{"id":8242,"date":"2025-12-31T12:00:39","date_gmt":"2025-12-31T11:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.thetawelle.de\/?p=8242"},"modified":"2026-01-02T11:26:43","modified_gmt":"2026-01-02T10:26:43","slug":"ein-etwas-anderer-jahresrueckblick-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.thetawelle.de\/?p=8242","title":{"rendered":"Ein etwas anderer Jahresr\u00fcckblick 2025"},"content":{"rendered":"<p>Im Folgenden  soll es um Gef\u00fchle gehen. Es gibt eine Zusammenstellung von Texten und Perspektiven auf eines der st\u00e4rksten Gef\u00fchle, die wir als Menschen so haben, das Gef\u00fchl der Wut. Wut ist eine Emotion, die oft mit sehr viel Energie und aus der Tiefe heraus pr\u00e4sent wird. Wie fast alle Gef\u00fchle, kann man <a href=\"https:\/\/www.liebes-berater.de\/wut-als-beziehungsproblem-wenn-der-partner-wuetend-ist\/\">Wut<\/a> nur dann erkennen oder sehen, wenn der Gef\u00fchlseigner sich dazu entschliesst sein &#8211; bislang m\u00f6glicherweise unsichtbares &#8211; Gef\u00fchl mit anderen zu teilen.<\/p>\n<blockquote><p>Das Warnsignal der Wut kann eines der wohl unkontrollierbarsten Werkzeuge sein, die wir zur Verf\u00fcgung stehen haben. Denn Wut, so wie auch Liebe und Angst lassen uns aufgrund ihrer Intensit\u00e4t und ihrer gro\u00dfen Auswirkungen auf unser System die verr\u00fccktesten und manchmal auch gef\u00e4hrlichsten Dinge tun. Gerade das Gef\u00fchl der Wut ist daf\u00fcr bekannt, Menschen zum \u00dcberkochen zu bringen. Wir werden unvorsichtig, k\u00f6nnen uns gegen diesen w\u00fctenden, aufbauenden Druck im K\u00f6rper kaum noch wehren, geschweige denn ihn aushalten.<\/p>\n<p>Viele Menschen brechen unter diesem in uns manchmal zu lange eingesperrten Gef\u00fchl, gepaart mit ihrer gef\u00fchlten Handlungsunf\u00e4higkeit und einer ihnen zugef\u00fchrten Prise Unfairness oder verletzendem Verhalten komplett zusammen und lassen sich gehen. Dies f\u00fchrt dazu, dass manche Menschen vor lauter Wut, wie bei der Liebe, den Wald vor lauter B\u00e4umen nicht mehr sehen und \u00fcberaus aggressiv gegen\u00fcber ihrem Partner werden. Sei es physisch\/psychisch, angreifend\/beleidigend oder sogar komplett gewaltt\u00e4tig. Wut in der Beziehung kommt meistens trotz aller Liebe ohne R\u00fccksicht auf Verluste.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Entscheidend scheint beim Teilen der eigenen Gef\u00fchle, <strong>WIE<\/strong> man das Gef\u00fchl teilt oder eben mitteilt, so dass Sichtbarkeit hergestellt wird. Da gibt es eine ganze Palette an M\u00f6glichkeiten. F\u00fcr bestimmte Gef\u00fchle wird es allerdings immer schwieriger sie noch auf eine Art und Weise zu teilen, die Verst\u00e4ndnis erm\u00f6glicht, je l\u00e4nger sie zur\u00fcckgehalten werden.<\/p>\n<h2>Unsichtbare Wut<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/buddha.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/buddha-300x221.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"221\" class=\"alignright size-medium wp-image-8247\" srcset=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/buddha-300x221.jpg 300w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/buddha-768x565.jpg 768w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/buddha.jpg 939w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/a>Das <strong>WIE<\/strong> des Teilens von Wut scheint zu einem grossen Teil auch davon abzuh\u00e4ngen, wie lange die Wut schon existiert aber unsichtbar geblieben ist. Wenn das Wutgef\u00fchl schon lange im Unsichtbaren existierte, also aktiv unterdr\u00fcckt wurde, dann w\u00e4chst es \u00fcber die Zeit an. Menschen mit einem sehr ausgepr\u00e4gten Erinnerungsverm\u00f6gen f\u00fchren quasi ein Schuldenbuch dar\u00fcber, welche Ereignisse das Wutgef\u00fchl vergr\u00f6ssert haben. Da sie in der Regel kein einziges der Ereignisse der Vergangenheit ruhen lassen oder vergessen k\u00f6nnen, ist da immer ein kleiner Vorrat an Groll bereits vorhanden, den man immer wieder bei Bedarf hervorholen kann, auch wenn andere diese Ereignisse bereits l\u00e4ngst als erledigt oder verziehen abgehakt haben.<\/p>\n<p>Mit zunehmender Gr\u00f6sse der unterdr\u00fcckten Wut, wird es schwieriger die Wut weiter unsichtbar zu halten. An der einen oder anderen Stelle, m\u00f6chte sich die Wut dann zeigen, quasi hervorblitzen und eine Warnung senden. Je l\u00e4nger der Zustand der Wutunterdr\u00fcckung im Unsichtbaren anh\u00e4lt, umso schwieriger wird es eine Fassade des Nicht-w\u00fctend-Seins aufrecht zu erhalten. Am Anfang war da vielleicht nur ein Gef\u00fchl von Ungerechtigkeit oder eine kleine Grenz\u00fcberschreitung die zu einer Verstimmung f\u00fchrte, dann kam vielleicht noch ein haltloser Vorwurf dazu und zack wurde aus einer kleinen Verstimmung schon ein kleiner Groll, der jetzt permanent, latent pr\u00e4sent ist und nur auf den n\u00e4chsten Einschlag lauert. Der Groll lauert vielleicht, weil er eigentlich heraus m\u00f6chte aus der Unsichtbarkeit. Und dann eines Tages ist es soweit&#8230; eine grosse Ungerechtigkeit, ein mieser, haltloser Vorwurf, eine abgrundtiefe, herabsetzende Bewertung und der Groll wird in Sekunden zu einer ausgewachsenen Wut.