Wenn es mal so richtig utopisch, abgehoben oder wahnwitzig wird, dann landet das genau HIER! Aber auch Veränderungen, der Bruch mit dem Gewohnten findet sich hier.
Jawoll, es ist soweit. Die letzten Wochen habe ich immer mal wieder abends ein wenig an einem aufgemöbelten, vor allem aber andersfarbigen Theme in Blau für das Blog gebaut. Auch hab ich ein paar neue Skyscraper-Bilder für die Einzelansicht eines Posts gemacht und mich vom Uni Bremen Logo vollends getrennt. Heute dann hat es endlich geklappt, das Ding online zu bringen. Gestern erst die Domain http://www.thetawelle.de registriert und heute schon live. Prima Sache.
Als ich die Thetawelle an der Uni geschlossen habe, habe ich sämtliche Daten feinsäuberlich archiviert, denn verlorengehen sollte das ja nicht. Ich hatte aber auch keine Zeit mich drum zu kümmern. Jetzt habe ich eine großes Update auf die neuste WordPress Version gemacht und bei meinem Webhoster mit einigem KnoffHoff die Daten in einer ziemlich hanebüchenen Schlüssellochoperation wieder in eine Datenbank eingespeist. Natürlich hatte ich keinen SSH Zugriff auf den Server und natürlich hatte ich Probleme mit den Umlauten nach dem Import und natürlich waren einige Links vollkommen im Eimer (das hab ich aber schon vor dem Import in einer extra aufgesetzten lokalen Installation des alten Blogs behoben). Trotzdem geht noch nicht wieder alles… z.B. einer meiner RSS-Feeds wird nicht sauber importiert. Vermutlich ist eine blöde Beschränkung von PHP beim WebHoster dafür verantwortlich. Und natürlich ist der Inhalt einiger Posts sicher gnadenlos broken. Da kümmer ich mich in Zukunft dann mal drum das bissel durchzusehen und völlig kaputte Links mal wieder upzudaten.
Letztlich nochmal so richtig gut geholfen beim Abschluss der ganzen Operation hat mir dann der Umzugsguide (mit Redirect-Checker) um auch Google eindeutig zu sagen, wo mein Blog jetzt wohnt. :-)
Lange Rede kurzer Sinn: Auf geht’s probieren wir mal wieder bissel was zu bloggen. Ist ja lange her, mal sehn‘ was ich so verlernt habe.
Thematisch wird sich der Fokus sicher mehr Richtung noch mehr Science, Science Fiction, Innovation, Future und vor allem Mobile Software (vorzugsweise für iOS, also iPhone/iPad/iPod) bewegen. Es wird sicher noch etwas technischer zugehen, denn ich werde definitiv auch Sachen zu meinen Softwareentwickler Tools bloggen wie z.B. Xcode & Instruments, und GSweb (einem eventuellen Nachfolger von WebObjects). Was mich nicht davon abhalten wird ein paar aktuelle Projekte der Wissenschaft und der Wirtschaft i.e. im Bereich (E-)Learning und Lernen mit Technologie so richtig fett zu bashen. Hehe!
Nachdem sich an meinem Beitrag zum State-of-E-Learning soviel Interesse und Kommentare entsponnen haben. Möchte ich meine These von einem ultramobilen Display das mit dem Netz verbunden sein wird weiter untermauern. Das Buch wie wir es kennen wird weiter existieren, völlig klar, aber es wird Neues passieren. Zum Beispiel das Transparente OLED (Organic Light Emitting Diode).
Wieso gerade die transparente Version?
Ich denke es wird mit dem Display genau das passieren, was mit dem Rechner, mit dem Elektromotor und mit dem Stromanschluss passiert ist: Es wird „unsichtbar“. Es verschwindet im Alltag. Wer weiß schon wieviele Elektromotoren er im Haus hat? Wieviele Stromkabel? Wieviele Mikroprozessoren? Die Anzahl der Displays hat schon so gewaltig zugenommen, dass auch dies schon schwer wird. Aber zukünftig werden es noch mehr. Das Transparente OLED-Display wird uns Displays an Orten ermöglichen, die wir bislang für völlig abwegig hielten. „Transparente OLED-Technologie macht Glasscheiben zu Displays“ kann man lesen. Wer da an Schaufensterscheiben, Windschutzscheiben, Spiegelglas, Glastüren, Armbanduhren oder ähnliches denkt, der ahnt was passieren kann. Das OLED verbraucht zudem deutlich weniger Strom. Tastaturen mit eingebauten OLEDs kann man bereits kaufen.
