{"id":94,"date":"2007-01-07T19:14:55","date_gmt":"2007-01-07T18:14:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.thetawelle.de\/?page_id=94"},"modified":"2025-10-18T12:03:20","modified_gmt":"2025-10-18T11:03:20","slug":"virtuelle-proxemik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.thetawelle.de\/?page_id=94","title":{"rendered":"Virtuelle Proxemik (Dissertation)"},"content":{"rendered":"<p><img src='\/wp-upload\/virtual_proxemics.gif' alt=\"Virtual Proxemics, Virtuelle Proxemik Logo\" align=\"right\" hspace=\"10\" vspace=\"5\" \/><br \/>\n<strong>Menschen orientieren sich r\u00e4umlich<\/strong>, Distanzen spielen dabei eine entscheidende Rolle f\u00fcr das Vorkommen sowie die H\u00e4ufigkeit passiver Kontaktm\u00f6glichkeiten und beeinflussen mittelbar die Entstehung und Entwicklung von sozialen Beziehungen. Nachfolgend wird mit dem <strong>Ansatz der &#8222;Virtuellen Proxemik&#8220;<\/strong> vorgestellt, wie man das sozial-technische Defizit fehlender proxemischer Funktionalit\u00e4ten in Mehrbenutzerapplikationen (MBA) durch die Implementierung einer k\u00fcnstlichen Proxemik verringern k\u00f6nnte.  Softwarekomponenten der <strong>Virtuellen Proxemik<\/strong> k\u00f6nnten die Adaptivit\u00e4t von virtuellen Kontexten an soziale Bed\u00fcrfnisse wie z.B. Kommunikation verbessern und damit durch eine Erh\u00f6hung von Effektivit\u00e4t und Effizienz zu einer Qualit\u00e4tsverbesserung in der Nutzung von MBA f\u00fchren.<\/p>\n<h3>Die Frage<\/h3>\n<p>In der realen Welt (nicht vermittelt durch k\u00fcnstliche\/technische Medien) wird unser Interaktionsverhalten wesentlich bestimmt durch Distanzen. Zum Beispiel Distanzen zwischen Nachbarn, Distanzen zwischen Arbeitsplatz und Wohnung, Distanzen zwischen dem B\u00fcro und der Teek\u00fcche, Distanzen zwischen dem Einkaufscenter und dem Wochenmarkt usw. Alle diese Distanzen bestimmen zu einem bedeutenden Teil mit, wen wir treffen, mit wem wir unsere Freizeit gestalten, wo wir einkaufen, und vieles mehr.<\/p>\n<p>In der virtuellen Welt (k\u00fcnstliche, computervermittelte Welt) fallen die gewohnten Distanzen zun\u00e4chst weg. Das bedeutet, sobald wir in der virtuellen Welt eintauchen, verschwinden die gewohnten Distanzkonzepte. Alles ist pl\u00f6tzlich gleich nah und gleich weit weg. Der virtuelle Raum ist vielmehr ein (Treff-)Punkt als ein Raum.<\/p>\n<p>Der Mensch ist es allerdings gewohnt sich r\u00e4umlich zu orientieren und vor allem Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen &#8222;r\u00e4umlich&#8220; anzubahnen. Das bedeutet, dass man sich z.B. langsam dem Gegen\u00fcber n\u00e4hert und dann freundlich eine Unterhaltung beginnt. In der realen Welt findet eine r\u00e4umliche Ann\u00e4herung oft per Zufall statt, z.B. wenn man sich auf dem Flur eines B\u00fcrogeb\u00e4udes begegnet oder in einem Einkaufscenter den Nachbarn trifft. Diese &#8222;zuf\u00e4llige&#8220; Begegnung ist aber nur teilweise vom Zufall bestimmt, denn die Wahrscheinlichkeit, dass ich jemandem begegne, den ich gut kenne h\u00e4ngt davon ab, WO ich mich aufhalte.<\/p>\n<p>In meine Heimatstadt treffe ich ganz sicher mit viel h\u00f6herer Wahrscheinlichkeit Freunde und Bekannte im Einkaufscenter als in einem Urlaubsort. Die Wahrscheinlichkeit einer Interaktion z.B. in Form eines Gespr\u00e4chs wird also durch die Distanz zu meinen Freunden und Bekannten bestimmt. Sie ist h\u00f6her wenn ich ihnen nahe bin (Heimatstadt) sie ist viel geringer, wenn ich Ihnen fern bin (Urlaubsort). Die Variable <strong>Distanz<\/strong> hat also einen entscheidenden Einfluss auf die Kommunikation.