<\/p>\n<h2>Sichtbare Wut<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/immunsystem_aerger.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/immunsystem_aerger-229x300.jpg\" alt=\"\" width=\"229\" height=\"300\" class=\"alignright size-medium wp-image-8249\" srcset=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/immunsystem_aerger-229x300.jpg 229w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/immunsystem_aerger.jpg 464w\" sizes=\"auto, (max-width: 229px) 85vw, 229px\" \/><\/a>Eine ausgewachsene Wut l\u00e4sst sich nicht mehr verbergen. Da blitzt nichts mehr hervor, es findet eher eine Explosion statt. Alles was sich \u00fcber die Zeit angesammelt hat wird herangezogen als Gef\u00fchlsverst\u00e4rker und dem Gegen\u00fcber entgegengeschleudert mit &#8222;Du&#8220;-Botschaften. &#8222;Du bist&#8230;&#8220; oder &#8222;Du bist immer&#8230;&#8220; oder &#8222;Aber Du hast schon vor 4 Monaten&#8230;&#8220; oder &#8222;Das ist wieder genau so wie damals&#8230;&#8220; und so weiter.<\/p>\n<p>Die Wut bricht sich Bahn. Unkontrolliert sprudeln nun alle angesammelten Gedanken heraus. Gleichzeitig redet sich die w\u00fctende Person so sehr in Rage, dass der gesamte K\u00f6rper ein Maximum an Stresshormonen ausst\u00f6sst, um sich f\u00fcr einen Angriff und eventuelle Verteidigung bereit zu machen. Es werden Stresshormone ausgesch\u00fcttet, die mehr als 48 Stunden ben\u00f6tigen werden, um sich wieder auf normales Level abzubauen. Diese Gef\u00fchle sind jetzt sichtbar und bleiben auch f\u00fcr Stunden sichtbar.<\/p>\n<h2>Genese &#038; Halbwertzeit<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/chart_wut_genese.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/chart_wut_genese-1024x694.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"569\" class=\"alignnone size-large wp-image-8257\" srcset=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/chart_wut_genese-1024x694.jpg 1024w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/chart_wut_genese-300x203.jpg 300w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/chart_wut_genese-768x521.jpg 768w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/chart_wut_genese-1200x814.jpg 1200w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/chart_wut_genese.jpg 1413w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Schaut man sich die Genese der Wut an &#8211; die ich hier mal exemplarisch aufgebracht habe, weil fast jeder sich oder andere da gut wiedererkennen kann &#8211; dann erkennt man, dass das Problem deutlich fr\u00fcher beginnt. Die anf\u00e4nglichen Gef\u00fchle, &#8222;eine kleine Ungerechtigkeit&#8220;, ein kleines &#8222;nicht gesehen werden&#8220; oder ein &#8222;Vorwurf der im Nebensatz&#8220; fallengelassen wird die f\u00fcr sich behalten werden und somit unsichtbar bleiben, die sammeln sich \u00fcber die Zeit an. Ich denke, dass die Intensit\u00e4t der Wahrnehmung bzw. wieviel &#8222;Raum&#8220; der \u00c4rger oder die Missachtung einnimmt zwar gr\u00f6sser wird, wenn etwas Neues hinzu kommt, aber k\u00e4me nichts Neues hinzu, dann w\u00fcrde sie peu a peu wieder das Normale Null-Niveau einstellen. Man vergisst den \u00c4rger, er ist nicht mehr so wichtig oder auch &#8222;verraucht&#8220;.<\/p>\n<p>Aehnlich zu radioaktiven Materialien, die gef\u00e4hrliche Strahlung aussenden, halbiert sich der \u00c4rger in einer bestimmten Zeitspanne. Bei Menschen, die vergesslicher sind ist diese Zeit vermutlich k\u00fcrzer als bei Menschen die eine Art Elefantengehirn haben und nichts vergessen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei einigen Menschen wird der \u00c4rger also nie vergessen (vorwiegend weil er auch nie wirklich verziehen wird) und existiert kontinuierlich fort bzw. hat eine sehr lange Halbwertzeit. W\u00e4hrend der \u00c4rger fortbesteht belegt er aber auch wertvollen Raum im eigenen Sein. Wenn ich dem \u00c4rger viel Raum einr\u00e4ume, dann ist da weniger Platz f\u00fcr Sch\u00f6nes, Erfreuliches, \u00fcberraschendes, Neugieriges und so weiter. Der Raum f\u00fcr Emotionen scheint schon irgendwo begrenzt zu sein.