36c3

Bin ich gespannt auf den 36c3 dieses Jahr? Teils teils würde ich sagen. Zum einen bin ich gespannt, was inhaltliche Schwerpunkte sein werden. Wer wird die Keynote halten und damit einen kleinen Schwerpunkt setzen? Welche Talks wird es geben? Welche dezentralen Talkmöglichkeiten wird es geben? Welche Lightning Talks werden wir sehen? Wieviele international ausgerichtete Talks/Veranstaltungen wird es geben? Wie divers wird die Teilnehmerschaft sein? Welche Rolle wird das Motto „Resource exhaustion“ spielen?

Ich bin gespannt, wie sich Dinge vom Camp (die dort einen Anfang gemacht haben) auf dem 36c3 weiterentwickeln werden. Ich bin auch gespannt auf Neuigkeiten aus Initiativen und Projekten die ich wichtig finde, weil sie zu Resilienz und mehr Dezentralität beitragen. Dazu gehören vor allem Initiativen, die mir ermöglichen eigene Hard- und Software zur Kommunikation zu bauen und das Thema Verschlüsselung aufgreifen. Welche neuen Impulse werden von dem Congress ausgehen?

Die Zahnpaste geht nicht zurück in die Tube, daher erwarte ich keine große Änderung mit dem Standort Messe Leipzig für den darauf folgenden Congress. Es würde auch eine ganz schöne Anstrengung bedeuten. Ich hoffe dennoch, dass das Wachstum des Congress begrenzt werden wird. Meiner Ansicht nach sollte Quantität nicht das maßgebliche Kriterium sein, nach dem man diese Zusammenkunft fortführt.

Ich zolle jedem meinen größten Respekt, der sich in das Gelingen des Congress einbringt. Es müssen teilweise sehr ermüdende Diskussionen sein und zahllose zwischenmenschliche Konflikte, um die man sich kümmern muss auf dem Weg zur Umsetzung. Ich kann das nur erahnen, aber ich weiß wieviel Energie es kostet mit anderen Menschen zusammenzufinden und dann gemeinsam etwas zu bewegen.

Ich richte von daher schon jetzt meinen Dank an all die, die den 36c3 dieses Jahr ermöglichen werden. Das ist nicht selbstverständlich was ihr leistet und ich bewundere dieses Engagement.

EOL.

Chronemics

Ich möchte mal ein wenig mehr über ein Thema das mich seit langem fasziniert schreiben:

Chronemics can be briefly and generally defined as the study of human tempo as it related to human communication. More specifically, chronemics involves the study of both subjective and objective human tempos as they influence and are interdependent with human behavior. Further, chronemics involves the study of human communication as it relates to interdependent and integrated levels of time-experiencing. Previously, these interdependent and integrated levels have been outlined and discussed as: biological time; psychological time; social time; and cultural time. A number of classification systems exist in the literature of time. However, such systems are not applied to human interaction directly.

Quelle: Wikipedia

Wenn man sich einmal vergegenwärtigt, dass das sogenannte Monochronic time Zeitverständnis in unserer Arbeitswelt fast ausschließliche Gültigkeit besitzt, hingegen das Polychronic time Zeitverständnis fast gar nicht kulturell akzeptiert ist, dann erkennt man wie Chronemics als Wissenschaft von der nicht-verbalen Kommunikation über Zeitwahrnehmung ein Schlüsselgebiet für die Gestaltung von Kultur in der Arbeit darstellt.

Unterschiede bzw. Vergleich

Monochronic people Polychronic people
Do one thing at a time Do many things at once
Concentrate on a task set before them Concentrate on an event happening around them
Consider time commitments (deadlines, schedules) seriously Consider objectives (goals, results) seriously
Are low-context and need information Are high-context and already have information
Are committed to the job and end results Are committed to people and relationships
Dedicate themselves to plans Change plans often and easily
Are more concerned with privacy and individual ownership Are more concerned with community and shared connections
Emphasize prompt time recognition, regardless of relationship or circumstances Emphasize response based on nature of relationship and circumstances
Have strong tendency to build temporary, practical relationships Have strong tendency to build lifetime, familial relationships

Tabelle, Quelle: Wikipedia

Chronemik macht sich bemerkbar bei der Wartezeit auf eine Antwort im Arbeitsalltag:

To be kept waiting is to imply that one’s time is less valuable than that of the one who imposes the wait.

Auch auf die Sprechzeit im Alltag auf Arbeit wirkt Chronemik:

A superior – regardless of whether or not they are running the actual meeting – lead discussions, ask questions and have the ability to speak for longer periods of time without interruption.

Geht es um die Organisation der Arbeitszeit an sich, wirkt auch hier Chronemik:

The time of high status individuals is perceived as valuable, and they control their own time. On the other hand, a subordinate with less power has their time controlled by a higher status individual and are in less control of their time […]
Higher-status individuals have very precise and formal schedules – indicating that their stature requires that they have specific blocks of time for specific meetings, projects and appointments. Lower status individuals however, may have less formalized schedules.

Why do I blog this? Ich möchte mal ein wenig tiefer die Bandbreite des Begriffs hier darstellen. Das ist erstmal ein kleiner Auftakt.

Theodor Holm Nelson

Ted Nelson ist 80 Jahre alt geworden.

Nelson prägte Begriffe wie Hypertext (1965) und Hypercoins (1970), das Bezahlen für „transklusive“ Links mit Micropayment-Verfahren. Sein Hypertext-System Xanadu gehört zu den großen unvollendeten Projekten der Menschheit, denn schließlich hatte es das Ziel, das gesamte Textkorpus der Zivilisation als „Docuverse“ zu umfassen.

Angesichts seines 80. Geburtstags am heutigen 17. Juni kann der stets streitbare Ted Nelson vielleicht gelassener als früher auf sein Werk blicken. Gegenüber dem deutschen Filmemacher Werner Herzog hatte er im Dokumentarfilm Lo and Behold: Reveries Of The Connected World (deutscher Titel: Wovon träumt das Internet?) 2016 auf seinem Hausboot davon gesprochen.

Ted ist ein Urgestein des Netzes. Viele missverstehen ihn, oder wollen ihn missverstehen, weil er weniger ein Softwareentwickler denn ein Konzeptentwickler ist. Ted hat coole Ideen gehabt und hat sie immer noch, die immer noch topaktuell sind. Man fragt sich warum sie bislang nicht realisiert wurden.

Schaut euch seine Videos im YT-Kanal an solange sie noch online sind, oder „Re-Use, Free Use — Transcopyright — THE REAL COPYRIGHT ISSUE IS ON-LINE QUOTATION“, oder Transliterature (This open standard is undergoing revision, in order to harmonize with the first implementation: XanaduSpace(tm), which may be downloaded from xanarama.net), oder den Xanadu-Transquoter.

Ted Nelson in Herzog’s „Lo and Behold“
Depublikationsschutz

Why do I blog this? Ted ist jemand dessen Ideen ich bewundert habe. Die gesamte Zeit über die ich von 2002 bis 2008 an einer E-Learninglösung gearbeitet habe, hat mich vor allem seine Idee des Paralleltextes fasziniert. Ich hatte einen funktionierenden Prototypen für Paralleltext erstellt. Ich muss den Kram mal ausgraben… Ich ärgere mich, dass ich nie die ComputerLib mal persönlich in Händen halten konnte.