Die magische Lese- und Lernbrille

brille_4Soeben habe ich einen Film gefunden, der die Vorstellungskraft in Sachen Zukunft mal wieder beflügelt und die Dinge so herrlich einfach erscheinen lässt. In bester Tradition von Filmen wie „Knowledge Navigator“ zeigt der folgende Film die Vorstellung, wie man die Welt um Informationen die der Rechner liefert bereichern könnte.


Visionsfilm zur Augmented Reality (Quelle: „Education in augmented reality“)

Augmented Reality scheint seit die Smartphones mit eingebauter Kamera geliefert werden greifbarer denn je, aber wer näher hinterfragt, was es dafür alles braucht, der weiß genau, das was diese Filme zeigen ist derzeit reine Science Fiction mit mehr Fiction als Science. Folgende Dinge z.B. verhindern, dass diese Vision recht bald Wirklichkeit werden dürfte:

  • brille_1Energieleistung/Stromversorgung: Die Brille in dem Spot benötigt Strom, doch die Stromquelle ist nirgendwo sichtbar. Fazit: Fiktion
  • Rechnerleistung: Die gezeigten Einblendungen die die Brille als Overlay über die Realität erzeugt sind 3D-Formen, die aufwändige 3D Bildverarbeitung benötigen. Diese Art der Bildverarbeitung braucht allerdings besonders viel Rechnerleistung und Energie. Fazit: Fiktion
  • Bildschirmleistung/Brillendisplay: Tragbare Displays guter Qualität haben heute eine maximale Auflösung von guten 17 Zoll Bildschirmen, mit ärmlichen Kontrasten und noch ärmeren Farben. Sie sind oft klobig und schwer und benötigen extra Gurte, Clips oder Halterungen, um am Kopf befestigt zu werden, daher heißen sie auch oft HMD oder Head-Mouted-Display. Die gezeigte Brille scheint all dies überwunden zu haben. Fazit: Fiktion
  • Positionierungsleistung/Einblendungen: Die Augmentation selbst, die in dem Film in das Bild der Brille eingeblendet wird, benötigt eine exakte Positionierung. Doch wie will die Brille feststellen wo das Buch liegt und wo der rechte Rand des Buches endet, ohne eine eingebaute Kamera? Eine Kamera an der Brille ist nicht zu entdecken. Fazit: Fiktion
  • Netz-/Datenleistung: Die Informationen die die Brille in dem Spot liefert, scheint mühelos aus dem Nichts zu erscheinen. Es scheint völlig klar, dass das Buch eine 3D Zeichnung zeigt und die 3D Pläne sind natürlich gleich verfügbar. Doch wo holt diese magische Brille ihre Daten her? Welche Gebäudedatenbank liefert die 3D Darstellung eines Gebäudeplanes? Und wie findet die Brille so schnell die richtige Datenbank aus der diese Information (auch die Filme) so schnell abgerufen werden können? Diese Datenbank gibt es nicht! Genausowenig wie die drahtlose Datenübertragung in eine Brille ohne jegliche Antenne und ohne einen permanenten Internetanschluss mit den benötigten Breitbandleistungen. Fazit: Fiktion

brille_3Zusammengefasst sieht man hier also eine ziemlich „magische Brille“, die vielerlei Funktionen in sich vereint, die es heute einzeln zwar gibt, aber die in dieser Kombination derzeit nicht möglich sind. Am kritischsten ist wohl das Brillendisplay und die Energieversorgung, andere Dinge könnte man schon jetzt ganz gut realisieren. Was wir sehen ist dennoch Augmented Fiction oder Star Trek Technologie. Doch schon oft wurde Science Fiction von der Wirklichkeit eingeholt, so würde die Crew des Raumschiffs Enterprise ganz sicher beeindruckt sein durch die Smartphones mit Touchscreen die wir haben.

Update 6.8.2009
Ich bin natürlich nicht der einzige, dem gerade auffällt, dass Augmented Reality auf dem Vormarsch ist. Markus Breuer schreibt in seinem posting „Augmented Reality wird Mainstream!“, davon wie AR eigentlich schon die ganze Zeit über in den Startlöchern stand.

Ein weiterer Beitrag von Ihm hat ebenfalls einen Verweis auf einen Filmbeitrag zur AR.

Update 25.9.2009
Mittlerweile gibt es auch ein Making of zu dem tollen Film.

Update 11.10.2009
Und hier noch ein Film mit magischer Brille, diesmal von Nokia. Wenn es nach diesen ganzen Visionen geht, laufen wir also all bald mit Brillen auf der Nase herum, die aussehen wie Fensterglas, aber Telefon, Wecker, Mailprogramm, Tageszeitung und TV-Gerät in einem sind – mindestens.


