{"id":595,"date":"2008-11-22T20:06:08","date_gmt":"2008-11-22T19:06:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.thetawelle.de\/?p=595"},"modified":"2009-10-02T22:35:45","modified_gmt":"2009-10-02T21:35:45","slug":"die-dna-der-digitalen-erlosungslehre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.thetawelle.de\/?p=595","title":{"rendered":"Die DNA der digitalen Erl\u00f6sungslehre"},"content":{"rendered":"<p><img src='\/wp-upload\/susanne_gaschke.png' alt='susanne_gaschke.png' class=\"alignright\" \/>So lautet etwas abgewandelt  der Titel eines Artikel in  <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\" style=\"letter-spacing:0.1em;\"><strong>DIE ZEIT<\/strong><\/a> (Nr. 48 vom 20. November 2008), geschrieben von <strong><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Susanne_Gaschke\">Susanne Gaschke<\/a><\/strong>. Im Original hei\u00dft der Titel exakt <em>&#8222;Die digitale Erl\u00f6sungslehre: Das Internet formuliert die neue Verhei\u00dfung des Kapitalismus: Grenzenloses Wissen, f\u00fcr alle gratis? Lasst euch nicht verf\u00fchren!&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p>Gaschke schreibt federf\u00fchrend regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber Themen die den gesellschaftlichen Wandel (einige <strong>Video-Interviews<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/video\/player?videoID=200711139237cf\">Wochenendarbeit in Deutschland<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/video\/player?videoID=20080305c13713\">Frauenquote in Aufsichtsr\u00e4ten der Unternehmen in Norwegen<\/a>) betreffen und die sozialen Zusammenh\u00e4nge. So hat sie z.B. Beitr\u00e4ge und B\u00fccher ver\u00f6ffentlicht mit dem Schwerpunkt Familie und Kinder unter folgenden Titeln:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/portal.d-nb.de\/opac.htm?method=showFullRecord&#038;currentResultId=1081658694&#038;currentPosition=0\">Powerpaare : mit Kindern sind wir st\u00e4rker<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/portal.d-nb.de\/opac.htm?method=showFullRecord&#038;currentResultId=1081658694&#038;currentPosition=1\">Die Emanzipationsfalle : Karriere oder Kinder?<\/a> ; warum wir neue Rollenbilder brauchen<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/portal.d-nb.de\/opac.htm?method=showFullRecord&#038;currentResultId=1081658694&#038;currentPosition=2\">Das kinderlose Land : wie die Demographie unser Leben ver\u00e4ndert<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/portal.d-nb.de\/opac.htm?method=showFullRecord&#038;currentResultId=1081658694&#038;currentPosition=6\">Die Erziehungskatastrophe : Kinder brauchen starke Eltern<\/a> <em>und<\/em> <\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/portal.d-nb.de\/opac.htm?method=showFullRecord&#038;currentResultId=1081658694&#038;currentPosition=15\">Die Zeit Kinder-Edition : die sch\u00f6nsten B\u00fccher zum Vorlesen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>In der aktuellen ZEIT-Ausgabe hat sie sich den digitalen Wandel einmal kritischer vorgenommen. Der Artikel auf Seite 3 der ZEIT, d\u00fcrfte bei  den so genannten <strong>&#8222;Digital Na(t)ives&#8220; zu 99 Prozent am Wahrnehmungsradar vorbei<\/strong> gehen, denn diese verabscheuen ja nach eigenen Angaben Medien auf Papier, und den Artikel gibt es derzeit nicht im Internet zu lesen. Gaschke spricht viele Kritikpunkte an, die man an dem aktuellen Fortschrittsdenken unter dem Label &#8222;Digital Natives&#8220; sehr gut festmachen kann (F\u00fcr mich ein Grund, meine diesbez\u00fcglich kritischen und thematisch passenden Artikel dieses Blogs &#8211; z.B. <a href=\"http:\/\/www.thetawelle.de\/?p=505\">&#8222;Ich bin kein Digital Native&#8220;<\/a> &#8211; in eine weitere Kategorie einzuordnen <a href=\"http:\/\/weblog.histnet.ch\/archives\/643\">&#8222;Digital Naives&#8220;<\/a> &#8211; das &#8222;t&#8220; ist nicht vergessen worden.).<\/p>\n<p><em>Ihre Kritik stellt Gaschke u.a. auf folgende S\u00e4ulen:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>Die weitgehend <strong>kritiklose \u00dcberh\u00f6hung des Internet als Heilsbringer<\/strong> ist das neue Heilsversprechen unserer Gesellschaftsordnung und gekoppelt an eine Technologie ohne Pr\u00e4zedenzfall: an die Digitalisierung der Welt, an die Ausbreitung des Internets als Weg zu Wissen und Wohlstand f\u00fcr alle.