Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)

Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist ein sozialpolitisches Finanztransferkonzept, nach dem jeder Bürger – unabhängig von seiner wirtschaftlichen Lage – eine gesetzlich festgelegte und für jeden gleiche – vom Staat ausgezahlte – finanzielle Zuwendung erhält, ohne dafür eine Gegenleistung erbringen zu müssen (Transferleistung). Es wird in Finanztransfermodellen meist als Finanzleistung diskutiert, die ohne weitere Einkommen oder bedingte Sozialhilfe existenzsichernd wäre.

Quelle: Wikipedia Mai, 2015

peira_logoHier eine Aufzeichnung einer wahnsinnig guten Diskussion zu dem Thema veranstaltet von der Peira – Gesellschaft für politisches Wagnis e.V.. Eine weitere Veranstaltung dazu ist hier zu finden. Eine ganze Veranstaltungsliste gibt es auch.


17. Mai 2015: Das BGE aus der Sicht von Kulturschaffenden

Hier eine Grafik, die hervorragend zeigt, was wir derzeit an gesellschaftlichem Schaden mit einem bedingten Grundeinkommen anrichten.

Faktisch schon da
Quelle: www.buergerinitiative-grundeinkommen.de

Interessante Personen

Interessante Fragen

  1. Brauchen wir eine Arbeitspflicht noch?
  2. Ist Grundeinkommen nicht eine singular-referenzielle Größe die außer Acht lässt, dass ein Geldwert (oft 1000€) überhaupt nichts mit der Kaufkraft zu tun hat?
  3. Brauchen wir nicht eine gesicherte Kaufkraft zwecks Selbstversorgung-durch-Kaufen, um einer Arbeit nachgehen zu können?
  4. An was würdest du arbeiten, wenn deine Kaufkraft zur Selbstversorgung gesichert wäre?
  5. …to be continued.

abbiegen-zum-bge_550

Meine Kritik

  • Wenn man über Geldbeträge spricht ist man auf dem Holzweg, denn ein Geldbetrag ist schnell geändert und kann prinzipiell das Einkommen auch auf Null setzen (reale Kaufkraft ist etwas anderes!)
  • Wichtig ist aus meiner Sicht das gesicherte wirtschaftliche Selbstversorgungspotenzial einer Person, also selber Lebensmittel, Dienstleistungen, Miete etc. bewältigen zu können.

Work-Life-Balance

Passend dazu ein Artikel mit Überschrift „Work-life balance: Aspirational parents condemn their children to a desperate, joyless life“ von George Monbiot.

hamsterrad

Finish your homework, pass your exams, spend your 20s avoiding daylight, and you too could live like the elite. But who in their right mind would want to?

Kindeswohl durch mehr Beschäftigung?!

Reiner Stadler in einem Beitrag vom 6.6.2015 „Vater, Mutter, Staat“ im MDR Kulturradio. (Depublizierungsschutz mp3)

Der Ausbau der Kita-Plätze soll jungen Familien helfen. Aber ist das wirklich so? Rainer Stadler, Journalist und Vater, wendet sich gegen den Trend zur Ganztagsbetreuung.

Die Grauen Herren von der Zeitsparkasse

zeitgenossen021-150x150Über Twitter hab ich einen neuen Podcast kennengelernt, die Zeitgenossen.

Die machen grade eine Podcast-Betrachtung in Folge 21 eines meiner Lieblingsbücher: Momo von Michael Ende.

Als ich den Podcast fand hab ich erstmal nach dem Buch gesucht. Ich suche immer nach dem Buch… auch kürzlich hab ich danach gesucht, in den Kisten auf dem Dachboden… im Bücherregal, in Kisten in der Abstellkammer. Ich hab es nicht gefunden. *seufz* Dabei weiß ich genau wie es aussieht, nämlich so:

Das Buch mit dem bezeichnenden Untertitel „Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte.“ ist aktueller denn je, denn es greift meiner Ansicht nach den Zustand unserer Gesellschaft so präzise auf wie kein zweites.

Das Auffinden des Podcast hängt mit dem zuvor weiter oben eingefügten Beitrag des MDR Kulturradio zusammen, in dem es um das Abgeben der Kinder in Einrichtungen zur „Betreuung“ geht um Zeit zu sparen und Zeit für die Berufstätigkeit zu schaffen.

Angeregt durch diesen Beitrag fielen mir wieder die Interviews mit Michael Ende ein die ich mal dokumentiert sah und hier mal im Vollzitat gegen Depublizierung sichere:

Michael Endes letzte Worte an die Japaner

Am 4. Mai 1999 wurde im japanischen Fernsehen NHK (Nihon
Hôsô Kyôkai
) der Dokumentarfilm »Ende no yuigon« – „Endes letzte Worte“ ausgestrahlt. Das Programm stiess bei den Zuschauern auf grosses Interesse und wurde seither bereits dreimal wiederholt. Der Film beginnt mit Ausschnitten aus einem Interview, das Michael Ende dem japanischen Fernsehen im Februar 1994 gegeben hatte. In seinen letzten Lebensjahren hatte sich Ende sehr intensiv
mit Fragen der Wirtschaft und des Geldsystems auseinandergesetzt. Sein Meisterwerk „Momo“ enthält zahlreiche Andeutungen zu diesen Themen. Dem Volkswirtschaftler Werner Onken fielen diese Anspielungen auf und er sprach ihn darauf an. Im seinem Antwortbrief bestätigte Ende diese Vermutungen:


„Übrigens
sind Sie bis jetzt der erste, der bemerkt hat, dass die Idee des alternden Geldes im Hintergrund meines Buches MOMO steht. Gerade mit diesen Gedanken von Steiner und Gesell habe ich mich in den letzten Jahren intensiver beschäftigt, da ich zu der Ansicht gelangt bin, dass unsere ganze Kulturfrage nicht gelöst werden kann, ohne dass zugleich oder vorher sogar die Geldfrage gelöst wird.“(1)


