Review: reMarkable e-Ink Tablet nach einem Jahr Nutzung

Im November 2017 habe ich ein reMarkable Tablet mein Eigen nennen dürfen. Das Tablet hat die Besonderheit ein e-Ink-Tablet zu sein. Zugleich hat es eine weitere Besonderheit, es ist Touch-sensitiv und lässt sich mit normalen Finger-Taps und Wischgesten bedienen und man kann darauf schreiben mit einem speziellen Stift. Die Hände oder auch Handballen auflegen stören die Eingabe nicht.

Die dritte Besonderheit ist, man kann mit diesem Stift auf der Oberfläche des Screens flüssig schreiben ohne eine nennenswerte Verzögerung oder ein gefühltes „Nachziehen“ der Linie. Die Oberfläche des Bildschirms ist so beschaffen, dass es sich sehr papierähnlich und somit natürlich anfühlt darauf zu schreiben. Vor allem fühlt es sich nicht nach Glas und ultraglatt an, wenn man es z.B. mit den Apple iPads vergleicht für die man dann auch spezielle Stifte benötigt.

Ansicht des Tablet mit einer Zeichnung

Ansicht des Tablet mit einer Zeichnung und aufgeklappter Editierleiste links

Der Stift der für Zeichnen und Schreiben nötig ist

Wenn man sich das Foto von dem Stift anschaut, dann sieht der schon ziemlich unansehnlich aus nach dieser Zeit. Ehrlich gesagt kenne ich keinen einzigen Stift (unter meinen normalen Stiften), der nach so kurzer Zeit so dramatisch optisch-ekelhaft ausschaut. Daher hab ich nach einem Tipp gesucht, wie ich den wieder schön machen kann. Und auf Reddit wurde ich fündig.

Ich hab die untere Hälfte des Stift zunächst mit Solvent 50 behandelt (damit hab ich bei Kunststoffen schon oft Glück gehabt, vor allem wenn es um gummiartige Oberflächen ging), das hat schonmal ein wenig die leicht gummiartige Beschichtung abgelöst, und die Farbe deutlich aufgehellt, aber gelb sah es immer noch aus. Dann habe ich zu feinem Schmiergelpapier gegriffen und die untere Hälfte einfach bearbeitet bis eine sichtbar aufgetragene Kunststoffschicht das makellose Weiß darunter zum Vorschein brachte.

Jetzt war allerdings die untere Hälfte viel heller als die obere. Mist, das sieht nicht aus! Also hab ich kurzerhand den Stift mit einem Chromlack lackiert. Dafür hab ich das Stiftspitzenreservoir oben ausgefahren und sauber mit Malerkrepp den Innenraum abgeklebt. Auch das Loch unten im Stift hab ich vor der Lackierung mit einem Zahnstocher verschlossen, damit die Spitzen da wieder sauber reinpassen. Das Ergebnis kann sich denke ich sehen lassen.

Stift mit neuer Lackierung in Chrom

Meh, Kommando zurück

Okay, das war keine so tolle Idee, den Stift einfach so zu lackieren. Der Lack „trocknete“ nicht richtig, bzw. war klebrig beim Anfassen und nicht glatt. Als ich näher auf die Lackdose geschaut habe stand da dann auch dass der nicht abriebfest ist und auch nicht mit Klarlack überlackiert werden kann.

Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Also nächstes Mal vorher lesen, was da drauf steht, bevor man so schnell wie ich zur Lackierung greift. Ende vom Lied war, dass ich den Stift wieder vollständig vom Lack befreit habe mit Lackentferner. Der Stift hat es erstaunlich gut überstanden. Die Beschriftung des Stifts mit dem Logo von reMarkable ist jetzt zwar weg, aber die war vorhern schon arg angegriffen.

Jetzt sieht man allerdings die Risse im Plastik noch besser als vorher schon, weil sich da jetzt Reste vom Lack abgesetzt haben.

