{"id":79,"date":"2006-11-12T11:49:25","date_gmt":"2006-11-12T10:49:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.thetawelle.de\/?p=79"},"modified":"2007-03-13T15:58:06","modified_gmt":"2007-03-13T14:58:06","slug":"deutschlands-innovationsbremse-heist-bildung-und","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.thetawelle.de\/?p=79","title":{"rendered":"Deutschlands Innovationsbremse hei\u00dft &#8222;Bildung&#8220; und&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Anklicken fuer grosse Darstellung\" href=\"\/wp-upload\/bildungBig_01.jpg\"><img src='\/wp-upload\/bildungSmall_01.jpg' align='right' border=\"0\" hspace=\"10\" vspace=\"5\" \/><\/a>&#8230;&#8220;rationale, autorit\u00e4tskonforme B\u00fcrger&#8220; (neben &#8222;Wettbewerb&#8220; und &#8222;Finanzierung&#8220;), zumindest wenn man der neusten Studie des DIW Glauben schenkt.. Wie in einer <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/deutsch\/presse\/pressemitteilungen\/aktuell\/index.jsp\">Pressemitteilung des DIW Berlin<\/a> (siehe auch <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/80872\">heise.de<\/a>) zu lesen ist, zeigt der in einer neuen Studie erstellte <strong>Innovationsindikator f\u00fcr Deutschland<\/strong> ein sehr differenziertes Bild. Das DIW fasst die Ergebnisse zusammen mit der Schlagzeile: <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/programme\/jsp\/presse.jsp?pcode=535&#038;language=de\">&#8222;Innovationsf\u00e4higkeit: Deutschland braucht mehr Schwung&#8220;<\/a>. Was genau hat das DIW untersuchen lassen? Am besten man liest es selbst nach indem man das <a href=\"http:\/\/www.bdi-online.de\/Dokumente\/Presse\/Innovationsindikatordiwkompakt_2006(1).pdf\">PDF-Dokument der 286 Seiten starken Studie<\/a> herunterl\u00e4dt.<\/p>\n<p>Ein Ergebnis ist mir besonders ins Auge gefallen: &#8222;<strong>Deutschlands gravierendste Schw\u00e4che bleibt das Bildungssystem.<\/strong> Es ist in fast allen Belangen des in diesem Jahr verbreiterten Messkonzepts (Finanzierung, Anzahl der Absolventen mit terti\u00e4rer Bildung, Qualit\u00e4t etc.) im internationalen Vergleich hochentwickelter L\u00e4nder unterdurchschnittlich.&#8220; (Quelle: Ebendiese Studie Seite 4 des Executive Summery (S. 22 im PDF); siehe auch <strong>Grafik oben rechts<\/strong>)<\/p>\n<p><a title=\"Anklicken fuer grosse Darstellung\" href=\"\/wp-upload\/werteBig.jpg\"><img src='\/wp-upload\/werteSmall.jpg' align='right' border=\"0\" hspace=\"10\" vspace=\"5\" \/><\/a>Eine besonders delikate Erkenntnis lautet dabei wie folgt: &#8222;Gravierende Nachteile hat Deutschland auch bei den <strong>innovationsrelevanten Verhaltensweisen und Einstellungen der Bev\u00f6lkerung<\/strong>.  Die B\u00fcrger haben im internationalen Vergleich eine geringe Bereitschaft zur \u00dcbernahme von unternehmerischem Risiko und die Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten sind besonders schwach. Es gibt relativ starke <strong>Vorbehalte gegen\u00fcber der Erwerbsbeteiligung von Frauen<\/strong> und die <strong>Teilnahme von Frauen an Forschung und Innovation ist gering<\/strong>.&#8220;<\/p>\n<p>Einerseits finde ich diese Feststellung wenig \u00fcberraschend, andererseits umso gravierender. Denn, gerade der Bildungssektor im Bereich der Schulen ist durch viele Frauen im Lehrerberuf gepr\u00e4gt. Wenn diese aber gerade nicht an Forschung und vor allem an Innovation, i.e. Bildungsinnovation teilnehmen, dann kann sich in diesem Sektor auch nichts wesentlich nach vorne bewegen. Ebenso schlie\u00dft der Begriff Bev\u00f6lkerung durchaus auch die Studierenden der Unis mit ein. Auch deren &#8222;innovationsrelevante Verhaltensweisen und Einstellungen&#8220; sind gemeint. Auf der Seite 120 der Studie wird Deutschlands Position mit dem Modell der <strong>Wertegemeinschaften nach <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ronald_Inglehart\">Ronald Inglehart<\/a><\/strong> versucht zu ermitteln. Sehr deutlich ist zu erkennen, das Deutschland stark rational und nicht an traditionellen Werten ausgerichtet ist, was aber viel gravierender erscheint, ist die Tatsache, dass wir offenbar eher zu Werten der <strong>autorit\u00e4tsbezogenen Konformit\u00e4t<\/strong> neigen, statt zu einer offenen und toleranten Gesellschaft. Japan und Korea sind ebenfalls Vertreter in diesem linken oberen Quadranten der Grafik.  (siehe auch Grafik rechts; Seite 120 (S. 138 im PDF))<\/p>\n<p>Interessant ist dann aber die Begr\u00fcndung des DIW f\u00fcr den Umstand, warum wir in der Bildung derart weit zur\u00fcckliegen: &#8222;Bei der Finanzierung des Bildungssystems durch die \u00f6ffentliche Hand und Private liegt Deutschland auf dem 12. Platz. Deutschland investiert nur 5,3 % seines Bruttoinlandsprodukts in die Bildung, der Durchschnitt der OECD-L\u00e4nder liegt bei 5,9 % (OECD 2006).&#8220; Gut da sagt man sich jetzt, was sind schon <strong>l\u00e4ppische 0,6 Prozent<\/strong>.<\/p>\n<p>Nun von einem <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pk\/2006\/bip_2005b.htm\">BIP das eine H\u00f6he von ca. 2244 Mrd Euro<\/a> f\u00fcr das Jahr 2005, sind das umgerechnet dann doch 13,46 Mrd. Euro. Nur zum Vergleich: Die Exzellenzinitiative vergibt in Ihrer gesamten H\u00f6he gerade einmal <a href=\"http:\/\/www.uni-protokolle.de\/nachrichten\/id\/112396\/\">1,9 Mrd Euro<\/a>. <strong>Das sind 14 Prozent dessen, was wir eigentlich investieren m\u00fc\u00dften, um auf den OECD-Durchschnitt zu gelangen.<\/strong> Dabei sollte man im Kopf behalten, das die Ausgaben f\u00fcr Bildung auch Ausgaben der B\u00fcrger f\u00fcr Bildung sein k\u00f6nnen, also z.B. die selbst bezahlte Softwareschulung und nicht nur die Investitionen des Staates, die durch zuvor erhobene Steuern und Schulden bezahlt werden. <\/p>\n<p><strong>Update 11.12.2006<\/strong><br \/>\nIch weiss dieser Post ist schon lang, da kommt es auf &#8217;ne Zeile mehr nicht mehr an. Denn was der Nachrichtendienst Reuters USA \u00fcber den Ticker schickt passt gerade super dazu: <a href=\"http:\/\/today.reuters.com\/news\/articlenews.aspx?type=scienceNews&#038;storyid=2006-09-18T182641Z_01_N18281238_RTRUKOC_0_US-SCIENCE-WOMEN.xml\">Study finds U.S. bias against women in science<\/a><\/p>\n<p><small><strong>Why do I blog this?<\/strong> Geld ist sicher ein wichtiger Faktor in dem ganzen Komplex. Ich frage mich aber, ob man nicht mit <strong>Aufkl\u00e4rung \u00fcber den Zusammenhang von Zukunftsf\u00e4higkeit und der Bereitschaft sich Neuem gegen\u00fcber zu \u00f6ffenen und nicht gleich alles zu verurteilen<\/strong>, ebensoviel erreichen k\u00f6nnte, wie mit einer weiteren Mrd. Euro die man in das System wirft. Meine Erfahrung zeigt mir, das vor allem Studenten der Bildungs- und Geisteswissenschaften teilweise derart innovationsfeindlich eingestellt sind, dass man als Dozent eigentlich erstmal die innovationsrelevanten Verhaltensweisen und Einstellungen bearbeiten muss, damit man irgendwie weiterkommt.<\/p>\n<p>Hier besteht aus meiner Sicht wahrhaftig Handlungsbedarf! Wie kann man als angehender Lehrer z.B. bereits alles Neue v\u00f6llig unreflektiert ablehnen? Offenbar ist auch die Bereitschaft sich selbst\u00e4ndig Neues zu erschlie\u00dfen z.B. im Bereich &#8222;Lernen mit technischen Medien&#8220; wie dem Internet eher gering ausgepr\u00e4gt. In Zeiten jedoch, in denen das Internet zu einem der am schnellsten wachsenden Informationszug\u00e4nge geh\u00f6rt, ist es aus meiner Sicht fatal, wenn man als angehender Lehrer diesen ganzen Bereich einfach ausblendet in der Hoffnung es wird schon irgendwie gehen. Grundbildung im Umgang mit IT wird als notwendiges \u00dcbel des Studiums angesehen und nicht etwa als Chance f\u00fcr Ver\u00e4nderung und Innovation. Das man sich \u00fcber das Internet sogar weiterbilden kann, wird schon gar nicht in Betracht gezogen.