<\/p>\n<h2>Kommunikation<\/h2>\n<p>Es stellt sich die Frage, wie kann man es verhindern, dass sich \u00c4rger kontinuierlich ansammelt und damit dieser Teil der Emotionen immer mehr Raum besetzt? Man k\u00f6nnte erstmal da ansetzen, wo der \u00c4rger entsteht und die Entstehung von \u00c4rger so gut es eben geht vermeiden.<\/p>\n<p>Achtsam und wohl \u00fcberlegt in der <strong>Kommunikation<\/strong> zu handeln, scheint ein Schl\u00fcsselrezept daf\u00fcr darzustellen. Der \u00c4rger entsteht meistens aus:<\/p>\n<ol>\n<li>Nicht-Kommunikation &#8211; wo Kommunikation absolut notwendig w\u00e4re<\/li>\n<li>Gewaltvoller Kommunikation &#8211; wo r\u00fccksichtsvolle Kommunikation notwendig w\u00e4re<\/li>\n<\/ol>\n<p>Wenn ich zum Beispiel mit meiner Kommunikationspartnerin oder meinem Kommunikationspartner eine bedachte Kommunikation f\u00fchre und es mir wichtig ist, dass sich der\/die andere gesehen f\u00fchlt, dann reduziert dies aktiv Ereignisse, bei denen sich einer der Partner &#8222;nicht gesehen&#8220; f\u00fchlt. Ein Beispiel daf\u00fcr ist der einfache Satz &#8222;Wie geht es dir?&#8220;, denn er zeigt Interesse an dem Wohlsein des anderen und ist mitnichten nur als Schablone der Kommunikation anzusehen. Daf\u00fcr muss man das aber auch ernst meinen und nach dieser Frage auch zuh\u00f6ren k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Nicht-Kommunikation<\/h2>\n<p>Wenn ich aber zum Beispiel ein Ereignis plane und den anderen nicht mit einbeziehe, dann ist klar, dass ich an dieser Stelle den anderen &#8222;\u00fcbergehe&#8220; und &#8222;nicht sehe&#8220;. Handelt es sich um ein Ereignis, bei dem ich aber den jeweils anderen gerne dabei h\u00e4tte, dann ist <strong>Nicht-Kommunikation<\/strong> etwas, was in einem Gef\u00fchl des &#8222;nicht gesehen werdens&#8220; bei dem nicht Einbezogenen resultiert.<\/p>\n<p>Das Gef\u00fchl von <strong>nicht gesehen werden<\/strong> wird hervorgerufen, begleitet durch ein Gef\u00fchl <strong>\u00fcbergangen worden<\/strong> zu sein. Indirekt transportiert diese Form der Nicht-Kommunikation, dass mir der andere nicht so wichtig ist, nur <strong>ein Nachgedanke<\/strong> ist und ich lieber mein eigenes Ding mache, als mich gemeinsam in die Ereignisplanung zu begeben.<\/p>\n<p>Es geht vielleicht schneller auf diese Art und Weise ein Ereignis zu planen, aber ich hab es dann halt nur f\u00fcr eine Person geplant und stelle die andere Person vor vollendete Tatsachen. Man kann nur noch <strong>JA<\/strong> oder <strong>NEIN<\/strong> sagen, der Plan selbst l\u00e4sst sich aber nicht mehr gross ver\u00e4ndern. Derjenige der den Plan ausgef\u00fchrt hat, hat dies <strong>selbstbestimmt<\/strong> getan, doch derjenige der dem Plan nun bittesch\u00f6n zustimmen soll, ist in die Rolle der <strong>Fremdbestimmung<\/strong> gedr\u00e4ngt und hat nur noch die Option den Plan so wie er ist zu akzeptieren &#8211; obwohl er mit einigen Dingen nicht einverstanden ist &#8211; oder den Plan vollst\u00e4ndig zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p>Beide Optionen erfordern einen <strong>einseitigen (unilateralen) Kompromiss<\/strong>, denn der oder die Planende konnte ja bereits alle wichtigen Aspekte f\u00fcr sich selbstbestimmt umsetzen und planen. Hingegen bleibt einem wenn man vor vollendete Tatsachen gestellt wird keine M\u00f6glichkeit mehr eigene wichtige Aspekte <strong>gleichberechtigt<\/strong> einzubringen. Zur\u00fcck bleibt \u00c4rger dar\u00fcber nicht gesehen worden zu sein und somit auch nicht teilzuhaben an den Planungsentscheidungen. Es bleibt das Gef\u00fchl nicht etwa als gleichberechtigter Partner behandelt und wechselseitig (bilateral) ber\u00fccksichtigt worden zu sein, sondern stattdessen als nachrangiger &#8222;Partner&#8220;, dem keine Mitsprache zugestanden wurde.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte sich um eine Machtfrage handeln. Denn derjenige der hier einfach macht, zeigt damit auch, dass er sich die Macht zugedacht hat und sie sich somit nimmt. Diese Macht befriedigt vielleicht das Bed\u00fcrfnis nach Kontrolle und das Bed\u00fcrfnis eventuell notwendigen Kompromissen vorzeitig aus dem Weg zu gehen, aber es erzeugt auch einen Graben und ein Gef\u00e4lle zwischen den Partnern. Der notwendige Kompromiss soll nun nachtr\u00e4glich erreicht werden, mit den beschriebenen Problemen. Es ist ein fauler Kompromiss, denn wenn ich als Partner diese Art der Planung mit einem Kompromiss akzeptiere, ist dies zugleich auch die Einladung an den anderen auch in Zukunft mich weiter zu \u00fcbergehen. Schl\u00e4gt man die Route des faulen Kompromisses ein, gibt es sozusagen kein zur\u00fcck mehr. Daher ist eigentlich klar, dass man das \u00fcbergehen und nicht gesehen werden deutlich zur\u00fcckweisen muss, um zuk\u00fcnftig eine gleichberechtigte Planung und Entscheidung zu beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<h2>Gewaltvolle Kommunikation bzw. Aggressionen<\/h2>\n<p>Zu den Quellen f\u00fcr zun\u00e4chst unsichtbare Wut geh\u00f6rt auch aggressiver bzw. gewaltvoller Kommunikation ausgesetzt zu sein. Das ist in der Regel keine beidseitige (bilaterale) Kommunikation mehr im eigentlichen Sinne, sondern eigentlich nur noch ein rechthaberischer Monolog aus Bewertungen, Verurteilungen, Abwehr, Infragestellen, Abwertungen und ausschliesslichen Du-Botschaften.