Dieses Thema beherrschte auch das Gespräch mit den Fernsehleuten aus Japan. Über zwei Stunden sprach er über die Dinge, die ihm so sehr am Herzen lagen und das japanische Fernsehteam hörte mit grossem Interesse zu. Das Gespräch lieferte die Anregung zu einer Fernsehreihe über das Thema unter der Mitarbeit von Michael Ende. Leider kam es dann nicht mehr dazu, da Michael Ende im August 1995 verstarb. Das Fernsehteam nahm die Anregung dennoch auf. In Endes hinterlassenen Büchern fanden sich viele Werke zum Thema Geld und Wirtschaft. Das Interview und die Bücher boten dann das Grundmaterial für die Fernsehdokumentation „Endes letzte Worte“.

Ende_no_yuigon

Michael Ende liebte Japan, seine Menschen, seine Kultur. Und die Japaner lieben ihn. In keinem anderen Land, ausserhalb Deutschlands, wurde sein Werk so umfassend aufgenommen und erreichte so hohe Auflagen.
Aus Gesprächen, die er mit japanischen Künstlern und
Wissenschaftlern geführt hatte, entstanden Bücher, die es auf Deutsch nicht gibt. Und so kommt es, dass seine Vorstellungen über Geldsystem und Wirtschaft und deren innerer Zusammenhang mit der Kultur in Japan besser bekannt sind als hierzulande. Auf den ersten Blick scheint es Gemeinsamkeiten zu geben zwischen Deutschland und Japan: beide verfügen über eine alte, gewachsene Kultur und beide
gehören sie zu den industriell fortgeschrittensten Ländern. Diese Voraussetzungen mögen Ende bewogen haben, seine Vorschläge an Japan zu richten. Die wirtschaftlich mächtigsten Länder hätten der Welt gegenüber eine Pflicht zu erfüllen, so meinte er, und daraus entstand die Idee, in Tokyo eine Konferenz einzuberufen, bei der Unternehmer und Wirtschaftler eine Organisation bilden, die das kapitalistische Wirtschaftssystem von Grund auf neu durchleuchtet. Der Beitrag der reichen Länder im internationalen Rahmen solle nicht darin bestehen, Geld an die armen Länder zu verteilen, sondern in der Verwirklichung kluger Unternehmen.

Wie kommt nun ein Autor wie Michael Ende, der für den Reichtum der Phantasie in seinen Geschichten geliebt und bewundert wird, dazu, sich auf das knallharte Parkett der Realität zu begeben? Vielleicht sind Vorstellung und Wirklichkeit gar keine so unversöhnlichen Gegensätze, wie uns unsere offizielle Kultur noch immer glauben machen will. Das Reich der Phantasie, das die innere, subjektive Befindlichkeit widerspiegelt und die Welt der objektiven Tatsachen, der äusseren Bedingungen, stehen in Wechselbeziehung zueinander. Äussere Gegebenheiten können die Phantasie anregen und aus der Vorstellungskraft wiederum können neue Tatsachen geschaffen werden. Während einer Konferenz von Wirtschaftlern und Managern in der Schweiz, zu der Ende eingeladen worden war, las er eine Passage aus einem seiner Bücher und er versuchte dann, das Vorstellungsvermögen
seiner Zuhörer zu aktivieren. Sie sollten sich vorstellen, wie die Gesellschaft der Zukunft aussehen solle; aber es kam nicht dazu. Die Zuhörer sahen nur die Bedingung der Realität, „Wir brauchen ein jährliches Wirtschaftswachstum von 3%, um überleben zu können“, und darin gab es keinen Freiraum mehr für Phantasie.(2)

Um uns Endes Vorstellungswelt zu nähern, ist es vielleicht hilfreich zu ergründen, wie er die Tatsachen der Wirklichkeit wahrgenommen hat. In einem älteren Interview für eine japanische Fernsehsendung meinte er:


„Wer zahlt, der befiehlt. Da unsere ganze Entwicklung auf technologischen und wissenschaftlichen Gebieten von Wirtschaftsinstituten und von staatlicher Seite für militärische Zwecke bezahlt werden, ist eine ganz bestimmte Art von Naturwissenschaft geschaffen und mit ungeheurer Geschwindigkeit vorangetrieben worden.“(3)


Die Ausgaben für militärische Rüstung ergaben sich aus dem Wettbewerb der beiden dominierenden Machtblöcke. Und an diesem Punkt erhebt sich die Frage, wieso der ‚real existierende Sozialismus‘, der ja eine menschlichere Alternative zum Kapitalismus darstellen wollte, so kläglich versagt hat. Nach Endes Ansicht ist die Marxsche Lehre jedoch keine Alternative zum Kapitalismus, Marx hatte den grundlegenden Fehler des Kapitalismus nicht erkannt und gelöst.


