Internetradio steht in den USA vor dem „Aus“

Angesichts einer gezielten Gesetzesverschärfung für Musikinhalte, steht Internetradio in den USA vor dem finanziellen AUS. Heute findet in den ganzen USA ein sogenannter Day of Silence statt. Alle Internetsender haben ihren Sendebetrieb auf einen Hinweis-Loop umgestellt, der auf die prekäre Lage aufmerksam macht und dazu auffordert die US-Senatoren persönlich anzurufen. Heute gibt es also keine Musik! Eine Pressemeldung (als PDF) erklärt das „Warum“. Weitere Details gibt es auf der Webseite Radio and Internet Newsletter (RAIN) die eindrucksvoll zeigt, das Internetradio viele, viele Menschen fasziniert und begeistert. Siehe auch Meldung bei CNN/Money und im Wallstreet Journal und in der Los Angeles Times.

Einer der verschiedenen Loops zum anhören:
[audio:/wp-upload/Day_of_Silence_SNRGolden_30.mp3]

Nutzer des Internetradio aus den USA in Deutschland wurden erst vor kurzem durch technische Sperren aus dem US-Internet ausgesperrt. Seitdem ist der Musikdienst Pandora.com aus Europa nicht mehr verfügbar sondern nur noch in den USA, oder gegen einen Identitätsnachweis als US-Resident im Ausland. In einem Interview mit Tim Westergren (als mp4 downloaden), Gründer von pandora.com erklärt er warum das Internetradio sogar diskriminiert wird gegenüber dem normalen Radio, dies dürfte auch der Grund gewesen sein, dass er europäische Hörer ausschließen musste.

Nun soll auch dem Rest des US-Internetradios offenbar das gesetzliche „Aus“ beschert werden durch eine beträchtliche Erhöhung der Gebühren für den Betrieb einer Internetradiostation bzw. der Lizenzgebühren für die Musik. Wer sich für diese Aktion und ihre Folgen interessiert, sollte die Webseite der Initiative vielleicht einmal besuchen.

Update 28.6.2007
Der Spiegel hat einen thematisch interessanten Artikel derzeit online, Titel: „Anarchie im Netz – Die Gratis-Kultur„. Dieser Artikel setzt sich unter anderem auch mit dem Kopierrecht für Medien auseinander. Lesenswert!

Update 13.7.2007
Während sich die Politik in den USA hart zeigt, will offenbar eine der Lizenzeintreibergesellschaften (SoundExchange) das finale Datum zur Erzwingung der neuen Abgaben aussetzen. Das, so berichtet Technorati würde in einem Artikel bei WIRED stehen mit dem Titel „Pandora Founder: SoundExchange Will Not Enforce New Royalty Rates on Sunday“.

Update 14.7.2007
Die ersten Radiosender streichen die Segel, siehe folgender Screenshot…

Einer meiner Lieblingssender Music One hat den Betrieb eingestellt und sendet nur noch digitales Rauschen.

Update 2.2.2008
Ich hatte ja auf globalpandora.com gesetzt, als Ausweichmöglichkeit, aber das scheint eher holprig zu sein. Daher schließe ich mich mal der dort gezeigten Liste an möglichen Alternativen an. Hier die Übersicht über viele andere Streaming Music Portale:

Why do I blog this? Einerseits bin ich in glühender Fan von Internetradio und ich war ziemlich enttäuscht, als Pandora.com seine Pforten geschlossen hat. Dort konnte man prima Musik eines selbstgewählten Musikstils hören und seinen persönlichen Radiosender konfigurieren. Das ging bei mir soweit, dass ich mir einen speziellen Musikkanal konstruierte und alle Titel die dort eine Stunde lang liefen auf einem Zettel notiert habe und sie anschliessend im Apple iTunes Store gekauft habe, um eine schöne Musik-CD daraus als Geburtstagsgeschenk zu brennen. Diese Entwicklung macht mich ein wenig nachdenklich, ob das noch mit dem Recht auf Redefreiheit vereinbar ist. Immerhin wird es den Künstlern damit verwehrt ihre „Rede“ (die eben schöner Sound ist) frei zu senden. Als Künstler würde ich persönlich mir deutlich mehr Sorgen machen, als als Konsument.

MindTrek Conference ’07 | the Social Media Stream


Vom 3.-4. Oktober 2007 findet die MindTrek Conference in Tampere/Finnland (Europa) mit dem Thema „the Social Media Stream“ statt. Die MindTrek existiert seit 1997 und ist eine Konferenz mit erfolgreicher Geschichte, wie ein Auszug aus der History-Sektion der Webseite zeigt:

MindTrek in 1999 hosted EU INFO-2000 Programme Conference, EUROPRIX Awards Gala, International Mobile Media Summit, first EUROPRIX Scholars Network Conference and a number of other international networking events. MindTrek has had visitors from almost 40 countries.