<\/p>\n<p>&#8222;DU hast doch&#8230;&#8220;, &#8222;DU bist&#8230;&#8220;, &#8222;Warum bringst DU das jetzt auf&#8230;&#8220;, &#8222;Aber DU warst doch&#8230;&#8220;, &#8222;DU wolltest doch&#8230;&#8220; und so weiter. Alles soll davon ablenken sich mit dem Thema wirklich auseinanderzusetzen, es steht eine absolute Abwehrhaltung dahinter. Das Gegen\u00fcber m\u00f6chte das nicht h\u00f6ren, sich nicht damit besch\u00e4ftigen und lehnt folgerichtig jeden Versuch dazu ab. Es wird nicht zugeh\u00f6rt und auch nicht versucht zu verstehen. Stattdessen geht das Gegen\u00fcber in den Attacke- bzw. Angriffsmodus \u00fcber.<\/p>\n<blockquote><p>Sie sind in einer Beziehung den direkten oder indirekten Aggressionen eines anderen erlegen,<\/p>\n<ul>\n<li>wenn Sie sich in seiner Gegenwart angespannt und \u00e4ngstlich f\u00fchlen;<\/li>\n<li>wenn Sie bei allem, was Sie sagen und tun, auf der Hut sind, weil Sie die Reaktionen des anderen f\u00fcrchten;<\/li>\n<li>wenn Sie glauben, unaufh\u00f6rlich Beweise der eigenen Anh\u00e4nglichkeit, Dienstbereitschaft und Vertra\u00fcnsw\u00fcrdigkeit erbringen zu m\u00fcssen;<\/li>\n<li>wenn Sie keine Forderungen zu stellen wagen und Auseinandersetzungen vermeiden, weil Sie sich dem anderen nicht gewachsen f\u00fchlen;<\/li>\n<li>wenn Sie jeder Versuch, eigene Bed\u00fcrfnisse durchzusetzen, soviel Kraft kostet, da\u00df Sie das Gef\u00fchl haben, es sei die Sache nicht wert;<\/li>\n<li>wenn Sie im vorauseilenden Gehorsam die Forderungen des anderen erf\u00fcllen, noch ehe dieser sie ausgesprochen hat;<\/li>\n<li>wenn Sie das Gef\u00fchl haben, immer alles falsch zu machen;<\/li>\n<li>wenn Sie h\u00e4ufig einen Eiertanz auff\u00fchren, um eine Zurechtweisung durch den anderen zu vermeiden;<\/li>\n<li>wenn Sie sich nicht mehr sicher genug f\u00fchlen, eine vom anderen abweichende Meinung zu vertreten, ihm zu widersprechen oder sein Verhalten zu kritisieren;<\/li>\n<li>wenn Sie um des lieben Friedens willen praktisch alles tun, was der andere von ihnen verlangt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>All diese Verhaltensweisen sind Zeichen \u00fcbergro\u00dfer Anpassung und damit auch eines Anpassungsdrucks, der eine echte Gef\u00e4hrdung f\u00fcr Ihre seelische und\/oder k\u00f6rperliche Gesundheit sowie Ihre pers\u00f6nliche Integrit\u00e4t darstellt.\n<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle:<\/strong> &#8222;Du machst mich noch verr\u00fcckt: Psychoterror in Beziehungen&#8220;, Claudia Szczesny-Friedmann, 1999 Rowohlt Verlag<\/p>\n<p>Da man als Gegen\u00fcber kaum einen Einfluss auf diesen Monolog der Aggression hat, bleibt einem letztlich nur die Zur\u00fcckweisung dieser Angriffe, der R\u00fcckzug und\/oder die Trennung bzw. Beendigung der Beziehung.<\/p>\n<h2>Unsichtbarkeit von Gef\u00fchlen<\/h2>\n<p>Es stellen sich allerdings Fragen. Warum handelt ein Mensch so aggressiv? Warum l\u00e4sst er nichts an sich heran? Warum wehrt er alles ab? Warum h\u00f6rt er nicht zu? Warum sendet er keine ICH-Botschaften sondern nur DU-Botschaften? Warum bringt sich dieser Mensch in einen aggressiven Erregungszustand und eskaliert diesen Zustand immer weiter? Warum also verh\u00e4lt sich jemand so antisozial und irrational? Was genau explodiert da und warum?<\/p>\n<p>Vielleicht hat die Unsichtbarkeit der Gef\u00fchle ja einen tieferen Grund. Vielleicht ist sie das Ergebnis eines erlernten Verhaltens. Die Situation in der sich die aggressiv kommunizierende Person befindet, ist m\u00f6glicherweise eine Situation der Not. Doch warum schaut es nach Aussen dennoch alles die meiste Zeit \u00fcber Selbstbewusst und kontrolliert aus?<\/p>\n<h2>Das Gef\u00e4ngnis der Perfektion<\/h2>\n<p>Der Eindruck von starkem Selbstbewusstsein und Kontrolle ist m\u00f6glicherweise das Ergebnis eines krassen Denkfehlers. Der Denkfehler lautet: &#8222;Ich muss nur perfekt sein, dann werde ich auch geliebt.&#8220; Dieser einfache Gedanke entspringt einer durch und durch kindlichen Logik, in der man sich die Welt selbst so zurechtdenkt, wie sie einem gef\u00e4llt. M\u00f6glicherweise ist es auch das verzweifelte Ergebnis in einem Umfeld aufgewachsen zu sein, das keine bedingungslose Liebe kannte, ein Umfeld, in dem man sich Liebe verdienen musste.