Der Stift selbst ist übrigens ein recht besonderer Stift, der dank des ausgelaufenen Patents von WACOM nun auch kopiert werden darf. Es ist ein sogenannter EMR Stylus, der mit elektromagnetischen Feldern arbeitet, ohne eine eigene Energieversorgung zu benötigen. Hier hat das mal wer im Detail erklärt. Die englische Fassung aus dem Patent lautet:

Our patented electro-magnetic resonance (EMR) technology allows our electronic pens to operate without cords or batteries.

How can an electronic pen operate without batteries or a power cord? It’s like magic.

Our EMR technology switches back and forth between 2 operating modes many times per second. First, there is the power mode, which is where the sensor creates a magnetic field and sends out a frequency that is picked up by the pen. This transfers energy into the pen wirelessly, like how a tuning fork makes a piano wire move without touching it. Once the pen is energized, it redirects that energy though the pen circuitry as a radio frequency (RF) signal. At that point, the sensor stops sending, and switches over to listening mode. The sensor can then hear the pen that is located above the sensor. By measuring the signal strength at several points along the sensor, we can do the calculations on-the-fly to determine precisely where the pen is located, as well as when the pen tip is pressed down, and how hard it is pressed down.

Das wiederum bedeutet, dass das wesentliche an dem Stift nicht etwa diese kleinen Spitzen sind die man nachkaufen kann, sondern der Stift selbst enthält Technik die man nicht mal eben so nachbauen kann. Daher wird der Stift ziemlich teuer verkauft. Es gibt aber auch günstigere Alternativen, z.B. den Staedtler Noris.

Mir ist diese Besonderheit des Stifts erst aufgefallen, als ich probiert habe während der lackierte Stift trocknete, diese kleinen Spitzen so ganz ohne Halterung zu benutzen, in der naiven Annahme, dass das funktioniert. Das funktioniert natürlich nicht, da die Technik im inneren des Stifts fehlt. Samsung bietet ein ähnliches Modell an das wie folgt erklärt wird:

Wie man sieht ist es ein Wechselspiel aus Senden und Empfangen von Radiowellen. Die Abbildungen oben zeigen Stifte anderer Bauart mit den Innereien. Da sieht man dass eine Spulenwicklung wesentlich für diese Art Stift ist.

Ich hab das Tablet jetzt schon eine ganze Weile in Gebrauch. Zwischenzeitlich hatte ich es echt täglich in Gebrauch auf der Arbeit. Es ist einfach sehr nützlich, um z.B. in Meetings Notizen zu machen. Die erzeugten Dokumente kann man über einen im Tablet integrierten Webservice herunterladen. Dafür etabliert das Tablet beim Anschließen an den Mac einen AdHoc Netzwerkservice unter der IP-Adresse 10.11.99.1 die man im Webbrowser aufrufen kann und dann bekommt man folgendes UI zu Gesicht.

Der AdHoc Netzwerkservice unter IP 10.11.99.1

Interessant ist, dass auf dem tablet ein Custom Linux namens `Linux remarkable 4.1.28-fslc+g7f82abb869a #1 Wed Feb 28 14:14:56 CET 2018 armv7l GNU/Linux` läuft. Das System ist Open Source und auf github.

Darin kann man mit etwas Geschick und viel Geduld auch einige Dinge anpassen. Unter dem Stickwort reHackable haben sich hier schon einige gefunden, die das reMarkable versuchen in seinen Funktionen zu erweitern.

Web UI zum Hoch- & Runterladen von Dokumenten

Man kann ganze PDF Dokumente hochladen per Drag & Drop. Über das UI kann man sich durchklicken in Unterordner und dann einzelne Dokumente als PDF wieder herunterladen. Das funktioniert gut, aber manchmal hat dieser AdHoc Netzwerkservice per USB Anschluss Probleme sich zu initialisieren. Dann muss man es nochmal probieren.

