{"id":120,"date":"2007-03-24T01:20:19","date_gmt":"2007-03-24T00:20:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.thetawelle.de\/?p=120"},"modified":"2013-07-06T23:18:47","modified_gmt":"2013-07-06T22:18:47","slug":"die-uberraschungseier-der-osterhasenpadagogik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.thetawelle.de\/?p=120","title":{"rendered":"Die \u00dcberraschungseier der Osterhasenp\u00e4dagogik"},"content":{"rendered":"<p><img src='\/wp-upload\/ei.gif' align='right' hspace=\"10\" vspace=\"5\" \/>Eine Nachricht die gerade m\u00e4chtig Staub aufwirbelt, hat der ZEIT den Anlass gegeben unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/online\/2007\/13\/bildungskolumne-munoz?page=1\">&#8222;<strong>Besch\u00e4mung &#8211; ein deutscher Komplex<\/strong>&#8222;<\/a> einen Artikel zu verfassen. Er bezieht sich auf den Bericht von <strong>Vernor Mu\u00f1oz<\/strong>, UN-Sonderberichterstatter f\u00fcr das Recht auf Bildung, \u00fcber die Ungerechtigkeiten im deutschen Bildungssystem. Aber das ist nicht der Punkt, der mich nun gerade sonderlich interessiert hat. Spannend und absolut lesenswert finde ich die Worte von <strong><a href=\"http:\/\/ntfm.mpib-berlin.mpg.de\/mpib\/FMPro?-db=MPIB_Mitarbeiter.FP5&#038;-lay=L1&#038;-format=MPIB_Mit.htm&#038;-op=eq&#038;ID_Name=edelstein&#038;-find\">Dr. Wolfgang Edelstein<\/a><\/strong>, emeritierte Direktor des Max-Planck- Instituts f\u00fcr Bildungsforschung, die in der ZEIT zu lesen sind. Folgendes Zitat aus dem Zeit-Artikel gibt die Essenz pr\u00e4chtig wieder:<\/p>\n<blockquote><p>Und warum fr\u00f6nen viele Lehrer immer noch der \u201eOsterhasenp\u00e4dagogik\u201c, in der sie Wissen verstecken, um ihre Sch\u00fcler danach suchen zu lassen? Warum nur interessieren sich Lehrer h\u00e4ufig so sehr f\u00fcr die Fehler der Sch\u00fcler, und zwar nicht, damit diese daraus lernen, sondern um sie ihnen anzukreiden?<\/p><\/blockquote>\n<p>In dem Zusammenhang passt ein Interview mit dem Titel <a href=\"http:\/\/bildungplus.forum-bildung.de\/templates\/imfokus_inhalt.php?artid=221\">\u201eLernen ist erfolgreich, wenn erfolgreich an Vorwissen angekn\u00fcpft werden kann<\/a> das die Seite <strong>Bildung PLUS<\/strong> mit Frau <strong><a href=\"http:\/\/www.ifvll.ethz.ch\/people\/sterne\">Prof. Dr. E. Stern<\/a><\/strong> gef\u00fchrt hat. Denn darin wird in einem weiteren Zitat dem Osterhasen-Prinzip eine klare Absage erteilt:<\/p>\n<blockquote><p>Der deutsche Schulunterricht ist zu lehrerzentriert. Man spricht auch von der Osterhasenp\u00e4dagogik: Der Lehrer versteckt das Wissen, und die Kinder m\u00fcssen es suchen, indem sie Fragen beantworten. Sch\u00fcler, die wissen, was der Lehrer gemeint hat, kommen gut raus, und der Rest bleibt auf der Strecke.<\/p>\n<p>Besser lernt man, wenn man eigenst\u00e4ndig eine komplexe Aufgabe bearbeitet, deren L\u00f6sung nicht auf den ersten Blick sichtbar ist. In einem derartigen Unterricht sind Lehrer nat\u00fcrlich st\u00e4rker gefordert. Einerseits m\u00fcssen sie sich sehr genau \u00fcberlegen, welche Aufgaben den Kindern weiter helfen, und andererseits m\u00fcssen sie sehr nahe an dem Wissen der Sch\u00fcler sein, damit sie erkennen k\u00f6nnen, welche Missverst\u00e4ndnisse bestimmten Fehlern zugrunde liegen.