<\/p>\n<p><strong>Ein lebenspr\u00e4gender Denkfehler der wie folgt geht:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong>Mach keine Fehler &#8211; Fehler sind Schw\u00e4che.<\/strong><br \/>\nFehler sind f\u00fcr Perfektionisten kein Teil des Lernens, sondern ein Makel, den es um jeden Preis zu vermeiden gilt. Doch genau dieser Anspruch f\u00fchrt zur ultimativen Lernblockade: Wer Fehler nicht zul\u00e4sst, kann nicht wachsen. Wer nichts riskiert, bleibt stehen. Perfektionisten verdammen sich zum Stillstand &#8211; aus Angst vor Fehlern verhindern sie die einzige echte M\u00f6glichkeit, besser zu werden.\n<\/li>\n<li><strong>Kontrolliere alles &#8211; dann passiert dir nichts.<\/strong><br \/>\nPerfektionisten glauben, dass sie durch Kontrolle Sicherheit schaffen k\u00f6nnen. Doch Kontrolle ist eine Illusion. Je mehr sie versuchen, alles zu kontrollieren und zu beherrschen, desto gr\u00f6sser wird die \u00fcberforderung &#8211; und desto mehr entgleitet ihnen das Leben.\n<\/li>\n<li><strong>Sei sicher &#8211; vermeide jedes Risiko.<\/strong><br \/>\nDie Angst vor Unsicherheit ist ihr st\u00e4ndiger Begleiter. Perfektionisten streben nach absoluter Absicherung, um Risiken zu vermeiden. Doch dieses bed\u00fcrfnis erstickt jede Spontanit\u00e4t, l\u00e4hmt Entscheidungen und f\u00fchrt zu endloser Z\u00f6gerlichkeit.\n<\/li>\n<li><strong>Triff nur perfekte Entscheidungen &#8211; du brauchst absolute Gewissheit.<\/strong><br \/>\nPerfektionisten wollen Entscheidungen erst treffen, wenn sie eine garantie f\u00fcr den Erfolg haben. Doch weil es sie nicht gibt, geraten sie in eine Endlosschleife aus Gr\u00fcbeln und Z\u00f6gern &#8211; und verpassen Chancen, die ihnen weiterhelfen w\u00fcrden.\n<\/li>\n<li><strong>Brauche niemanden &#8211; Abh\u00e4ngigkeit ist Schw\u00e4che.<\/strong><br \/>\nPerfektionisten glauben alles allein bew\u00e4ltigen zu m\u00fcssen. Doch in Wahrheit isoliert sie dieser Anspruch &#8211; und h\u00e4lt sie davon ab, Unterst\u00fctzung und neue Perspektiven zuzulassen.\n<\/li>\n<li><strong>Wisse alles &#8211; Unsicherheit is gef\u00e4hrlich.<\/strong><br \/>\nPerfektionisten sind Getriebene der information. Sie versuchen das Unm\u00f6gliche: die Zukunft zu ergr\u00fcbeln. Doch da ihr Wissen niemals vollst\u00e4ndig sein kann, bleiben sie in einem Zustand permanenter Angst und Verunsicherung.\n<\/li>\n<li><strong>Sei makellos &#8211; dann wirst du geliebt.<\/strong><br \/>\nDie \u00fcberzeugung, dass nur makellose Menschen Anerkennung verdienen, f\u00fchrt zu einer endlosen Selbstoptimierung. Doch wer sich nur perfekt pr\u00e4sentiert, verliert das Wichtigste: Echtheit. Und ohne Authentizit\u00e4t entsteht keine echte Verbindung.\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Buch &#8222;Der Mythos vom Gl\u00fcck: Warum du niemals dauerhaft gl\u00fccklich sein wirst &#8211; und warum das gut so ist&#8220;<\/p>\n<p>Diese Situation ist gepr\u00e4gt durch Unsicherheit, Selbstzweifel und Angst. Hinter der Aggression steht die eigene Unsicherheit, die sich wesentlich daraus speist, sich selbst nicht akzeptieren zu k\u00f6nnen wie man ist. Daraus entsteht auch st\u00e4ndig nagender Selbstzweifel, ob das was man gerade tut hilfreich ist oder nicht. Da man aber nicht weiss wer man eigentlich ist, weil man die guten Seiten an sich selbst und die schlechten Seiten an sich selbst nicht akzeptieren m\u00f6chte, ist da der st\u00e4ndige Zweifel dar\u00fcber was man eigentlich m\u00f6chte und wer man eigentlich ist.<\/p>\n<p>Statt die eigenen Defizite zu sehen und zu akzeptieren (oder an denen die man \u00e4ndern kann zu arbeiten), versucht man diese krampfhaft zu verdecken und zu verstecken. Man ist 24 Stunden am Tag damit besch\u00e4ftigt die perfekte Fassade seines Wunsch-Selbstbildes aufrechtzuerhalten. Doch das Selbstbild stimmt eben nicht mit dem Bild \u00fcberein, wie man tats\u00e4chlich ist und wie man sich innerlich tats\u00e4chlich f\u00fchlt. Es l\u00e4sst vor allem keine Schw\u00e4chen, Verletzlichkeit, Zartheit oder Verst\u00e4ndnis gegenuber anderen zu, denn das passt nicht zu einem Selbstbild eines h\u00f6chst selbstbewussten und selbstbestimmten Menschen, der alles jederzeit unter Kontrolle hat und weder Fehler macht noch sonstige Schw\u00e4chen aufweist.