{"id":4764,"date":"2015-05-25T12:52:16","date_gmt":"2015-05-25T11:52:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.thetawelle.de\/?p=4764"},"modified":"2016-03-23T11:43:29","modified_gmt":"2016-03-23T10:43:29","slug":"bedingungsloses-grundeinkommen-bge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.thetawelle.de\/?p=4764","title":{"rendered":"Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist ein sozialpolitisches Finanztransferkonzept, nach dem jeder B\u00fcrger \u2013 unabh\u00e4ngig von seiner wirtschaftlichen Lage \u2013 eine gesetzlich festgelegte und f\u00fcr jeden gleiche \u2013 vom Staat ausgezahlte \u2013 finanzielle Zuwendung erh\u00e4lt, ohne daf\u00fcr eine Gegenleistung erbringen zu m\u00fcssen (Transferleistung). Es wird in Finanztransfermodellen meist als Finanzleistung diskutiert, die ohne weitere Einkommen oder bedingte Sozialhilfe existenzsichernd w\u00e4re.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle:<\/strong> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bedingungsloses_Grundeinkommen\">Wikipedia Mai, 2015<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-id=\"4772\"  src=\"\/wp-upload\/peira_logo.png\" alt=\"peira_logo\" width=\"368\" height=\"115\" class=\"alignright size-full wp-image-4772\" srcset=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/peira_logo.png 368w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/peira_logo-300x94.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 368px) 85vw, 368px\" \/>Hier eine Aufzeichnung einer wahnsinnig guten Diskussion zu dem Thema veranstaltet von der <a href=\"https:\/\/www.peira.org\/\">Peira &#8211; Gesellschaft f\u00fcr politisches Wagnis e.V.<\/a>. Eine weitere Veranstaltung dazu <a href=\"https:\/\/www.peira.org\/matinee-das-bedingungslose-grundeinkommen-mehr-als-ein-traum-von-einer-welt-ohne-existenznoete\/\">ist hier<\/a> zu finden. Eine <a href=\"https:\/\/www.peira.org\/veranstaltungen\/\"><strong>ganze Veranstaltungsliste<\/strong><\/a> gibt es auch.<\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" width=\"550\" height=\"335\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/cs_AxUa8GLY\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/><small><strong>17. Mai 2015:<\/strong> Das BGE aus der Sicht von Kulturschaffenden<\/small><\/center><\/p>\n<p>Hier eine Grafik, die hervorragend zeigt, was wir derzeit an gesellschaftlichem Schaden mit einem <strong>bedingten Grundeinkommen<\/strong> anrichten.<\/p>\n<p><center><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-id=\"4767\"  src=\"\/wp-upload\/finanzierbar_550.png\" alt=\"Faktisch schon da\" width=\"550\" height=\"373\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4767\" srcset=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/finanzierbar_550.png 550w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/finanzierbar_550-300x203.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 85vw, 550px\" \/><br \/><small>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.buergerinitiative-grundeinkommen.de\/\">www.buergerinitiative-grundeinkommen.de<\/a><\/small><\/center><\/p>\n<h3>Interessante Personen<\/h3>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adrienne_Goehler\">Adrienne Goehler<\/a>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Martin_Haase\">Martin Haase<\/a><br \/><strong>Podcast<\/strong> <a href=\"https:\/\/klabautercast.de\/2012\/07\/06\/folge-94-betreuungsgeld-und-grundeinkommen\">&#8222;Folge 94: Betreuungsgeld und Grundeinkommen&#8220;<\/a>\n<li><a href=\"http:\/\/grundeinkommenimbundestag.blogspot.de\/\">Susanne Wiest<\/a>\n<\/ul>\n<h3>Interessante Fragen<\/h3>\n<ol>\n<li>Brauchen wir eine <strong>Arbeitspflicht<\/strong> noch?\n<li>Ist Grundeinkommen nicht eine <strong>singular-referenzielle Gr\u00f6\u00dfe<\/strong> die au\u00dfer Acht l\u00e4sst, dass ein Geldwert (oft 1000\u20ac) \u00fcberhaupt nichts mit der Kaufkraft zu tun hat?\n<li>Brauchen wir nicht eine <strong>gesicherte Kaufkraft<\/strong> zwecks Selbstversorgung-durch-Kaufen, um einer Arbeit nachgehen zu k\u00f6nnen?\n<li>An was w\u00fcrdest du arbeiten, wenn deine Kaufkraft zur <strong>Selbstversorgung gesichert<\/strong> w\u00e4re?\n<li><em>&#8230;to be continued.<\/em>\n<\/ol>\n<p><center><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-id=\"4785\"  src=\"\/wp-upload\/abbiegen-zum-bge_550.png\" alt=\"abbiegen-zum-bge_550\" width=\"550\" height=\"357\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4785\" srcset=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/abbiegen-zum-bge_550.png 550w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/abbiegen-zum-bge_550-300x195.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 85vw, 550px\" \/><\/center><\/p>\n<h3>Meine Kritik<\/h3>\n<ul>\n<li>Wenn man \u00fcber <strong>Geldbetr\u00e4ge<\/strong> spricht ist man auf dem Holzweg, denn ein Geldbetrag ist schnell ge\u00e4ndert und kann prinzipiell das Einkommen auch auf Null setzen (<strong>reale Kaufkraft<\/strong> ist etwas anderes!)\n<li>Wichtig ist aus meiner Sicht das <strong>gesicherte wirtschaftliche Selbstversorgungspotenzial<\/strong> einer Person, also selber Lebensmittel, Dienstleistungen, Miete etc. bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen.