Innovation. Print. Respekt.

bild_plus_logoDass es noch mal soweit kommt, dass ich den Axel Springer Verlag in meinem Blog löblich erwähne hätte ich mir nicht träumen lassen. Aber es bleibt mir nichts anderes übrig als zu sagen „Respekt, da hat endlich jemand Eier in der Hose.“ denn was da grade angeschoben wird ist keine Kleinigkeit. [BILDplus Logo: Axel Springer Verlag]

Der Verlag hat auf seiner Seite mit Pressemitteilungen bekanntgegeben ein Produkt namens BILDplus zu starten und damit ein neues Bezahl- und Zugangsmodell für Inhalte im Internet vorgestellt.

Na und?

Warum halte ich das für erwähnenswert? Ganz einfach, Teil dieses neuen Produkts ist eine wirkliche Innovation und wird meiner Ansicht nach wegweisend für andere Printprodukte sein, der „Tagespass“ von gekauften Zeitungen. Der Verlag stellt diese Funktion so vor:

Eine besondere Verbindung von Print und Online ermöglicht BILD außerdem durch einen in jeder Zeitung eingedruckten „Tagespass“. Mit diesem erhalten Kioskkäufer am jeweiligen Tag kompletten Zugriff auf alle digitalen BILDplus-Inhalte. Der „Tagespass“ wird durch ein neuartiges Druckverfahren realisiert, bei dem erstmals in jede einzelne Zeitung ein individueller Code eingedruckt wird. Dafür stattete Axel Springer in 13 Druckereien insgesamt 33 Rotations-Druckmaschinen mit einer neuen Hochleistungs-Inkjet-Technologie von Kodak aus.

Analog kaufen, digital konsumieren!

Die Innovation – auch wenn man das finale Produkt noch nicht in Händen hält – besteht hier in der Brücke die zwischen Analog und Digital gebaut wird. Ich kann eine Zeitung Print kaufen in der analogen Welt (z.B. am Kiosk) und erhalte einen Tagespass der mir vollen Zugriff auf Digital gibt. Das ist eine echte Neuerung für die Printwelt. Ich gehe jede Wette ein, dass alle namhaften Verlage, diesem Beispiel folgen werden. Denn das ist eines der ärgerlichsten Dinge momentan für Printkunden: Man kauft das Papier und wird Digital nicht reingelassen oder nur mit komplexen Prozeduren, Zusatzapps und nervigen Anmeldungen wo wieder Passwörter und Abrechnungsdaten benötigt werden.

Vorbild für Fair Use?

Überlegt man diesen angesagten Tagespass ein bissel weiter, dann wird schnell klar, dass man so auch ein Feature gewinnt, das alle anderen im digitalen Business bisher ablehnen: Sharing. Wenn ich jetzt eine Zeitung kaufe (PRINT) und die mit in den Zug nehme, kann ein Mitreisender entweder die Papierseiten lesen die ich grade nicht verwende, oder aber er nimmt gleich den Tagespass (DIGITAL), der beiliegt. Hier liegt es dann an der technischen Gestaltung, dieser Tagespass sollte sinnvollerweise Familienpass heißen und für bis zu vier Personen gleichzeitig nutzbar sein bzw. fair use erlauben; ähnlich wie in einer ICE Tischgruppe sollte der DIGITAL Kunde nicht schlechter gestellt werden als der PRINT-Kunde dann wird das garantiert ein Erfolg.

Der Baum brennt im Zeitungswald!

Ein Zitat von meedia bringt es auf den Punkt:

Bild-Chef Kai Diekmann hat just in einem Handelsblatt-Interview gesagt, die Bild-Macher müssten „alle journalistischen Herangehensweisen, Konzepte, Überzeugungen und Vorstellungen überprüfen“. Geschichten müssten so gedacht werden, dass sie auf Smartphones funktionieren. Die digitale Transformation müsse „noch viel entschiedener“ vorangetrieben werden. Die Süddeutsche Zeitung schrieb vergangene Woche: „Aus Bild soll eine multimediale Unterhaltungswelt werden – aus Nachrichten, Fußball, Filmen, Meinungen, Produkten und Kontakten. Eine Welt, die man eigentlich für nichts mehr verlassen muss.“

Drei-Farben-Zukunft

spectra_e_ink_3_colorsFalls das alles nicht klappen sollte bleibt ja immer noch die Bild als e-Ink-Paper als nächste Headline. Die Firma Spectra hat eine neue e-Ink-Technologie vorgestellt die energieeffizient 3-Farb-Darstellung kann.