<\/p>\n<p>Im Ergebnis werden die ganzen Gef\u00fchle, die mit dieser Diskrepanz einhergehen kaschiert, verdeckt, unterdr\u00fcckt und verleugnet. Gef\u00fchle der Unsicherheit, des Zweifels, der Angst, der Sehnsucht usw. werden unterdr\u00fcckt und stattdessen nach aussen hin eine Fassade oder auch ein Schutzwall erzeugt, der das Gegenteil dessen zum Ausdruck bringen soll, n\u00e4mlich Sicherheit, Selbstbewusstsein, St\u00e4rke und maximale Unabh\u00e4ngigkeit auch von der Zuwendung anderer. Diese Fassade wird mit einer wahnsinnigen Energie aufgebaut und aufrecht erhalten. Sie hat nur eine einzige Funktion: Die wahren Gef\u00fchle unsichtbar zu machen und s\u00e4mtliche m\u00f6glichen Schw\u00e4chen oder Schwachstellen zu kaschieren.<\/p>\n<p>Das Verr\u00fcckte ist, Menschen die so vermeintlich stark, selbstbewusst und unbeirrbar auftreten, beeindrucken einen erstmal und sie faszinieren einen auch irgendwie, wie eine Fata Morgana t\u00e4uschen sie einen. Denn das erzeugte Bild ist ja einmalig stark und \u00fcberw\u00e4ltigend glaubw\u00fcrdig. Man m\u00f6chte das auch einfach glauben, weil es zu sch\u00f6n ist um wahr zu sein. Es entsteht unter grossem Aufwand und daher schaut es auch so makellos und wahr aus. Aber wie immer wenn etwas zu sch\u00f6n ist um wahr zu sein, dann ist es mit grosser Wahrscheinlichkeit eben nicht wahr.<\/p>\n<p>Innerlich ist der vermeintlich starke &#038; perfekte Mensch m\u00f6glicherweise so traurig, dass er gerne weinen m\u00f6chte, aber nach aussen gibt es nur eine herzliches Lachen und unangenehme Themen werden einfach weggel\u00e4chelt und schnell das Thema gewechselt. Die den Menschen wirklich bewegenden Themen bleiben tabu und werden ausgeklammert aus der Kommunikation mit dem einzigen Ziel des Selbstschutzes vor unangenehmen Gef\u00fchlen die nicht mit dem Selbstbild zusammenpassen.<\/p>\n<p>Die Gef\u00fchle sind nun zwar <strong>f\u00fcr andere unsichtbar<\/strong>, die Gef\u00fchle sind <strong>aber weiterhin da<\/strong>!<\/p>\n<p>Es existieren nun eine Menge starker und unterdr\u00fcckter Gef\u00fchle. Viele dieser Gef\u00fchle haben mit Verletzungen und Ungerechtigkeiten und weiteren negativen Erfahrungen aus dem Alltag zu tun. Doch es werden auch eine riesige Menge Gef\u00fchle mitgeschleppt aus der Vergangenheit. Gef\u00fchle die man aus Scham, Angst, Unsicherheit nie jemandem gezeigt hat, die aber jeden Tag weiterhin da sind. All diese Gef\u00fchle unter dem Deckel zu halten, um eine perfekte Fassade aufrechtz\u00fcrhalten ist vielleicht kurzzeitig f\u00fcr einen 8-Stunden-Arbeitstag m\u00f6glich aber nicht durchg\u00e4ngige 24 Stunden.<\/p>\n<p>Die gesammelten unsichtbaren Gef\u00fchle erzeugen ein st\u00e4ndig hohes Intensit\u00e4tsniveau f\u00fcr eine m\u00f6gliche Wut. Viele kleine Ungerechtigkeiten, die im Laufe des Tages passiert sind sammeln sich und gegen Abend ist das Ma\u00df im Prinzip voll. Es fehlt auch nicht wirklich viel, da bereits aus der Vergangenheit pr\u00e4sente Gef\u00fchle viel Raum einnehmen, muss nur noch ein wenig hinzukommen und es wird schnell unertr\u00e4glich. Es reicht dann schon ein kleiner Ausl\u00f6ser um die Wut von der Leine zu lassen. Der gesammelte \u00c4rger und all die aufgestaute Energie muss irgendwohin, doch wohin? Das grosse Dilemma, damit der \u00c4rger sichtbar werden darf und die Wut raus darf, muss eine gesch\u00fctzte Umgebung existieren.<\/p>\n<h2>Komplize\/n<\/h2>\n<p>Es braucht eine Umgebung die verst\u00e4ndnisvoll und schweigsam ist und in der man es sich erlauben kann einen Teil der Gef\u00fchle zu zeigen, die sich \u00fcber den Tag angesammelt haben. Dieser verst\u00e4ndnisvolle und schweigsame Kontext ist meist der Partner oder die Partnerin in einer Beziehung, oder vielleicht der beste Freund und die beste Freundin.<\/p>\n<p>Doch wie geht man damit um, wenn man die Vielzahl der unterdr\u00fcckten Gef\u00fchle des Partners oder der besten Freundin immer wieder &#8222;zu sp\u00fcren&#8220; bekommt, weil man als die &#8222;sichere&#8220; Umgebung angesehen wird? Vor allem wie geht man damit um, wenn sich der Gef\u00fchlswelterguss derart gestaltet, dass man pl\u00f6tzlich nur noch als Empf\u00e4nger akzeptiert wird? Das ist dann keine gesunde Beziehung mehr sondern eine ungesunde, mindestens aber nicht ausbalancierte wenn nicht gar <a href=\"https:\/\/helpcity.de\/toxische-beziehung-und-emotionale-erpressung-ein-tiefgreifender-blick\/\">toxische<\/a> Beziehung.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Solche Beziehungen haben einige gemeinsame Kennzeichen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Mangel an Unterst\u00fctzung:<\/strong> Anstelle von Ermutigung und Verst\u00e4ndnis herrscht oft Kritik und Abwertung.<\/li>\n<li><strong>Schlechte Kommunikation:<\/strong> Statt offener und ehrlicher Gespr\u00e4che gibt es Missverst\u00e4ndnisse, Unterstellungen und oft auch Aggressionen.<\/li>\n<li><strong>Machtungleichgewicht:<\/strong> Eine Person dominiert oder kontrolliert die andere, was zu einem Ungleichgewicht in der Beziehungsdynamik f\u00fchrt.