mächtig in 2008 an meiner Kritik gestört. An dieser Stelle ein Gruß an alle digitalen Ausländer die in der Einwanderungsbehörde in Hamburg auf ihre Integration warten. Auch 2009 werde ich meine Kritik an dem Begriff „Digital Native“ aufrechterhalten. 2009 wird also ebenso kurzweilig wie 2008 und sollte die Diskussion mal etwas kühler verlaufen, dann ist das ja im Sinne der Klimaerwärmung vielleicht auch mal nicht ganz so schlimm. Bis in 2009, I’m outta here!

Eine US-Trillion $1T Schulden = Guthaben

Die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) steuern auf genau die Zahl $1T zu. In den Medien sind die Schulden gemeint, Schulden von nunmehr einer US-Trillion (was einer Deutsch-Billion entspricht). Die Associated Press schreibt (via fefe’s blog; Danke!!!):

Federal deficit on pace to reach record $1T
[…] If the deficit does top $1 trillion for the current budget year, it also would be a post-World War II high when measured as a percentage of the economy. […]

us_debt_v3.png
Selbst erstellte Grafik, die das zerstörerische Schuldengewicht einerseits und und die auf den Guthaben stehenden andererseits symbolisieren soll. Und die Guthaben haben sind leider die die am depressivsten sind und immer wieder rufen „Don’t panic!“ bzw. Rettungspaket.

Doch was die großen Medienhäuser ganz offensichtlich galant verschweigen: In einer Volkswirtschaft sind Guthaben und Schulden immer in exakt gleicher Höhe vorhanden. Das was ich an Schulden habe, schulde ich ja jemandem. Und für diesen Jemanden ist das ein Guthaben er hat etwas gut bei mir. Es gibt also einige Personen, denen gehören gerade eine US-Trillionen Dollar Guthaben, toll, oder? Und täglich werden es mehr!

Bei $1T ist allerdings Vorsicht angebracht! Auch wenn man an jeder Stelle liest „Don’t panic!“ glauben viele Schuldner mittlerweile nicht mehr, dass sie die Schulden je zurückzahlen werden können (dazu gehören auch Regierungen). Demnach glauben die Schuldner auch, dass der andere nichts mehr bei ihnen gut hat, das wäre dann ein Credit- bzw. WährungsCrunch!

schulden_usa_mini.png
Ausschnitt aus dem Handelsblatt vom 27.6.2002, Seite 8 (über Premiumarchiv recherchierbar; Screenshot von gefundenem Treffer; Anklicken für große Abbildung)

Beachtlich ist dabei die Rasanz der Entwicklung von Schulden, die scheinbar keine Konsequenzen für große Schuldner hat. Denn: Im Jahre 2002 waren die USA nach ihrer eigenen Verfassung bereits bankrott! Ja, richtig gelesen. Wenn das Handelsblatt da nicht falsch recherchiert hat – wovon ich jetzt nicht ausgehen möchte – dann waren die USA bereits pleite vor der Krise die jetzt da ist. Wenn ein Nobelpreisträger wie Herr Krugman den Deutschen vorwirft nicht genug Schulden zu machen, dann sollte dieser Herr Krugman vielleicht einmal einen Blick in das Handelsblatt vom 27.6.2002 werfen.

Update 7.1.2009
tagesschau.de berichtet heute über eine noch höhere Defizitsumme in dem Beitrag „1,186.000.000.000 Dollar Minus im US-Haushalt“. Interessantes Detail am Rande:

[…] Nicht eingeflossen in die Vorhersage ist das geplante Konjunkturprogramm, das das Haushaltsloch im laufenden und folgenden Jahr um insgesamt etwa 800 Milliarden Dollar vergrößern könnte. […]

tagesschau_7_1_2009.pngWichtiger als diese Meldung zu dem gigantischen Schuldenrekord sind für tagesschau.de und das TV-Format „tagesschau“ jedoch „Kälterekorde“ in Deutschland und die „Die Lottozahlen“ sowie „Das Wetter“ (Beweis: siehe Screenshot des TV-Stream) – demnach kommt diese Meldung im TV auch weiterhin nicht vor; ist also nicht existent. Das nenne ich doch mal eine ausgewogene und gut überlegte Prioritätensetzung bei einem Leitmedium des TV, denn schließlich kann das einzige richtige Motto nur heißen: „Don’t Panic!“. :-D