E Ink Spectra is the first three pigment electronic ink offered in mass production. EPDs using Spectra offer the same high-contrast, sunlight readable, low-power performance attributes of our other display types – now with a pop of color. The first generation of Spectra will feature black, white and red pigments, and we expect to release additional colors in the future. […] Spectra works similiarly to our other inks, in that we apply a charge to our pigments, and to a top and bottom electrode to facilitate movement. However, Spectra is utilizing a microcup ink structure, rather than the microcapsules we are known for.

Und so funktioniert die Technik hinter dem 3-Farb-Gerät:

spectra_how_it_works
Quelle: Spectra E-Ink Webseite

Weitere Beiträge zu dem Thema:

Update 30.5.2013
Hier hab ich dann noch folgendes denkwürdige Zitat gelesen:

Wir werden so lange basteln, bis es klappt.

Das erinnert mich an den Vortrag von Richard St John mit dem Titel „Why do people succeed?“, den ich hier schonmal erwähnte. Hier nochmal das Video dazu:

Transkript

Dies ist eigentlich eine zweistündige Präsentation für Schüler, auf drei Minuten gekürzt. Es begann auf einem Flugzeug unterwegs zu TED vor sieben Jahren. Und im Sitz neben mir war eine Schülerin, ein Teenager aus einer sehr armen Familie. Sie wollte etwas aus ihrem Leben machen und stellte mir eine einfache Frage. Sie sagte: „Was führt zum Erfolg?“ Und mir tat es richtig Leid, dass ich keine gute Antwort geben konnte. Ich verlasse also das Flugzeug, gehe zu TED und denke: Ich bin in einem Raum voller erfolgreicher Menschen! Vielleicht frage ich sie, was ihnen half Erfolg zu haben und leite das an Kinder weiter? Hier sind wir also, sieben Jahre und 500 Interviews später, und ich werde ihnen sagen was wirklich Erfolg bringt und TED-sters antreibt. Und das Erste ist Leidenschaft. Freeman Thomas sagt: „Meine Leidenschaft treibt mich an.“ TED-sters tun es aus Liebe, nicht für Geld. Carol Coletta sagt: „Ich würde zahlen um das zu tun was ich tue.“ Und das Interessante ist: Wenn man es aus Liebe macht kommt das Geld dennoch. Arbeit! Rupert Murdoch sagte mir: „Es ist alles harte Arbeit. Nichts kommt einfach. Aber ich habe viel Spaß.“ Sagte er Spaß? Rupert? Ja! TED-sters haben an der Arbeit Spaß. Und sie arbeiten hart. Sie sind wohl keine Workaholics, eher Workafrolics. Gut! Alex Garden sagt: „Für den Erfolg muss man wirklich in etwas einsteigen und verdammt gut darin sein.” Es gibt keine Magie, es ist Übung, Übung, Übung. Und es ist Fokus. Norman Jewison sagte mir: „Ich glaube es hat damit zu tun, sich auf eine Sache zu fokussieren.“ Und Drang! David Gallo sagt: „Treib Dich. Physisch und mental muss man drängen, drängen, drängen.” Man muss sich drängen — durch Schüchternheit und Selbstzweifel. Goldie Hawn sagt: „Ich hatte immer Selbstzweifel. Ich war nicht gut, nicht klug genug. Ich dachte ich würde es nicht schaffen.“ Nun, es nicht immer einfach sich anzutreiben aber deshalb haben sie Mütter erfunden. (Gelächter) Frank Gehry sagte mir „Meine Mutter hat mich getrieben.“ Diene! Sherwin Nuland sagt: „Es war eine Ehre als Doktor zu dienen.“ Viele Kinder sagen mir, dass sie Millionäre werden wollen. Und die erste Sache, die ich sage ist: „OK, du kannst Dir nicht selbst dienen, Du musst anderen etwas Wertvolles geben. So werden Leute nämlich wirklich reich.“ Ideen! TED-ster Bill Gates sagt: „Ich hatte die Idee die erste Mikrocomputer Softwarefirma zu gründen.” Das war wohl eine recht gute Idee. Und bei Kreativität und neuen Ideen gibt es keine Magie, man muss nur einige sehr einfache Sachen machen. Und ich gebe viele Beweise. Durchhalten! Joe Kraus sagt: „Das Durchhalten ist der Hauptgrund unseres Erfolgs.“ Man muss das Scheitern überwinden, man muss Dreck überwinden! Und Dreck bedeutet hier Kritik, Ablehnung, Druck und Arschlöcher. (Gelächter) Also die Antwort auf die Frage ist einfach: Zahle 4.000 Dollar und komme zu TED. Oder, ansonsten, mach diese acht Sachen – und glaube mir, dies sind die acht Sachen die zum Erfolg führen. Danke an Euch TED-sters für all die Interviews!

