Urteile nicht! – Über Andere.

christa_schybollIch bin heute per Zufall über folgenden Text gestolpert von Christa Schyboll (bei facebook) als ich nach einem Zitat gesucht habe bei Google (Hervorhebungen durch mich!):

Eine Reihe spiritueller Lehren rät: Urteile nicht! Doch wie um Himmels Willen soll das gehen, wenn man sich ständig entscheiden muss? Ist man denn nicht laufend gezwungen, sich für oder gegen etwas zu entscheiden? Etwas zu tun oder zu lassen? Uns bleibt doch gar nichts anderes übrig, als das eine zu verwerfen und das andere anzunehmen. Und das braucht unser Urteil.

Was wir jedoch nicht müssen, ist ständig schnell und automatisch etwas oder wen ver-urteilen. Das geschieht häufiger als wir ahnen. Vor allem blitzschnell, aus dem Bauch heraus und oftmals ohne echte Kompetenz, die wir uns aber dennoch anmaßen. Hier liegt der Hase im Pfeffer! Aber wir übersehen dabei leider oftmals den Hasen, noch sticht uns schon der Pfeffer in der Nase!

Es gibt ein altes Indianersprichwort: „Urteile nie über einen anderen, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist“. Vermutlich reicht aber auch die Zeit eines Mondes nicht einmal wirklich dafür aus. Will man zu einem wirklich gereiften Urteil über eine Person, eine Sache oder ein Ereignis gelangen, muss man in vielen Fällen sogar enorm viel wissen, wenn man zu einem gerechten Urteil kommen will. Diese Zeit nimmt sich unser Ego häufig aber nicht. Es urteilt nach einem schnellen Eindruck, nach spontanen Gefühlen oder nach alten Prägungen, die uns sympathisch oder antipathisch ansprechen. Dieses Schnellurteil über etwas oder jemanden kann hässliche Eintrübungen zeigen oder auch je nach Fall sogar schwerwiegende Konsequenzen auslösen. Diese haben wir dann zu verantworten, die schnell ein Urteil gesprochen haben. Ein Urteil kann in diesem Fall auch eine Meinung sein, die dennoch zerstörerischen Charakter tragen kann, wenn sie das Falsche oder das Böse im Keim schon mit trägt.

Urteilskraft braucht Geistesklarheit. Sie braucht Informationen, Wissen und im Falle von Mitmenschen auch jede Menge Empathie. Es braucht die Entwicklung von Fairness, Überblick und reicher Lebenserfahrung. Es braucht die Innenreinigung der eigenen Gedanken, die klar aufzeigen, von welchen Motiven man denn gelenkt wird, wenn man ein Urteil fällt. Anzunehmen, das seien ausschließlich sachliche Motive, trifft es nur in wenigen Fällen. Man hat für sich selbst innerlich zu klären, ob beispielsweise vielleicht auch ein wenig versteckter Neid mit im Spiel ist. Ob es gerade eine tiefe Befriedigung bedeutet, etwas Negatives über einen anderen zu sagen und damit vor allem für einen Moment doch der eigenen inneren Tristesse zu entkommen. Es kann sich Missgunst eingeschlichen haben oder auch eine peinliche Angst, zu der man nicht öffentlich stehen will. Es gibt viele Gründe, warum wir in dem einen Fall hart und in einem ähnlich gelagerten Fall sehr mild über etwas urteilen. Hintergründige Motive, die unter Umständen mehr mit uns selbst zu tun haben als über denjenigen, den es nun trifft.

[…]

Urteile und Meinungsbildungen sind Interpretationen eines Bewusstseins auf seinem eigenen Level. Aber Urteile sind eben auch Wirklichkeit schaffend. Lange schon ist bekannt, dass die Realität den Gedanken folgt, die wir erzeugen. Das sind gute Gründe, jede Form von Urteil, aber erst recht eine Ver-Urteilung, überaus ernst zu nehmen. Jeder Gedanke, jedes Gefühl, jedes Wort ist von jedem einzelnen von uns zu verantworten. Wie wörtlich das zu nehmen ist, weiß man aber erst wohl ab einem gewissen inneren Entwicklungsstand auf der nach oben offenen Skala eines sich ständig erweiterten Bewusstseins.

Urteile im Alltag

Urteile begegnen einem aber auch im alltäglichen Geschäft, z.B. in Form von Reviews auf Shoppingportalen und z.B. im Apple AppStore. Hier habe ich mal ein paar rausgesucht:

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Quelle: Eigene Anfertigung / Screenshot AppStore in iTunes

Wenn man sich das einmal anschaut, dann mag sicher ein Fünkchen Wahrheit in dem Urteil liegen, aber der Grund des Ver-urteilens ist wohl oft ganz wo anders gelagert, wie sonst soll man sich die massive Diskrepanz erklären zu 99% der anderen Urteilenden? Ich fühle mich jedes Mal durch 1-Sterne-Reviews verurteilt und versuche selbst keine solche Urteile zu treffen. Wie haltet ihr es mit dem (Ver-)Urteilen? Ich persönlich habe begonnen alle meine Kunden mit einer einzigen Regel zu betrachten: „Assume positive intent!“. Diese Regel habe ich mir von Mike Lee ausgeliehen, und dieser scheint sie widerum durch seine Laufbahn bei Apple Inc. erlernt zu haben. Für mich der goldene Weg Urteile gar nicht erst an sich persönlich heranzulassen, sondern den eigentlichen Grund dahinter zu suchen.

Your code is shit

Ein weiteres schönes Beispiel wie übel so schnell gefällte Urteile sind, bei denen die Phase fehlt, in den Mokassins des Anderen zu laufen, hab ich eben gerade per twitter gefunden in dem Post Code culture problem/ von Nolan Frausto. Und wohin solche vorschnellen Urteile führen das erläutert Nolan auch gleich im Detail:

No one wants to feel stupid, and no one wants to feel inferior or bad at their job. Once a „this is shit“ culture starts to spread one of the only ways to make sure that you are on top is to put down others. In the end it is a culture that values negativity rather than focus on solutions.

Lösungsorientiertes Denken ist nicht so einfach wie dem anderen einfach mal zu sagen „Dein Programmcode ist scheiße!“. Ich kann da auch immer wieder nur auf eine Seite z.B. in der Wikipedia verlinken, nämlich die zu Wikistress und der Stressvermeidung. Fast immer ist eine FRAGE zu stellen der deutlich elegantere Weg als eine AUSSAGE und damit ein Urteil zu treffen.

Why do I blog this? Ich find den Text ganz anregend. Vor allem den Teil mit den angesprochenden Indiander Mokassins. Mir wird das immer wieder deutlich, wenn ich Kundenrückmeldungen im AppStore zu meinen Apps lese. Vor allem 1-Sterne-Revies tun einem immer wieder richtig weh! Und da fragt man sich des öfteren, was wohl passieren würde, wenn diese Kunden mal eine Woche in meinen Turnschuhen vor dem Rechner sitzen würden.

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