<\/li>\n<li><strong>Mangel an Respekt:<\/strong> Die Bed\u00fcrfnisse und Grenzen des anderen werden nicht geachtet oder ernst genommen.<\/li>\n<li><strong>Emotionale Instabilit\u00e4t:<\/strong> H\u00e4ufige emotionale H\u00f6hen und Tiefen, oft verbunden mit Gef\u00fchlen von Unsicherheit und Angst.<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Quelle:<\/strong> <a href=\"https:\/\/gedankenwelt.de\/verborgene-gefahr-emotionale-erpressung-in-der-beziehung\/\">Verborgene Gefahr: Emotionale Erpressung in der Beziehung<\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr den- oder diejenige, die unfreiwillig zum Komplizen eines solchen <strong>Wut-Bulimie-Verhaltens<\/strong> wird, werden auf einmal alle Merkmale einer &#8222;toxischen&#8220; Beziehung zutreffend. Der Partner erh\u00e4lt selbst keine Unterst\u00fctzung bei f\u00fcr ihn wichtigen Dingen, denn alles kreist nur noch um das Befinden des Wut-Unterdr\u00fcckers. Es gibt auch keine Ermutigung oder Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Belange des Partners, stattdessen wird er kritisiert f\u00fcr seine Bed\u00fcrfnisse und diese werden als nicht so wichtig abgewertet oder gar nicht erst akzeptiert. Es gibt nur noch Missverst\u00e4ndnisse, es werden Unterstellungen formuliert und die Kommunikation wird aggressiv. Der Wut-Bulimist respektiert die Grenzen des anderen nicht mehr und stellt zus\u00e4tzlich die Bed\u00fcrfnisse des anderen in Abrede. Stattdessen sieht der Wut-Bulimist nur noch sich und seine eigenen Bed\u00fcrfnisse und seinen Handlungsdruck. Die teilweise vermutlich \u00fcber Jahrzehnte angestaute Wut plus die Wut des Alltags, m\u00f6chte er jetzt unbedingt an seinem Gegen\u00fcber im vermeintlichen Schutzraum loswerden. Und da offenbart sich das ganze Dilemma einer solchen Art von Beziehung, es gilt das Sprichwort: &#8222;Die Hand die segnet wird zuerst gebissen.&#8220;<\/p>\n<p>Die Personen, die dem Wut-Bulimisten am n\u00e4chsten stehen, bekommen den ganzen Schwall an Wut &#038; \u00c4rger ab und nicht etwa die Verursacher des \u00c4rgers. So zerst\u00f6rt der Wut-Bulimist letzlich seinen eigenen Schutzraum St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck auf Kosten des anderen. Es gibt keine Wiedergutmachung, keine Entschuldigung und letztlich auch kein Verst\u00e4ndnis mehr f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse des anderen.<\/p>\n<p>Wer in so einer fortdauernden Situation nicht einschreitet, wird zum Komplizen, der das Verhalten weiter unterst\u00fctzt und letztlich auch zum Opfer <a href=\"https:\/\/gedankenwelt.de\/verborgene-gefahr-emotionale-erpressung-in-der-beziehung\/\">emotionaler Erpressung<\/a>. Er macht sich deshalb zum Komplizen des Wut-Bulimisten mit einem Dauerabonnement f\u00fcr emotionale Achterbahnfahrt, weil er sich selbst reduziert auf einen emotionalen Abfalleimer ohne weitere Rechte und seine Bed\u00fcrfnisse gar nicht mehr vorbringen kann.<\/p>\n<h2>Selbstliebe<\/h2>\n<p>F\u00fcr mich stellt sich das auch als ein Problem von Selbstliebe dar, deshalb ja der Perfektionsanspruch. Der Wut-Bulimist akzeptiert sich selbst nicht wie er ist und m\u00f6chte sein wahres Ich daher lieber 24 Stunden am Tag versteckt halten. Ein gewaltiges Unterfangen, denn den ganzen Tag \u00fcber Theater zu spielen ist anstrengend, kostet eine ganze Menge Extr\u00e4nergie und ausserordentliche Selbstbeherrschung.<\/p>\n<p>Der Artikel <a href=\"https:\/\/3quarksdaily.com\/3quarksdaily\/2025\/10\/friendship-begins-at-home.html\">&#8222;Friendship Begins at Home&#8220;<\/a> ist hier sehr aufschlussreich. Da gibt es ein sch\u00f6nes Zitat von Carl Jung:<\/p>\n<blockquote><p>To love someone else is easy, but to love what you are, the thing that is yourself, is just as if you were embracing a glowing red-hot iron: it burns into you and that is very painful. Therefore, to love somebody else in the first place is always an escape which we all hope for, and we all enjoy it when we are capable of it. But in the long run, it comes back on us. You cannot stay away from yourself forever, you have to return, have to come to that experiment\u2014whether you can love yourself, and that will be the test.<\/p><\/blockquote>\n<p>Insbesondere der folgende Abschnitt ist meiner Ansicht nach sehr aufschlussreich:<\/p>\n<blockquote><p>To illustrate, I\u2019ve worked with patients who honestly saw their habitually critical and demanding attitude toward others as totally reasonable\u2014\u201cit\u2019s what I hope for from others,\u201d as one patient said when I noted how harsh she sounded when talking about her son. But as she has become aware of how distorted and unreasonable her so-called reasonableness has turned out to be, she\u2019s pained at how unfair she\u2019s been to others. But she\u2019s also relieved because (no surprise by now) she had been treating herself in the same critical demeaning way. What a relief, then, to explore how this critic was actually a defense meant to protect her: keeping her ever-vigilant by rehearsing every way she had screwed up, and anticipating every way she might be about to.