\n<\/ul>\n<h3>Work-Life-Balance<\/h3>\n<p>Passend dazu ein Artikel mit \u00dcberschrift <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2015\/jun\/09\/aspirational-parents-children-elite\">&#8222;Work-life balance: Aspirational parents condemn their children to a desperate, joyless life&#8220;<\/a> von <strong><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/George_Monbiot\">George Monbiot<\/a><\/strong>.<\/p>\n<p><center><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-id=\"4963\"  src=\"\/wp-upload\/hamsterrad.png\" alt=\"hamsterrad\" width=\"550\" height=\"330\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4963\" srcset=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/hamsterrad.png 550w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/hamsterrad-300x180.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 85vw, 550px\" \/><\/center><\/p>\n<blockquote><p>Finish your homework, pass your exams, spend your 20s avoiding daylight, and you too could live like the elite. But who in their right mind would want to?<\/p><\/blockquote>\n<h3>Kindeswohl durch mehr Besch\u00e4ftigung?!<\/h3>\n<p><strong>Reiner Stadler<\/strong> in einem <a href=\"http:\/\/www.mdr.de\/mdr-figaro\/podcast\/feature\/audio1185028.html\">Beitrag vom 6.6.2015<\/a> <strong>&#8222;Vater, Mutter, Staat&#8220;<\/strong> im MDR Kulturradio. (<a href=\"\/wp-upload\/mdr_kulturradio_6_6_2015_reiner_stadler.mp3\">Depublizierungsschutz mp3<\/a>)<\/p>\n<p><audio controls><source src=\"\/wp-upload\/mdr_kulturradio_6_6_2015_reiner_stadler.mp3\" type=\"audio\/mpeg\">Your browser does not support the audio element.<\/audio><\/p>\n<blockquote><p>Der Ausbau der Kita-Pl\u00e4tze soll jungen Familien helfen. Aber ist das wirklich so? Rainer Stadler, Journalist und Vater, wendet sich gegen den Trend zur Ganztagsbetreuung.<\/p><\/blockquote>\n<h3>Die Grauen Herren von der Zeitsparkasse<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-id=\"4971\"  src=\"\/wp-upload\/zeitgenossen021-150x150.jpg\" alt=\"zeitgenossen021-150x150\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignright size-full wp-image-4971\" \/>\u00dcber Twitter hab ich einen neuen Podcast kennengelernt, die <strong><a href=\"http:\/\/zeitgenossen-podcast.de\/\">Zeitgenossen<\/a><\/strong>.<\/p>\n<p>Die machen grade eine <a href=\"http:\/\/zeitgenossen-podcast.de\/zeitgenossen-folge-21-ende-momo-repetitorium\/\">Podcast-Betrachtung in Folge 21<\/a> eines meiner Lieblingsb\u00fccher: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Momo_(Roman)\">Momo<\/a> von <a href=\"http:\/\/www.michaelende.de\/\">Michael Ende<\/a>.<\/p>\n<p>Als ich den Podcast fand hab ich erstmal nach dem Buch gesucht. Ich suche immer nach dem Buch&#8230; auch k\u00fcrzlich hab ich danach gesucht, in den Kisten auf dem Dachboden&#8230; im B\u00fccherregal, in Kisten in der Abstellkammer. Ich hab es nicht gefunden. <strong>*seufz*<\/strong> Dabei wei\u00df ich genau wie es aussieht, n\u00e4mlich so:<\/p>\n<p><a href=\"\/wp-upload\/Momo_Buch.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-id=\"4973\"  src=\"\/wp-upload\/Momo_Buch_250.png\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"365\" class=\"alignleft size-full wp-image-4973\" srcset=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/Momo_Buch_250.png 250w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/Momo_Buch_250-205x300.png 205w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 85vw, 250px\" \/><\/a>Das Buch mit dem bezeichnenden Untertitel <strong>&#8222;Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zur\u00fcckbrachte.&#8220;<\/strong> ist aktueller denn je, denn es greift meiner Ansicht nach den Zustand unserer Gesellschaft so pr\u00e4zise auf wie kein zweites.<\/p>\n<p>Das Auffinden des Podcast h\u00e4ngt mit dem zuvor weiter oben eingef\u00fcgten Beitrag des MDR Kulturradio zusammen, in dem es um das Abgeben der Kinder in Einrichtungen zur &#8222;Betreuung&#8220; geht um Zeit zu sparen und Zeit f\u00fcr die Berufst\u00e4tigkeit zu schaffen.<\/p>\n<p>Angeregt durch diesen Beitrag fielen mir wieder die Interviews mit Michael Ende ein die ich mal dokumentiert sah und hier mal im Vollzitat gegen Depublizierung sichere:<\/p>\n<blockquote><p>\n<P><\/p>\n<h2>Michael Endes letzte Worte an die Japaner<\/h2>\n<p><\/P><\/p>\n<p><P>Am 4. Mai 1999 wurde im japanischen Fernsehen NHK (<I>Nihon<br \/>\nH&ocirc;s&ocirc; Ky&ocirc;kai<\/I>) der Dokumentarfilm \u00bb<I>Ende no yuigon<\/I>\u00ab &#8211; &#8222;Endes letzte Worte&#8220; ausgestrahlt. Das Programm stiess bei den Zuschauern auf grosses Interesse und wurde seither bereits dreimal wiederholt. Der Film beginnt mit Ausschnitten aus einem Interview, das Michael Ende dem japanischen Fernsehen im Februar 1994 gegeben hatte. In seinen letzten Lebensjahren hatte sich Ende sehr intensiv<br \/>\nmit Fragen der Wirtschaft und des Geldsystems auseinandergesetzt. Sein Meisterwerk &#8222;Momo&#8220; enth\u00e4lt zahlreiche Andeutungen zu diesen Themen. Dem Volkswirtschaftler Werner Onken fielen diese Anspielungen auf und er sprach ihn darauf an. Im seinem Antwortbrief best\u00e4tigte Ende diese Vermutungen: <\/P><br \/>\n<P STYLE=\"margin-left: 1.2cm; margin-bottom: 0cm\">&#8222;\u00dcbrigens<br \/>\nsind Sie bis jetzt der erste, der bemerkt hat, dass die Idee des alternden Geldes im Hintergrund meines Buches MOMO steht. Gerade mit diesen Gedanken von Steiner und Gesell habe ich mich in den letzten Jahren intensiver besch\u00e4ftigt, da ich zu der Ansicht gelangt bin, dass unsere ganze Kulturfrage nicht gel\u00f6st werden kann, ohne dass zugleich oder vorher sogar die Geldfrage gel\u00f6st wird.