„Marx hat im Grunde geglaubt, das Problem des Kapitalismus dadurch zu lösen, dass anstelle der vielen Privatunternehmer nur ein einziger Unternehmer gesetzt wird, nämlich der Staat. Der Hauptfehler von Marx war, dass er den Kapitalismus eigentlich gar nicht ändern, sondern nur dem Staat übergeben wollte. In den beiden feindlichen Zwillingen der letzten 70 Jahre hatten wir einen Privatkapitalismus und einen Staatskapitalismus. Aber wir hatten keine nichtkapitalistische Wirtschaftsordnung. Marx‘ grosses Verdienst bleibt dennoch, dass er Begriffe geschaffen hat, die eine Kritik des Wirtschaftslebens überhaupt ermöglichen.“


Für Ende ist der Kapitalismus eine Auswirkung der fehlerhaften Struktur des Geldwesens selbst. Diesen grundlegenden Zusammenhang hatte Marx nicht erkannt, so dass es zwischen dem ‚real existierenden Sozialismus‘ und dem Kapitalismus westlicher Prägung gar keinen so
grundlegenden Unterschied gegeben hat, auch nicht in den
Auswirkungen:


„Die Opfer unseres Systems sind die Völker der Dritten Welt und die
Natur. Sie müssen die Rechnung bezahlen. Sie werden rücksichtslos ausgebeutet, damit das System weiterhin funktioniert. Um das Geld so profitbringend wie möglich zu investieren, so dass sich das Kapital vermehrt und wächst, müssen sie die Rechnung dafür
bezahlen, denn natürlich kommt dieses Wachstum nicht aus nichts.“

Auf seiner Suche nach einer Lösung, wie die »Tyrannei des Geldes« beendet werden könne, begegnete Ende vielen Fachleuten – Politikern, Wissenschaftlern, Künstlern, Wirtschaftlern – und diskutierte mit ihnen. Eine der originellsten Persönlichkeiten unter diesen Experten ist der Schweizer Nationalökonom Hans Christoph Binswanger. Für Binswanger ist das grenzenlose Wirtschaftswachstum Ausdruck der Sehnsucht des Menschen nach Unendlichkeit. Doch diese Sehnsucht hat sich vollständig auf das Materielle verlagert, wo es nicht erfüllbar ist. Dahinter steckt, so vermutet er, das Bestreben der mittelalterlichen Alchemie, Blei in Gold zu verwandeln. Das Faust-Drama Goethes ist nach Binswangers Verständnis eine detaillierte Kritik an den unterschwellig wirkenden, alchemistischen Vorstellungen und eine eindringliche Warnung an die Hybris der modernen Wirtschaft.(4)


„Bei meiner Interpretation ist die Erkenntnis neu, dass Goethe im Faust
die moderne Wirtschaft als einen alchemistischen Prozess beschreibt und vor den Folgen solchen Tuns eindringlich warnt: vor allem dort, wo von der Schaffung von Gold, von Geld, von den Geldschöpfungsexperimenten die Rede ist… Hier liegt ein wesentlicher Teil von Goethes Faust-Botschaft. Alchemie ist kein mittelalterlicher Aberglaube, sie wird konsequenter denn je praktiziert, sie experimentiert heute mit dem Globus insgesamt, und
dieses alchemistische Grossexperiment heisst »moderne Wirtschaft«…
Was passiert denn in der Wirtschaft heute? Ständig »wächst« etwas »zu«. Merkwürdig nur, dass nirgendwo irgendetwas weniger werden soll. Genau das ist Alchemie, die Fortsetzung des Schöpfungsprozesses quasi aus dem Nichts.“(5)

Binswanger sagt, dass die Wirtschaft zu etwas Sakralem, das Geld zu etwas Transzendentem geworden sei, es verdirbt nicht, es kann nicht verbraucht werden, denn es läuft ja nur um. Es verfault nicht, es rostet nicht – es ist dem Gold gleich. „So ist das, was wir beim
Geld empfinden, unbewusst zu einer Metapher geworden für
Unsterblichkeit.“ Aber die groteske Selbstvermehrung des Geldes, das Sakrale darin, ist für Ende eine Form von Schwarzer Magie.


„In
den alten Kulturstätten der Welt stand im Mittelpunkt der Tempel, die Kirche oder der Dom. Von dort ging die Ordnung des Lebens aus. Heute steht im Mittelpunkt jeder Grossstadt das Bankgebäude. In meinem »Rattenfänger« habe ich versucht, dies als eine Art
Dämonenkult zu schildern, wo das Geld wie etwas Heiliges angebetet wird. Dort wird sogar expressis verbis gesagt, es sei Gott!
Es tut Wunder, denn die Vermehrung des Geldes selbst ist ja ein Wunder. Es ist ja eine wunderbare Geldvermehrung, um die sich’s da handelt.
Es hat den Charakter des Unvergänglichen. Wenn jedoch etwas eine rein menschliche Schöpfung ist, dann ist es das Geld.“


Schwarze Magie hat es an sich, dass sie selbstzerstörerisch ist, dass sie sich letztendlich selbst verzehrt. Im »Rattenfänger von Hameln«,
der alten Legende, die Ende als Grundlage für eine Oper benutzt hat, erscheint der Rattenfänger als Retter, der die Kinder aus einer kranken, elenden Gegend, in der die Pest wütet, in ein neues, gesundes Reich führt. Dies ist möglich in der Welt der Phantasie, wie aber soll eine Lösung in der Realität aussehen. Nun, wenn das
Problem dadurch entsteht, dass das Geld zu einem Symbol für
Unendlichkeit und Unsterblichkeit geworden ist, obwohl es mitten in der endlichen und vergänglichen Welt benutzt wird, scheint die Lösung offensichtlich. Auf dem Höhepunkt des Gesprächs mit dem japanischen Fernsehteam fällt nun der Name Silvio Gesell.


„Ich weiss nur, dass es mit Silvio Gesell angefangen hat, der einer der ersten war, die sich den Kopf darüber zerbrochen haben. Das war ein
Mann der Räterepublik in Bayern kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Er sagte zum Beispiel: »Geld muss altern können«. Er sagte, es muss so eingerichtet werden, dass das Geld am Ende des Wirtschaftsprozesses wieder verschwindet.“


Er bringt dann zur Veranschaulichung den Vergleich mit dem Blut, das an einer Stelle – im Knochenmark – erzeugt wird, dann im Körper zirkuliert, alle Organe mit Nährstoffen versorgt und zum Schluss altert und ausgeschieden wird.