Update 8.2.2009
In der Sendung Quarks & Co. im WDR, wurde eine hervorragende Visualisierung der absurd großen Zahlen der Wirtschaftskrise gezeigt. Dank YouTUBE kann ich die hier einbinden. Danke an unsere öffentlich-rechtliches TV an dieser Stelle für den allseits verfügbaren Pod-/Vodcast (via iTunes Store). In der Sendung „Wie sicher ist unser Geld?“ (ergänzendes PDF zur Sendung; Depublizierungsschutz) wurden einige Zusammnhänge der Wirtschaftskrise und des Geldes versucht so darzustellen, dass man es besser verstehen kann. Leider ist das aus meiner Sicht bis auf diese Visualisierung der gigantischen Zahlen, eher nicht gelungen. Das Hauptproblem – nämlich der Zins – wurde mit als das Kernproblem leider nicht vom Moderator benannt. Auch alternative Konzepte wie z.B. Komplementärwährungen zu dem INSTABIL-BY-DESIGN anfälligen, bestehenden Geldsystem wurden nicht erwähnt. Wer hierzu mehr Information benötigt, der kann z.B. eine gute Übersicht zu dem Problemkomplex bei www.postcapitalism.org finden.



Depublizierungsschutz

(via @tamimat)

Auch interessant zu lesen „Wohin verschwindet unser Geld“ (PDF mit Depublizierungsschutz).

Update 20. Oktober 2024

  • Im roten Bereich:
    Gefangen in World Wide Debt
  • October 2024 Fiscal Monitor
  • October 2024 Global Financial Stability Report
  • October 2024 World Economic Outlook
    Global Debt Report 2024 Bond Markets in a High-Debt Environment

    Update 9. November 2024

    The world is sitting on a $91 trillion problem. ‘Hard choices’ are coming

    In the United States, the federal government will spend $892 billion in the current fiscal year on interest payments — more than it has earmarked for defense and approaching the budget for Medicare, health insurance for older people and those with disabilities.

    Next year, interest payments will top $1 trillion on national debt of more than $30 trillion, itself a sum roughly equal to the size of the US economy, according to the Congressional Budget Office, Congress’s fiscal watchdog.

    The CBO sees US debt reaching 122% of GDP a mere 10 years from now. And in 2054, debt is forecast to hit 166% of GDP, slowing economic growth.

    So how much debt is too much? Economists don’t think there is a “predetermined level at which bad things happen in markets,” but most reckon that if debt hits 150% or 180% of gross domestic product, that means “very serious costs for the economy and society more broadly,” said Dynan.

    Source: CNN, 9:44 AM EDT, Tue July 2, 2024, (Depublizierungsschutz PDF)

    Why do I blog this? Einerseits besteht die Welt eben nicht nur aus Schulden! Sie besteht aus gigantischen Guthaben! Da jedoch die gigantischen Guthaben nur soviel Wert sind wie die gigantischen Schulden, gibt es die gigantischen Guthaben eigentlich alle gar nicht. Denn wer wird im ernst daran denken die ganzen Schulden jemals zurückzuzahlen, woher sollte man das Geld nehmen, wenn nicht von denen die die Guthaben haben? In diesem Zusammenhang gibt es für mich keine komplexe, komplizierte oder undurchschaubare Volkswirtschaft. Alles ist ziemlich einfach. Für einen Nobelpreisträger wie Herrn Krugman ist die Sache offenbar komplizierter. Aber ich bin ja auch kein Nobelpreisträger, sondern nur ein ehemaliger Teil des unwissenden wissenschaftlichen Bodenpersonals der Bundesrepublik Deutschland. Vielleicht fragt man besser einen chinesischen Wirtschaftsweisen, was er von der Dollarkursentwicklung so hält.