&#8220;(1)<\/P><br \/>\n<P>Dieses Thema beherrschte auch das Gespr\u00e4ch mit den Fernsehleuten aus Japan. \u00dcber zwei Stunden sprach er \u00fcber die Dinge, die ihm so sehr am Herzen lagen und das japanische Fernsehteam h\u00f6rte mit grossem Interesse zu. Das Gespr\u00e4ch lieferte die Anregung zu einer Fernsehreihe \u00fcber das Thema unter der Mitarbeit von Michael Ende. Leider kam es dann nicht mehr dazu, da Michael Ende im August 1995 verstarb. Das Fernsehteam nahm die Anregung dennoch auf. In Endes hinterlassenen B\u00fcchern fanden sich viele Werke zum Thema Geld und Wirtschaft. Das Interview und die B\u00fccher boten dann das Grundmaterial f\u00fcr die Fernsehdokumentation &#8222;Endes letzte Worte&#8220;.<\/P><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-id=\"4974\"  src=\"\/wp-upload\/Ende_no_yuigon.jpg\" alt=\"Ende_no_yuigon\" width=\"253\" height=\"360\" class=\"alignleft size-full wp-image-4974\" srcset=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/Ende_no_yuigon.jpg 253w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/Ende_no_yuigon-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 253px) 85vw, 253px\" \/><P>Michael Ende liebte Japan, seine Menschen, seine Kultur. Und die Japaner lieben ihn. In keinem anderen Land, ausserhalb Deutschlands, wurde sein Werk so umfassend aufgenommen und erreichte so hohe Auflagen.<br \/>\nAus Gespr\u00e4chen, die er mit japanischen K\u00fcnstlern und<br \/>\nWissenschaftlern gef\u00fchrt hatte, entstanden B\u00fccher, die es auf Deutsch nicht gibt. Und so kommt es, dass seine Vorstellungen \u00fcber Geldsystem und Wirtschaft und deren innerer Zusammenhang mit der Kultur in Japan besser bekannt sind als hierzulande. Auf den ersten Blick scheint es Gemeinsamkeiten zu geben zwischen Deutschland und Japan: beide verf\u00fcgen \u00fcber eine alte, gewachsene Kultur und beide<br \/>\ngeh\u00f6ren sie zu den industriell fortgeschrittensten L\u00e4ndern. Diese Voraussetzungen m\u00f6gen Ende bewogen haben, seine Vorschl\u00e4ge an Japan zu richten. Die wirtschaftlich m\u00e4chtigsten L\u00e4nder h\u00e4tten der Welt gegen\u00fcber eine Pflicht zu erf\u00fcllen, so meinte er, und daraus entstand die Idee, in Tokyo eine Konferenz einzuberufen, bei der Unternehmer und Wirtschaftler eine Organisation bilden, die das kapitalistische Wirtschaftssystem von Grund auf neu durchleuchtet. Der Beitrag der reichen L\u00e4nder im internationalen Rahmen solle nicht darin bestehen, Geld an die armen L\u00e4nder zu verteilen, sondern in der Verwirklichung kluger Unternehmen.<\/P><\/p>\n<p><P>Wie kommt nun ein Autor wie Michael Ende, der f\u00fcr den Reichtum der Phantasie in seinen Geschichten geliebt und bewundert wird, dazu, sich auf das knallharte Parkett der Realit\u00e4t zu begeben? Vielleicht sind Vorstellung und Wirklichkeit gar keine so unvers\u00f6hnlichen Gegens\u00e4tze, wie uns unsere offizielle Kultur noch immer glauben machen will. Das Reich der Phantasie, das die innere, subjektive Befindlichkeit widerspiegelt und die Welt der objektiven Tatsachen, der \u00e4usseren Bedingungen, stehen in Wechselbeziehung zueinander. \u00c4ussere Gegebenheiten k\u00f6nnen die Phantasie anregen und aus der Vorstellungskraft wiederum k\u00f6nnen neue Tatsachen geschaffen werden. W\u00e4hrend einer Konferenz von Wirtschaftlern und Managern in der Schweiz, zu der Ende eingeladen worden war, las er eine Passage aus einem seiner B\u00fccher und er versuchte dann, das Vorstellungsverm\u00f6gen<br \/>\nseiner Zuh\u00f6rer zu aktivieren. Sie sollten sich vorstellen, wie die Gesellschaft der Zukunft aussehen solle; aber es kam nicht dazu. Die Zuh\u00f6rer sahen nur die Bedingung der Realit\u00e4t, &#8222;Wir brauchen ein j\u00e4hrliches Wirtschaftswachstum von 3%, um \u00fcberleben zu k\u00f6nnen&#8220;, und darin gab es keinen Freiraum mehr f\u00fcr Phantasie.(2)<\/P><\/p>\n<p><P>Um uns Endes Vorstellungswelt zu n\u00e4hern, ist es vielleicht hilfreich zu ergr\u00fcnden, wie er die Tatsachen der Wirklichkeit wahrgenommen hat. In einem \u00e4lteren Interview f\u00fcr eine japanische Fernsehsendung meinte er: <\/P><br \/>\n<P STYLE=\"margin-left: 1.2cm; margin-bottom: 0cm\">&#8222;Wer zahlt, der befiehlt. Da unsere ganze Entwicklung auf technologischen und wissenschaftlichen Gebieten von Wirtschaftsinstituten und von staatlicher Seite f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke bezahlt werden, ist eine ganz bestimmte Art von Naturwissenschaft geschaffen und mit ungeheurer Geschwindigkeit vorangetrieben worden.