Silvio Gesell wurde in einem kleinen Ort nahe der belgischen Grenze geboren, wanderte als junger Mann nach Argentinien aus und gründete dort als Kaufmann ein erfolgreiches Geschäftsunternehmen. Er studierte die
wechselnden Phasen in der Konjunktur der Wirtschaft und fand die Ursachen für krisenhafte Entwicklungen im Geldsystem. Seine Einsichten bildeten die Grundlage für seine Theorie. Als er nach Europa zurückkehrte, verfasste er sein umfangreiches Hauptwerk »Die Natürliche Wirtschaftsordnung« und versuchte auch hier seine Erkenntnisse weiterzugeben. Aber auch nach der zweiten, noch schlimmeren Katastrophe wurde nicht an der bestehenden Geldordnung gerührt. Und da auch heute wieder die wirtschaftliche Situation bedrohliche Ausmasse annimmt, scheinen nach Endes Meinung Massnahmen
dringend geboten.


„Wenn nicht die Vernunft den Menschen dazu bewegt, etwas zu ändern, dann
werden es die Ereignisse sein.
Aber ich glaube, dass es eine Maulschelle sein wird, die die Menschheit bekommt und die ihr noch viele Jahrhunderte in den Ohren klingen wird…“

Maulschellen hat die Menschheit im 20. Jahrhundert ja schon einige kräftige erhalten. Und vor jeder Katastrophe, die sich ereignete, gab es Stimmen der Vernunft, die vor der Katastrophe warnten. Gesells Leserbrief an eine Berliner Zeitung stammt aus dem Jahre 1918:


„Trotz der heiligen Versprechen der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu
ächten, trotz der Rufe der Millionen: »Nie wieder Krieg«, entgegen all den Hoffnungen auf eine schönere Zukunft muß ich sagen: Wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft, beibehalten wird, so wage ich es, heute schon zu behaupten, daß es keine 25 Jahre dauern wird,
bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen.“


In weiteren knappen Sätzen beschrieb er, was sich bis zu dieser Katastrophe ereignen würde und es traf ein. Gesell war jedoch kein Hellseher. Seine Voraussage war nur eine präzise Darstellung der Konsequenzen, die sich aus der inneren Gesetzmässigkeit des Geldsystems zwangsläufig ergeben mussten. In Phasen sich steigernder Aufregung werden jedoch Stimmen der Vernunft und Besonnenheit immer überhört.


Die Domäne des Schriftstellers Michael Ende ist das Reich der Phantasie, der subjektiven Vorstellungskraft, und diese scheint nichts mit der Realität zu tun zu haben. Aber die sogenannten Realisten, die nur die Notwendigkeit für „3% Wirtschaftswachstum“ sehen,
stehen möglicherweise unter dem Zwang einer inneren Vorstellung von der Wirklichkeit, dessen sie sich nicht bewusst sind. Michael Ende versuchte, die Aufmerksamkeit der Menschen auf diese innere Welt der geistigen Vorstellung zu lenken. Es könnte zu der Einsicht führen, dass der Zwang zu „3% Wirtschaftswachstum“ auch nur eine
Ausgeburt der Phantasie, aber einer unbewussten ist.


„Ich betrachte meine Möglichkeiten als Schriftsteller, die ja sehr gering
sind, nur unter diesem Gesichtspunkt. Ich versuche Gedanken zu denken, Vorstellungen zu entwickeln, die möglicherweise denen helfen können, die die Ereignisse überstehen und nicht den gleichen Fehler
wieder machen. Es wird sich dann eine Gesellschaft von ganz anderer Art bilden.“


Michael Ende überschätzt keineswegs seine Möglichkeiten der Einflussnahme in einer Kultur, in der Phantasie und Realität, Subjekt und Objekt als voneinander getrennte Bereiche betrachtet werden, die scheinbar ohne gegenseitige Beziehung nebeneinander existieren. Aber auch diese Vorstellung ist keineswegs universal und überall gültig.

Atsunori Kawamura, der Leiter der Dokumentarfilmabteilung „Group Gendai“
von NHK berichtet (6), dass Ende sich trotz seiner Sympathie und Wertschätzung für Japan und seiner Kultur weit von der heutigen Lebenswirklichkeit der Japaner entfernt fühlte. Im Japan der Gegenwart wird die Wirtschaft und sogar die Kultur von der Macht der Bürokratie beherrscht. Was als Neuaufbau der Wirtschaft bezeichnet wird, besteht lediglich in der Investition ungeheurer Summen aus Steuergeldern in die Kapitalorganisation privater Unternehmen. Auch das kulturelle und geistige Schaffen hängt von Subventionen und Autoritäten ab, die so die Richtung der Entwicklung beeinflussen. Die demokratisch gewählten Politiker sind meist damit beschäftigt, sich in der öffentlichkeit zu profilieren, um bei der nächsten Wahl wieder gewählt zu werden. Die Bürokraten, die sich nicht um die Wählergunst bemühen müssen, können sich ohne Ablenkung auf Sachfragen konzentrieren. Diese Bürokratie ist sehr effizient, sie trifft ihre Entscheidungen nicht einseitig, sondern in reger Zusammenarbeit mit betroffenen Institutionen. Auf diese Weise entstand ein paternalistisches System, das auf Konsens und Harmonie beruht, aber die Bürger auf subtile Weise entmündigt. Endes Vorstellungen orientieren sich weitgehend an den Theorien Rudolf Steiners von der Dreigestalt der Gesellschaft. Die Grundlage der Demokratie ist die Gleichberechtigung der Bürger und somit auch die Grundlage für Mehrheitsentscheidungen in öffentlichen Angelegenheiten. Im geistigen und kulturellen Leben jedoch gelten andere Theorien, in diesem Bereich zählt die Freiheit am höchsten. Was Kunst ist, kann nicht durch Mehrheitsbeschluss oder gar per Dekret bestimmt werden. Der wirtschaftliche Bereich sollte vor allem dem Ideal der Brüderlichkeit entsprechen. Diese Einteilung der Gesellschaft folgt den Schlagworten der Französischen Revolution: Freiheit im geistigen, kulturellen Bereich, Gleichheit in der Ausgestaltung der Bürgerrechte und Brüderlichkeit bei der Befriedigung der Grundbedürfnisse der Menschen.