Der Call for Papers (Download als PDF) hat seine Deadline für Abstracts am 6. August 2007, die Benachrichtigung für Annahme/Ablehnung an den Autor erfolgt am 23. August 2007.

Themenschwerpunkte für Einreichungen sind u.a.:

  1. Media and journalism transforming
  2. Community networking, community development
  3. Social capital, participatory economy, business models
  4. Online activism, including online campaigning
  5. Participatory design, mediators
  6. Filtering and folksonomy

Den Conference Chair hat Jarmo Viteli, Mitglied der MindTrek Association und Leiter des Hypermedia Laboratory (University of Tampere). Im Organizing Committee wirkt auch mein Chef, Karsten D. Wolf mit.

JavaFX: Java Clients werden cool.

Eine kleine Sensation hat sich diese Woche ereignet. Auf der JavaOne Konferenz in Kalifornien, hat Sun Microsystems eine Preview auf ein Produkt gegeben, dass die Entwicklung von Desktop-und Mobile-Applikationen mit Java um einen riesigen Schritt attraktiver macht. Um es kurz zu machen: Hier sind die Demos!

CNet News hat ein Video auf der Seite, dass die neue Technologie vorstellt. Rich Green und James Gosling (Erfinder von Java) sind darin zu sehen und der Entwickler von JavaFX stellt die neue, quellcodeoffene Technologie vor. Auf der Projektwebseite openjfx gibt es mehr. Offenbar erfolgt die Vorstellung kurz nach der Akquisition der Firma SavaJe, die sich auf die Entwicklung von Lösungen für die Java Mobile Edition (JME) sppezialisiert hatte. Zitat:

The company’s SavaJe Mobile Platform radically simplifies and accelerates the development of highly customizable, richly branded and secure user interfaces across mobile feature phone handsets.

Es geht also um das Userinterface! Und genau deshalb wird Java nun für Desktop-Applications bzw. MobilePhone Applications um einen gehörigen Zacken cooler, denn nun sind plötzlich alle Arten von grafischen Effekte (engl. Effects oder abgekürzt Fx) verfügbar. Den Trend zu den Effekten hat Apple mit CoreGraphics eingeleitet und mit CoreAnimation wird er ausgebaut. Auch die ganzen AJAX Erweiterungen der Webbrowser und die Entwicklung von Apollo und Silverlight, gehen alle samt in diese Richtung.

Offenbar haben einige gemerkt, dass das Aufbohren des Webbrowsers mit JavaScript-Bibliotheken nicht die „ultima ratio“ für sichere und zuverlässige, optisch ansprechende Userinterfaces sein kann. Es läuft nun scheinbar Stück für Stück auf Client-Applications hinaus, die harmonisch mit dem OS zusammenspielen und die grafischen Fähigkeiten des OS für ein gutes Userinterface nutzen. Sun nennt das Rich Internet Applications (RIA) ich würde sagenes sind Thick-Clients ähnlich wie iTunes. Da habe ich weitaus mehr Vertrauen in die Sicherheit von Java, als in eine ungetestete Apollo oder Silverlight-Lösung. iTunes ist eine ObjectiveC Application die von Apple für zwei Operating Systeme paralllel weiterentwickelt wird. Wenn diese Lösung Java-basiert gewesen wäre, hätte Apple ein ganzes Entwicklerteam einsparen können. Der Slogan „Develop once, deliver many!“ – die Uridee von Java – könnte mit diesem Schrittt neue Fahrt aufnehmen. Denn keiner hat Lust für zwei Operating Systeme in verschiedenen Sprachen zu entwickeln. Das ist ja auch der Ansatzpunkt von Apollo. Java-Applets und Webstart-Apps existieren allerdings schon weitaus länger und sind getestet.

Why do I blog this? Ich bin ziemlich begeistert, das Sun hier reagiert hat, denn Webapplikationen auf Java-Basis sind für mich schon lange cool gewesen, aber eine Desktop App bzw. einen Thick-Client für serverbasierte Applikationen zu schreiben war schlicht „total uncool“, weil vor allem Swing-basierte Apps extrem unschön aussahen und einfach keinen Spass machten. Das könnte sich zukünftig ändern. Allerdings steht Sun vor dem gleichen problem wie die Konkurrenz: Während Apple und Microsoft ihre Technologie bereits von Beginn an mit dem Rechner ausliefern können, und Adobe mit Flash/Apollo erfolgreich seine Plugins für Browser verteilt, wird Sun die entsprechende Java-Basis zum Endanwender bekommen müssen. Interessant wäre es z.B., wenn ein „Big Player“ wie z.B. Google seine ganze Applikationspalette auf eine solide Java-Technologiebasis stellen würde… just dreaming…