Verändert das Internet unser Denken? Ja!

spiegel_internet_doof.jpgGanz klares „Ja“! Sonst hätte ich diesen Beitrag der hier steht nie geschrieben. Erfahren habe ich von dem Montag erscheinenden Spiegel-Titel „Macht das Internet doof?“ über twitter in dem tweet von Sascha Lobo. Wiedergefunden habe ich diesen Tweet mittels der Twittersuche (von der ich wiederum die Webadresse erstmal in meinem eigenen Blog suchen musste in meinem Quaero-Beitrag).

nicholas_carr.jpgDen Artikel „Is Google Making Us Stupid?“ von Nicholas Carr (siehe Bild links) habe ich einst gefunden über das weiterbildungsblog.de (das ich über den RSS-Feed-Aggregator bloglines gelesen habe) und die Grafik für den neuen Spiegel hab ich natürlich aus dem Internet. Die ganze Recherche und das Zusammenfügen passierte in der eigenen Webloginstallation nebenbei (Suchen in einem Browsertab, Einfügen in dem anderen Browsertab).

Internet verändert unser Denken! Ich würde sagen es verstärkt vor allem den lange bekannten Effekt des Agendasetting. Ich kann mich noch gut an einen langen Text von Maxwell E. McCombs erinnern, den ich im Studium gelesen habe: „The Agenda-Setting Function of Mass Media“.

Nachtrag:

Lustig ist was mein Quote of the Day heute anzeigt: „If everyone is thinking alike, then somebody isn’t thinking.“ George S. Patton

Update 11.8.2008
Soeben bin ich über einen Beitrag in der Süddeutschen mit dem Titel „Spiegel und Atlantic – Das Prinzip Copy & Paste“ vom 10.08.2008 12:31 Uhr gestolpert. Warum erwähne ich die Uhrzeit? Hmm, mein Blogbeitrag war schon ein wenig früher gegen 9:48 Uhr online. Was mich durchaus freut. :-D Bei der Zeitung mit den Öffnungszeiten 2.0 fehlen allerdings leider mal wieder die Links. Na wen es interessiert, der findet sie ja hier. Bloß schade, das mein Blog im Google-Index immer noch gelöscht ist. Verrückte Informationswelt!

Why do I blog this? Because of the Internet? And because of at least two existing SearchEngines which helped mit find the stuff I needed to assemble this entry. :-) Internet removes barriers which otherwise might hinder me getting to the information I just need. My thinking now can just take the straight way to put the things together I have in mind.

Wie kann man 2.0 messen?

In der letzten Zeit habe ich mich immer mal wieder mit der Frage beschäftigt, „Was ist eigentlich 2.0“ und wie kann man das jemand anderem eigentlich erklären? Viele sagen oft „Das ist doch nur ein Buzzword“ und meinen damit Web 2.0, zurecht. Doch „2.0“ ist mehr als ein Buzzword, es ist eine neue Sicht, die Dinge zu sehen, eine neue Perspektive, ein Blickwinkel der auf Dinge acht gibt, die sonst nicht im Mittelpunkt stehen.

seesmic_meter.pngDoch was für Dinge sind das? Und wenn es sie nun tatsächlich gibt, wie kann ich 2.0 messen um den Skeptikern etwas Nachvollziehbares anzubieten? Diese Fragen haben mich beschäftigt und ich denke seit längerem über ein Modell bzw. ein konkretes Instrument nach, wie man das machen kann. Meine Bemühungen sind mittlerweile weiter vorangeschritten und ich denke, dass ich ein kleines Messinstrument habe, das funktionieren wird.