Es war nicht Japans Fassade, die solche Anziehungskraft auf Michael Ende hatte, es waren wohl subtilere Aspekte der Kultur dieses Landes, die tiefere Schichten bei ihm angesprochen haben. Japan ist in vieler
Hinsicht ein ungewöhnliches Land. Einerseits ist es durch und durch asiatisch, ganz in den Traditionen asiatischer Geistigkeit und Kultur stehend, andererseits hat es sich daraus hervorgehoben und konnte sich nicht nur in der von Wissenschaften dominierten, abendländischen
Zivilisation behaupten, sondern sogar einen der höchsten Plätze erobern. Doch die Kultur eines jeden Landes ist wie durch eine Nabelschnur mit seiner Vergangenheit verbunden und auch wenn die äussere Fassade dies nicht mehr erkennen lässt, sind solche
Einflüsse unterschwellig wirksam. Über 200 Jahre lang war Japan isoliert (1639-1868). Es gab so gut wie keinen Austausch mit dem Rest der Welt. Von den wissenschaftlich-technologischen Fortschritten, die den westlichen Ländern die Industrielle Revolution bescherten und
sie unaufhaltsam weitertrieben, blieb Japan völlig unbehelligt. In den 200 Jahren der Isolation gab es so gut wie keinen technologischen Fortschritt. Als sich Japan 1868 wieder der übrigen Welt öffnete, war es ein reines Agrarland. 80% der Bevölkerung waren Bauern, der Rest verteilte sich auf die übrigen Stände: Samurai, Handwerker, Kaufleute. Aber auch wenn nach westlichen Massstäben, Japan ein rückschrittliches Land gewesen sein mag, trifft dies eben nur im Bereich technologischer Entwicklung zu. Die Japaner sind ein ungemein wissbegieriges, lernfreudiges Volk. Sie nutzten die Zeit des
technologischen Stillstands für Bildung und kulturelle Verfeinerung. Es entstanden private Schulen, terakoya genannt, die eifrig besucht wurden und für eine hohe Ausbildung breiter Schichten sorgten. Zum Ende der Edo-Zeit 1868 hatten etwa 40% der männlichen und 20% der weiblichen Bevölkerung eine terakoya
besucht und konnten Lesen und Schreiben. Im Vergleich dazu hatten zu dieser Zeit in England, dem damals industriell fortgeschrittensten Land, nur etwa 20% der Männer und keine Frauen eine Schulbildung genossen. Ein überdurchschnittliches Bildungsniveau ist auch heute noch Standard in Japan.

Ganz sicher aber sind unterschiedliche historische Entwicklungen und geistige Wurzeln verantwortlich für die Setzung anderer Akzente im Umgang mit den Dingen der Wirklichkeit. Der amerikanische Japanologe Boye Lafayette De Mente, der viele Jahrzehnte in Japan gelebt hatte, meinte:


„Für einen logisch denkenden Menschen des Westens gibt es wahrscheinlich
nichts Irritierenderes als mit Menschen – umso mehr mit einem ganzen Volk – zu tun zu haben, die sich nicht in einer »vernünftigen« Weise verhalten. Für westliche Menschen sind Leute, die ihren Gefühlen erlauben, einen wesentlichen Teil ihres Verhaltens zu bestimmen, suspekt und sie vertrauen ihnen nichts Wichtiges an. Wenn Emotionalität ein ziemlich niedriges Niveau übersteigt, betrachten wir es im Westen bereits als krank. […]
Vielleicht war es eine Kombination von Shintoismus und Zen-Buddhismus, die die
Japaner befähigte, sowohl im Bereich der Gefühle als des Verstandes zuhause zu sein, wobei das Gefühl nicht selten den Verstand überrollt. Mit dem Zen-Faktor im japanischen Denken haben sie einen beträchtlichen Vorteil in der Fähigkeit, zwischen Wirklichkeit und
dem Unwirklichen oder der Phantasie zu unterscheiden. Das Zen-Auge blickt durch die Fassade direkt ins Herz der Dinge.“(7)


Hier mag der Schlüssel liegen für die gegenseitige Anziehungskraft zwischen Michael Ende und den Japanern. Phantasie, das freie Fliessen der Assoziationen ist eine Methode, sich von eintrainierten Denkmustern, von Vorurteilen zu lösen, neue Denkmöglichkeiten zu
ergründen. Eintrainierte Denkmuster geben Sicherheit aber sie können auch eine Fessel sein, die Dinge so zu sehen, wie sie sein sollen und nicht, wie sie wirklich sind. Phantasie löst die festgefahrenen Denk- und Wahrnehmungsmuster auf, aber dies stellt auch eine Bedrohung der Sicherheit dar. Vor dem Hintergrund irrealer Phantasie
kann sich die Realität klarer abheben und gibt neue Sicherheit. Plötzlich werden Feinheiten der Realität wahrnehmbar, die mit den Augen einer voreingestellten Wahrnehmung nicht gesehen werden konnten. Wissenschaft ist die Neugier für das, was »die Welt im
Innersten zusammenhält«, die Erkenntnis von der Beschaffenheit der äusseren Welt, die nicht Ich ist. Kunst ist die Sehnsucht nach Einheit mit der Welt, die Trennung von Ich und Nicht-Ich aufzuheben. Der Wissenschaftler, dessen Blick auf die äussere Wirklichkeit gerichtet ist, kämpft mit den Tücken seiner subjektiven Befindlichkeit, seinen Stimmungen und Launen, die die klare Wahrnehmung zu stören scheinen. Der Künstler kämpft mit den Tücken des äusseren Objekts, die dem Ausdruck seiner inneren Phantasie zu
widerstehen scheint. Beide, Wissenschaftler und Künstler, wenn sie sich redlich um Verfeinerung ihrer Methoden bemühen, werden sich schliesslich begegnen.