&#8220;(3)<\/P><br \/>\n<P>Die Ausgaben f\u00fcr milit\u00e4rische R\u00fcstung ergaben sich aus dem Wettbewerb der beiden dominierenden Machtbl\u00f6cke. Und an diesem Punkt erhebt sich die Frage, wieso der &#8218;real existierende Sozialismus&#8216;, der ja eine menschlichere Alternative zum Kapitalismus darstellen  wollte, so kl\u00e4glich versagt hat. Nach Endes Ansicht ist die Marxsche Lehre jedoch keine Alternative zum Kapitalismus, Marx hatte den grundlegenden Fehler des Kapitalismus nicht erkannt und gel\u00f6st.<\/P><br \/>\n<P STYLE=\"margin-left: 1.2cm; margin-bottom: 0cm\">&#8222;Marx hat im Grunde geglaubt, das Problem des Kapitalismus dadurch zu l\u00f6sen, dass anstelle der vielen Privatunternehmer nur ein einziger Unternehmer gesetzt wird, n\u00e4mlich der Staat. Der Hauptfehler von Marx war, dass er den Kapitalismus eigentlich gar nicht \u00e4ndern, sondern nur dem Staat \u00fcbergeben wollte. In den beiden feindlichen Zwillingen der letzten 70 Jahre hatten wir einen Privatkapitalismus und einen Staatskapitalismus. Aber wir hatten keine nichtkapitalistische Wirtschaftsordnung. Marx&#8216; grosses Verdienst bleibt dennoch, dass er Begriffe geschaffen hat, die eine Kritik des Wirtschaftslebens \u00fcberhaupt erm\u00f6glichen.&#8220;<\/P><br \/>\n<P>F\u00fcr Ende ist der Kapitalismus eine Auswirkung der fehlerhaften Struktur des Geldwesens selbst. Diesen grundlegenden Zusammenhang hatte Marx nicht erkannt, so dass es zwischen dem &#8218;real existierenden Sozialismus&#8216; und dem Kapitalismus westlicher Pr\u00e4gung gar keinen so<br \/>\ngrundlegenden Unterschied gegeben hat, auch nicht in den<br \/>\nAuswirkungen:<\/P><br \/>\n<P STYLE=\"margin-left: 1.2cm; margin-bottom: 0cm\">&#8222;Die Opfer unseres Systems sind die V\u00f6lker der Dritten Welt und die<br \/>\nNatur. Sie m\u00fcssen die Rechnung bezahlen. Sie werden r\u00fccksichtslos ausgebeutet, damit das System weiterhin funktioniert. Um das Geld so profitbringend wie m\u00f6glich zu investieren, so dass sich das Kapital vermehrt und w\u00e4chst, m\u00fcssen sie die Rechnung daf\u00fcr<br \/>\nbezahlen, denn nat\u00fcrlich kommt dieses Wachstum nicht aus nichts.&#8220;<\/P><\/p>\n<p><P>Auf seiner Suche nach einer L\u00f6sung, wie die \u00bbTyrannei des Geldes\u00ab beendet werden k\u00f6nne, begegnete Ende vielen Fachleuten &#8211; Politikern, Wissenschaftlern, K\u00fcnstlern, Wirtschaftlern &#8211; und diskutierte mit ihnen. Eine der originellsten Pers\u00f6nlichkeiten unter diesen Experten ist der Schweizer National\u00f6konom Hans Christoph Binswanger. F\u00fcr Binswanger ist das grenzenlose Wirtschaftswachstum Ausdruck der Sehnsucht des Menschen nach Unendlichkeit. Doch diese Sehnsucht hat sich vollst\u00e4ndig auf das Materielle verlagert, wo es nicht erf\u00fcllbar ist. Dahinter steckt, so vermutet er, das Bestreben der mittelalterlichen Alchemie, Blei in Gold zu verwandeln. Das Faust-Drama Goethes ist nach Binswangers Verst\u00e4ndnis eine detaillierte Kritik an den unterschwellig wirkenden, alchemistischen Vorstellungen und eine eindringliche Warnung an die Hybris der modernen Wirtschaft.(4) <\/P><br \/>\n<P STYLE=\"margin-left: 1.2cm; margin-bottom: 0cm\">&#8222;Bei meiner Interpretation ist die Erkenntnis neu, dass Goethe im Faust<br \/>\ndie moderne Wirtschaft als einen alchemistischen Prozess beschreibt und vor den Folgen solchen Tuns eindringlich warnt: vor allem dort, wo von der Schaffung von Gold, von Geld, von den Geldsch\u00f6pfungsexperimenten die Rede ist&#8230; Hier liegt ein wesentlicher Teil von Goethes Faust-Botschaft. Alchemie ist kein mittelalterlicher Aberglaube, sie wird konsequenter denn je praktiziert, sie experimentiert heute mit dem Globus insgesamt, und<br \/>\ndieses alchemistische Grossexperiment heisst \u00bbmoderne Wirtschaft\u00ab&#8230;<BR>Was passiert denn in der Wirtschaft heute? St\u00e4ndig \u00bbw\u00e4chst\u00ab etwas \u00bbzu\u00ab. Merkw\u00fcrdig nur, dass nirgendwo irgendetwas weniger werden soll. Genau das ist Alchemie, die Fortsetzung des Sch\u00f6pfungsprozesses quasi aus dem Nichts.&#8220;(5)<\/P><\/p>\n<p><P>Binswanger sagt, dass die Wirtschaft zu etwas Sakralem, das Geld zu etwas Transzendentem geworden sei, es verdirbt nicht, es kann nicht verbraucht werden, denn es l\u00e4uft ja nur um. Es verfault nicht, es rostet nicht &#8211; es ist dem Gold gleich. &#8222;So ist das, was wir beim<br \/>\nGeld empfinden, unbewusst zu einer Metapher geworden f\u00fcr<br \/>\nUnsterblichkeit.&#8220; Aber die groteske Selbstvermehrung des Geldes, das Sakrale darin, ist f\u00fcr Ende eine Form von Schwarzer Magie. <\/P><br \/>\n<P STYLE=\"margin-left: 1.2cm; margin-bottom: 0cm\">&#8222;In<br \/>\nden alten Kulturst\u00e4tten der Welt stand im Mittelpunkt der Tempel, die Kirche oder der Dom. Von dort ging die Ordnung des Lebens aus. Heute steht im Mittelpunkt jeder Grossstadt das Bankgeb\u00e4ude. In meinem \u00bbRattenf\u00e4nger\u00ab habe ich versucht, dies als eine Art<br \/>\nD\u00e4monenkult zu schildern, wo das Geld wie etwas Heiliges angebetet wird. Dort wird sogar <I>expressis verbis<\/I> gesagt, es sei Gott!<BR>Es tut Wunder, denn die Vermehrung des Geldes selbst ist ja ein Wunder. Es ist ja eine wunderbare Geldvermehrung, um die sich&#8217;s da handelt.<br \/>\nEs hat den Charakter des Unverg\u00e4nglichen. Wenn jedoch etwas eine rein menschliche Sch\u00f6pfung ist, dann ist es das Geld.