Getestet habe ich das Instrument bereits an einigen Diensten, die vermeintlich „2.0“ sind, darunter z.B. twitter.com, del.icio.us, mogulus.com, betterplace.org, youtube und weitere. Gestern habe ich mir erneut seesmic.com angeschaut (siehe nachfolgender Screenshot).

seesmic_small.png
Bildschirmfoto von seesmic, dem Diskussionsforum per Video

Was ist Seesmic? Man stelle sich ein Diskussionsforum vor. Und jetzt stelle man sich vor, statt Textbeiträge zu verfassen, wird ausschließlich über kleine Videobotschaften kommuniziert. Das ist seesmic. Ein Diskussionsforum nur per Video bzw. so eine Art Videoanrufbeantworter. Ein weiterer neuer Service, der im wesentlichen durch die Verbreitung von integrierten Videokameras (z.B. im MacBook, iMac usw.) die Verfügbarkeit einer neuen Softwareplattform (Adobe Flex) und einen neuen de facto Standard für Videoübertragungen (Flash Video Format und H.264) möglich wird. Auch für seesmic habe ich einmal testweise mein Instrument eingesetzt, im ersten prototypischen Vergleich anhand von vier 2.0-Kriterien (das fünfte ist derzeit noch in Arbeit), liegt seesmic hinter youtube, twitter und betterplace.

Update 18.5.2008
Die bislang vier Kriterien (plus das fünfte, das noch in Arbeit ist) für das Instrument zur 2.0-Messung werde ich einzeln und in loser Folge hier demnächst vorstellen. Spannend fände ich eine Diskussion darüber mit eventuellen Vorschlägen zur weiteren Verbesserung.

Hinweis:
Wer Lust hat, der kann gerne schon einmal ein paar Kandidaten von neuen Webdiensten oder Angeboten in den Kommentaren vorschlagen, die seiner Ansicht nach auf 2.0-Gehalt einmal geprüft werden sollten. Dann werde ich jeweils für das vorzustellende Kriterium einen der Vorschläge aussuchen und konkret hinsichtlich „2.0“-Gehalt bewerten.

we-logo.pngWhy do I blog this? Mein Messinstrument nimmt langsam konkrete Formen an. Derzeit überlege ich, wo ich es eventuell dauerhaft zum Einsatz bringen und veröffentlichen kann. Vielleicht ergbit sich eine Möglichkeit in einem demnächst neu erscheinenden Magazin, dem WE-Magazin, für das ich u.a. als WE-Co-Blogger aktiv sein werde.

Was genau ist 2.0?

Ich denke so langsam habe ich für mich selbst herausgefunden, was „2.0“ in der durch das Internet angestossenen weltweiten Diskussion eigentlich ist. Das Kürzel „2.0“ ist für mich eine neue Perspektive die Dinge zu sehen. Es ist keine Technologie, es ist kein Wundermittel, es ist kein Marketingbuzz und es ist ganz sicher kein Schwachsinn oder Hype. Denn wie sollte etwas Unsinn sein, das einem eine neue Perspektive verschafft?

the20perspective_small.jpg
Bild anklicken für große Abbildung (Download als PDF)

Web 2.0 ist dabei nur ein kleiner Teil. Denn eigentlich bedeutet Web 2.0 folgendes:
Web = ich betrachte das WWW und seine Entwicklung
2.0 = Ich betrachte irgendetwas unter der neuen Perspektive des „bringing people together“ via the internet und was das für Folgen haben wird

Web + 2.0 = Ich betrachte das WWW unter der Perspektive des „bringing people together“-Effekt und was es für Folgen haben wird

2.0 ist ganz klar eine Perspektive, ich schaue mir bestehende sozio-kulturelle Institutionen und Errungenschaften wie z.B. School, University, Enterprise, Family an und betrachte sie wie als wäre ich neu in diese Welt geboren. Und dann beginne ich Fragen zu stellen:

  • Was könnte sich in der „Schule“ eigentlich verändern: School 2.0
  • Was könnte sich in der „Universität“ eigentlich verändern: University 2.0
  • Was könnte sich in dem „Unternehmen“ eigentlich verändern: Enterprise 2.0
  • Was könnte sich in der „Familie“ eigentlich verändern: Family 2.0 (via Martin Ebner)

Was hier also stattfindet ist ein gesellschaftlicher Entwicklungssprung und nicht primär ein technischer. Es geht um einen kulturellen Sprung in die Zukunft, und Technologie sowie digitale Medien sind nur das Hilfsmittel dafür. Ein Beispiel, „Family 2.0“ bedeutet für mich, dass ich meinen Eltern Fotos per flickr-Album zusende, mit Ihnen am Wochenende eine Videokonfrenz machen kann, auch wenn sie weit weg wohnen und meine Weihnachtswünsche per E-Mail mit Link versehen austauschen kann. Und es bedeutet, wenn ein Familienmitglied keinen Internetzugang+Rechner hat, das dieses an dieser neuen Familienkultur NICHT teilnehmen kann.