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte es auch so sagen: Beim schlechten Unterricht m\u00fcssen die Sch\u00fcler herausfinden, was der Lehrer gemeint haben k\u00f6nnte, w\u00e4hrend beim guten Unterricht der Lehrer herausfindet, was der Sch\u00fcler gemeint haben k\u00f6nnte und wie man halb Verstandenes in die richtige Richtung lenkt.\n<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Update 7.7.2013<\/strong><br \/>\n<a href=\"\/wp-upload\/Frieder_Nake_2001.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-id=\"2429\"  src=\"\/wp-upload\/Frieder_Nake_2001.png\" alt=\"Frieder_Nake_2001\" width=\"298\" height=\"427\" class=\"alignright size-full wp-image-2429\" srcset=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/Frieder_Nake_2001.png 298w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/Frieder_Nake_2001-209x300.png 209w\" sizes=\"auto, (max-width: 298px) 85vw, 298px\" \/><\/a>Ich habe einen herrlich passenden Kommentar von <strong><a href=\"http:\/\/dada.compart-bremen.de\/node\/751\">Frieder Nake<\/a><\/strong> im <a href=\"http:\/\/www.learningwaves.unisg.ch\/?p=33\">Blogpost<\/a> von <strong>Andrea Back<\/strong> gefunden, der sich auf das Thema &#8222;Simplify your Life Long Learning&#8220; bezieht. Darin werden so tolle Werke wie &#8222;Lean Brain Management \u2013 Erfolg und Effizienzsteigerung durch Null-Hirn&#8220; erw\u00e4hnt. Und der Herr Nake schenkt mir ein <strong>&#8222;Hach!&#8220;<\/strong> mit folgendem Bonmot in dem er auf die Postulierung von &#8222;[\u2026] mindestens ertrinkt unsereins fast in der Informationsflut [\u2026]&#8220; eine Fu\u00dfnote erg\u00e4nzt:<\/p>\n<blockquote><p>Frieder Nake<br \/>\nLiebe Frau Back,<\/p>\n<p>Ihre neuesten fragend-kommentierenden Hinweise auf lesestoff und Positionen provozieren mich doch einmal wieder zu einer komplimentierenden Fu\u00dfnote eines Lesers Ihrer regelm\u00e4\u00dfigen Mitteilungen. \u201cDummheit ist lernbar\u201d leuchtet mir sofort ein, besonders mit der geschwind in die Gedanken eindringenden Interpretation: \u201c\u2026 weil sie gelehrt wird\u201d, vielleicht sogar: weil sie \u201cvor allem lehrbar\u201d ist.<\/p>\n<p>Jene Lehrenden, frage ich mich gelegentlich, die der Klagen \u00fcber die \u201cschlechter\u201d daher kommenden Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen, Studentinnen und Studenten nicht m\u00fcde werden, d\u00fcrften eventuell die Quelle einer systematischen Verdummungs-Lehre sein. Denn wie will einer, der (oder die) nicht vom Vertrauen in die Lernenden ausgeht, von ihren Interessen und ihrem Willen, wie will so einer dazu beitragen, dass solche Menschen weitere oder gar bessere Gelegenheiten ergreifen in ihren Lernprozessen?<\/p>\n<p>Dass es eine Kunst ist, nicht zu lernen, liegt gleichfalls nahe. Eine hohe Kunst muss das sein, eine wohl gar unm\u00f6gliche Haltung. Denn Leben ist nichts als Lernen, soweit Leben ein st\u00e4ndiges Anpassenan Gegenheiten ist, die sich \u00e4ndern, und also erste Stufe von Lernen. Leben ohne zu lernen kann ich mir schlicht nicht vorstellen, auch wenn ich in meiner eigenen Umgebung immer wieder meine, dieser und jener Kollege k\u00f6nne nun aber, wei\u00df der Teufel, doch endlich mal \u201cetwas begreifen\u201d. Frage ich mich etwas skeptischer, so stelle ich fest, dass nur wieder meine Erwartungen in die Art oder den Inhalt dessen entt\u00e4uscht worden sind, was der andere lernt. So scheinen mir viele meiner diesbez\u00fcglichen Bewertungen und Urteile kaum mehr zu sein als raffinierte indirekte Formulierungen eigener Vorurteile, projiziert auf andere und mit dem Nimbus der Position eines Lehrers abgegeben.