Hacking WordPress: Das WP Proximo Projekt

Vor etwa drei Wochen habe ich einen Entschluss gefasst: Ich wollte meine Arbeit, die ich zur Virtuellen Proxemik geleistet habe nicht länger in der Schublade liegen lassen. Zur Virtuellen Proxemik habe ich hier schon einige Beiträge geschrieben. Ich hoffe es werden demnächst noch weit umfangreichere und spannendere Beiträge hinzukommen.

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Das Frontend des WP Proximo Plugins:
Hier wird kommuniziert und die „Nachbarschaft“ als Visualisierung dargestellt.

Hacking WordPress: Erste Schritte in WP/PHP

prox_notificationAls Konsequenz meines Entschlusses von vor drei Wochen habe ich mich hingesetzt und begonnen mich mit dem Inneren von WordPress zu beschäftigen, also das Softwaresystem, das WordPress ausmacht (Eine mysql-Datenbank eine Menge PHP-Dateien und viele bunte Grafiken und Stylesheets).

Und dann habe ich einfach begonnen PHP zu lernen, denn das habe ich vorher nie benutzt – zugegebener Maßen weil ich auch ein wenig zu Stolz war auf meine objektorientierten Software Engineering Kenntnisse in Java, so dass ich PHP als billige Scriptsprache ohne Struktur abgetan habe. Nunja, was hilft einem Stolz, wenn das erfolgreichste Bloggingsystem damit realisiert ist und dieser einem im Weg steht? Nichts! Also hab ich einfach angefangen und ich muss sagen… es ist einfach. Viel einfacher als gedacht.

Just do it: Das WP Proximo Plugin entsteht

prox_messengerIch habe begonnen eine Softwareerweiterung für WordPress zu entwickeln, mit dem Zweck Virtuelle Proxemik in die Praxis zu bringen. Natürlich mit dem Hintergedanken, aus der Praxis widerum Forschungsmaterial zu generieren. Sagen wir einfach es ist mein nächstes kleines wissenschaftliches Experiment, diesmal als weltweiter Feldversuch angelegt.

Seit drei Wochen habe ich nun deutlich mehr Zeit am Rechner verbracht, als ich wollte, der regnerische Sommer 2009 hat es mir allerdings leicht gemacht. Das Ergebnis meiner Bemühungen kann man unten links in der Ecke sehen. Es ist ein Plugin, das jeder WordPress-Blogger installieren kann. Derzeit ist es allerdings noch in einer closed beta Phase in der nur ausgewählte Personen dieses testen.

Ergebnisse bisher: Frontend & Backend

prox_autopilotEntstanden ist ein bislang schon mächtiges Plugin, das sich deutlich von anderen Plugins unterscheidet. Es ermöglicht die direkte Kommunikation im Blog (Instant Messenger) aber was viel wichtiger ist, es zeigt auf jeder Seite, wer noch online ist zu diesem Zeitpunkt und wo. Neben Funktionen wie dem Messenger habe ich nach und nach einige weitere Dinge eingebaut. U.a. einen Autopiloten, mit dem man geführte Blogtouren machen kann.

Seit etwa einer Woche scheint jedoch Stillstand zu herrschen. Dem ist nicht so! Ich hatte mich nocheinmal richtig angestrengt und wollte das Plugin eigentlich bei der WordPress Plugin Competition einreichen. Nachdem ich aber eine Schlüsselbedingung nicht mehr rechtzeitig geschafft hätte, habe ich davon abgesehen teilzunehmen und stattdessen weiterentwickelt was das Zeug hält.

Virtuelle Proxemik: A Network-of-Neighbourhood

Was mir seit Jahr und Tag eigentlich schon immer in WordPress gefehlt hat, war die Vernetzung der Blogs untereinander nach dem Schema, wie das bei Facebook und anderen Plattformen möglich ist, nämlich mit der Funktion „Freunde werden“. Klar, es gibt die Blogroll, aber jeder fügt manuell URL’s hinzu und die Hinzugefügten bekommen das meist gar nicht oder erst recht spät mit. Das muss ja nicht sein!

Ursache ist letztlich eine eng begrenzte Wahrnehmung, man müßte schon alle in Frage kommenden Blogs nach und nach abklappern um zu sehen, wo man auf der Blogroll steht. Also habe ich in der letzten Woche eine mächtige Basisinfrastruktur für die automatische Vernetzung von WordPress-Blogs entwickelt.