Ähnliche Veränderungen und neue Aspekte lassen sich in nahezu jedem Bereich unserer Gesellschaft finden. „2.0“ ist aus meiner Sicht die kulturelle Perspektive einer sich weltweit verändernden Gesellschaft. Davon sind Bildungs-, Arbeits- und Freizeitstrukturen gleichermaßen erfasst.

Das allerwichtigste jedoch an „2.0“ ist aus meiner Sicht: 2.0 ist schon 100% da, nur noch leider sehr, sehr unregelmäßig verteilt. Deshalb lohnt es sich denke ich mitzuarbeiten an einer besseren Verteilung. 2.0 wird dort auf Ablehnung treffen, wo notorische Betonköpfe das Ruder in der Hand halten. Dort wo Perspektivenwechsel unmöglich ist, wo Personen einen Gesichtskreis vom Radius Null haben und diesen dann ihren Standpunkt nennen (Hilbert).

Update 9.12.2007
In diesem Zusammenhang ist es auch mal ganz erhellend, was ich zu 2.0 bislang so geschrieben habe. Man entwickelt sich doch weiter irgendwie…

Update 12.12.2007
Ein Whitepaper zu dem Bereich „2.0“ (als PDF) ist vor kurzem erschienen von Lee Hopkins, Titel „An introduction to the power of Web2.0-Social Media – How I learned to stop worrying and love communication“. Darin werden auch die besonderen Aspekte von Tools vorgestellt. Schön fand ich „Twitter“ als „Thought-sharing“-Tool zu sehen. (via Nerd30)

Update 7.7.2009
web20summintlogoAnlässlich des Web 2.0 Summit in San Francisco im Oktober 2009, haben Tim O’Reilly und John Battelle einen interessanten Beitrag geschrieben, in dem er sich mit dem von ihm selbst geschaffenen Begriff des Web 2.0 auseinandersetzt. Der Beitrag mit dem Titel „Web Squared: Web 2.0 Five Years On“ enthält einige interessante Zwischenstatements, z.B.:

  • Web 2.0 is all about harnessing collective intelligence.
  • A key competency of the Web 2.0 era is discovering implied metadata, and then building a database to capture that metadata and/or foster an ecosystem around it.
  • Data analysis, visualization, and other techniques for seeing patterns in data are going to be an increasingly valuable skillset. Employers take notice. […] Mapping from unstructured data to structured data sets will be a key Web Squared competency.
  • As a result, there’s a new information layer being built around Twitter that could grow up to rival the services that have become so central to the Web: search, analytics, and social networks. Twitter also provides an object lesson to mobile providers about what can happen when you provide APIs. Lessons from the Twitter application ecosystem could show opportunities for SMS and other mobile services, or it could grow up to replace them.
  • Businesses must learn to harness real-time data as key signals that inform a far more efficient feedback loop for product development, customer service, and resource allocation.

Zu dem ganzen Komplex ist ein Whitepaper (als PDF) downloadbar.

Why do I blog this? Ich denke, man darf 2.0 nicht mit Hype verwechseln. Einen kulturellen Wandel als Hype fehlzuinterpretieren hieße die Entwicklung zu verpassen und Chancen ungenutzt verstreichen zu lassen. Mich würde interessieren, wie das andere sehen. Ist es eine Kulturrevolution mit neuer Perspektive auf die Dinge, oder ein schnöder Hype?

Mir selbst ist klar, dass Lem Recht hatte (denn das ist meine Erfahrung in der Uni): „Viele, die Ihrer Zeit vorausgeeilt waren, mußten auf sie in sehr unbequemen Unterkünften warten.“ (Stanislaw Lem)