&#8220;<\/P><br \/>\n<P>Schwarze Magie hat es an sich, dass sie selbstzerst\u00f6rerisch ist, dass sie sich letztendlich selbst verzehrt. Im \u00bbRattenf\u00e4nger von Hameln\u00ab,<br \/>\nder alten Legende, die Ende als Grundlage f\u00fcr eine Oper benutzt hat, erscheint der Rattenf\u00e4nger als Retter, der die Kinder aus einer kranken, elenden Gegend, in der die Pest w\u00fctet, in ein neues, gesundes Reich f\u00fchrt. Dies ist m\u00f6glich in der Welt der Phantasie, wie aber soll eine L\u00f6sung in der Realit\u00e4t aussehen. Nun, wenn das<br \/>\nProblem dadurch entsteht, dass das Geld zu einem Symbol f\u00fcr<br \/>\nUnendlichkeit und Unsterblichkeit geworden ist, obwohl es mitten in der endlichen und verg\u00e4nglichen Welt benutzt wird, scheint die L\u00f6sung offensichtlich. Auf dem H\u00f6hepunkt des Gespr\u00e4chs mit dem japanischen Fernsehteam f\u00e4llt nun der Name Silvio Gesell.<\/P><br \/>\n<P STYLE=\"margin-left: 1.2cm; margin-bottom: 0cm\">&#8222;Ich weiss nur, dass es mit Silvio Gesell angefangen hat, der einer der ersten war, die sich den Kopf dar\u00fcber zerbrochen haben. Das war ein<br \/>\nMann der R\u00e4terepublik in Bayern kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Er sagte zum Beispiel: \u00bbGeld muss altern k\u00f6nnen\u00ab. Er sagte, es muss so eingerichtet werden, dass das Geld am Ende des Wirtschaftsprozesses wieder verschwindet.&#8220;<\/P><br \/>\n<P>Er bringt dann zur Veranschaulichung den Vergleich mit dem Blut, das an einer Stelle &#8211; im Knochenmark &#8211; erzeugt wird, dann im K\u00f6rper zirkuliert, alle Organe mit N\u00e4hrstoffen versorgt und zum Schluss altert und ausgeschieden wird.<br \/>\n<\/P><\/p>\n<p><P>Silvio Gesell wurde in einem kleinen Ort nahe der belgischen Grenze geboren, wanderte als junger Mann nach Argentinien aus und gr\u00fcndete dort als Kaufmann ein erfolgreiches Gesch\u00e4ftsunternehmen. Er studierte die<br \/>\nwechselnden Phasen in der Konjunktur der Wirtschaft und fand die Ursachen f\u00fcr krisenhafte Entwicklungen im Geldsystem. Seine Einsichten bildeten die Grundlage f\u00fcr seine Theorie. Als er nach Europa zur\u00fcckkehrte, verfasste er sein umfangreiches Hauptwerk \u00bbDie Nat\u00fcrliche Wirtschaftsordnung\u00ab und versuchte auch hier seine Erkenntnisse weiterzugeben. Aber auch nach der zweiten, noch schlimmeren Katastrophe wurde nicht an der bestehenden Geldordnung ger\u00fchrt. Und da auch heute wieder die wirtschaftliche Situation bedrohliche Ausmasse annimmt, scheinen nach Endes Meinung Massnahmen<br \/>\ndringend geboten.<\/P><br \/>\n<P STYLE=\"margin-left: 1.2cm; margin-bottom: 0cm\">&#8222;Wenn nicht die Vernunft den Menschen dazu bewegt, etwas zu \u00e4ndern, dann<br \/>\nwerden es die Ereignisse sein. <BR>Aber ich glaube, dass es eine Maulschelle sein wird, die die Menschheit bekommt und die ihr noch viele Jahrhunderte in den Ohren klingen wird&#8230;&#8220;<\/P><\/p>\n<p><P>Maulschellen hat die Menschheit im 20. Jahrhundert ja schon einige kr\u00e4ftige erhalten. Und vor jeder Katastrophe, die sich ereignete, gab es Stimmen der Vernunft, die vor der Katastrophe warnten. Gesells Leserbrief an eine Berliner Zeitung stammt aus dem Jahre 1918:<\/P><br \/>\n<P STYLE=\"margin-left: 1.2cm; margin-bottom: 0cm\">&#8222;Trotz der heiligen Versprechen der V\u00f6lker, den Krieg f\u00fcr alle Zeiten zu<br \/>\n\u00e4chten, trotz der Rufe der Millionen: \u00bbNie wieder Krieg\u00ab, entgegen all den Hoffnungen auf eine sch\u00f6nere Zukunft mu\u00df ich sagen: Wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft, beibehalten wird, so wage ich es, heute schon zu behaupten, da\u00df es keine 25 Jahre dauern wird,<br \/>\nbis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen.&#8220;<\/P><br \/>\n<P>In weiteren knappen S\u00e4tzen beschrieb er, was sich bis zu dieser Katastrophe ereignen w\u00fcrde und es traf ein. Gesell war jedoch kein Hellseher. Seine Voraussage war nur eine pr\u00e4zise Darstellung der Konsequenzen, die sich aus der inneren Gesetzm\u00e4ssigkeit des Geldsystems zwangsl\u00e4ufig ergeben mussten. In Phasen sich steigernder Aufregung werden jedoch Stimmen der Vernunft und Besonnenheit immer \u00fcberh\u00f6rt.<\/P><br \/>\n<P>Die Dom\u00e4ne des Schriftstellers Michael Ende ist das Reich der Phantasie, der subjektiven Vorstellungskraft, und diese scheint nichts mit der Realit\u00e4t zu tun zu haben. Aber die sogenannten Realisten, die nur die Notwendigkeit f\u00fcr &#8222;3% Wirtschaftswachstum&#8220; sehen,<br \/>\nstehen m\u00f6glicherweise unter dem Zwang einer inneren Vorstellung von der Wirklichkeit, dessen sie sich nicht bewusst sind. Michael Ende versuchte, die Aufmerksamkeit der Menschen auf diese innere Welt der geistigen Vorstellung zu lenken. Es k\u00f6nnte zu der Einsicht f\u00fchren, dass der Zwang zu &#8222;3% Wirtschaftswachstum&#8220; auch nur eine<br \/>\nAusgeburt der Phantasie, aber einer unbewussten ist.<br \/>\n<\/P><br \/>\n<P STYLE=\"margin-left: 1.2cm; margin-bottom: 0cm\">&#8222;Ich betrachte meine M\u00f6glichkeiten als Schriftsteller, die ja sehr gering<br \/>\nsind, nur unter diesem Gesichtspunkt. Ich versuche Gedanken zu denken, Vorstellungen zu entwickeln, die m\u00f6glicherweise denen helfen k\u00f6nnen, die die Ereignisse \u00fcberstehen und nicht den gleichen Fehler<br \/>\nwieder machen. Es wird sich dann eine Gesellschaft von ganz anderer Art bilden.