Exportiertes PDF Dokument

Folgendes PDF-Dokument gibt eine Idee davon wie ein auf dem Tablet erstelltes Dokument ausschaut, wenn man es exportiert hat. Das was auf dem Tablet als halbtransparente Farbe angezeigt wird, wird im PDF dann als halbdurchsichtiges Gelb abgebildet.

Tablet Hacking

Eine weitere Sammlung an Infos, um das Tablet mit weiteren Funktionen zu versehen und besser zu verstehen gibt es im reMarkable Wiki. Das Wiki beschreibt sich selbst wie folgt:

This is to become a comprehensive wiki about the reMarkable paper tablet. Please refer to the sidebar for a list of available main topics.

Ich hatte da eine recht umfangreiche Anleitung gepostet, wie man die Standard Screens austauschen kann, leider hat der Wiki-Besitzer offenbar sehr viele nützliche Einträge wieder gelöscht (also da bitte keine wertvolle Info mehr beitragen, das lohnt sich nicht). Gottseidank hatte ich das meiste in meinem git-repo https://github.com/trailblazr/reMarkableHacks hinterlegt.

Das Wiki hat allerdings hilfreiche Hinweise dazu, wie man z.B. zunächst den geschmeidigen ssh Zugriff herstellt. Ist erstmal der ssh-key hinterlegt, fluppt halt alles recht easy und man kann mit z.B.

scp *.png root@10.11.99.1:/usr/share/remarkable/. und mit
scp *.bmp root@10.11.99.1:/var/lib/uboot/.

einfach mal paar neue Splashscreens als png und bmp auf das Tablet laden.

Ich habe dann auch mal mit Hilfe meiner Elementary OS Installation eine Toolchain für Qt Applications installiert und mit Hilfe von Qt Creator unter anderem den draft launcher, fingerterm als Terminal und eine Zusatz Applikation die im Hintergrund den mittleren Button des Tablets überwacht, installiert. Wenn man jetzt den mittleren Button länger als 1 Sekunde gedrückt hält, wird die xochitl Applikation, die das Tablet standardmäßig fährt beendet, und man landet wieder im draft launcher. Dass der launcher by default nach dem Reboot des Tablet startet, hab ich natürlich über systemctl enable eingetragen und das kann man auch wieder rückgängig machen und jederzeit wieder ohne den launcher das Device benutzen.

Das funktionierte auf Anhieb ziemlich gut. Jetzt bin ich natürlich angefixt eine eigene Applikation für das Tablet zu schreiben. Dieses Qt schaut allerdings nach einer merkwürdigen Mischung aus Javascript und C++ aus kombiniert mit QML … ich vermute das steht für Qt Markup Language.

To be continued…

Die Innereien des Tablet

Nach etwas Suchen habe ich auch einen Teardown des Gerätes (De-Publizierungsschutz / PDF) bei der FCC Behörde entdeckt. Da erkennt man auch was da so alles an Technologie drin verbaut ist.

Die Revision 102 ist da auch aufgelistet. Und auch ein umfangreicher und interessanter Testreport der FCC (als PDF). [De-Publizierungsschutz]

Update: EMR Stylus

Ich hab mir jetzt einen STAEDTLER Noris Digital bestellt. Mal sehen wie der funktioniert mit dem Tablet. Hier paar Bilder davon aus dem Netz:

Inklusive Verpackung

Angekommen. Das Ding schreibt ganz gut. Schreibgefühl selbst ist deutlich besser als mit dem Original Pen. Leider ist der Original Pen in einer Hinsicht deutlich besser: Latenz. Wenn ich mit dem Original schreibe ist die Linie die ich zeichne quasi INSTANT da, bei dem Noris zieht die Linie leider etwas hinterher. Nicht stark aber doch merklich. Dennoch ist der Noris für mich eine willkommene Abwechslung und bei dem Preis von knapp 10 € auch echt noch als Versuch vertretbar.