    Die DNA der digitalen Erlösungslehre

    susanne_gaschke.pngSo lautet etwas abgewandelt der Titel eines Artikel in DIE ZEIT (Nr. 48 vom 20. November 2008), geschrieben von Susanne Gaschke. Im Original heißt der Titel exakt „Die digitale Erlösungslehre: Das Internet formuliert die neue Verheißung des Kapitalismus: Grenzenloses Wissen, für alle gratis? Lasst euch nicht verführen!“.

    Gaschke schreibt federführend regelmäßig über Themen die den gesellschaftlichen Wandel (einige Video-Interviews Wochenendarbeit in Deutschland, Frauenquote in Aufsichtsräten der Unternehmen in Norwegen) betreffen und die sozialen Zusammenhänge. So hat sie z.B. Beiträge und Bücher veröffentlicht mit dem Schwerpunkt Familie und Kinder unter folgenden Titeln:

    In der aktuellen ZEIT-Ausgabe hat sie sich den digitalen Wandel einmal kritischer vorgenommen. Der Artikel auf Seite 3 der ZEIT, dürfte bei den so genannten „Digital Na(t)ives“ zu 99 Prozent am Wahrnehmungsradar vorbei gehen, denn diese verabscheuen ja nach eigenen Angaben Medien auf Papier, und den Artikel gibt es derzeit nicht im Internet zu lesen. Gaschke spricht viele Kritikpunkte an, die man an dem aktuellen Fortschrittsdenken unter dem Label „Digital Natives“ sehr gut festmachen kann (Für mich ein Grund, meine diesbezüglich kritischen und thematisch passenden Artikel dieses Blogs – z.B. „Ich bin kein Digital Native“ – in eine weitere Kategorie einzuordnen „Digital Naives“ – das „t“ ist nicht vergessen worden.).

    Ihre Kritik stellt Gaschke u.a. auf folgende Säulen:

    • Die weitgehend kritiklose Überhöhung des Internet als Heilsbringer ist das neue Heilsversprechen unserer Gesellschaftsordnung und gekoppelt an eine Technologie ohne Präzedenzfall: an die Digitalisierung der Welt, an die Ausbreitung des Internets als Weg zu Wissen und Wohlstand für alle.
    • Trotz all den Angeboten des Internet, die Information unter unseren Fingerspitzen muss immer noch mühsam gelesen, bedacht und verstanden werden, bevor aus ihr tatsächlich das Wissen wird, von dem mit dem Schlagwort „Wissensgesellschaft“ immer die Rede ist.
    • Der Umgang mit dem Rechner wird zur vierten Kulturtechnik überhöht, twittern, bloggen, skypen und podcasten tritt also gleichberechtigt neben Lesen, Schreiben und Rechnen.
    • All das ist aus Gaschkes Sicht ein quasireligiöses Heilsversprechen, das mit soviel wortgewaltiger Rhetorik eines „Glaubens“ vorgetragen wird, dass Skepsis an diesem Versprechen schnell als kleingeistiger Kulturpessimismus abgetan wird.
    • Gaschke stellt wichtige Fragen: Wollen wir tatsächlich so leben, wie es uns von den Digitalisten nahe gelegt wird? Suchen wir wirklich ein technisches Heim für unser Bewusstsein? Bindet nicht das Netz soziale Energie in virtuellen Pseudogemeinschaften: Energie, die im real life dringen für echte Politik gebraucht würde? Nutzen die Nutzer die gewaltigen wissenschaftlichen und politischen Informationsmöglichkeiten des Internets überhaupt — oder verschwenden sie ihre Zeit mit kommerzgesteuerten Unterhaltungsthemen?
    • Gaschke fragt zu Recht: Was sind die schillernden Versprechen wert? Lernen Menschen durch die neue Technik mehr als zuvor, verstehen sie unsere Gesellschaft besser, sind sie urteilsfähiger, sind sie politischer — oder können sie sich wenigstens besser konzentrieren? Oder macht Google sie eben doch doof?
    • Gaschke nimmt Bezug auf Meinungsforscherin Renate Köcher vom Institut für Demoskopie Allensbach: Als Medium zur Information wird das Internet offenbar nur am Rande genutzt. Kommunikation via Chatten, E-mail und Instant Messaging steht im Vordergrund. Doch eine Gesellschaft, die auf kontinuierliche Information und Urteilsbildung verzichtet, wird spontaner, in der Urteilsbildung beweglicher, sogar sprunghafter und anfälliger für Manipulation.
    • Vor allem aber entlarvt Gaschke, dass sich Heilsversprecher der Bewegung des „Digitalismus“ ungeniert der Jugend bedienen und diese für ihr Ansinnen instrumentalisieren. Die Energie des jugendlichen Sturm und Drang-Verhaltens wird vor den Karren gespannt, und Erwachsene müssen als „Digital Immigrants“ der so geadelten Jugend die Ehre des „Digital Natives“ erbieten. Jugend wird zur appetitsteigernden Ingredenzie im öffentlichkeitswirksam verabreichten Kommunikations-Mix der eigenen quasireligiösen Ansichten.
    • Dieser auch institutionell verankerte und propagierte Digitalismus gibt das Heilsversprechen eines neuen Menschen, einer besseren Gesellschaft und nimmt für sich in Anspruch, Inbegriff jugendlichen Denkens und Wollens zu sein; er macht sich breit und verschlingt öffentliche Aufmerksamkeit; er blendet die kommerziellen Verwertungsinteressen mancher Fürsprecher auf geradezu groteske Weise aus; und er hat eine klare Vorstellung von den Gegnern: den Kulturkonservativen, den Bildungsbürgern, den Nostalgikern der Buchkultur und jenen Traditionalisten, die meinen, Politik mache man am besten von Angesicht zu Angesicht.