<\/li>\n<li>Trotz all den Angeboten des Internet, die <strong>Information unter unseren Fingerspitzen muss immer noch m\u00fchsam gelesen, bedacht und verstanden werden<\/strong>, bevor aus ihr tats\u00e4chlich das Wissen wird, von dem mit dem Schlagwort &#8222;Wissensgesellschaft&#8220; immer die Rede ist.<\/li>\n<li>Der <strong>Umgang mit dem Rechner wird zur vierten Kulturtechnik<\/strong> \u00fcberh\u00f6ht, twittern, bloggen, skypen und podcasten tritt also gleichberechtigt neben Lesen, Schreiben und Rechnen.<\/li>\n<li>All das ist aus Gaschkes Sicht ein <strong>quasireligi\u00f6ses Heilsversprechen<\/strong>, das mit soviel wortgewaltiger Rhetorik eines &#8222;Glaubens&#8220; vorgetragen wird, dass Skepsis an diesem Versprechen schnell als kleingeistiger Kulturpessimismus abgetan wird.<\/li>\n<li>Gaschke stellt wichtige Fragen: Wollen wir tats\u00e4chlich so leben, wie es uns von den Digitalisten nahe gelegt wird? Suchen wir wirklich ein technisches Heim f\u00fcr unser Bewusstsein? <strong>Bindet nicht das Netz soziale Energie in virtuellen Pseudogemeinschaften:<\/strong> Energie, die im <em>real life<\/em> dringen f\u00fcr echte Politik gebraucht w\u00fcrde? Nutzen die Nutzer die gewaltigen wissenschaftlichen und politischen Informationsm\u00f6glichkeiten des Internets \u00fcberhaupt &#8212; oder verschwenden sie ihre Zeit mit kommerzgesteuerten Unterhaltungsthemen?<\/li>\n<li>Gaschke fragt zu Recht: Was sind die schillernden Versprechen wert? <strong>Lernen Menschen durch die neue Technik mehr als zuvor<\/strong>, verstehen sie unsere Gesellschaft besser, sind sie urteilsf\u00e4higer, sind sie politischer &#8212; oder k\u00f6nnen sie sich wenigstens besser konzentrieren? <a href=\"http:\/\/www.thetawelle.de\/?p=481\">Oder macht Google sie eben doch doof?<\/a><\/li>\n<li>Gaschke nimmt Bezug auf Meinungsforscherin <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Renate_K%C3%B6cher\">Renate K\u00f6cher<\/a> vom <a href=\"http:\/\/www.ifd-allensbach.de\/\">Institut f\u00fcr Demoskopie Allensbach<\/a>: Als Medium zur Information wird das Internet offenbar nur am Rande genutzt. Kommunikation via Chatten, E-mail und Instant Messaging steht im Vordergrund. Doch eine Gesellschaft, die auf <strong>kontinuierliche Information und Urteilsbildung<\/strong> verzichtet, wird spontaner, in der Urteilsbildung beweglicher, sogar sprunghafter und anf\u00e4lliger f\u00fcr Manipulation.<\/li>\n<li>Vor allem aber entlarvt Gaschke, dass sich Heilsversprecher der Bewegung des &#8222;Digitalismus&#8220; ungeniert der Jugend bedienen und diese f\u00fcr ihr Ansinnen instrumentalisieren. <strong>Die Energie des jugendlichen Sturm und Drang-Verhaltens wird vor den Karren gespannt<\/strong>, und Erwachsene m\u00fcssen als &#8222;Digital Immigrants&#8220; der so geadelten Jugend die <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/leben\/Was-die-Generation-Internet-ihren-Eltern-voraus-hat\/story\/21246426\">Ehre des &#8222;Digital Natives&#8220;<\/a> erbieten. Jugend wird zur appetitsteigernden Ingredenzie im \u00f6ffentlichkeitswirksam verabreichten Kommunikations-Mix der eigenen quasireligi\u00f6sen Ansichten.<\/li>\n<li>Dieser auch institutionell verankerte und propagierte Digitalismus gibt das Heilsversprechen eines neuen Menschen, einer besseren Gesellschaft und nimmt f\u00fcr sich in Anspruch, <strong>Inbegriff jugendlichen Denkens und Wollens<\/strong> zu sein; er macht sich breit und verschlingt \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit; er blendet die kommerziellen Verwertungsinteressen mancher F\u00fcrsprecher auf geradezu groteske Weise aus; und er hat eine klare Vorstellung von den Gegnern: den Kulturkonservativen, den Bildungsb\u00fcrgern, den Nostalgikern der Buchkultur und jenen Traditionalisten, die meinen, Politik mache man am besten von Angesicht zu Angesicht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Insbesondere der letzte Punkt l\u00e4sst bei mir die industriell verwurzelte <strong><a href=\"http:\/\/www.dnadigital.de\/\">Initiative DNAdigital<\/a><\/strong> als Beispiel dieses Digitalismus vor dem geistigen Auge hell aufleuchten. F\u00fcr <strong>DNAdigital<\/strong> gilt von Beginn an, dass <strong>die Spaltung in &#8222;Digital Immigrant&#8220; und &#8222;Digital Native&#8220; nicht in Frage zu stellen ist.