Why do I blog this? Ich dachte mir nach dieser Zeit kann man mal ein echtes Review schreiben. Froh bin ich vor allem darüber, dass die Software bzw. Firmware bzw. die Qt-basierte Applikation die auf dem Linux das Tablet fährt, regelmäßig Updates bekommen hat. Die bisherigen Updates haben die Benutzung wirklich verbessert und Fehler ausgemerzt. Und es gab bislang keine Probleme mit den Updates bei mir. Das ist für so ein innovatives Ding, wo man nicht weiß ob die Firma das mehr als ein Jahr überleben wird, ja nicht selbstverständlich.

Auch wenn einiges verbesserungswürdig ist (vor allem die Laufzeit mit der nur läppische 3000 mAh fassenden Energiequelle ist zu schwachbrüstig für dauerhaften Einsatz 24h nonstop), finde ich das Tablet immer noch praktisch und nutze es gerne. Ein wenig tweaking der Splash Screens macht halt auch Spaß, ist aber beim nächsten Update wieder von vorn notwendig. Aber insgesamt bereue ich nicht dieses Gerät zu besitzen und das Aufladen per Micro-USB-Anschluss ist man ja mittlerweile für tausende kleine Gadgets gewöhnt.

Wenn ich wüßte, wie ich eine lauffähige Entwicklungsumgebung für die Qt-Software aufsetzen könnte, hätte ich sicher schon meine erste eigene App für das Ding gebaut. Leider scheint aber gerade das Aufsetzen einer Toolchain für dieses Tablet nicht gar so einfach. Schade, so bin ich derzeit mehr Konsument als echter Anwender. Die IDE hab ich unter Elementary OS ans Laufen bekommen und zusätzliche Apps bereits installiert. Yay!

Writing Easy-To-Change Code

Recommended WWDC talks:

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Podcast

Why do I blog this? I just copied this over from monkeydom to have a second place where this knowledge is stored.

Schlüsseldefragmentierung

Problem

In unserem Hackerspace (Hackerspace Bremen e.V.) haben wir für verschiedene Bereiche und Türen verschiedene wichtige Schlüssel für die Infrastruktur. Bislang hingen die alle an einem dicken Holzklotz als Schlüsselbund, allerdings musste man schon raten, welcher Schlüssel für was ist.

Das führt vor allem, wenn man die Schlüssel nicht oft oder gar als gast nur einmalig benutzt zu viel Frust, weil man nicht weiß welcher Schlüssel der 5 für welche Türe jetzt funktioniert. Das muss ja nicht sein!

Lösung

Daher habe ich kurzerhand vor 2 Wochen mal meine Vorräte an Nagellack hervorgekramt und die Schlüssel defragmentiert.

Mein Vorgehen:

  1. Schlüssel vom Schlüsselbund entfernen
  2. Jeden Schlüssel auf Vorder- und Rückseite mit Isopropylalkohol von Fettrückständen und anderen Verunreinigungen befreit
  3. Jeden Schlüssel an den Metallflächen die koloriert werden sollten mit Schmiergelpapier aufgerauht
  4. Nagellack verschiedener Farben aufgebracht und dabei die Dritte Hand als Halter missbraucht
  5. Eine Legende mit dem Laserdrucker ausgedruckt
  6. Die Legende mit den passenden Lackfarben als Identifier versehen
  7. Die Information der Legende einlaminiert in Kunststoff und sowohl am Schlüsselhalter als auch am Schlüsselbund angebracht
  8. Fertig

Bilder

Ich finde die Arbeit hat sich jetzt schon gelohnt, weil ich jetzt genau weiß welcher Schlüssel welche Tür öffnet und mittelfristig werden dadurch auch die Schlüssel und Türschlösser länger halten.

Nachtrag

Wie man nachfolgend sieht, nutzt sich der Lack schnell ab… da werde ich nochmal mit Klarlack nachlegen müssen.

Why do I blog this? Viele Schlüssel sind Quell von vielen Missverständnissen. Daher ist es gut schnell zu erkennen, welcher Schlüssel für welches Schloss passt. Das kann man zwar auch durch mühsames Leiden herausfinden, aber dann muss man halt mühsam leiden.