Beide Bereiche, Wissenschaft und Kunst, sind die beiden Seiten des Ganzen. Es ist wohl kein Geheimnis mehr, dass der wissenschaftliche Weg, überwiegend der Weg des Westens war und der künstlerische Weg, der des Ostens. Japan, eine Kultur des Ostens und von daher eher der Kunst zugeneigt, hat sich sehr erfolgreich mit den Errungenschaften des Westens auseinandergesetzt und gleichzeitig gezeigt, wie wertvoll dabei die Errungenschaften des Ostens sind. In einer Welt, die durch
Kommunikationstechnologien immer kleiner wird und die Menschen sich immer näher kommen, muss ein Weg gefunden werden, wie die beiden Bereiche von Kunst und Wissenschaft gleichberechtigt zusammengeführt werden können. Dies ist die Kulturfrage, von der Ende zu Anfang sprach, und die seiner Ansicht nach nicht gelöst werden kann, wenn
nicht gleichzeitig oder besser schon vorher die Geldfrage gelöst wird.


Anmerkungen:
Soweit nicht anders vermerkt, sind alle Zitate von Michael Ende Transkripte von dem japanischen Video „Ende no yuigon“, die für die schriftliche Wiedergabe leicht redigiert wurden.

  1. Aus einem persönlichen Brief von Michael Ende an Werner Onken
  2. Anekdote aus „Phantasie, Kultur, Politik“, 1982; s.a. Yasuyuki Hirota, „Michael Endes Sicht der ökonomie“
  3. Aus demNHK-Programm „Einstein Roman 6: Ende’s Civilization Desert“, 1991
  4. Hans Christoph Binswanger, „Geld und Magie. Deutung und Kritik der modernen Wirtschaft.“ Edition Weitbrecht, Stuttgart 1985
  5. Aus einem Interview mit der Zeitschrift esotera, 12/1988
  6. In einem Beitrag von Atsunori Kawamura aus dem Buch „Ende no yuigon“, NHK-Shuppansha, Tokyo 2000
  7. Boye Lafayette De Mente, „NTC’s Dictionary of Japan’s Cultural Code Words“, National Textbook Company, Lincolnwood, Ill., USA, 1994

Mein besonderer Dank gilt Frau Junko Murayama (NHK) und Herrn Eiichi Morino (Gesell Research Society Japan), ohne deren freundliche Unterstützung dieser Aufsatz nicht möglich gewesen wäre.

Quelle: Robert Mittelstaedt, Webseite http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/mittelstaedt/japan-money/Ende_kinenshu.html (als englisches PDF)

Sehr empfehlenswert die Dokumentation zu 40 Jahre Momo von Oliver Sachs, Hanni Welter und Masayo Oda.


Quelle: youtube, SAT 1, (Depublizierungsschutzmp4)

Ebenfalls sehenswert, ein Interview: „Michael Ende 1990 Bei Fuchsberger ganzes Interview“.

Arbeit und Muße. Ein Plädoyer für den Abschied vom Arbeitskult

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Hans-Jürgen Arlt, Publizist und Kommunikationswissenschaftler, Universität der Künste und Prof. Dr. Rainer Zech, Sozialwissenschaftler und Geschäftsführer der ArtSet Forschung Bildung Beratung GmbH, fand am 20. März 2016, im Cum Laude das Restaurant, Humboldt-Universität zu Berlin statt im Rahmen der PEIRA Reihe.

Erschienen ist zu dem Thema auch eine Veröffentlichung der beiden Professoren mit gleichnamigem Titel:

arbeit_musse

Titel im Springer Verlag

„Muße, nicht Arbeit, ist das Ziel des Menschen.“ so Oscar Wilde in seinem leider viel zu unbekannten Essay „Der Sozialismus und die Seele des Menschen“ aus dem Jahr 1891. Doch von diesem Ziel haben sich diejenigen, die immer vorgaben, die Interessen der Arbeiterinnen und Arbeiter zu vertreten, kaum leiten lassen. Selbst jetzt in Zeiten von Industrie 4.0, der beginnenden Epoche der abnehmenden Arbeit durch die digitale Transformationen in allen gesellschaftlichen Bereichen, erheben Gewerkschafter und Sozialdemokraten weiterhin die Forderung auf ein Recht auf Arbeit. Dies ist kein Fortschritt und nicht menschenwürdig: Es ist daher an der Zeit ein „Recht auf Arbeitslosigkeit“ nicht nur zu denken, sondern auch gesellschaftlich durchzusetzen.

Wer nicht den ganzen Beitrag sehen möchte (der aber extrem sehenswert ist) der kann die Mitschrift von der Matinée erstellt von Prof. Martin Haase lesen (auf der Seite ganz unten in Links & Stichworten).

Why do I blog this? This will be remembered as one of the many sparks to kick off a different future.

Warum ist das Bezahlen nicht überall so einfach?

test_kauf_small…zumindest für Beträge die einen bestimmten Wert (sagen wir 15 €) nicht überschreiten?

Soeben habe ich mir einen Artikel der stiftung warentest gekauft mit dem Titel „Wetter-Apps: Sechs von acht kritisch beim Daten­schutz“ (mehr dazu hier). Im Internet. Mit dem Smartphone. Und oh Wunder, es funktionierte.