<\/p>\n<p>Sie werden in Ihrer sch\u00f6nen pers\u00f6nlichen Schreibart sich wieder einmal der Informationsflut bewusst, in der Sie wie alle anderen relativ hilflos rudern. Ein sehr unangenehmer Zustand, gegen den kaum jemand wei\u00df, wie das Schwimmen wieder sch\u00f6n werden k\u00f6nnte. Ein Hinweis auf einer Metaebene, der allerdings nicht mehr ist als eben Meta: \u201cDatenflut\u201d scheint mir das zu sein, das Sie und mich von den F\u00fc\u00dfen holt. Nicht \u201cInformationsflut\u201d. Daten sind das, was herumstr\u00f6mt und immer schneller und mehr. Was Gemeinschaften daraus zu Information werden lassen und Individuen zu Wissen, ist etwas ganz anderes. Es bleibt sch\u00f6n menschlich begrenzt.<\/p>\n<p>Betrachten wir die Daten als Daten, so werden sie uns nicht irritierend um die Ohren geschlagen. Wir bleiben getrost, weil wir wissen, dass schon seit langem die Daten allenthalben und reichhaltig waren. Richtig d\u00fcrfte allerdings sein, dass sie schnell und schneller kreisen.<\/p>\n<p>Ich darf mich auf Ihre n\u00e4chste Aussendung von Daten freuen, immer gut geb\u00fcndelt, ausgew\u00e4hlt, sch\u00f6n in Form gebracht. Da suche ich mir gern heraus, was ich mir zur Information machen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Beste Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>\nFrieder Nake<\/p>\n<p>#1Kommentar vom 26. Oktober 2006 um 14:59<\/p><\/blockquote>\n<p><small><strong>Why do I blog this?<\/strong> Ich kann dem Artikel der Zeit insbesondere in Sachen Osterhasenp\u00e4dagogik nur zustimmen, und da wir ja gerade auf Ostern zusteuern passt das nat\u00fcrlich prima als Wortspiel. Ob man nun f\u00fcr eine \u00c4nderung dieses Verhaltens von Lehrern gleich mal das ganze Schulsystem \u00e4ndern muss ist aus meiner Sicht aber eine andere Frage. Ob nun Osterhasenp\u00e4dagogik oder Weihnachtsmanndidaktik (Nur wer brav ist gewinnt im System Schule). Der Glaube an Weihnachtsmann und Osterhasen endet ab einem bestimmten Alter ja meistens, vielleicht ist das also nur eine Altersfrage&#8230; ich habe geh\u00f6rt die Kinder heutiger Zeit glauben schon in immer j\u00fcngeren Jahren nicht mehr an Osterhasen und Weihnachtsm\u00e4nner. Sieht so aus als w\u00fcrde es eng werden f\u00fcr die Lehrkonzepte die auf diesen Glauben aufbauen. Aus meiner Sicht ist f\u00fcr Osterhasenp\u00e4dagogik jedenfalls selbst an Ostern die falsche Zeit!<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Nachricht die gerade m\u00e4chtig Staub aufwirbelt, hat der ZEIT den Anlass gegeben unter dem Titel &#8222;Besch\u00e4mung &#8211; ein deutscher Komplex&#8222; einen Artikel zu verfassen. Er bezieht sich auf den Bericht von Vernor Mu\u00f1oz, UN-Sonderberichterstatter f\u00fcr das Recht auf Bildung, \u00fcber die Ungerechtigkeiten im deutschen Bildungssystem. 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