    Insbesondere der letzte Punkt lässt bei mir die industriell verwurzelte Initiative DNAdigital als Beispiel dieses Digitalismus vor dem geistigen Auge hell aufleuchten. Für DNAdigital gilt von Beginn an, dass die Spaltung in „Digital Immigrant“ und „Digital Native“ nicht in Frage zu stellen ist. Das erinnert stark an die Fabel von Der Farm der Tiere in der gilt: „Alles was auf zwei Beinen geht, ist ein Feind.“ Übertragen gilt also:

    Wer kein „Digital Immigrant“ sein will, zugleich aber per jugendlicher Definition kein „Digital Native“ sein oder werden kann, der ist ein „Digital Ignorant“ und somit jener Kulturkonservative, nostalgische Ketzer der als Feindbild dieses quasireligiösen Digitalismus ausgemacht wurde.


    Wie aber wäre es, wenn man einfach Gaschkes Aufruf folgte und „Technologie einfach nutzen könnte ohne sie und ihre Heilsversprecher gleich anbeten zu müssen?“ Wie wäre es, wenn die Firma Apple eben Respekt vor der Kulturleistung des Buches zeigt und eben nicht behauptet, dass ein Apple Rechner/“MacBook“ das einzig wahre Buch ist was man zum Lernen braucht? Wie wäre es Respekt zu zeigen und Demut vor der Kultur? Wie wäre es, wenn man nicht versuchen würde die Welt in schwarz und weiß, „Native“ und „Immigrant“ zu teilen? Vor allem aber: Wie wäre es, wenn man die Generationen miteinander und nicht wie René Scheppler schreibt „Generation X (Anmk.: bzw. YPS) vs. Generation Internet?“ im Kampf gegeneinander antreten ließe?

    Update 25.11.2008
    Der Artikel in digitaler Version bei der ZEIT ONLINE. (thx an icke)

    Why do I blog this? Ich habe eine ganze Weile die Initiative DNAdigital verfolgt und wie dort miteinander umgegangen wird. Mich hat erschreckt, zu wie wenig Selbstkritik man dort fähig ist. Vor allem aber hat mich erschreckt, wie wenig man über das eigene Tun im Namen des Digitalismus reflektiert. Gaschkes Artikel führt mir vor Augen, dass ich es eigentlich mit einer Art von Fanatismus zu tun gehabt habe, weshalb ich den nur noch marginal konstruktiven Dialog mit DNAdigital auch irgendwann abgebrochen habe. Mich hat das Ganze erinnert an ein Zitat von Winston Churchill: „A fanatic is one who can’t change his mind and won’t change the subject.“