&#8220;<\/P><br \/>\n<P>Michael Ende \u00fcbersch\u00e4tzt keineswegs seine M\u00f6glichkeiten der Einflussnahme in einer Kultur, in der Phantasie und Realit\u00e4t, Subjekt und Objekt als voneinander getrennte Bereiche betrachtet werden, die scheinbar ohne gegenseitige Beziehung nebeneinander existieren. Aber auch diese Vorstellung ist keineswegs universal und \u00fcberall g\u00fcltig.<\/P><\/p>\n<p><P>Atsunori Kawamura, der Leiter der Dokumentarfilmabteilung &#8222;Group Gendai&#8220;<br \/>\nvon NHK berichtet (6), dass Ende sich trotz seiner Sympathie und Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr Japan und seiner Kultur weit von der heutigen Lebenswirklichkeit der Japaner entfernt f\u00fchlte. Im Japan der Gegenwart wird die Wirtschaft und sogar die Kultur von der Macht der B\u00fcrokratie beherrscht. Was als Neuaufbau der Wirtschaft bezeichnet wird, besteht lediglich in der Investition ungeheurer Summen aus Steuergeldern in die Kapitalorganisation privater Unternehmen. Auch das kulturelle und geistige Schaffen h\u00e4ngt von Subventionen und Autorit\u00e4ten ab, die so die Richtung der Entwicklung beeinflussen. Die demokratisch gew\u00e4hlten Politiker sind meist damit besch\u00e4ftigt, sich in der \u00f6ffentlichkeit zu profilieren, um bei der n\u00e4chsten Wahl wieder gew\u00e4hlt zu werden. Die B\u00fcrokraten, die sich nicht um die W\u00e4hlergunst bem\u00fchen m\u00fcssen, k\u00f6nnen sich ohne Ablenkung auf Sachfragen konzentrieren. Diese B\u00fcrokratie ist sehr effizient, sie trifft ihre Entscheidungen nicht einseitig, sondern in reger Zusammenarbeit mit betroffenen Institutionen. Auf diese Weise entstand ein paternalistisches System, das auf Konsens und Harmonie beruht, aber die B\u00fcrger auf subtile Weise entm\u00fcndigt. Endes Vorstellungen orientieren sich weitgehend an den Theorien Rudolf Steiners von der Dreigestalt der Gesellschaft. Die Grundlage der Demokratie ist die Gleichberechtigung der B\u00fcrger und somit auch die Grundlage f\u00fcr Mehrheitsentscheidungen in \u00f6ffentlichen Angelegenheiten. Im geistigen und kulturellen Leben jedoch gelten andere Theorien, in diesem Bereich z\u00e4hlt die Freiheit am h\u00f6chsten. Was Kunst ist, kann nicht durch Mehrheitsbeschluss oder gar per Dekret bestimmt werden. Der wirtschaftliche Bereich sollte vor allem dem Ideal der Br\u00fcderlichkeit entsprechen. Diese Einteilung der Gesellschaft folgt den Schlagworten der Franz\u00f6sischen Revolution: Freiheit im geistigen, kulturellen Bereich, Gleichheit in der Ausgestaltung der B\u00fcrgerrechte und Br\u00fcderlichkeit bei der Befriedigung der Grundbed\u00fcrfnisse der Menschen.<\/P><\/p>\n<p><P>Es war nicht Japans Fassade, die solche Anziehungskraft auf Michael Ende hatte, es waren wohl subtilere Aspekte der Kultur dieses Landes, die tiefere Schichten bei ihm angesprochen haben. Japan ist in vieler<br \/>\nHinsicht ein ungew\u00f6hnliches Land. Einerseits ist es durch und durch asiatisch, ganz in den Traditionen asiatischer Geistigkeit und Kultur stehend, andererseits hat es sich daraus hervorgehoben und konnte sich nicht nur in der von Wissenschaften dominierten, abendl\u00e4ndischen<br \/>\nZivilisation behaupten, sondern sogar einen der h\u00f6chsten Pl\u00e4tze erobern. Doch die Kultur eines jeden Landes ist wie durch eine Nabelschnur mit seiner Vergangenheit verbunden und auch wenn die \u00e4ussere Fassade dies nicht mehr erkennen l\u00e4sst, sind solche<br \/>\nEinfl\u00fcsse unterschwellig wirksam. \u00dcber 200 Jahre lang war Japan isoliert (1639-1868). Es gab so gut wie keinen Austausch mit dem Rest der Welt. Von den wissenschaftlich-technologischen Fortschritten, die den westlichen L\u00e4ndern die Industrielle Revolution bescherten und<br \/>\nsie unaufhaltsam weitertrieben, blieb Japan v\u00f6llig unbehelligt. In den 200 Jahren der Isolation gab es so gut wie keinen technologischen Fortschritt. Als sich Japan 1868 wieder der \u00fcbrigen Welt \u00f6ffnete, war es ein reines Agrarland. 80% der Bev\u00f6lkerung waren Bauern, der Rest verteilte sich auf die \u00fcbrigen St\u00e4nde: Samurai, Handwerker, Kaufleute. Aber auch wenn nach westlichen Massst\u00e4ben, Japan ein r\u00fcckschrittliches Land gewesen sein mag, trifft dies eben nur im Bereich technologischer Entwicklung zu. Die Japaner sind ein ungemein wissbegieriges, lernfreudiges Volk. Sie nutzten die Zeit des<br \/>\ntechnologischen Stillstands f\u00fcr Bildung und kulturelle Verfeinerung. Es entstanden private Schulen, <I>terakoya <\/I>genannt, die eifrig besucht wurden und f\u00fcr eine hohe Ausbildung breiter Schichten sorgten. Zum Ende der Edo-Zeit 1868 hatten etwa 40% der m\u00e4nnlichen und 20% der weiblichen Bev\u00f6lkerung eine <I>terakoya<br \/>\n<\/I>besucht und konnten Lesen und Schreiben. Im Vergleich dazu hatten zu dieser Zeit in England, dem damals industriell fortgeschrittensten Land, nur etwa 20% der M\u00e4nner und keine Frauen eine Schulbildung genossen. Ein \u00fcberdurchschnittliches Bildungsniveau ist auch heute noch Standard in Japan.