<\/p><\/blockquote>\n<h2>Mein Fazit<\/h2>\n<p>Versteckte Gef\u00fchle bei sich selbst und\/oder beim anderen sind eine erste &#8222;Red Flag&#8220;, ein Warnzeichen. Wenn der Partner seine Gef\u00fchle nicht offen zeigt sondern durchg\u00e4ngig versteckt, oder man selbst sich gen\u00f6tigt sieht die eigenen Gef\u00fchle nicht mehr zeigen zu d\u00fcrfen, dann ist das ein deutliches Warnzeichen f\u00fcr jede zwischenmenschliche Beziehung. Es mag Gr\u00fcnde geben f\u00fcr das zeitweise Verstecken von Gef\u00fchlen, aber f\u00fcr ein dauerhaftes Verstecken sollte man die Gr\u00fcnde daf\u00fcr herausfinden, angehen und aufarbeiten. Wenn meine Beziehung zu mir selbst aus Selbstablehnung &#038; Selbstverleugnung besteht, dann ist das ein Problem, denn ich kann nicht jemand anderen lieben und annehmen, w\u00e4hrend ich mich selbst hasse oder ablehne. Das ist dann nicht Liebe, das ist Flucht vor sich selbst.<\/p>\n<p>Das Geheimnis eine Beziehung nicht nur zu beginnen sondern dauerhaft fortzuf\u00fchren, besteht meiner Ansicht nach darin, in der Lage zu sein, auch kleine Gef\u00fchle unmittelbar teilen zu k\u00f6nnen und zeigen zu d\u00fcrfen. Das meint sowohl positive Gef\u00fchle wie auch negative Gef\u00fchle. Wenn man nur in einer Beziehung ist, um bestimmte &#8222;Funktionen&#8220; abgreifen zu k\u00f6nnen, wie z.B. die Funktion des Partners als emotionalem M\u00fclleimer, dann ist das keine Liebe. Es ist das r\u00fccksichtslose stillen eines eigenen Bed\u00fcrfnisses, mehr nicht. Und was einem da nach der Trennung fehlt ist nicht der andere Mensch, sondern die nicht mehr verf\u00fcgbare Funktion.<\/p>\n<p>Wenn ich bereits Angst davor haben muss, selbst kleine, negative Gef\u00fchle (z.B. einen kleinen \u00c4rger) zu zeigen, weil die Reaktion nicht auf Verst\u00e4ndnis oder eine Absicht des Verstehens trifft, ist eigentlich keine Basis f\u00fcr eine tiefere Beziehung gegeben. Nur weil man einen kleinen \u00c4rger hat, stellt man damit ja nicht etwa die ganze Beziehung oder die Person in Frage. Manchmal tritt eben ein kleiner \u00c4rger auf aus Unachtsamkeit im Alltagsstress oder weil man hastig etwas erledigen m\u00f6chte und dabei Abk\u00fcrzungen w\u00e4hlt, die unpassend sind.<\/p>\n<p>Wenn das Teilen kleiner positiver Gef\u00fchle (z.B. das Teilen der Freude \u00fcber etwas Gelungenes), in der Mehrheit der F\u00e4lle keine positive Erwiderung erf\u00e4hrt, dann beraubt man sich auch einer nachhaltigen Vertiefung der Beziehung. Dann fehlt die positive Resonanz. Es f\u00fchlt sich dann zunehmend nach Dissonanz an und man beginnt an der eigenen Wahrnehmung zu zweifeln, wenn es den anderen offenbar kalt l\u00e4sst, dass man gerade einen kleinen Erfolg erzielt hat und die Freude gerne teilen m\u00f6chte. Es setzt ein Prozess der Erosion ein. Man teilt positive Ereignisse nicht mehr, weil man schon erwartet, dass die Reaktion des Partners eher nicht anerkennend oder positiv wahrnehmend ausfallen wird.<\/p>\n<p>Daher ist meiner Ansicht nach bereits die fortdauernde Nicht-Reaktion oder gar die negative Reaktion auf das Teilen eines positiven Gef\u00fchls mit dem Partner, ein erstes, ernstes Warnzeichen. Wer sich nicht einmal mit dem anderen gemeinsam freuen kann, der ist auch weit davon entfernt diesen Menschen zu lieben.<\/p>\n<p>Das soll soweit meine Zusammenfassung sein, von dem, was ich in 2025 mein dominierendes Thema war. Kommunikation, Nicht-Kommunikation, Aggression, Wut und deren Auftreten in Situationen des Alltags auf Arbeit und in der pers\u00f6nlichen Beziehung.<\/p>\n<p><small><strong>Why do I blog this?<\/strong> Ich bin in den vergangenen Jahren \u00f6fters Wutausbr\u00fcchen und aggressiver Kommunikation ausgesetzt gewesen. Dies hat mich bewegt einmal meine Gedanken und Recherchen zu dem Thema aufzuschreiben. Dies ist auch ein Versuch einer Katharsis zum Jahresabschluss.<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Folgenden soll es um Gef\u00fchle gehen. Es gibt eine Zusammenstellung von Texten und Perspektiven auf eines der st\u00e4rksten Gef\u00fchle, die wir als Menschen so haben, das Gef\u00fchl der Wut. Wut ist eine Emotion, die oft mit sehr viel Energie und aus der Tiefe heraus pr\u00e4sent wird. 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