{"id":135,"date":"2007-05-17T07:40:00","date_gmt":"2007-05-17T06:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.thetawelle.de\/?p=135"},"modified":"2008-11-22T12:57:27","modified_gmt":"2008-11-22T11:57:27","slug":"inflationar-unklar-web-xx","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.thetawelle.de\/?p=135","title":{"rendered":"Inflation\u00e4r &#038; Unklar: Web X.X"},"content":{"rendered":"<p><img src='\/wp-upload\/m_wagner.jpg' align='right' hspace=\"10\" vspace=\"5\" \/>Auf dem <a href=\"http:\/\/www.bildungstechnologie.net\/blog\">&#8222;Communityportal f\u00fcr Bildung Medien und Lernkulturen&#8220;<\/a> der Universit\u00e4t in Krems, hat <strong><a href=\"http:\/\/www.donau-uni.ac.at\/de\/universitaet\/whois\/01652\/index.php?URL=\/de\/department\/imb\/ueberuns\/07181\/index.php\">Prof. Michael Wagner<\/a><\/strong> einen kritischen Beitrag mit dem Titel <strong><a href=\"http:\/\/www.bildungstechnologie.net\/blog\/wider-dem-begriff-web-2-0\">&#8222;Wider den Begriff Web 2.0&#8220;<\/a><\/strong> verfasst, den ich sehr, sehr lesenswert finde. Wagner kritisiert darin, einerseits den zunehmend inflation\u00e4ren Gebrauch des Begriffs selbst, aber auch den Gebrauch der mittlerweile zur Ikone aufgestiegenen Endung &#8222;2.0&#8220; f\u00fcr alle m\u00f6glichen Dinge. Diese Kritik findet statt vor dem Hintergrund, dass der Begriff selbst kaum eine griffige Definition hat. Genau dies kritisiert Wagner indem er schreibt:<\/p>\n<blockquote><p>Man sollte eigentlich Bezeichnungen w\u00e4hlen, die so wenig Interpretationsspielraum wie m\u00f6glich erlauben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wagner pl\u00e4diert daher daf\u00fcr, sich an der Definition des MIT zu orientieren, Zitat:<\/p>\n<blockquote><p>Dort spricht man im Zusammenhang mit Web 2.0 von partizipativen Technologien. Der Begriff der &#8222;Partizipation&#8220; soll dabei zum Ausdruck bringen, dass der Konsument oder die Konsumentin nicht mehr passiv Medien konsumiert sondern selbst aktiv an einem kollaborativen Medienproduktionsprozess beteiligt ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dem kann ich mich nur anschlie\u00dfen. Das stimmt aus meiner Sicht auch gut \u00fcberein mit anderen Sichtweisen, die den Wandel darin sehen, dass es eine Entwicklung <strong>vom &#8222;Read-only-Web&#8220; zum &#8222;Read-and-Write Web&#8220;<\/strong> gibt. Diese Definition allein erkl\u00e4rt aus meiner Sicht aber noch nicht die Dynamik die wir sehen.<\/p>\n<p>Wieso sollten pl\u00f6tzlich so viele Menschen etwas Eigenes &#8222;produzieren&#8220; oder schreiben wollen? Prinzipiell ging das ja schon mit den ersten Homepages. Nein, ich glaube wer zu Beginn des Internet im Netz etwas schreiben wollte, der h\u00e4tte das auch tun k\u00f6nnen (vielleicht war es komplizierter, teurer und langsamer als heute, aber wenn man gewollt h\u00e4tte&#8230;). Ich denke vielmehr, dass die Dynamik der Netzentwicklung, die oft mit &#8222;Web 2.0&#8220; bezeichnet wird einen anderen Motor hat. <strong>Dieser Motor ist etwas flapsig ausgedr\u00fcckt das Prinzip &#8222;Gleich und Gleich gesellt sich gern&#8220;!<\/strong> Es ist die in den Webdiensten integrierte Funktion bzw. <strong>ein diesen Diensten inh\u00e4renter Algorithmus<\/strong>, der Menschen anhand von Content den sie <strong>produzieren<\/strong> (z.B. Weblog Post mit einem Tag, delicious Bookmark mit Tag, Flickr-Bild mit Tag) und den sie <strong>konsumieren<\/strong> (z.B. Youtube-Film mit Tag, SlideShare-Folien mit Tag, Amazon-Buch mit Collaborative Filtering, iTunes Store mit Collaborative Filtering) zusammenf\u00fchrt. (Dank an dieser Stelle an Heidi Schelhowe f\u00fcr die Anregung zu dieser Algorithmus-Sichtweise.)<\/p>\n<p>Der dynamische Motor ist das soziale Bed\u00fcrfnis nach Gemeinsamkeit und einer Verbindung zu anderen &#8222;gleichen&#8220; oder doch zumindest \u00e4hnlichen Nutzern. Die Partizipation allein ist aus meiner Sicht deshalb eher Mittel zum Zweck, um ein eigenes Interessenprofil bekannter zu machen, Interessenten werden dann \u00fcber die zugegeben recht primitiven Profile (auf &#8222;Tag&#8220; bzw. Schlagwort-Basis und z.B. via Trackbacks) zusammengef\u00fchrt. Das funktioniert trotz oder gerade wegen der Einfachheit erstaunlich gut, weil die Schlagworte und Trackbacks von Menschen ausgew\u00e4hlt und gesetzt werden. Ich sehe nicht, dass unbedingt ein neuer, revolution\u00e4rer Wille zur Partizipation da w\u00e4re, aber ich sehe, dass ein <strong>ursoziales Bed\u00fcrfnis nach Gemeinsamkeit<\/strong> bzw. Gemeinschaft die treibende Kraft hinter &#8222;Web 2.0&#8220; ist. Das hat man erst k\u00fcrzlich z.B. an dem Studentenportal studi.vz gesehen, dort ist es die gemeinsame Uni, und die gemeinsamen Gruppen und das &#8222;gruscheln&#8220;, die Menschen zusammenf\u00fchren.