<\/P><\/p>\n<p><P>Ganz sicher aber sind unterschiedliche historische Entwicklungen und geistige Wurzeln verantwortlich f\u00fcr die Setzung anderer Akzente im Umgang mit den Dingen der Wirklichkeit. Der amerikanische Japanologe Boye Lafayette De Mente, der viele Jahrzehnte in Japan gelebt hatte, meinte:<\/P><br \/>\n<P STYLE=\"margin-left: 1.2cm; margin-bottom: 0cm\">&#8222;F\u00fcr einen logisch denkenden Menschen des Westens gibt es wahrscheinlich<br \/>\nnichts Irritierenderes als mit Menschen &#8211; umso mehr mit einem ganzen Volk &#8211; zu tun zu haben, die sich nicht in einer \u00bbvern\u00fcnftigen\u00ab Weise verhalten. F\u00fcr westliche Menschen sind Leute, die ihren Gef\u00fchlen erlauben, einen wesentlichen Teil ihres Verhaltens zu bestimmen, suspekt und sie vertrauen ihnen nichts Wichtiges an. Wenn Emotionalit\u00e4t ein ziemlich niedriges Niveau \u00fcbersteigt, betrachten wir es im Westen bereits als krank. [&#8230;]<BR>Vielleicht war es eine Kombination von Shintoismus und Zen-Buddhismus, die die<br \/>\nJapaner bef\u00e4higte, sowohl im Bereich der Gef\u00fchle als des Verstandes zuhause zu sein, wobei das Gef\u00fchl nicht selten den Verstand \u00fcberrollt. Mit dem Zen-Faktor im japanischen Denken haben sie einen betr\u00e4chtlichen Vorteil in der F\u00e4higkeit, zwischen Wirklichkeit und<br \/>\ndem Unwirklichen oder der Phantasie zu unterscheiden. Das Zen-Auge blickt durch die Fassade direkt ins Herz der Dinge.&#8220;(7)<\/P><br \/>\n<P>Hier mag der Schl\u00fcssel liegen f\u00fcr die gegenseitige Anziehungskraft zwischen Michael Ende und den Japanern. Phantasie, das freie Fliessen der Assoziationen ist eine Methode, sich von eintrainierten Denkmustern, von Vorurteilen zu l\u00f6sen, neue Denkm\u00f6glichkeiten zu<br \/>\nergr\u00fcnden. Eintrainierte Denkmuster geben Sicherheit aber sie k\u00f6nnen auch eine Fessel sein, die Dinge so zu sehen, wie sie sein sollen und nicht, wie sie wirklich sind. Phantasie l\u00f6st die festgefahrenen Denk- und Wahrnehmungsmuster auf, aber dies stellt auch eine Bedrohung der Sicherheit dar. Vor dem Hintergrund irrealer Phantasie<br \/>\nkann sich die Realit\u00e4t klarer abheben und gibt neue Sicherheit. Pl\u00f6tzlich werden Feinheiten der Realit\u00e4t wahrnehmbar, die mit den Augen einer voreingestellten Wahrnehmung nicht gesehen werden konnten. Wissenschaft ist die Neugier f\u00fcr das, was \u00bbdie Welt im<br \/>\nInnersten zusammenh\u00e4lt\u00ab, die Erkenntnis von der Beschaffenheit der \u00e4usseren Welt, die nicht Ich ist. Kunst ist die Sehnsucht nach Einheit mit der Welt, die Trennung von Ich und Nicht-Ich aufzuheben. Der Wissenschaftler, dessen Blick auf die \u00e4ussere Wirklichkeit gerichtet ist, k\u00e4mpft mit den T\u00fccken seiner subjektiven Befindlichkeit, seinen Stimmungen und Launen, die die klare Wahrnehmung zu st\u00f6ren scheinen. Der K\u00fcnstler k\u00e4mpft mit den T\u00fccken des \u00e4usseren Objekts, die dem Ausdruck seiner inneren Phantasie zu<br \/>\nwiderstehen scheint. Beide, Wissenschaftler und K\u00fcnstler, wenn sie sich redlich um Verfeinerung ihrer Methoden bem\u00fchen, werden sich schliesslich begegnen.<br \/>\n<\/P><\/p>\n<p><P>Beide Bereiche, Wissenschaft und Kunst, sind die beiden Seiten des Ganzen. Es ist wohl kein Geheimnis mehr, dass der wissenschaftliche Weg, \u00fcberwiegend der Weg des Westens war und der k\u00fcnstlerische Weg, der des Ostens. Japan, eine Kultur des Ostens und von daher eher der Kunst zugeneigt, hat sich sehr erfolgreich mit den Errungenschaften des Westens auseinandergesetzt und gleichzeitig gezeigt, wie wertvoll dabei die Errungenschaften des Ostens sind. In einer Welt, die durch<br \/>\nKommunikationstechnologien immer kleiner wird und die Menschen sich immer n\u00e4her kommen, muss ein Weg gefunden werden, wie die beiden Bereiche von Kunst und Wissenschaft gleichberechtigt zusammengef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Dies ist die Kulturfrage, von der Ende zu Anfang sprach, und die seiner Ansicht nach nicht gel\u00f6st werden kann, wenn<br \/>\nnicht gleichzeitig oder besser schon vorher die Geldfrage gel\u00f6st wird.<\/P><\/p>\n<hr>\n<p><strong>Anmerkungen:<\/strong><br \/>\n<small> Soweit nicht anders vermerkt, sind alle Zitate von Michael Ende Transkripte von dem japanischen Video &#8222;<I>Ende no yuigon&#8220;<\/I>, die f\u00fcr die schriftliche Wiedergabe leicht redigiert wurden.<\/p>\n<ol>\n<li>Aus einem pers\u00f6nlichen Brief von Michael Ende an Werner Onken<\/li>\n<li>Anekdote aus &#8222;Phantasie, Kultur, Politik&#8220;, 1982; s.a. Yasuyuki Hirota, &#8222;Michael Endes Sicht der \u00f6konomie&#8220;<\/li>\n<li>Aus demNHK-Programm &#8222;Einstein Roman 6: Ende&#8217;s Civilization Desert&#8220;, 1991<\/li>\n<li>Hans Christoph Binswanger, &#8222;Geld und Magie. Deutung und Kritik der modernen Wirtschaft.&#8220; Edition Weitbrecht, Stuttgart 1985<\/li>\n<li>Aus einem Interview mit der Zeitschrift <I>esotera<\/I>, 12\/1988<\/li>\n<li>In einem Beitrag von Atsunori Kawamura aus dem Buch &#8222;Ende no yuigon&#8220;, NHK-Shuppansha, Tokyo 2000<\/li>\n<li>Boye Lafayette De Mente, &#8222;NTC&#8217;s Dictionary of Japan&#8217;s Cultural Code Words&#8220;, National Textbook Company, Lincolnwood, Ill., USA, 1994<\/li>\n<\/ol>\n<p>Mein besonderer Dank gilt Frau Junko Murayama (NHK) und Herrn Eiichi Morino (Gesell Research Society Japan), ohne deren freundliche Unterst\u00fctzung dieser Aufsatz nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re.