Update 3.10.2009
Auch neue Kustinstallationen für zu Hause sind denkbar. Als leuchtender Wandschmuck.
Why do I blog this? Ich denke OLED-Technik wird die nächste Miniaturisierungswelle auslösen und Displays auf ein neues Level heben. Die Anzeige von Information auf Displays die mit dem Internet oder einem anderen Netz verbunden sind wird dramatisch zunehmen. Und wenn darunter bald auch ein Display in Buchformat sein sollte, so würde ich das gerne einmal ausprobieren wollen, wie gut sich Text darauf lesen lässt.
Angeregt durch viele Blogposts in der letzten Zeit möchte ich einen kleinen Beitrag leisten zu der Bestandsaufnahme des State-of-E-Learning. Denn schließlich wird in den genannten Beiträgen nicht weniger als die Abschaffung des E-Learning gefordert, wenn z.B. Forscher der Uni Basel fordern: „Mit diesem Beitrag möchten wir dafür plädieren, e-learning abzuschaffen.“
Folgende Blogposts und Beiträge haben mich dazu angeregt (Anmk.: Liste updated am 4.10.2008 & am 14.10.2009):
Diese Beiträge greifen den Stand der Dinge und Überlegungen zur Zukunft des E-Learning auf. Während die einen für die Abschaffung des Begriffs plädieren, ohne einen griffigen neuen Begriff parat zu haben, sprechen andere über die Morgendämmerung der schöpferischen Zerstörung.
Seit es erste WBT’s gab, hat sich eigentlich nichts Wesentliches getan, sagt Andrea Back. Lerninhalte werden auch wegen Copyrightfragen immer noch nicht wiederverwendet. Eine nächste Evolutionsstufe lauert ihrer Ansicht nach jedoch bereits vor der Türe und spricht von der „DNA des Web“, die sich für einen neuen Innovationsschritt gerade rekombiniert. Sie plädiert für „Weitermachen mit E-Learning“ und hält eine virale Verbreitung für nicht nur möglich sondern auch wahrscheinlich!
Digitale Medien […] werden zur „Normalität“ in unserer Gesellschaft sagt Gabi Reinmann. Was die E-Learning-Community auszeichnet, ist Interdisziplinarität sagt sie und eindeutig ist, dass aus der E-Learning-Community nach wie vor kreative und zukunftsweisende didaktische Neuerungen entstehen. Eine Alternative zum „Scheiden“ wäre eine weiter beharrliche Überzeugungsarbeit, dass auch die Bildung in einer veränderten Gesellschaft nicht bleiben kann, wie sie war und ist […].
Zwei Professorinnen die keinen Untergang kommen sehen, aber eine Weiterentwicklung und auf ihre eigene Arrt zu einer optimistischen Sicht der Dinge aufrufen.
Sinnbild der Campfire Inflation: Demnächst werden die Lagerfeuer in den Hosentaschen auf dem Touchscreen brennen.
Was habe ich hinzuzufügen?
Ich habe E-Learning intensiv im Sinne der LCMS gelebt. Ich habe zugleich die von Andrea Back bezeichnete „disruptive Innovation“ am eigenen Leib abbekommen. LCMS wurden plötzlich unsexy und farblos eine echte Alternative kam aber bislang nicht auf. Solange die großen Social Networks (facebook, studivz und myspace) noch nicht existierten, waren die LCMS auch eine Art sozialer Treffpunkt, das 24h-nonstop brennende Lagerfeuer in der sozialen Wüste des Internet, um das man sich versammeln konnte.
Die Anzahl der Lagerfeuer ist nun bedeutend größer geworden. Soziale Treffpunkte gibt es jetzt bei facebook, bei studivz und bei myspace (und sehr viele weitere). Was also hat E-Learning den gefühlten Abschwung bzw. die disruptive Störung beschert?