<\/p>\n<p><center><\/p>\n<p style=\"font-family:Arial;background-color: #f8f8f8;border-top:1px solid #ddd;border-bottom:1px solid #ddd;color: #777;padding-top:5px;padding-bottom:5px;margin:10px 0;list-style-type: none;list-style-image: none;text-align: center;\"><strong>Frage: M\u00fcsste also die Distanz nicht auch in virtuellen Kontexten eine \u00e4hnliche Wirkung haben? Aber wie misst man Distanz und wie zeigt man sie in einer virtuellen Umgebung?<\/strong><\/p>\n<p><\/center><\/p>\n<h3>Das Problem<\/h3>\n<p><center><img src='\/wp-upload\/en_condensed_9_a.gif' alt='' \/><br \/>\n<small>Problem: Blockiertes Display und fehlendes Displayfeld bzw. View<\/small><\/center><\/p>\n<p>In einer virtuellen Umgebung, wie z.B. dem Internet fehlt die Distanz bzw. sie ist vielleicht da, aber man sieht sie nicht. Das merkt man ganz schnell, wenn man einmal einen InstantMessenger wie z.B. Skype oder AIM benutzt hat. Dann stellt man fest, dass die Kontaktaufnahme oft den Eindruck des &#8222;Hereinplatzens&#8220; in die Privatsph\u00e4re des anderen erweckt. Es gibt keine kontinuierliche Ann\u00e4herung an den Kontaktpartner.<\/p>\n<p>Im Virtuellen kann man auch nicht sagen wie weit weg man von seinem Nachbarn ist. Es fehlt das \u00fcblicherweise allgegenw\u00e4rtige Distanzsystem. Noch problematischer jedoch ist, dass sich in einer virtuellen Umgebung oft nicht einmal Hinweise darauf finden lassen, ob andere Nutzer \u00fcberhaupt da sind. Zwar gibt es meist &#8222;Wer ist online?&#8220;-Anzeigen, aber mehr Information gibt es nicht und meist fehlt sogar diese Information.<\/p>\n<p>Letztlich fehlen Nutzern in einem virtuellen Kontext Eigenschaften des Raumes, wie sie in der Realit\u00e4t ganz normal vorhanden sind. Es fehlt ein Raum in dem man sich zeigen kann und auch gesehen wird. Damit wird die nat\u00fcrliche Kommunikation im virtuellen Kontext stark eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n<h3>Eine L\u00f6sung<\/h3>\n<p><center><img src='\/wp-upload\/en_condensed_9_b.gif' alt='' \/><br \/>\n<small>L\u00f6sung: Proxemisches Display und individuelles Displayfeld bzw. View<\/small><\/center><\/p>\n<p>Eine Idee zur L\u00f6sung dieses Problems habe ich mit meinem Beitrag <strong>&#8222;Virtuelle Proxemik: Oder wie man Menschen in virtuellen R\u00e4umen einander n\u00e4her bringen k\u00f6nnte., In: Proceedings of the Lecture Notes in Informatics (LNI), DeLFI 2006, Germany&#8220; (<a href=\"http:\/\/subs.emis.de\/LNI\/Proceedings\/Proceedings87\/GI-Proceedings-87-40.pdf\">als PDF<\/a>)<\/strong> vorgestellt. Die Grafik zur L\u00f6sung zeigt, dass man Distanz zwischen Nutzern nur zu visualisieren braucht, um proxemische Kommunikation zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Die 2006 erstmals vorgestellte L\u00f6sungsskizze habe ich im Rahmen meiner Dr.-Arbeit mittlerweile detailliert ausgearbeitet. Sie umfasst vor allem eine spezielle Softwarel\u00f6sung, die in beliebige Desktop- und Webapplikationen (MBA) mit grafischer Benutzerschnittstelle integriert werden kann. Die Wirkung dieser neuen Komponente auf das Verhalten der Nutzer habe ich empirisch in einem Feldexperiment im Jahr 2006\/2007 untersucht und sehr positive Ergebnisse erhalten.