Schulfernsehen 2.0: Video die neue Zukunft des Lernens?

Folgende drei relativ neuen Dienste lassen in mir die Frage aufkommen, ob wir nicht grade einen Hype erleben, der Richtung Schulfernsehen 2.0 geht. Hierfür nachfolgend meine drei Beispiele (Danke an Jonathan für die zwei ersten URL’s der Dienste):

5min.com
5min_logo.pngDer recht neue Dienst 5min.com bietet Kurzvideos an, die bestimmte Dinge, Vorgänge oder Abläufe erklären, besser gesagt, die User stellen diese Videos dort rein. Mal angenommen, den Machern geht es tatsächlich um Lernen, ist das was sie da dann anbieten nicht eigentlich User Generated Schulfernsehen in der Neuauflage im Netz?

sclipo.com
sclipo_logo.pngEin ebenfalls sehr neuer Dienst sclipo.com bietet dem Nutzer an etwas, was er gut kann (eine Fertigkeit/Skill) unter dem Motto „Broadcast Your Skill“ für andere als Video bereitzustellen. Einmal davon abgesehen, dass das mit Youtube bereits geht und ja auch gemacht wird, frage ich mich auch hier: Wenn es um Lernen geht, ist sclipo dann nicht eine Neuauflage von User Generated Schul(skill)fernsehen, wenn auch evtl. etwas unterhaltsamer?

bigthink.com
bigthink_logo.pngEin Portal, das sich offenbar der Beantwortung von Fragen und dem nachgehen von Ideen verschrieben hat, ist bigthink.com. Was der genaue Sinn und Zweck dahinter sein soll ist mir aber noch nicht ganz klar geworden, was vielleicht daran liegt, dass „What is Big Think?“ ebenfalls nur aus einem Video und nicht etwa aus einem kurzen Text besteht. Den Beitrag zu Love & Happiness von Dan Gilbert fand ich aber sehr spannend. Dennoch stellt sich mir auch hier die Frage, ist das was ich da sehe nicht vielmehr eine neue Auflage einer Art Schulfernsehen 2.0?

Wenn diese Dienste tatsächlich etwas zum Lernen per Video anbieten möchten, wo genau unterscheidet es sich dann im Vergleich zum Schulfernsehen von z.B. BR alpha zum Thema „Vom Kraftwerk zum Verbraucher“?

Update 22.1.2008
Zwei weitere Highlights möchte ich hier noch nachtragen. Mein Chef hat mich in seinem Blog darauf gestossen.

VideoJug
videojug_logo.pngDas Motto von VideoJug „Life explained. On Film.“ ist absolut Programm. Und eines kann man angesichts des Angebots von VideoJug definitiv nicht behaupten, nämlich dass Lernen keinen Spass macht. Wer sich das Video „How to passionately kiss someone“ anguckt, der wird ganz schmunzeln und sich noch viel sicherer nicht langweilen.

ViewDo
viewdo_logo.gifDer zweite Dienst ViewDo mit dem Motto „ViewdDo…and you know how to do!“ hält ebenfalls Lernmaterial in Video gebannt bis zum Umfallen parat. Und täglich wird es mehr. Dumm leider, dass man kein einziges Video zu sehen bekomt, bevor man nicht alle Werbeblocker deaktiviert, denn ohne Werbung keine Filme. Zumindest war das bei mir so auf dem Camino-Browser.

Why do I blog this? Ich finde Lernen mit Video extrem anstrengend, weil ich z.B. nur mühsam vorspulen kann, und der Inhalt selbst von der Informationsdichte meistens dürftig ausfällt. Jeder Kurztext vermittelt mir zusammen mit einem Bild meist mehr Inhalt und wesentlich mehr Flexibilität (z.B. „Vor-/Zurückspulen“, „Copy-Paste“, „Markieren“, „Anmerkungen machen“, usw.). Bewegte Bilder können zwar schneller meine Aufmerksamkeit bekommen (was evolutionsgeschichtlich erklärbar ist) aber ansonsten ist der Mehrwert für meinen Lernprozess oft gering. Das ist meine Meinung als stets und ständig Lernender. Ich bevorzuge Bilder/Grafiken und Text und ich frage mich, wer soll diese ganzen Videostunden die da jetzt user-generated hochgeladen werden alle gucken? Ist das effizientes Lernen? Videogucken? Entertainment? Edutainment? Lernen 2.0? Oder doch bloss Schulfernsehen 2.0?