Why do I blog this? Ich bin überzeugt, dass man nur durch eingehen von ein wenig Risiko einen neuen Weg findet, wie journalistische Produkte ihr Geschäftsmodell im digitalen Zeitalter gestalten können. Hier traut sich jemand Veränderung zu! Und das in Deutschland! Mit höchst konservativen Kunden (nur Bankkunden sind vermutlich noch konservativer)! Das ist fast schon zu schön um wahr zu sein! Deshalb mache ich eine Ausnahme und erwähne die hier den Axel Springer Verlag explizit. Denn für so einen strategischen Move sollte man Respekt zollen. Es sei den anderen Printmedien eine deutliche Warnung, kriegt endlich den Arsch hoch, eure halbherzig zusammengeklöppelten PDF-Viewer-Apps mit kompliziertem Paywall-Brimborium an jeder Ecke will niemand haben! Und ohne den im PRINT üblichen Fair Use gibt’s meiner Ansicht nach GAR KEINEN USE!

Star Trek auf arte.tv

Es läuft Star Trek auf arte.

ARTE ehrt die Saga in der sich alles um spitze Ohren und menschliche Werte dreht mit sieben Spielfilmen und zwei Dokumentarfilmen. Teletransportieren Sie sich an die Seite von Spock, Kirk und dem Rest des Teams mit unserem Internetangebot Star Trek.

[cycloneslider id=“star-trek-woche-auf-arte“]

Why do I blog this? Eigentlich nur, um die tollen und mit viel Aufwand erstellten Übersichtscollagen vor Depublizierung zu retten.

Gedanken zu AR auf der Nase

Seit Google an dem Glass Projekt arbeitet frag ich mich die ganze Zeit über schon, warum man sich das antun sollte, permanent das eigene Sichtfeld einzuschränken. Welchen Vorteil hat es? Was kann das Glass, was es nicht schon vorher gab? Wo liegt der entscheidende Unterschied zu einem Mobiltelefon, das ja dennoch benötigt wird als Relaisstation für die Brille. Anlass für mich, das mal zusammenzufassen ist folgender Beitrag: „Das Google Glass Experiment auf der re:publica“.

PHANDROID_logoWenn man die diversen Produktdemos und immer häufiger auffindbaren Videos des direkten Blicks durch die Brille anschaut, dann fallen einige Dinge offensichtlich auf andere aber sind ganz unscheinbar. Ich habe mir ein Review-Video der Phandroid-Seite genauer angesehen die in ihrem „Google Glass Review“ detailliert alles vorstellen. Ich hab mal paar Bilder aus dem YouTube Filme extrahiert und betitelt.

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Quelle: Phandroid.com (Bitte hier klicken für sehr großes Bild)

Offensichtlich

Man sieht sofort, dass diese Brille eine Kamera ist. Die Fotolinse ist nicht zu übersehen und wurde bereits mit all den sozialen Fragen der Privatheit dazu beachtet. Fotos und Filme aufzeichnen wie ein Spion ist super damit möglich. Jetzt äußerte sich z.B. auch Vint Cerf mit einem Beitrag „Social conventions have not kept up with technology“ auf der Future in Review Conference.

Was man ebenfalls sofort bemerkt, das was da auf dem kleinen Display dargestellt wird, wird sehr groß (also z.B. in großer Schrift, große Bildsymbole) und damit gut lesbar dargestellt. Es wird deutlich weniger Information auf den Screen gepackt wie auf einem Smartphone. Die Ergebnisdarstellung einer Googlesuche fällt deutlich reduzierter und kompakter aus. Es wird eher der EINZIGE richtige Treffer gezeigt, als eine Liste von alternativen Ergebnissen.

Gar nicht offensichtlich

Dass man, um die Brille zu nutzen mit Spracheingabe arbeitet und mit der Brille „reden“ muss, um neue Kommandos zu geben ist schon weniger offensichtlich. Und wenn man also diese magische Kombination „ok glass“ sprechen muss, wie bei Star Trek das Schlüsselwort „computer“, dann fragt man sich doch unmittelbar was dieses Mikrofon, dass die eigenen gesprochenen Worte erkennen soll so die ganze Zeit über tut. Ist das idle oder wird da ein kontinuierlicher kleiner Audiodatenstrom an Google gesendet und auf dem Server eine Spracherkennung durchgeführt?