  1. Mobiltelefonnummer angeben
  2. SMS bekommen mit einer TAN
  3. TAN eingeben
  4. Fertig ist das DRM-freie PDF zum lesen

So, liebe Zeitschriftenverleger muss das funktionieren. Problemlos, schnell und vor allem ohne Registrierungsirrsinn. Hätte ich bei der Stiftung Warentest erstmal einen Account anlegen müssen, hätten die das vergessen können mit dem Kauf. Prima so, danke!!! Mögen sich alle anderen recht bald ein Beispiel daran nehmen.

Why do I blog this? Nun, ich bin die elenden Zahlungsregistrierungsformalitäten leid. Das eingeben einer Mobiltelefonnummer – die wie wir ja wissen die NSA sowieso schon kennt – erscheint mir da noch mit das kleinste Übel. Sofern die Telefonnummer nicht für das Versenden von SPAM-SMS genutzt wird danach ist das ein super-easy Zahlungsweg. Schön wäre ja, wenn mein Mobilfunkanbieter eine Payment-ID anbieten würde. Die gebe ich dann bei solchen Sachen ein und die Stiftung Warentest erfährt dann gar nicht meine Telefonnummer, sondern nur die Payment-ID.

Innovation. Print. Respekt.

bild_plus_logoDass es noch mal soweit kommt, dass ich den Axel Springer Verlag in meinem Blog löblich erwähne hätte ich mir nicht träumen lassen. Aber es bleibt mir nichts anderes übrig als zu sagen „Respekt, da hat endlich jemand Eier in der Hose.“ denn was da grade angeschoben wird ist keine Kleinigkeit. [BILDplus Logo: Axel Springer Verlag]

Der Verlag hat auf seiner Seite mit Pressemitteilungen bekanntgegeben ein Produkt namens BILDplus zu starten und damit ein neues Bezahl- und Zugangsmodell für Inhalte im Internet vorgestellt.

Na und?

Warum halte ich das für erwähnenswert? Ganz einfach, Teil dieses neuen Produkts ist eine wirkliche Innovation und wird meiner Ansicht nach wegweisend für andere Printprodukte sein, der „Tagespass“ von gekauften Zeitungen. Der Verlag stellt diese Funktion so vor:

Eine besondere Verbindung von Print und Online ermöglicht BILD außerdem durch einen in jeder Zeitung eingedruckten „Tagespass“. Mit diesem erhalten Kioskkäufer am jeweiligen Tag kompletten Zugriff auf alle digitalen BILDplus-Inhalte. Der „Tagespass“ wird durch ein neuartiges Druckverfahren realisiert, bei dem erstmals in jede einzelne Zeitung ein individueller Code eingedruckt wird. Dafür stattete Axel Springer in 13 Druckereien insgesamt 33 Rotations-Druckmaschinen mit einer neuen Hochleistungs-Inkjet-Technologie von Kodak aus.

Analog kaufen, digital konsumieren!

Die Innovation – auch wenn man das finale Produkt noch nicht in Händen hält – besteht hier in der Brücke die zwischen Analog und Digital gebaut wird. Ich kann eine Zeitung Print kaufen in der analogen Welt (z.B. am Kiosk) und erhalte einen Tagespass der mir vollen Zugriff auf Digital gibt. Das ist eine echte Neuerung für die Printwelt. Ich gehe jede Wette ein, dass alle namhaften Verlage, diesem Beispiel folgen werden. Denn das ist eines der ärgerlichsten Dinge momentan für Printkunden: Man kauft das Papier und wird Digital nicht reingelassen oder nur mit komplexen Prozeduren, Zusatzapps und nervigen Anmeldungen wo wieder Passwörter und Abrechnungsdaten benötigt werden.

Vorbild für Fair Use?

Überlegt man diesen angesagten Tagespass ein bissel weiter, dann wird schnell klar, dass man so auch ein Feature gewinnt, das alle anderen im digitalen Business bisher ablehnen: Sharing. Wenn ich jetzt eine Zeitung kaufe (PRINT) und die mit in den Zug nehme, kann ein Mitreisender entweder die Papierseiten lesen die ich grade nicht verwende, oder aber er nimmt gleich den Tagespass (DIGITAL), der beiliegt. Hier liegt es dann an der technischen Gestaltung, dieser Tagespass sollte sinnvollerweise Familienpass heißen und für bis zu vier Personen gleichzeitig nutzbar sein bzw. fair use erlauben; ähnlich wie in einer ICE Tischgruppe sollte der DIGITAL Kunde nicht schlechter gestellt werden als der PRINT-Kunde dann wird das garantiert ein Erfolg.

Der Baum brennt im Zeitungswald!

Ein Zitat von meedia bringt es auf den Punkt:

Bild-Chef Kai Diekmann hat just in einem Handelsblatt-Interview gesagt, die Bild-Macher müssten „alle journalistischen Herangehensweisen, Konzepte, Überzeugungen und Vorstellungen überprüfen“. Geschichten müssten so gedacht werden, dass sie auf Smartphones funktionieren. Die digitale Transformation müsse „noch viel entschiedener“ vorangetrieben werden. Die Süddeutsche Zeitung schrieb vergangene Woche: „Aus Bild soll eine multimediale Unterhaltungswelt werden – aus Nachrichten, Fußball, Filmen, Meinungen, Produkten und Kontakten. Eine Welt, die man eigentlich für nichts mehr verlassen muss.“

Drei-Farben-Zukunft

spectra_e_ink_3_colorsFalls das alles nicht klappen sollte bleibt ja immer noch die Bild als e-Ink-Paper als nächste Headline. Die Firma Spectra hat eine neue e-Ink-Technologie vorgestellt die energieeffizient 3-Farb-Darstellung kann.

