Gegen die Natur – und Ihren Rythmus – ist kein Kraut gewachsen (*)

roennebergIch wusste es schon immer: Schule morgends um 8 Uhr, das hätte 13 Jahre besser ohne mich stattfinden sollen. Denn bei mir ist das Gehirn vor 9 Uhr (wenn ich keine Tricks anwende; die ich hier nicht verraten werde) nicht zu gebrauchen! Wissenschaftliche Beweise dafür, dass es eben die Lerchen und die Eulen gibt, liegen seit Jahren vor. Jetzt ist es zum x-ten Mal bestätigt worden.

Chronobiologe Prof. Dr. Till Roenneberg (siehe Bild rechts) fordert auf der Basis seiner Erkenntnisse die Anpassung der Schulzeiten an die Schlafgewohnheiten und –bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen. Berichtet wird darüber in einem Artikel bei bildungsklick.de. Ich bin da mal naiv und schätze bei Erwachsenen wäre es ein Wunder, wenn alle der gleiche Typ wären (nämlich Lerche, wie unsere Ökonomie sie braucht), was dann wohl en detail hier nachzulesen ist. Das Forscherteam um Professor Dr. Till Roenneberg, Zentrum für Chronobiologie an der Ludwig-Maximilians- Universität (LMU) München, wertete jetzt die Angaben von mehr als 500 Versuchspersonen zu ihrem Chronotyp, Wohlbefinden und dem Konsum von Koffein, Nikotin und Alkohol aus, wie in Chronobiology International berichtet.

Nicht umsonst prüfte der Professor den Kaffee-Konsum, das ist klar. Ich sag dazu nur: „Whole life even doesn’t work without coffee!“ so ist das jedenfalls so manchen Morgen bei mir. Vielleicht sollte ich den Chronotypen-Test des Professors einmal machen. Damit lässt sich dann sagen welchen „Social Jetlag“ (übrigens mal ein zur Abwechslung richtig ein nettes Buzzword) ich während meiner Schulzeit am Wochenende immer kompensieren musste!

Aber ich glaub in Sachen Zeit gibts auch noch so einiges anderes, was da im Argen liegt. Ein netter Besuch ist vielleicht der Verein zur Verzögerung der Zeit. Als Literatur empfehle ich Sten Nadolny: Die Entdeckung der Langsamkeit.

* = oder doch? Nennt sich das vielleicht Kaffee? ;-)

Update 19.2.2007
Ein interessanter Artikel zu dem Thema Schlaf ist auch bei Telepolis erschienen, Titel „Gesellschaft auf Schlafentzug: Arbeiten wir mehr, als uns gut tut?“ von Thomas Pany.

Update 4.4.2007
Die Sueddeutsche hat einen interssanten Artikel online mit der Überschrift „Initiative der Morgenmuffel: Von A-Menschen und B-Menschen“. Auf der Webseite der B-Society (initiiert durch die Arbeitszeit-Aktivistin Camilla Kring) gibt es die Details zum Nachlesen. Interessant, erstmals spricht mit Dänemarks Familienministerin Carina Christensen eine Politikerin aus, was alle anderen denken:

„Wir leben alle besser, wenn unser Dasein nicht dauernd von einem Wecker fremdbestimmt wird.“

Eine interessante Entwicklung. Die Abstimmung auf der Webseite der Süddeutschen, wann die optimale Zeit für den täglichen Arbeitsbeginn ist, liegt in der mehrheit derzeit zwischen 9:00 und 10:00 Uhr. Schulbeginn in den meisten deutschen Schulen ist um 7:45 Uhr, nur zur Erinnerung.

Update 19.9.2007
Der Spiegel hat gerade auch mal wieder einen Artikel dazu online, Titel „ZWANGS-FRÜHSTART FÜR SCHÜLER -Mehr Schlaf wagen!“.

Update 4.3.2019

Chronobiologe über das Ende der Zeitumstellung: „Morgenlicht ist für die meisten wichtiger“

In Europa soll die Zeitumstellung abgeschafft werden. Wann das geschieht, ist aber noch unklar. Zunächst stimmt der Verkehrsausschuss des EU-Parlamentes darüber ab. Chronobiologe Achim Kramer rät, permanent auf Winterzeit umzustellen.

Die EU-Kommission will die Zeitumstellung abschaffen – und die meisten Europäer sind dafür. Doch bis zur Umsetzung ist es noch ein weiter Weg. Die Zeit ist eine nationale Angelegenheit – und solange die zuständigen Verkehrsminister der 28 EU-Staaten keine gemeinsame Lösung finden, ändert sich nichts. Die Minister haben sich tatsächlich auch schon getroffen, konnten sich aber nicht einigen.