<\/p>\n<p>In meinem Studium war ich als einer der Ersten mit Online-Learning konfrontiert, weil mein Professor erstmals seine Lehrmaterialien mit gesprochenem Text zusammen im Internet aufbereitet hatte (u.a. grafische Animationen und gesprochene Erkl\u00e4rungen dazu). Es wurde an der Uni Innovation betrieben, f\u00fcr neue Wege der Lehrmaterialbereitstellung. Wir haben als Lerngruppe neue Wege der Aneignung beschritten und das Online-Angebot angenommen. Auch L\u00f6sungen haben wir online (per E-Mail) abgegeben und digital korrigiert (PDF mit Kommentaren) zur\u00fcckbekommen. Wir wu\u00dften, dass daran kein Weg vorbei f\u00fchrt und es auch Vorteile hat Lehrprozesse online durchzuf\u00fchren, z.B. wegen der Aktualit\u00e4t und eine zeitlichen Entkopplung von Dozentensprechstunden. Statt eines gedruckten und zu kaufenden Scripts, sind wir eben ins Netz gegangen. Das wir f\u00fcr die Klausurvorbereitung dann Webseiten zusammengefasst haben (als Word-Dokumente) statt eines Scripts, war nur konsequent. Wir haben unsere Arbeitsschritte eben auch m\u00f6glichst digital durchgef\u00fchrt. Statt eine Grafik auszuschneiden ein Bildschirmfoto gemacht, usw.<\/p>\n<p>Mangelnde Ver\u00e4nderungsbereitschaft bringt einen da nicht weiter und betrifft meist meist nicht nur die eingesetzte Informationstechnologie (IT), sondern auch neue Methoden der Veranstaltungsgestaltung, die von eigenen Erfahrungen abweichen. Innovationsfeindlichkeit und Protektionismus gegen\u00fcber allem Neuen, was sich von der eigenen Erfahrung abhebt, das sind aus meiner Sicht die wahren Bremsen in Deutschland, denn wenn der Kopf nicht will, dann hilft auch die vor die Nase gehaltene Belohnung (Geld) nicht viel weiter.<\/p>\n<p>In der Pressemitteilung ist zu lesen: &#8222;Das Potential, das qualifizierte Frauen f\u00fcr die Innovationsf\u00e4higkeit eines Landes bieten, wird in Deutschland zu wenig ausgesch\u00f6pft.&#8220; Aus meiner Sicht sollte man zun\u00e4chst erstmal die gesellschaftliche Akzeptanz von Frauen als Innovatorinnen anheben und zugleich die Ver\u00e4nderungsfreudigkeit der Bev\u00f6lkerung aktivieren. Das widerum bedeutet Aufkl\u00e4rung tut not. Aus meiner Sicht wird das politische Mittel der Aufkl\u00e4rung aber dramatisch untersch\u00e4tzt und wenig genutzt. B\u00fcrger die bislang stark auf Autorit\u00e4tskonformit\u00e4t und Rationalismus gesetzt haben, d\u00fcrften eine ideale Zielgruppe sein, f\u00fcr Aufkl\u00e4rungskampagnen, die neue postmoderne Werte betonen. F\u00fcr einen solchen \u00dcbergang w\u00e4re es sicher kein Schaden, auch ein wenig Halt in der Tradition zu suchen, die wir bislangs als rational Orientierte ausser Acht lie\u00dfen.<br \/>\n<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;&#8220;rationale, autorit\u00e4tskonforme B\u00fcrger&#8220; (neben &#8222;Wettbewerb&#8220; und &#8222;Finanzierung&#8220;), zumindest wenn man der neusten Studie des DIW Glauben schenkt.. Wie in einer Pressemitteilung des DIW Berlin (siehe auch heise.de) zu lesen ist, zeigt der in einer neuen Studie erstellte Innovationsindikator f\u00fcr Deutschland ein sehr differenziertes Bild. Das DIW fasst die Ergebnisse zusammen mit der Schlagzeile: &#8222;Innovationsf\u00e4higkeit: Deutschland &hellip; <a href=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/?p=79\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDeutschlands Innovationsbremse hei\u00dft &#8222;Bildung&#8220; und&#8230;\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,9,2],"tags":[],"class_list":["post-79","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-advocatus-diaboli","category-studien","category-gefunden"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=79"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=79"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=79"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=79"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}