E Ink Spectra is the first three pigment electronic ink offered in mass production. EPDs using Spectra offer the same high-contrast, sunlight readable, low-power performance attributes of our other display types – now with a pop of color. The first generation of Spectra will feature black, white and red pigments, and we expect to release additional colors in the future. […] Spectra works similiarly to our other inks, in that we apply a charge to our pigments, and to a top and bottom electrode to facilitate movement. However, Spectra is utilizing a microcup ink structure, rather than the microcapsules we are known for.

Und so funktioniert die Technik hinter dem 3-Farb-Gerät:

spectra_how_it_works
Quelle: Spectra E-Ink Webseite

Weitere Beiträge zu dem Thema:

Update 30.5.2013
Hier hab ich dann noch folgendes denkwürdige Zitat gelesen:

Wir werden so lange basteln, bis es klappt.

Das erinnert mich an den Vortrag von Richard St John mit dem Titel „Why do people succeed?“, den ich hier schonmal erwähnte. Hier nochmal das Video dazu:

Transkript

Dies ist eigentlich eine zweistündige Präsentation für Schüler, auf drei Minuten gekürzt. Es begann auf einem Flugzeug unterwegs zu TED vor sieben Jahren. Und im Sitz neben mir war eine Schülerin, ein Teenager aus einer sehr armen Familie. Sie wollte etwas aus ihrem Leben machen und stellte mir eine einfache Frage. Sie sagte: „Was führt zum Erfolg?“ Und mir tat es richtig Leid, dass ich keine gute Antwort geben konnte. Ich verlasse also das Flugzeug, gehe zu TED und denke: Ich bin in einem Raum voller erfolgreicher Menschen! Vielleicht frage ich sie, was ihnen half Erfolg zu haben und leite das an Kinder weiter? Hier sind wir also, sieben Jahre und 500 Interviews später, und ich werde ihnen sagen was wirklich Erfolg bringt und TED-sters antreibt. Und das Erste ist Leidenschaft. Freeman Thomas sagt: „Meine Leidenschaft treibt mich an.“ TED-sters tun es aus Liebe, nicht für Geld. Carol Coletta sagt: „Ich würde zahlen um das zu tun was ich tue.“ Und das Interessante ist: Wenn man es aus Liebe macht kommt das Geld dennoch. Arbeit! Rupert Murdoch sagte mir: „Es ist alles harte Arbeit. Nichts kommt einfach. Aber ich habe viel Spaß.“ Sagte er Spaß? Rupert? Ja! TED-sters haben an der Arbeit Spaß. Und sie arbeiten hart. Sie sind wohl keine Workaholics, eher Workafrolics. Gut! Alex Garden sagt: „Für den Erfolg muss man wirklich in etwas einsteigen und verdammt gut darin sein.” Es gibt keine Magie, es ist Übung, Übung, Übung. Und es ist Fokus. Norman Jewison sagte mir: „Ich glaube es hat damit zu tun, sich auf eine Sache zu fokussieren.“ Und Drang! David Gallo sagt: „Treib Dich. Physisch und mental muss man drängen, drängen, drängen.” Man muss sich drängen — durch Schüchternheit und Selbstzweifel. Goldie Hawn sagt: „Ich hatte immer Selbstzweifel. Ich war nicht gut, nicht klug genug. Ich dachte ich würde es nicht schaffen.“ Nun, es nicht immer einfach sich anzutreiben aber deshalb haben sie Mütter erfunden. (Gelächter) Frank Gehry sagte mir „Meine Mutter hat mich getrieben.“ Diene! Sherwin Nuland sagt: „Es war eine Ehre als Doktor zu dienen.“ Viele Kinder sagen mir, dass sie Millionäre werden wollen. Und die erste Sache, die ich sage ist: „OK, du kannst Dir nicht selbst dienen, Du musst anderen etwas Wertvolles geben. So werden Leute nämlich wirklich reich.“ Ideen! TED-ster Bill Gates sagt: „Ich hatte die Idee die erste Mikrocomputer Softwarefirma zu gründen.” Das war wohl eine recht gute Idee. Und bei Kreativität und neuen Ideen gibt es keine Magie, man muss nur einige sehr einfache Sachen machen. Und ich gebe viele Beweise. Durchhalten! Joe Kraus sagt: „Das Durchhalten ist der Hauptgrund unseres Erfolgs.“ Man muss das Scheitern überwinden, man muss Dreck überwinden! Und Dreck bedeutet hier Kritik, Ablehnung, Druck und Arschlöcher. (Gelächter) Also die Antwort auf die Frage ist einfach: Zahle 4.000 Dollar und komme zu TED. Oder, ansonsten, mach diese acht Sachen – und glaube mir, dies sind die acht Sachen die zum Erfolg führen. Danke an Euch TED-sters für all die Interviews!

Why do I blog this? Ich bin überzeugt, dass man nur durch eingehen von ein wenig Risiko einen neuen Weg findet, wie journalistische Produkte ihr Geschäftsmodell im digitalen Zeitalter gestalten können. Hier traut sich jemand Veränderung zu! Und das in Deutschland! Mit höchst konservativen Kunden (nur Bankkunden sind vermutlich noch konservativer)! Das ist fast schon zu schön um wahr zu sein! Deshalb mache ich eine Ausnahme und erwähne die hier den Axel Springer Verlag explizit. Denn für so einen strategischen Move sollte man Respekt zollen. Es sei den anderen Printmedien eine deutliche Warnung, kriegt endlich den Arsch hoch, eure halbherzig zusammengeklöppelten PDF-Viewer-Apps mit kompliziertem Paywall-Brimborium an jeder Ecke will niemand haben! Und ohne den im PRINT üblichen Fair Use gibt’s meiner Ansicht nach GAR KEINEN USE!