The SCOPE of 2008

booklet.jpgDie SCOPE ’07 liegt gefühlt erst drei Wochen zurück, da geht es auch schon Schlag auf Schlag weiter. Veranstalterin Ulrike Reinhard hat gemeinsam mit Lutz Berger im Nachgang der letzten Konferenz ein Booklet (als PDF) mit dem Titel „Geschichten über die Zukunft des Lernens“ zusammengestellt, das nochmals übersichtlich die Themen der letzten SCOPE zusammenfasst.

Die Vorbereitungen für die SCOPE ’08 sind ebenfalls angelaufen. Unter dem Social Networking Portal Ning gibt es eine SCOPE-Community der man sich anschließen kann, um die zukünftige SCOPE ’08 am 1.10.2008 mitzugestalten.

Our Social Spaces, our Digital Lives

reports_sharing_detail_whit.gifDie Online Computer Library Center (OCLC), Inc. hat gerade ganz frisch einen Bericht (als PDF) veröffentlicht mit dem Titel „Sharing, Privacy and Trust in Our Networked World“. Der Bericht ist also aus der Perspektive von Bibliothekaren bzw. „Bibliothek 2.0“ geschrieben und konzentriert sich deshalb auf folgende Schwerpunkte:

  • The use of social networking, social media, commercial and library services on the Web
  • How and what users and librarians share on the Web and their attitudes toward related privacy issues
  • Opinions on privacy online
  • Libraries’ current and future roles in social networking

Darin sind aber zwei Kapitel enthalten, die spannende Information über „Our Social Spaces“ und „Our Digital Lives“ enthalten. Mich hat vor allem die Übersicht interessiert, warum Social Networking Sites wie z.B. LinkedIn, Xing und FaceBook genutzt werden. Hier ist internationaler Vergleich vorgenommen worden (Grafik Seite 55 des OCLC Berichts) und wir Deutsche (Grafik) stechen als vorwiegende Netzwerker deutlich hervor. sn_howisit.pngVor allem aber ist bemerkenswert, warum Schüler und Studenten diese Angebote nutzen. Es gibt scheinbar eine Art Gruppenzwang, der aktiv wird, denn der Hauptgrund lautet wie man nachfolgend sieht: „My friends use the same site“. Und eines ist auch klar, die Dienste wie Xing, studi.vz oder FaceBook übernehmen mehr und mehr die Funktion eines Kommunikationskanals wie ähnlich zu Telefon und E-Mail.

Wer also keinen Account hat, der bekommt natürlich auch keinen „Anruf“ bzw. keine Nachricht, ist also kommunikationstechnisch abgekoppelt von vielen Menschen. Vor allem für Schüler dürfte das das Killerargument für eine Mitgliedschaft in einem solchen Dienst sein. Schön fand ich auch deshalb das Zitat (siehe rechts), warum man z.B. ein eigenes Profil oder ein Weblog pflegt. Man lädt ja schließlich Leute zu sich nach Hause ein um u.a. auch Kommunikation zu haben.

whystudentsuseit.png
„Why Students Use Social Networking Sites“ – Quelle: OCLC Bericht, Seite 232

Interessant könnte auch die Webseite der vergangenen OCLC Symposien sein. Dort sind einige Audiomitschnitte hinterlegt, z.B. zum Thema „Who’s Watching YOUR Space?“ bei dem „social networking practices and trends“ diskutiert wurden. Unter anderem ist im Rahmen eines Expert Panel von Howard Reingold folgender Audiomitschnitt über Chancen und Risiken von Online Communities und Social Networking zu hören, insbesondere in Bezug auf junge Menschen:

[audio:http://progressive.powerstream.net/002/00173/symposium2007audio/file0100.mp3]

(Gefunden über Bibliothek 2.0)
Why do I blog this? Da die Diskussion um Personendaten bzw. Social Graph-Daten derzeit so hochaktuell ist, passt diese Studie grade wunderbar, um das eigene Bild abzurunden, was eigentlich genau gerade mit unseren ganzen Daten aus welchen Gründen passiert. Für die, denen das alles völlig fremd erscheint, müßte der Titel des Postings wohl eher „Their Social Spaces, their Digital Lives“ heißen. ;-)