Es wird schon vom „Cloxit“ geraunt
Knackpunkt ist die Frage, ob nach dem Ende der Zeitumstellung die Sommer- oder die Winterzeit gelten soll. Nun soll an diesem Montag erst einmal der federführende Verkehrsausschuss des Europaparlaments abstimmen, dann wird sich das Parlament selbst damit beschäftigen. Geht es nach den Abgeordneten, müssen wir 2020 das letzte Mal an der Uhr drehen. Das Ganze könnte aber auch im Streit und als Desaster enden. Manche sprechen schon vom „Cloxit“.

Experten raten zu einer baldigen Lösung. Der Chronobiologe Achim Kramer von der Charité Berlin sagte im Deutschlandfunk Kultur, das Hin- und Her störe die innere Uhr der Menschen. Man brauche jedes Mal zwischen zwei und vier Tage für die Umstellung.

Der Mensch braucht genügend Morgenlicht
Kramer plädiert für eine Umstellung auf permanente Winterzeit. Eine Umstellung auf ständige Sommerzeit führe dazu, dass die Menschen nicht genügend Morgenlicht bekämen, sagte er. Das Morgenlicht sei für die meisten wichtiger als das Abendlicht, weil die Gesellschaft sich entschieden habe, morgens früh mit Arbeit und Schule anzufangen. Es brauche einen morgendlichen Zeitgeber, um der inneren Uhr zu signalisieren, dass Tag sei.

Kramer rät dazu, morgens nach dem Aufstehen viel Licht zu tanken. Das sei besonders nach der Umstellung Ende März auf Sommerzeit wichtig, betonte er. Sein Tipp: Jeden Tag zehn Minuten früher aufstehen und ins helle Badezimmer gehen – um der inneren Uhr zu zeigen: „Jetzt geht’s los!“

Quelle: DLF Kultur, 4.3.2019, https://www.deutschlandfunkkultur.de/chronobiologe-ueber-das-ende-der-zeitumstellung-morgenlicht.1008.de.html?dram:article_id=442614

Studie zur Internetstärke in Deutschland/Bremen

profeinemannAuf der CeBit wurde eine Studie vorgestellt, die die Internet-Stärke deutscher Städte untersucht. Prof. E. Einemann (siehe Bild rechts) von der FH Bremerhaven stellt auf seiner Seite Einemann.de einen Auszug der Studie die als Buch erscheint vor. Einige Seiten dieser Studie kann man herunterladen als PDF-Datei.

Interessant ist für mich auch die Fallstudie zu Bremen, die die einzelnen Ortsteile gemäß ihrer sozialen Stärke und Internetstärke verortet.

Ergebnisse der KIM-Studie 2005

mpfs-logoDie neue KIM-Studie ist draussen. Laut der Studie hat das das Spielen im Vergleich zu 2003 an Attraktivität verloren, dafür nimmt der Computer als Lernmittel einen beständigen Platz im Alltag der Kinder ein. Hier kann man die Ergebnisse als PDF Datei runterladen.

Gottseidank ist der Computer noch lange nicht so beliebt wie das „Draussen spielen“ (Draussen spielen hat mit über 50% immer noch einen Vorsprung von 30% gegenüber den genannten fast 20% für Computer als liebste Freizeitaktivität). Mit wachsendem Alter verschiebt es sich immer mehr zum Computer. Bei den 12-13jährigen hat das TV aber das Draussen Spielen bereits geschlagen.

Nett anzusehen auch, wie schön gegensätzlich die Interessen der Geschlechter in Sachen Computerspiele und Kleidung/Mode sind.

Ich bleib dabei, die Kids sollen mal lieber draussen in der Natur lernen. Sogenannte Primärerfahrungen sammeln und nicht Ihre Welt medienvermittelt durch den Filter der von Erwachsenen konstruierten Computersoftware versuchen zu ergründen. Aber das ist wohl nur meine Meinung. Die Zahlen vor allem für den TV-Konsum sprechen eine ziemlich deutliche Sprache, dagegen ist der Computer ja fast schon harmlos. In Sachen Baumhäusern und Staudämmen oder gar den gefährlichen Elementen Wasser, Feuer und Erde wird es jedenfalls immer enger für die Primärerfahrung „Draussen spielen“.