Ich nenne diese Funktion Network-of-Neighbourhood (NoN), weil sie erlaubt ein Netzwerk aufzubauen durch „Nachbarschaften“. Man kann also mit dem Plugin befreundete Weblogs ganz einfach in ein Nachbarschaftsnetz integrieren und eine Nachbarschaftsanfrage losschicken.

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Das Backend im Administrationsbereich:
Hier kann man als Blogbesitzer die notwendigen Einstellungen vornehmen und sein Netzwerk pflegen.

Nächste Schritte: API, Public Beta und Testing

Die Umsetzung dieser Funktion ist bereits sehr weit fortgeschritten. Derzeit überarbeite ich ein langfristig erweiterbares Protokoll/API für die Nachbarschaftskommunikation zwischen Blogs. Meine Idee ist jedoch etwas weitergehend, denn die Nachbarschaftsbeziehung zu anderen Blogs soll eine erweiterte Wahrnehmung ermöglichen. Besucher sollen künftig ein „Gefühl für die Nähe“ zu anderen Besuchern in anderen Blogs erhalten können. Dafür wird über das Kommunikationsprotokoll ein steter Austausch von Präsenz- bzw. Kopräsenzdaten der Besucher ermöglicht.

Ich hoffe in diesem Monat die Public Beta Phase einläuten zu können, so dass jeder sich selbst ein Bild von der Erweiterung machen kann. Dafür muss ich allerdings noch die Metrikfunktionen einbauen, die Besucher in einen Kontext zueinander bringen. Noch eine Menge Arbeit wartet…

Update:
Wer möchte kann übrigens auf dem Laufenden bleiben über den Twitteruser @virtualproxemic und diesem folgen.
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Why do I blog this? In Kürze habe ich vor einen umfangreicheren Test zu starten. Sobald das API einigermaßen stabil ist, werde ich das Plugin für einige Personen zum download und testen freigeben. Derzeit arbeite ich aber noch am API, der Metrik zur stabilen Abbildung der Besucher auf der Anzeigefläche unten links (derzeit ist die Anordnung Zufall) und einem Widget für die Sidebar zur Anzeige eine Blogroll 2.0, much work to be done… :-D

Falls das Plugin übrigens erfolgreich werden sollte, steht mein nächstes Plugin-Projekt schon fest: Eine Verwaltung für eigene wissenschaftliche Publikationen im Blog als kostenpflichtiges Plugin plus eventuell ein Literatursharing-Plugin, das auch mit DOI’s und ISBN’s usw. umgehen kann. Dann noch einige Widgets und ein neues WordPress Template das Widget-fähig ist. Generation C64 greift in die Tasten… yess!

Höchster deutscher Forscherpreis geht an Bremer Meereswissenschaftlerin

Leibniz Preis für Bremer Meeresforscherin: Das Preisgeld von 2,5 Millionen Euro ist für die ökologische Grundlagenforschung.

antjeboetius_small.pngDie Überraschung war nicht nur bei der frischgebackenen Preisträgerin gelungen. Die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Antje Boetius hat jetzt den höchsten deutschen Forschungspreis, den Gottfried Wilhelm Leibniz Preis für ihre exzellente Forschung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft verliehen bekommen. Die junge Meeresforscherin ist seit mehreren Jahren Arbeitsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen und mit Leib und Seele Forscherin. Außerdem lehrt sie an der privaten Jacobs University in Bremen Biologie und Mikrobiologie und ist Projektleiterin am Exzellenzcluster MARUM der Universität Bremen.

Seit 1986 vergibt die DFG jedes Jahr den Leibniz-Preis (bei wikipedia), die höchst dotierte Auszeichnung für Forscherinnen und Forscher in Deutschland. „Die Leibniz-Preisträgerinnen und -Preisträger sind Kundschafter der Wissenschaft“, betont DFG-Präsident Kleiner. „Sie denken voraus und gehen voraus, sie wollen erfahren, was sich hinter dem Horizont des Wissens verbirgt, und haben den Mut, unbekanntes Terrain zu betreten.“ Neben dem hohen Renommee und einem Preisgeld von 2, 5 Millionen Euro erhalten die Trägerinnen und Träger das Privileg, diese Summe nach eigenen Vorstellungen für ihre wissenschaftlichen Arbeiten zu verwenden.