Aus meiner Sicht wird sowohl in der Präsenzlehre, also Lehren und Lernen an echten Orten Face-2-Face als auch im E-learning bzw. der Distanzlehre, dem Lehren und Lernen unterstützt durch das Web ein Faktor massiv unterschätzt: Lehren und Lernen findet nur erfolgreich in einem sozial ansprechenden Ort statt. Schulgebäude sind teilweise so hässlich und kalt, dass niemand freiwillig länger bleibt als nötig. Ähnlich schaut es aus mit E-Learning-„Gebäuden“ wie z.B. moodle oder stud.ip oder Ilias oder Clix oder was auch immer. Langweilig, unsozial, farblos und wenig ansprechend über das funktionale hinaus.
Und genau hier hat E-Learning massiv an Boden verloren. Anfang 2000 gab es noch nicht soviele andere „Gebäude“ im Netz, die man als soziale Orte aufsuchen konnte. Doch das hat sich dramatisch gewandelt und die langweiligen E-Learning-Orte aus dem 20sten Jahrhundert haben Schimmel angesetzt und waren nie so angenehm zu bedienen wie ein facebook.
Die Campfire Inflation
E-Learning kämpft nicht mit technischen Problemen, auch nicht mit der Akzeptanz von Technologie, E-Learning konkurriert einfach mit vielen vielen anderen Orten die sozial wesentlich attraktiver sind als Aufenthaltsort als das langweilige LMS oder LCMS, dessen erste Programmcodezeile vor 8-10 Jahren geschrieben wurde. E-Learning leidet massiv an der Lagerfeuer Inflation bzw. der Campfire Inflation.
Die Disruption bzw. schöpferische Zerstörung dieser unsozialen Orte wird weiter voranschreiten dort wo die Nutzer die freie Wahl haben. Wenn die engagierten E-Learning-Verfechter keine sozial attraktiven Plätze im Netz schaffen – und dieses Netz wächst immer noch in einer atemberaubenden Geschwindigkeit – dann wird die Disruption zu einer faktischen Elimination führen.
Das Lernen wird dann einfach zu den bestehenden und neuen Lagerfeuern gehen müssen (der Berg muss dan zum Propheten), um sich zu behaupten. Die zukünftigen E-Learner werden nicht mehr mit den Füßen abstimmen, auch nicht mehr so oft mit ihren Händen auf der Maustaste sondern viel öfter mit den Fingern auf dem Touchdisplay. Die neuen Lagerfeuerbrennstellen entstehen gerade auf den Touchscreens neuer ultramobiler Zugänge zum Netz.
Das Mobiltelefonist tot, der mobile Zugang zum Netz jedoch (via Smartphone bzw. Smart Display) lebt. Zukünftig hat man die Möglichkeit seine Lieblingslagerfeuer in der Hosentasche mitzuführen. Ob die Bildungsinstitutionen wie z.B. Hochschulen jedoch in den Hosentaschen des 21igsten Jahrunderts vertreten sein werden? Ob sie dort jemals auch nur ein einziges Holzscheit zum brennen bringen? Das hängt davon ab, ob man begreift, dass Lernen ein sozialer Prozess ist und kein technisches Problem. Lernen findet da statt wo die Lagerfeuer brennen.
Höchste Zeit Holz sammeln zu gehen für ein großes Feuer, und die Fackel des E-Learning dort hinzutragen wo schon genug Feuerholz gesammelt wurde.
Update 3.10.2009
Eventuell kommt ja auch schon bald ein neues Produkt, dass die Lagerfeuer der Welt in den Klassenraum, den Hörsaal oder das Unternehmen hineinträgt: Microsofts Courier
Update 11.10.2009
Welcher Technologiehype auch immer uns als nächstes heimsuchen mag, den Humor behalten schadet nicht. So hab ich vor kurzem im Bibliothek2.0-blog folgenden schönen Comic von Geek & Poke entdeckt.
…oder zunächst eine grundlegende Kritik an monolithischen E-Learning-Ansätzen an und für sich und ein Plädieren für die Projektmethode […] die den Communities of Practice Ansatz von Etienne Wenger kombiniert mit innovativen Konzepten des Medieneinsatzes […].