Nokia präsentiert seine Vision von der Mobilen Zukunft (via Martin Ebner)

Why do I blog this? Ich habe den Eindruck, wir werden noch einige Augmented Reality Applikationen dieses Jahr zu sehen bekommen für Smartphones. Da freue ich mich drauf. Ich schätze jedoch, dass wir noch eher das Holodeck aus Star Trek bekommen werden als diese magische Brille, so schön sie als Lese- und Lernbrille auch wäre. ;-) Nimmt man allerdings in Kauf ein etwas schwereres gerät mit sich herumzutragen, z.B. ein iPhone, dann sieht die Sache schon wieder etwas anders aus. Kamera, Bildschirm, Internetstandleitung, Positionierungssensor, 3D-Datenverarbeitung und Zugriff auf alle Datenbanken des Internet. Fazit: Realität!

Erste interessante Google Phone Applikationen

Zumindest aber habe ich einen Eindruck bekommen, von den Möglichkeiten des neuen Google Phone. Folgendes Video von nru sagt schon eine Menge aus:

Mehr Eindrücke von den Google Phone Applications gibts im Android Market.

Why do I blog this? Vor allem die ganzen Location Based Services die jahrelang als das nächste große Ding beschworen wurden, werden jetzt offenbar Wirklichkeit. Flatrate Internet auf dem mobilen Telefon/Smartphone in Kombination mit GPS machts möglich. Ich prognostiziere mal ganz mutig das Aussterben des normalen Handys! Wir haben zukünftig nur noch Smartphones.

Location-based Services bzw. geofähige Dienste

mark_map.gifEtwas, was mich schon länger beschäftigt ist ja die Proxemik, also die Forschung über Kommunikation mittels Distanzveränderung. Angesichts der zunehmend immer weiter verbreiteten Mobiltelefone und Smartphones (wie z.B. das iPhone, der Palm PRE, Blackberry, usw.), die in der Lage sind, ihr eigene Position – und damit auch Distanz – in Bezug zu anderen zu bestimmen, ergeben sich zukünftig viele neue Möglichkeiten des Einsatzes dieser Geräte für die nicht-verbale Kommunikation.

Im weitesten Sinne sind dann eine Menge neuer Location Based Services (LBS) möglich, die dem Nutzer neue Funktionen zur Verfügung stellen. Und da gibt es wirklich eine Reihe Dienste die da in letzter Zeit aufgekommen sind. Nachfolgend versuche ich eine kleine Übersicht zu bieten (Logos anklicken für entsprechende Seite).

Richtig interessant wird es nun, wenn die Dichte an mobilen Geräten mit Positionsbestimmung und Internetverbindung weiter stark zunimmt. palm_pre.pngVon den ersten Akustikkopplern in den 90ern bis zu den heutigen DSL-Modems hat sich da im Festnetz eine Menge getan. Seit dem iPhone gibt es endlich auch Internet auf dem Mobiltelefon. Dieser Trend wird weitergehen und bald haben wir Internet auch auf einem mobilen Gerät immer dabei. Die Vision von Bill Gates „Information at your Fingertip“ rückt damit noch ein bissel näher, denn die meisten neuen Geräte – wie z.B. der Palm Pre der auf der CES jetzt vorgestellt wurde – setzen auf Touchscreens, die man mit den Fingern antippt.

Was genau wird zukünftig mit LBS passieren und auf welchen Grundlagen basiert und funktioniert es? Dazu habe ich zwei Podcasts gefunden, de das versuchen zu erklären. Der erste erklärt, was LBS ist und der zweite, wie man mit LBS-Datenbanken einen Service etabliert am Beispiel von Oracle Spatial.

  • Podcast: Defining and Redefining Location-based Services; Podcasts (Directions Magazine)
    [audio:http://www.directionsmag.com/images/podcasts/071120_don.mp3]
  • Podcast: What is a geospatially-aware database and why should you care? A first look at Oracle Spatial; PodCast (Farallon Geographics Inc.)
    [audio:http://www.fargeo.com/podcasts/GIS_%26_Location_Technology_061406.mp3]

Update 11.1.2009
Weitere geofähige Dienste:

Update 27.1.2009
In seinem Beitrag „A list of Location Based Social Networking sites“ stellt Claudio Schapsis in seinem Blog Location Based Services – Business Only viele weitere interessante Dienste dar und ermöglich zugleich eine Bewertung der Dienste aus Sicht der Nutzer. So konnte ich noch einige weitere spannende Dienste entdecken.

Why do I blog this? Ich denke, dass geofähige Dienste uns noch eine Menge neuer Informationen liefern werden. Bislang ist ein Haupthindernis die fehlende Internetverbindung der meisten Mobiltelefone und die teuren Tarife der mobilen Internetanbieter. Ich wünsche mir richtig nützliche geofähige Dienste und beobachte was dort passiert sehr interessiert.