antje_boetius2_small.pngForschungsgebiet von Antje Boetius ist das Meer und die Mikroorganismen, die im Meeresboden leben und organische Materie umsetzen. Bei diesen Prozessen entsteht unter sauerstofffreien Bedingungen Methan, ein hoch aktives Treibhausgas, das in riesigen Mengen im Meeresboden vorkommt. Antje Boetius gelang es als Erste, mit ihrer Forschung die Prozesse zu entschlüsseln, die verhindern, dass dieses Gas in großen Mengen in die Atmosphäre gelangt. Mit besonderen mikrobiologischen Techniken und Färbemethoden wie der Fluoreszenz-in situ- Hybridisierung (FISH) konnte sie die Methan zehrenden Mikroorganismen identifizieren: Eine Lebensgemeinschaft aus Archaeen und Bakterien bilden den biologischen Katalysator, der das Methan mit Hilfe von im Meerwasser vorhandenem Sulfat zu unlöslichen Karbonat inaktiviert. Dieser Prozess, die so genannte Anaerobe Oxidation von Methan (AOM), hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das globale Klimageschehen.

Antje Boetius war von der Preisverleihung überrascht, als sie zuhause per E-Mail von der Entscheidung erfuhr. „Ich freue mich sehr über einen Preis für mikrobielle Ökologie, hier gibt es soviel Neues zu entdecken, aber da es um nicht sichtbare Kleinstlebewesen geht, ist die Bedeutung der Forschung nicht vielen klar…“, bemerkt sie. Das Preisgeld wird neuen Aufgaben der marinen Ökosystemforschung, besonders der mikrobiellen Ökologie und Tiefseeforschung zugute kommen. Seit ersten Dezember ist Frau Boetius Leiterin einer gemeinsamen Arbeitsgruppe des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung und des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie (HGF-MPG Brückengruppe für Tiefseeökologie und -Technologie) und wird sich zukünftig vermehrt mit dem Wandel der Ökosysteme im tiefen Arktischen Ozean beschäftigen. (Quelle: IDW-Dienst)

Why do I blog this? Die Forschungsarbeit die Frau Boetius und vor allem auch ihre ganzen Kolleginnen und Kollegen tun ist tatsächlich viel wichtiger, als sie derzeit wahrgenommen wird. Schade, dass ich nicht in Bremen bin, ich würde gerne einen Podcast machen mit ihr! Die Kleinstlebewesen der Tiefsee, werden nämlich derzeit erstmals seit langem durch völlig neue Technologien beeinträchtigt, die der Mensch entwickelt hat: Ernteroboter, die z.B. Manganknollen vom tiefseeboden ernten, oder auch von Robotern aufgebaute Erdölabbaunetze in der Tiefsee, die mittlerweile z.B. durch den Konzern TOTAL in Frankreich massiv ausgebaut werden, ohne dass man eigentlich weiß, wie sich das auf die Kleinstlebewesen auswirken wird. Der so genannte Goldrausch in der Tiefsee (wie es eine Sendung bei arte bezeichnet hat) ist in vollem Gange. Der so genannte „Lottogewinn für Wissenschaftler“ ist da offenbar grade zur rechten Zeit vergeben worden. und wer weiß, vielleicht helfen uns die kleinen Mikroorganismen bei der Rettung des Planeten. Allerdings kann man wohl deutlicher den Widerspruch nicht in einem Blogpost haben: Ölförderung in der Tiefsee mit Gefährdungspotenzial dieser kleinen Helferorganismen und gleichzeitig die Erforschung genau dieser Organismen, die unser durch Verbrennung und andere Prozesse erzeugtes Treibhausgas vermindern könnten.

Hinweis in eigener Sache / Google-Index

Derzeit ist dieses Blog und andere Blogs die mit der selben Adresse beginnen (www.ifeb.uni-bremen.de) nicht im Google-Index zu finden. Google hat uns gelöscht. Warum? Ein Plugin des Blogsystems hatte offenbar eine Sicherheitslücke und hat unbemerkt für den Besucher (und leider auch den Betreiber) ganz unten im Blog ca. 400 unsichtbare Spam-Links eingefügt mit Werbung für zwielichtige chemische Produkte.