<\/p>\n<p>Am <strong>14. Oktober 2008<\/strong> habe ich meine wissenschaftliche Arbeit erstmals der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt. Die Folien des Vortrags, den ich gehalten habe, konnte man nachfolgend eine Zeit lang einsehen. Ich habe darin versucht mich auf einen Kern notwendiger Informationen zu beschr\u00e4nken, die Arbeit selbst ist deutlich detaillierter und sicher eher f\u00fcr Spezialisten interessant.<br \/>\n<center><br \/>\n<strong>[Folien entfernt]<\/strong><br \/>\n<\/center><br \/>\nIn K\u00fcrze wird auch die Arbeit \u00f6ffentlich abrufbar sein (ist sie mittlerweile; wer eine Bibliothekssuche beherrscht wird sie finden.). Darin sind u.a. auch wesentliche Teile enthalten, die sich ausf\u00fchrlich mit dem Begriff der &#8222;Pr\u00e4senz&#8220; befassen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/praesenz_absenz.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/praesenz_absenz.png\" alt=\"\" width=\"1600\" height=\"933\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6580\" srcset=\"https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/praesenz_absenz.png 1600w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/praesenz_absenz-300x175.png 300w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/praesenz_absenz-1024x597.png 1024w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/praesenz_absenz-768x448.png 768w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/praesenz_absenz-1536x896.png 1536w, https:\/\/www.thetawelle.de\/wp-upload\/praesenz_absenz-1200x700.png 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Begriff ist mir sehr wichtig, denn bislang konnte man den Eindruck gewinnen, der Begriff selbst w\u00fcrde weitgehend gedankenlos verwendet. Was da alles als Pr\u00e4senz bezeichnet wird ist schon eher als fantastisch zu bezeichnen. Ich hoffe vor allem mit meiner Arbeit an dem Begriff der Pr\u00e4senz einen Beitrag geleistet zu haben. Das ist mir wichtiger, als die ganze empirische Studie, die ich ebenfalls \u00fcber die Ko-Pr\u00e4senz durchgef\u00fchrt habe. Die <strong>Definition der Raum-Zeit-Pr\u00e4senz<\/strong> ist aus meiner Sicht das wesentlich wertvollere Produkt meiner Arbeit. Mit diesem Konstrukt kann man strukturiert arbeiten und vor allem auch Dinge messen und \u00fcberpr\u00fcfen. Pr\u00e4senz ist messbar, wer h\u00e4tte das gedacht.<\/p>\n<h2>Update Oktober 2025<\/h2>\n<p>Die gesamte Arbeit ist entstanden unter Begleitung durch <a href=\"https:\/\/zemki.uni-bremen.de\/en\/lab-medien-und-bildung\/persons\/prof-dr-karsten-d-wolf\/\">Prof. Dr. Karsten D. Wolf<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heidi_Schelhowe\">Prof. Dr. Heidelinde Schelhowe<\/a> (\u2020 11. August 2021, <a href=\"https:\/\/dimeb.informatik.uni-bremen.de\/index.php?id=68\">Uni Webseite der Arbeitsgruppe DIMB<\/a>, <a href=\"\/wp-upload\/webseite_dimeb_heidi_schelhowe.png\">Archivierte Webseite<\/a>).<\/p>\n<p><center><\/p>\n<p style=\"font-family:Arial;background-color: #f8f8f8;border-top:1px solid #ddd;border-bottom:1px solid #ddd;color: #777;padding-top:5px;padding-bottom:5px;margin:30px 0;list-style-type: none;list-style-image: none;text-align: center;\"><strong> <a href=\"http:\/\/www.thetawelle.de\/?cat=12\">Mehr zum Thema Virtuelle Proxemik<\/a><\/strong><\/p>\n<p><\/center><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Menschen orientieren sich r\u00e4umlich, Distanzen spielen dabei eine entscheidende Rolle f\u00fcr das Vorkommen sowie die H\u00e4ufigkeit passiver Kontaktm\u00f6glichkeiten und beeinflussen mittelbar die Entstehung und Entwicklung von sozialen Beziehungen. 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