Was widerum kaum auffällt, nach einer Googlesuche wird das Ergebnis nicht nur optisch angezeigt, sondern hervorragend akustisch aufbereitet. Das Ergebnis wird natürlichsprachlich umfangreich wiedergegeben, ob es nun das Wetter in Honululu ist, oder der Aktienkurs von Disney Inc. Die gesprochene Information ist sogar umfangreicher als die optisch angezeigte. Das ist ganz und gar nicht offensichtlich, man muss das selber sehen.

soundbugWas kaum auffällt, ist, dass Kopfhörer nicht vorgesehen sind. Stattdessen wird der Ton bzw. alle Audioinformation über eine Art HiTec-Vibrator direkt auf den Ohrknochen per Mono-Audio übertragen. Das scheint eine wirklicherecht alte Innovation namens Bone-Conduction zu sein, die schon Hugo Gernsback um 1923 entwickelt hat, sowas hab ich allerdings bislang noch nirgends als Lösung für das menschliche Ohr im Einsatz gesehen, außer bei ultrakleinen Lautsprechern wie dem SoundBug, die Tischplatten und andere ebene Flächen als Resonanzkörper Nutzen und auf ähnlich Art und Weise Audio übertragen. Gut möglich, dass diese Innvomation aus der Hörgeräteforschung wie z.B. der Bone Conduction Hearing Aid (BAHA) der Firma sophono stammt.

Ich kann mir gut vorstellen, dass gerade das Nicht-Vorhandensein von Kopfhörern ein wirklicher Vorteil von Glass ist. Wer schonmal versucht hat auch nur eine Stunde lang ein Bluetooth Headset mit Ohrstöpsel zu tragen, der weiß, welche Schmerzen das nach kurzer Zeit auslöst. Denn selbst die besten Ohrstöpsel stellen eine Reizung des Ohres dar. Regelmäßiges Tragen führt zu dauerhafter Reizung und immer empfindlicher reagierenden Ohrmuscheln. Hier wurde ein Problem auf neue Art und Weise gelöst, was man auf den ersten Blick gar nicht erkennt.

Update 30.5.2013
Oh, heise.de hat auch einen Test der Brille gemacht.

Update 3.7.2013
ct_magazinheise.de hat nun auch einen Langzeittest der Brille im C’t Magazin gemacht. Dabei dürfte das Fazit so einige Wundermythen zerstören.

Kurz und knapp:

  1. Glass ist zu viel Kamera: Niemand will gefilmt oder fotografiert werden noch dazu wenn alles gleich in die Cloud wandert (also zu NSA)
  2. Glass arbeitet wenig kontextbezogen: Die brille mag in den Werbevideos den Eindruck erweckt haben, sie könnte die passende Information für die Umgebung anzeigen, kann sie auch, muss man aber selbst nach googeln. Nix Augmented Reality out-of-the-box.
  3. Glass’ Akku ist ständig leer: Gut das kennt man vom Smartphone, aber der Glass-Akku ist teilweise schon nach 2 Stunden leer.
  4. Glass’ Hardware ist unausgegoren: Bildqualität der Kamera eher mittel, Mikrofon liefert kaum brauchbare Ergebnisse bei Umgebungsgeräuschen, der Knochenschallkopfhörer ist wohl nicht so dolle, UND man kann die Brille nicht wie eine normale Brille zusammenklappen und wegpacken. Sie ist damit ein eher unhandliches Trum, schlecht transportabel wenn man sie nicht auf hat.
  5. Glass’ lässt sich nur per Sprache bedienen: Keine Tastatur, auch nicht per Smartphone-Relay. Was man nicht aussprechen kann (so dass Glass es erkennt) danach kann man folglich auch nicht suchen. Das laute „in die Brille reden“ ist partout nicht jedermanns Sache, weil sozial nicht akzeptiert von der Umgebung.

Mein schlussfolgerndes Fazit:
GoPro-HD-Hero3Kann man drauf verzichten. Eine GoPro HERO3 BLACK dürfte mehr Freude machen und da die Glass 1500 Kracher kostet, kann man davon so ca. 3 GoPro’s erwerben also die ganze Familie glücklich machen. Weiterer Vorteil bei einer GoPro bleibt das Sichtfeld frei, der Akku hält, die Bilder sind hammergeil und werden keinesfalls aus versehen zur NSA übertragen, der Transport ein Kinderspiel, das Ding ist wasserdicht, hat exzellenten Sound, hat ne rausnehmbare Batterie und das Firmenmotto „Be a hero.“ lässt mich das Ding haben wollen. Der „Don’t be evil.“-Lack ist längst ab.

To be continued…