Es tut mir leid, dass das Blog derzeit nicht mehr auffindbar ist über Google. Das ist seit dem 18.7.2008 bereits so. Ich kann nur jeden ermutigen ab und an das eigene Blog mal mit einem Text-Browser wie z.B. Lynx anzugucken (so sehen Suchmaschinen die Seite). Da entdeckt man eventuell Dinge die da überhaupt nicht hingehören.

Wenn man dann in Google nachschaut mit Hilfe der Webmastertools findet sich folgender Hinweis:

Aufgrund von Verstößen gegen die Google-Richtlinien für Webmaster werden einige Seiten Ihrer Website möglicherweise nicht auf den Google-Suchergebnisseiten angezeigt. Prüfen Sie unsere Richtlinien für Webmaster und ändern Sie Ihre Website entsprechend. Sobald Ihre Website unseren Richtlinien entspricht, können Sie eine erneute Überprüfung beantragen. Wir werden Ihre Website dann erneut beurteilen.

Bei der Gelegenheit bin ich auch einer weiteren Pflicht für Webmaster nachgegangen und habe einen Hinweis auf die Nutzung von Google Analytics angebracht. Mit folgendem Link habe ich einen schwebenden Fingerabdruck als Zeichen der Datenerhebung für die Statistik entworfen und in das Blog eingebaut. Wer mag, kann das gerne für sich übernehmen.

Was ein Herausfallen aus dem Google-Index bewirkt sieht man schön an der Besucherstatistik. Hier ein Auszug aus dem Besucherverlauf aus Google Analytics:

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Seit Mitte Juli ist der Besucherstrom quasi auf Null gegangen. Das ist einerseits erschreckend, andererseits bringte es einen auch zum Nachdenken, welchen Einfluss die Suchmaschine auf das hat, was Menschen an Information bekommen und was nicht. immerhin ist meine Information in diesem Blog jetzt quasi nicht mehr existent aus Besuchersicht…

Update 10.8.2008
Ich frage mich grade, ob es eigentlich im Sinne von Googles Ziel ist, mein Blog aus dem Index zu löschen, wegen ein paar unsichtbaren Spam-Links darin, für die ich kaum etwas kann. Das Ziel von Google ist doch relevante Information für den Menschen so einfach wie möglich zugänglich zu machen. Rechtfertigt eine unsichtbare (Spam)Information die nichtmal für die Besucher oder den Betreiber sichtbar war (im Blog) also den Umfang relevanter Information in meinem Blog gar nicht verändert hat, die Löschung aus dem Google-Index? Google könnnte doch die Spam-Links einfach ignorieren, wenn sie schon in der Lage sind diese zu erkennen, wo das menschliche Auge nicht mehr mitkommt. Das finde ich eine echt interessante Frage.

Update 12.8.2008
Das ging dann doch fix. Alles wieder heil bei der allseits bekannten Suchmaschine im Netz. Irgendeine Automatik wird wohl doch noch ein Einsehen gehabt haben. Dennoch eine kurze Nachricht an alle Spammer: „Bleibt mir vom Hals!“. Eines muss man den Spammern allerdings lassen, es gibt kaum effizientere und nachhaltigere Wege als soziale Kommunikationswege mit Werbung zu verstopfen, um den gesamten Zorn des Netzes auf sich zu ziehen. Nur so als Info an die Spammer des Planeten ein Blick in meine Kampfstatistik:

  • Total Spam Caught: 19992 (average karma: -967.03)
  • Total Comments Approved: 544 (average karma: 15.6)
  • Total Comments Moderated: 117 (currently 1 waiting)
  • Übrigens vor fast genau einem Jahr habe ich die Spammer schonmal auf’s Korn genommen. Seit dem Durschschlagen der 10.000er Marke hat sich das gesamte Spamaufkommen im Blog somit in einem Jahr verdoppelt auf ca. 20.000 Spamattacken.

    Why do I blog this? Tatsächlich erhält man von Google nicht direkt eine Nachricht, wenn etwas derartiges vorfällt. Man ist auf sich gestellt. Ich habe fast 4 Stunden benötigt herauszufinden, was an dem Blog wohl gegen die Regeln verstoßen könnte. Deshalb kann ich anderen nur raten öfters mal das eigene Blog zu prüfen.