<\/strong> Das erinnert stark an die Fabel von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Farm_der_Tiere\">Der Farm der Tiere<\/a> in der gilt: &#8222;Alles was auf zwei Beinen geht, ist ein Feind.&#8220; \u00dcbertragen gilt also:<br \/>\n<center><\/p>\n<p style=\"font-family:Arial;background-color: #f8f8f8;border-top:1px solid #ddd;border-bottom:1px solid #ddd;color: #777;padding-top:5px;padding-bottom:5px;margin:30px 0;list-style-type: none;list-style-image: none;text-align: center;\">Wer kein &#8222;Digital Immigrant&#8220; sein will, zugleich aber per jugendlicher Definition kein &#8222;Digital Native&#8220; sein oder werden kann, der ist ein &#8222;Digital Ignorant&#8220; und somit jener Kulturkonservative, nostalgische Ketzer der als Feindbild dieses quasireligi\u00f6sen Digitalismus ausgemacht wurde.\n<\/p>\n<p><\/center><br \/>\nWie aber w\u00e4re es, wenn man einfach Gaschkes Aufruf folgte und <strong>&#8222;Technologie einfach nutzen k\u00f6nnte ohne sie und ihre Heilsversprecher gleich anbeten zu m\u00fcssen?&#8220;<\/strong> Wie w\u00e4re es, wenn die Firma Apple eben Respekt vor der Kulturleistung des Buches zeigt und eben nicht behauptet, dass ein Apple Rechner\/&#8220;MacBook&#8220; das einzig wahre Buch ist was man zum Lernen braucht? Wie w\u00e4re es Respekt zu zeigen und Demut vor der Kultur? Wie w\u00e4re es, wenn man nicht versuchen w\u00fcrde die Welt in schwarz und wei\u00df, &#8222;Native&#8220; und &#8222;Immigrant&#8220; zu teilen? Vor allem aber: Wie w\u00e4re es, wenn man die Generationen miteinander und nicht wie <strong>Ren\u00e9 Scheppler<\/strong> schreibt <a href=\"http:\/\/www.blog.initiatived21.de\/?p=1891\">&#8222;Generation X (Anmk.: bzw. YPS) vs. Generation Internet?&#8220;<\/a> im Kampf gegeneinander antreten lie\u00dfe?<\/p>\n<p><strong>Update 25.11.2008<\/strong><br \/>\nDer<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2008\/48\/Cyberspace\"> Artikel in digitaler Version bei der ZEIT ONLINE<\/a>. (thx an icke)<\/p>\n<p><small><strong>Why do I blog this?<\/strong> Ich habe eine ganze Weile die Initiative DNAdigital verfolgt und wie dort miteinander umgegangen wird. Mich hat erschreckt, zu wie wenig Selbstkritik man dort f\u00e4hig ist. Vor allem aber hat mich erschreckt, <a href=\"http:\/\/www.dnadigital.de\/networks\/blog\/post.willms:7#comments\">wie wenig man \u00fcber das eigene Tun im Namen des Digitalismus reflektiert<\/a>. Gaschkes Artikel f\u00fchrt mir vor Augen, dass ich es eigentlich mit einer Art von Fanatismus zu tun gehabt habe, weshalb ich den nur noch marginal konstruktiven Dialog mit DNAdigital auch irgendwann abgebrochen habe. Mich hat das Ganze erinnert an ein Zitat von Winston Churchill: <em>&#8222;A fanatic is one who can&#8217;t change his mind and won&#8217;t change the subject.&#8220;<\/em><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So lautet etwas abgewandelt der Titel eines Artikel in DIE ZEIT (Nr. 48 vom 20. November 2008), geschrieben von Susanne Gaschke. Im Original hei\u00dft der Titel exakt &#8222;Die digitale Erl\u00f6sungslehre: Das Internet formuliert die neue Verhei\u00dfung des Kapitalismus: Grenzenloses Wissen, f\u00fcr alle gratis? Lasst euch nicht verf\u00fchren!&#8220;. Gaschke schreibt federf\u00fchrend regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber Themen die den &hellip; <a href=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/?p=595\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDie DNA der digitalen Erl\u00f6sungslehre\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,3,30],"tags":[],"class_list":["post-595","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-advocatus-diaboli","category-literatur","category-digital-naives"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/595","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=595"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/595\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=595"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=595"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=595"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}