<\/p>\n<p>Wagner schlie\u00dft mit dem Fazit:<\/p>\n<blockquote><p>Aus dem Begriff des &#8222;partizipativen Web&#8220; ergeben sich somit einige sehr zentrale Fragenstellungen mit derzeit noch wenig zufriedenstellenden Antworten.<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr mich ergeben sich nicht gleich in erster Linie Fragestellungen, sondern zuerst sehe ich neue M\u00f6glichkeiten und Chancen. Die Fragestellungen tauchen erst auf, wenn ich von den neuen Chancen tats\u00e4chlich Gebrauch mache und auch mit neuen Folgen bzw. Konsequenzen Bekanntschaft mache. So ist es z.B. durch das &#8222;Read-and-Write Web&#8220; viel viel leichter geworden, jemanden wildfremdes im Web durch einen vielleicht etwas harsch oder unachtsam formulierten\/geschriebenen Blog-Kommentar zu ver\u00e4rgern. Eine zentrale Frage ist f\u00fcr mich: Wie sieht f\u00fcr diesen Fall die kulturelle Routine aus zur Formulierung von Kommentaren in Weblogs?<\/p>\n<ol>\n<li>Lasse ich es wegen dieses Risikos am Besten ganz bleiben?<\/li>\n<li>Schreibe ich Kommentare lieber nur dann, wenn ich ganz &#8222;helle Momente&#8220; habe und sondere nur Geniales ab?<\/li>\n<li>Blogge ich nur mit einem zwischengeschalteten Lektor, der Ausdruck und Rechtschreibung pr\u00fcft, damit ich mich nicht mit meiner schlechten Rechtschreibung und den Tippfehlern v\u00f6llig diskreditiere?<\/li>\n<li>\u00dcbe ich Disziplin und formuliere stets so als w\u00e4re mein virtuelles Gegen\u00fcber der einflu\u00dfreichste Mensch des Planeten, dem ich antworte?<\/li>\n<li>Gibt es Routinen zur Entsch\u00e4rfung von m\u00f6glichen Kommentar-Konflikten, die ich lernen kann?<\/li>\n<li>Mache ich vor jedem Kommentar ein Profiling des Blogbesitzers mittels Google, nach dem Motto &#8222;Wer ist das?&#8220;, &#8222;Was f\u00fcr einen Status hat er?&#8220;, &#8222;Was hat er in der Vergangenheit geschrieben?&#8220;<\/li>\n<li>Versuche ich einen Mittelweg zu gehen und probiere aus, welche Grenzen es gibt, mit dem Risiko sie vielleicht auch mal zu \u00fcberschreiten?<\/li>\n<li>Beteilige ich mich besser \u00fcberhaupt nicht am Web 2.0, denn das k\u00f6nnten meine zuk\u00fcnftigen Arbeitgeber lesen und die haben ja vielleicht gar kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr so viel Pr\u00e4senz ihrer zuk\u00fcnftigen Mitarbeiter im Web?<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Update 24.5.2007<\/strong><br \/>\nFolgenden Film musste ich einfach hier noch anf\u00fcgen. Er ist unterhaltsam und zugleich macht er einen durch seine \u00dcbertreibung wirklich nachdenklich.<br \/>\n<object width=\"425\" height=\"350\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/e9MgHuitMwU\"><\/param><param name=\"wmode\" value=\"transparent\"><\/param><embed src=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/e9MgHuitMwU\" type=\"application\/x-shockwave-flash\" wmode=\"transparent\" width=\"425\" height=\"350\"><\/embed><\/object><br \/>\nTrotz des aufkommenden Web 2.0-&#8222;Bashing&#8220; das grade umgeht, muss man ja nicht von einem Extrem ins andere fallen. Ich sehe die positiven Seiten der Internetdynamik und wie man es dann benennt ist eigentlich zweitrangig. (Gefunden via <a href=\"http:\/\/b2.weiterbildungsportal.ch\/blogs\/index.php?blog=2&#038;title=supermarket_2_0&#038;more=1&#038;c=1&#038;tb=1&#038;pb=1\">weiterbildungsportal.ch<\/a>)<\/p>\n<p><small><strong>Why do I blog this?<\/strong> Zum einen zeigt f\u00fcr mich die inflation\u00e4re <strong>2.0-Ikonik<\/strong> auch langsam aber sicher heftige Abnutzungserscheinungen, zum anderen ist der Begriff aus meiner Sicht von  vergleichbarer &#8222;Nebelkerzen&#8220;-Qualit\u00e4t wie der Begriff des Lernobjekts. Ohne klare Begriffe ist jedoch &#8211; zumindest in der Wissenschaft &#8211; nichts mehr klar. Ein weiterer Grund f\u00fcr dieses Posting erschlie\u00dft sich nur aus dem kommunikativen Kontext f\u00fcr die beteiligten Personen. :-) Ich hoffe die Geste wird verstanden.<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem &#8222;Communityportal f\u00fcr Bildung Medien und Lernkulturen&#8220; der Universit\u00e4t in Krems, hat Prof. Michael Wagner einen kritischen Beitrag mit dem Titel &#8222;Wider den Begriff Web 2.0&#8220; verfasst, den ich sehr, sehr lesenswert finde. 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