<\/small>\n<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Robert Mittelstaedt, Webseite <a href=\"http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/~roehrigw\/mittelstaedt\/japan-money\/Ende_kinenshu.html\">http:\/\/userpage.fu-berlin.de\/~roehrigw\/mittelstaedt\/japan-money\/Ende_kinenshu.html<\/a> (als <a href=\"\/wp-upload\/Endes_Last_Words_to_the_Japanese.pdf\">englisches PDF<\/a>)<\/p>\n<p>Sehr empfehlenswert die <strong>Dokumentation zu 40 Jahre Momo<\/strong> von <a href=\"http:\/\/40jahremomo.de\/40-jahre-momo\/\">Oliver Sachs, Hanni Welter und Masayo Oda<\/a>.<\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" width=\"550\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/FNUZiJ80sgI\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/><strong>Quelle:<\/strong> youtube, SAT 1,  (Depublizierungsschutz<span style=\"display:none;\"><a href=\"\/wp-upload\/Michael_Ende_40_Jahre_Momo.mp4\">mp4<\/a><\/span>)<\/center><\/p>\n<p>Ebenfalls sehenswert, ein <strong>Interview<\/strong>: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gTz72DJtrF0\">&#8222;Michael Ende 1990 Bei Fuchsberger ganzes Interview&#8220;<\/a>.<\/p>\n<h2> Arbeit und Mu\u00dfe. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr den Abschied vom Arbeitskult<\/h2>\n<p>Ein Gespr\u00e4ch mit Prof. Dr. Hans-J\u00fcrgen Arlt, Publizist und Kommunikationswissenschaftler, Universit\u00e4t der K\u00fcnste und Prof. Dr. Rainer Zech, Sozialwissenschaftler und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der ArtSet Forschung Bildung Beratung GmbH, fand am 20. M\u00e4rz 2016, im Cum Laude das Restaurant, Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin statt im Rahmen der <a href=\"https:\/\/www.peira.org\/arbeit-und-musse-ein-plaedoyer-fuer-den-abschied-vom-arbeitskult\/\">PEIRA Reihe<\/a>.<\/p>\n<p>Erschienen ist zu dem Thema auch eine Ver\u00f6ffentlichung der beiden Professoren mit gleichnamigem Titel:<br \/>\n<center><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-id=\"5192\"  src=\"\/wp-upload\/arbeit_musse.png\" alt=\"arbeit_musse\" width=\"550\" height=\"315\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5192\" srcset=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/arbeit_musse.png 550w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/arbeit_musse-300x172.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 85vw, 550px\" \/><\/center><br \/>\n<small><a href=\"https:\/\/www.springer.com\/de\/book\/9783658088996\">Titel im Springer Verlag<\/a><\/small><\/p>\n<blockquote><p>\u201eMu\u00dfe, nicht Arbeit, ist das Ziel des Menschen.\u201c so Oscar Wilde in seinem leider viel zu unbekannten Essay \u201eDer Sozialismus und die Seele des Menschen\u201c aus dem Jahr 1891. Doch von diesem Ziel haben sich diejenigen, die immer vorgaben, die Interessen der Arbeiterinnen und Arbeiter zu vertreten, kaum leiten lassen. Selbst jetzt in Zeiten von Industrie 4.0, der beginnenden Epoche der abnehmenden Arbeit durch die digitale Transformationen in allen gesellschaftlichen Bereichen, erheben Gewerkschafter und Sozialdemokraten weiterhin die Forderung auf ein Recht auf Arbeit. Dies ist kein Fortschritt und nicht menschenw\u00fcrdig: Es ist daher an der Zeit ein \u201eRecht auf Arbeitslosigkeit\u201c nicht nur zu denken, sondern auch gesellschaftlich durchzusetzen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wer nicht den ganzen Beitrag sehen m\u00f6chte (der aber extrem sehenswert ist) der kann die Mitschrift von der Matin\u00e9e erstellt von Prof. Martin Haase lesen (auf der Seite ganz unten in Links &#038; Stichworten).<\/p>\n<p><small><strong>Why do I blog this?<\/strong> This will be remembered as one of the many sparks to kick off a different future.<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist ein sozialpolitisches Finanztransferkonzept, nach dem jeder B\u00fcrger \u2013 unabh\u00e4ngig von seiner wirtschaftlichen Lage \u2013 eine gesetzlich festgelegte und f\u00fcr jeden gleiche \u2013 vom Staat ausgezahlte \u2013 finanzielle Zuwendung erh\u00e4lt, ohne daf\u00fcr eine Gegenleistung erbringen zu m\u00fcssen (Transferleistung). Es wird in Finanztransfermodellen meist als Finanzleistung diskutiert, die ohne weitere Einkommen oder &hellip; <a href=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/?p=4764\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eBedingungsloses Grundeinkommen (BGE)\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17,86,70,77],"tags":[],"class_list":["post-4764","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-best-practice","category-future-2","category-generationenkonflikt","category-money-2"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4764","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4764"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4764\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4764"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4764"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thetawelle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4764"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}